Die Zahlen zur Gewalt in Kitas steigen weiterhin besorgniserregend an: Zwischen 2021 und 2023 haben sie sich in NRW sogar verdoppelt. Die Lage wirkt alarmierend. In diesem Video werfen wir einen detaillierten Blick auf das Thema. Wir klären, was pädagogisches Verhalten ausmacht, was unter Machtmissbrauch zu verstehen ist, welche Formen von Gewalt in Kitas wie häufig vorkommen, welche Folgen das hat, mögliche Ursachen und vor allem: Was muss jetzt dagegen getan werden?
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Gewalt in Kitas.
Ein Thema, das uns alle schockiert und doch haben sich die Zahlen seit 2021 unglaublicherweise
verdoppelt.
Die Dunkelziffer liegt aber noch viel höher und noch erschreckender.
Viele Erzieherinnen, die mutig genug sind, solche Fälle zu melden, stoßen auf taube
Ohren.
Bei Kollegen, der Leitung und sogar bei offiziellen Behörden.
Aber was bedeutet Gewalt in Kitas eigentlich für die kindliche Entwicklung?
In diesem Video schauen wir genauer hin und denken die dramatischen Folgen auf.
Hi und herzlich willkommen zu einem neuen Video.
Hallo.
Im heutigen Video widmen wir uns dem Thema Gewalt in Kitas.
Wir schauen uns an, was darunter verstanden wird, wie die offiziellen Zahlen dazu aussehen,
was die Folgen für die kindliche Entwicklung sind, welche Ursachen es gibt und am Ende
des Videos schauen wir darauf, was jetzt unbedingt getan werden sollte.
Es handelt sich hierbei um ein etwas längeres und intensiveres Video als gewohnt auf diesem
Kanal.
Aber es wird sich lohnen, bis zum Ende dran zu bleiben.
Hinter dem Video steckt insgesamt eine Menge Arbeit und Recherche.
Mich haben aber auch viele Inhalte und Erkenntnisse wirklich geschockt.
Wahrscheinlich wird es dir nach diesem Video nicht anders gehen.
Bevor wir gleich inhaltlich starten, möchte ich aber einmal darauf hinweisen, dass du
an den passenden Stellen in diesem Video einen Quellenverweis findest.
Die dazu passenden Quellen findest du dann in der Videobeschreibung.
Fangen wir jetzt an mit Kapitel 1.
Kapitel 1.
Was versteht man unter pädagogischem Fehlverhalten und Machtmissbrauch?
Pädagogisches Fehlverhalten bezeichnet Handlungen und Verhaltensweisen von pädagogischen Fachkräften,
die gegen grundlegende pädagogische Prinzipien verstoßen.
Dazu gehören unangemessene Strafen, unfaire Behandlungen oder ein Mangel an Empathie gegenüber
den Kindern.
Machtmissbrauch in der Pädagogik liegt vor, wenn pädagogische Fachkräfte ihre Autorität
nutzen, um Kinder zu manipulieren, zu demütigen oder zu unterdrücken, anstatt ihnen zu helfen,
sich optimal zu entwickeln.
Soviel zur Definition.
Ich persönlich finde, da steckt wenig Inhalt und Leben drin und es spiegelt auch gar nicht
das wieder, was teilweise in Kitas abgeht.
Damit du dir besser vorstellen kannst, was damit gemeint ist, blende ich dir hier das
Ergebnis einer Befragung des Spiegels ein.
Dort findest du konkrete Beispiele für die häufigsten Handlungen dieser Art in Kitas.
Diese reichen, wie du siehst, von einem zu groben Ton, Aufsichtspflichtverletzungen, dem
Zwingen, etwas zu essen, bis hin zur Fixierung von Kindern und Handgreiflichkeiten gegenüber
diesen.
Auch der Bayerische Rundfunk hat 2022 dieses Thema untersucht und Kita-Aufsichtsbehörden
dazu gefragt.
Dabei kamen ähnliche Ergebnisse heraus.
So wurden beispielsweise Kinder mit Sprachstörungen von den Fachkräften nachgeäfft, es wurde
von seelischer Vernachlässigung berichtet, z.B. durch bewusstes Ignorieren oder dem Verweigern
von Trost.
Außerdem wurde auch hier von körperlicher Gewalt gegenüber Kindern berichtet, wie
etwa dem Festbinden und Fixieren von Kindern, dem Einsperren oder ebenfalls einem Essenszwang,
in den wirklich krassen Fällen auch von Erbrochenen.
