In diesem Interview erklärt uns Timo Janisch, in einer auch für Laien gut verständlichen Sprache, die neuartige Wissenschaft der transgenerationalen Epigenetik. Er zeigt uns auf, dass Traumata an nächste Generationen weitergegeben werden können. Er zeigt uns Lösungswege auf und berichtet auch aus seiner persönlichen Erfahrung. Welch unglaublich wichtige Bedeutung es hat, zu verstehen, dass wir uns Gene an und abschalten können. Obwohl wir sie von unseren Eltern erben, haben wir dennoch Einfluss auf unsere Epigenetik, also die Aktivität unserer Gene. Durch einen gesunden Lebensstil, regelmäßige Bewegung, ausgewogene Ernährung und den Umgang mit Stress können wir unsere Epigenetik positiv beeinflussen.
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Heute spreche ich mit Tim Janisch über ein ganz interessantes und wichtiges Thema, nämlich
wie unverarbeitete Traumatas an die nächste Generation weitergegeben werden können und
was wir aber auch verändern können, wenn wir vielleicht davon betroffen sind.
Ein wichtiges Gespräch, folgen Sie uns.
Hallo lieber Tim.
Hallo, danke für die Einladung.
Ja, ich freue mich immer sehr, weil ich finde, er macht wirklich ganz, ganz tolle Arbeit
und unglaublich wichtige Arbeit und viele Menschen haben schon von solchen Dingen gehört,
aber es ist da so wie etwas, das man nicht richtig einordnen kann und was das bedeutet,
was das für uns bedeutet und eben auch die Hoffnung, wie wir das vielleicht auflösen
können.
Ja, genau, also wir beschäftigen uns ja viel mit dem Thema Epigenetik und für mich kam
irgendwann der Aspekt, also ich habe praktisch viel an mir gearbeitet, ich habe viel Traumaarbeit
gemacht und habe irgendwann verstanden oder bin irgendwann an den Punkt gekommen, wo ich
verstehen wollte, wie hat diese Arbeit sozusagen auch auf körperlicher Ebene gewirkt, so kam
ich zur Epigenetik und irgendwann ging im Traumabereich für mich nochmal ein ganz neuer
Korridor auf.
Ich habe lang sozusagen an individuellen Traumata gearbeitet, die ich so in meiner eigenen Biografie
erlebt habe, das waren praktisch gewisse Situationen oder auch Entwicklungsstationen, wo ich Erfahrungen
gemacht habe, die mich einfach belastet haben, woraus ich gewisse Verhaltensmuster entwickelt
habe und irgendwann kamen für mich dann auch immer mehr so Emotionen, Glaubensmuster dazu,
wo ich dann nicht verstanden habe, was haben die eigentlich mit meiner eigenen Biografie
zu tun und da ging für mich nochmal dieser Korridor auf der transgenerationalen Weitergabe,
das heißt gerade im Traumabereich beispielsweise spricht man von transgenerationalen Traumata,
also Traumata, die eigentlich schon Generationen davor stattgefunden haben und sich immer wieder
reinszenieren und wiederholen in den nächsten Generationen und Familiensystemen und innerhalb
der Epigenetik gibt es sozusagen den Bereich der transgenerationalen Epigenetik.
Vielleicht noch ganz kurz, was die Epigenetik macht.
Die Epigenetik ist im Prinzip ein Mechanismus, der unsere Gene reguliert, das heißt wir
haben in jeder Zelle unsere 22.500 Gene circa, einen Bauplan unseres Körpers, unserer Zellen,
wir bestehen aus circa 50 Billionen Zellen, das ist ein Zusammenschluss, sozusagen eine
gemeinschaftliche Gemeinschaft und wir haben in jeder Zelle sozusagen das gleiche genetische
Material und trotzdem haben wir unterschiedliche Zellen, wir haben über 100.000 Proteine,
aber nur diese 22.500 Gene und da haben wir uns immer gefragt, okay, ein Gen kodiert für
beispielsweise ein Protein, also wie ist es möglich, dass diese Komplexität zustande
kommt und nach dem Humangenon-Projekt 2002 hatten wir eben das Genom entschlüsselt und
dann ist uns bewusst geworden, wir haben so viele Gene wie ein Fadenwurm, aber sind deutlich
komplexer und dann hat man sich der Epigenetik erinnert, also ein Mechanismus, der schon
öfter auch in der Literatur vorkam, den auch Wissenschaftler genannt haben und hat
dann gesagt, okay, wir müssen eigentlich diesen Organismus auch noch genauer beforschen,
damit wir verstehen können, wie werden unsere Gene denn exprimiert, wie werden sie reguliert,
dass diese Komplexität zustande kommt und die Epigenetik reagiert sehr flexibel auf
unseren Lebensstil, das heißt über unsere Lebensstilbereiche