Für mich sind solche Handlungen absolut unerklärlich, unmenschlich und einfach widerwärtig.
Ich kann es wirklich so gar nicht verstehen, wieso Fachkräfte das ihren Schutzbefohlenen,
also den Kindern antun, vor allem, weil sich die Fachkräfte ja bewusst für diesen Beruf
entschieden haben und ihr Hauptanliegen eigentlich die optimale Begleitung und Förderung der
kindlichen Entwicklung sein sollte.
Es werden offiziell Gründe und Erklärungen für dieses Verhalten gegeben, diesen widmen
wir uns in Kapitel 4 dieses Videos.
Kommen wir jetzt aber erst einmal zu den konkreten Zahlen, diese schauen wir uns in Kapitel 2 an.
Kapitel 2 – Wie oft kommt es zu Gewalt und pädagogischem Fehlverhalten in Kitas?
Die Datenlage ist insgesamt eher dürftig, dennoch gibt es offizielle Zahlen, welche
auf die Situation in deutschen Kitas Rückschlüsse erlauben, die schauen wir uns gleich genau an.
Eine deutschlandweite Studie auf wissenschaftlichem Niveau konnte ich bisher allerdings nicht finden.
Wenn es so etwas gibt, wird es auf diesem Kanal natürlich sofort ein Video dazu geben.
Auch muss gesagt werden, dass es super schwierig ist, die tatsächlichen Zahlen zu erheben,
da es sich um ein supersensibles Thema handelt und Einrichtungen und Fachkräfte zum Teil
natürlich versuchen, dies zu vertuschen.
Von der SPD-Landesfraktion NRW wurden die Zahlen von Gewalt in Kitas und Fehlverhalten
durch pädagogische Fachkräfte aber beim Familienministerium angefragt.
Dies sind also die offiziellen Zahlen für NRW von tatsächlichen Fällen.
Die Zahlen reichen von 2021 bis zum ersten Halbjahr 2023.
Die Ergebnisse sind ähnlich wie die aus anderen Bundesländern, lassen also auf die Gesamtsituation
in Deutschland zumindest eine Tendenz erahnen.
Im Jahr 2021 gab es in NRW 702 gemeldete Fälle.
Im Jahr 2022 gab es dann schon 1011 gemeldete Fälle.
Und im ersten Halbjahr 2023 gab es 782 gemeldete Fälle.
Die Gesamtzahlen für 2023 liegen noch nicht vor.
Die Prognose rechnet aber mit insgesamt 1564 gemeldeten Fällen, also nur in NRW, nicht deutschlandweit.
Und um es noch einmal bewusst zu nennen, hierbei handelt es sich um die gemeldeten Fälle.
Die Dunkelziffer ist wahrscheinlich viel, viel höher.
Schaut man sich die Zahlen an, lässt sich erkennen, dass die Zahlen jedes Jahr stark steigen,
im Schnitt um 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Allein im ersten Halbjahr 2023 waren die Zahlen höher als im gesamten Jahr 2021.
Daraus lässt sich schließen, dass Kitakinder nahezu täglich Machtmissbrauch und Grenzüberschreitungen ausgesetzt sind.
Doch wirklich nachweisen lässt sich das kaum.
Fälle, die juristisch geahndet werden, sind nur die Spitze des Eisbergs.
Hier hat der Bayerische Rundfunk eine Umfrage gestartet.
Dabei gaben unter anderem zehn offizielle Aufsichtsbehörden an, dass bei ihnen Meldungen vorlägen, sie diese aber nicht zählen.
Diese Behörden wollen übrigens, komischerweise, anonym bleiben.
Die Dunkelziffer liegt also vermutlich deutlich, deutlich höher.
Hinzu kommt, dass viele Fälle in Kitas einfach nicht gemeldet werden.
Auch hier hat der Bayerische Rundfunk Kita-Personal direkt befragt.
Nach eigenen Angaben haben nur wenige pädagogische Fachkräfte die Vorfälle der Kita-Leitung, dem Träger oder sogar der Kita-Aufsicht gemeldet.
In den meisten Fällen, weil sie Angst um ihren Job haben und so in einem Interessenskonflikt stehen.
Die Folgen für die kindliche Entwicklung sind natürlich absolut fatal.
Macht ein Kind solche schlimmen Erfahrungen wie anfangs beschrieben, dann kann sich dies auf das gesamte Leben auswirken.
Je nachdem, was vorgefallen ist, wie intensiv es vorgefallen ist und wie die Umstände sind, können diese Dinge ganz klar als frühkindliche Trauma benannt werden.
Wenn wir von Fixierung sprechen, dem Schikanieren und Bloßstellen vor der Gruppe oder sogar das in Einzelfällen gezwungene Essen von Erbrochenem, dann ist das wirklich nicht anders zu benennen.
Schaut man sich Erkenntnisse aus der Entwicklungspsychologie an, beispielsweise die Inhalte der Bindungstheorie,
dann wird einem nochmal bewusster, wie schrecklich diese Erfahrungen sind und welche fatalen Auswirkungen sie für das Kind und dessen Entwicklung haben können.
Die Kita spielt bei vielen Kindern eine zentrale Rolle in der kindlichen und besonders der psychischen Entwicklung.
Sie stellt oft die erste Trennung von den Eltern dar und markiert somit eine sehr sensible Phase im Leben des Kindes.
Die ersten Trennungen sind häufig mit starken Grundängsten beim Kind verbunden.
Laut der Bindungstheorie ist es deshalb so entscheidend, dass Kinder in einer sicheren und vertrauensvollen Umgebung betreut werden,
um ihre emotionale Stabilität und ihr Urvertrauen weiter zu festigen.
Daraus entwickelt sich unter anderem die Resilienz und innere psychische Widerstandsfähigkeit.
Eine liebevolle, bedürfnisorientierte und unterstützende Betreuung in der Kita hilft dem Kind deshalb,
Ängste zu bewältigen, die mit der Trennung verbunden sind, und stärkt gleichzeitig die Fähigkeit,
stabile Beziehungen zu anderen aufzubauen und ein gesundes Grundvertrauen in andere Menschen zu entwickeln.
Dies legt den Grundstein für eine gesunde psychische Entwicklung des Menschen und spätere soziale und emotionale Kompetenzen.
Jetzt stellt sich natürlich zum einen die Frage, wieso kommt es überhaupt zu solchen extremen Dingen in Kitas?
Warum tun manche pädagogische Fachkräfte Kindern diese Dinge an?
Und zum anderen, wieso sind die Zahlen in den letzten Jahren so stark gestiegen?
In NRW haben sich die Offizialen wie gesagt innerhalb von zwei Jahren verdoppelt.
Das Familienministerium beschreibt, dass die Gründe in der Regel multikausal sind.
Das bedeutet, es gibt nicht den einen Grund, sondern viele, die sich gegenseitig bedingen und verstärken.
Für den Kita-Bereich werden hier vom Familienministerium die folgenden sechs Hauptgründe genannt.
Individuelle Überforderungssituation, mangelnde pädagogische Handlungsfähigkeiten, Personalmangel, Aufsichtspflichtverletzungen, negative pädagogische Grundhaltung und Kommunikationsstörung.
Ich kann diese Gründe nachvollziehen als Ursachen, finde trotzdem, dass es auf gar keinen Fall in irgendeiner Form das beschriebene Fehlverhalten legitimiert.
Aus meiner eigenen praktischen Erfahrung kenne ich auch solche Aussagen, teilweise von Kita-Leitungen gegenüber Kolleginnen,
die deutlich kritisches und übergreifendes Verhalten gegenüber Kindern gezeigt haben.
Da fielen so Sätze wie, dies halt vom alten Schlag, früher war das ganz normal.
Oder Sätze wie, das hat uns früher doch auch nicht geschadet, wir leben auch noch.
Und dadurch werden die Kinder auf das harte spätere Leben vorbereitet.
Zu den gestiegenen Zahlen muss man aber auch sagen, dass dies daran liegen könnte,
dass in den letzten Jahren immer mehr darauf geachtet wird und eine Sensibilisierung für das Thema stattfindet.
Kitaschutzkonzepte für Kinder gab es beispielsweise vor einigen Jahren in so ziemlich keiner Einrichtung.
Die hohen Zahlen und der Anstieg sind total erschreckend und sollten im besten Fall natürlich auf Null fallen.
Jedoch ist es auf der anderen Seite auch gut, dass diese Fälle jetzt endlich aufgedeckt werden und die Zahlen erhoben werden.
Es ist ja nicht so, dass es Gewalt in Kitas erst seit ein paar Jahren gibt.
Sie werden jetzt nur noch mehr aufgedeckt.
Dennoch muss man ganz klar an den Ursachen arbeiten, diese bekämpfen und gleichzeitig Abläufe etablieren,
damit eine Meldung unbürokratisch und schnell ernst genommen wird – für das Wohl der Kinder.
Kommen wir damit jetzt auch zum fünften Kapitel dieses Videos.
Es sollte möglichst alles in Gang gesetzt werden, damit diese Zahlen Richtung Null gehen.
Dazu müssen in meinen Augen Schutzkonzepte in Kitas absolute Pflicht werden.
Eine Kita darf in meinen Augen gar nicht bestehen, wenn kein klares, auf die Einrichtung bezogenes Kinderschutzkonzept ausgearbeitet wurde.
In manchen Bundesländern ist das schon Pflicht, in den meisten aber eben nicht.
Also Konzepte, in denen es ganz klare pädagogische Leitlinien gibt und solche grenzüberschreitenden und kindeswohlgefährdenden Verhaltensweisen
zum einen verboten werden, aber zum anderen auch direkt mit klaren Konsequenzen für die jeweiligen Personen besetzt werden.
Fachkräfte, die Kinder fixieren oder vor der Gruppe offensichtlich bloßstellen und schikanieren, sie zwingen zum Teil Erbrochenes zu essen,
gehören in meinen Augen sofort fristlos gekündigt, konsequent angezeigt und sie sollten ein Berufsverbot erhalten.
Auch bei all dem Stress, dem Personalmangel und den immer weiter steigenden Anforderungen halte ich dieses Verhalten für absolut widerlich und es gehört rechtlich hart bestraft.
Ein anderer Punkt in meinen Augen ist, dass Meldungen von Fachkräften immer zu 100% ernst genommen werden müssen.
Lieber einmal zu oft zu genau hingeschaut und geprüft als einmal zu wenig.
Es scheint ja so zu sein, dass Fachkräfte nicht ernst genommen werden, wenn sie solche kritischen Situationen und Fälle melden.
Nicht ernst genommen von ihren Kolleginnen, von den Leitungen, den Trägern und wie der Bayerische Rundfunk ja rausgefunden hat,
zum Teil sogar nicht mal von offiziellen Behörden. Das darf wirklich nicht sein und muss sich radikal ändern.
Ich bin mir zu 100% sicher, dass niemand möchte, auch nicht die Personen, die in den Behörden sitzen,
dass ihr eigenes Kind in der Kita fixiert wird, zum Essen gezwungen wird, körperlich angegangen oder vor der Gruppe bloßgestellt wird.
Ein weiterer Punkt ist, dass Fachkräfte achtsam sein müssen und weiter sensibilisiert werden müssen.
Ich nehme wahr, dass da viel passiert, bei den Zahlen spricht aber alles dafür, dass wir ganz, ganz am Anfang stehen.
Kollegen müssen darauf hingewiesen werden, wenn etwas schief läuft, wenn etwas passiert, auch wenn es unangenehm wird.
Fachkräfte müssen sich mit anderen zusammenschließen, nicht die Augen zumachen,
auch wenn es erstmal vielleicht auf taube Ohren und Widerstand stößt, nicht aufgeben und weitermachen.
Wenn es dann extrem wird und auch die Leitung nicht reagiert, spätestens dann den Träger informieren,
die Aufsichtsbehörden informieren und weitere Schritte in Gang setzen.
Ich möchte an dieser Stelle noch eine kleine Buchempfehlung aussprechen.
Es handelt sich hierbei um keine bezahlte Kooperation, sondern einfach um eine persönliche Empfehlung zu dem Thema.
Und zwar das Buch von Dr. Anke Elisabeth Ballmann, Seelenprügel.
Was Kindern in Kitas wirklich passiert und was wir dagegen tun können.
Frau Ballmann widmet sich in diesem Buch intensiv und emotional dem Thema Gewalt in Kitas und möglichen Lösungen.
Ich verlinke dir das Buch in der Videobeschreibung und in den Kommentaren.
Es ist unsere Aufgabe, sensibel und aufmerksam mit dem Thema umzugehen, nicht wegzusehen und zu handeln.
Wir müssen für die Kinder einstehen und uns für sie einsetzen.
Sie selbst können es nicht und sind den Bedingungen in den jeweiligen Einrichtungen zu 100% ausgeliefert.
Im schlimmsten Fall bedeutet dies für sie, dass sie mehrere Jahre traumatische Erlebnisse in den prägenden Jahren ihrer frühen Kindheit erleben.
Mit katastrophalen Auswirkungen auf ihr ganzes Leben.
Danke, dass du dir dieses Video angesehen hast.
Lasse für die Arbeit, die hinter solchen Videos steckt, gerne einen Daumen nach oben da
und schicke das Video an andere pädagogische Fachkräfte, damit dieses Thema noch mehr Aufmerksamkeit erhält.
Bis zum nächsten Mal.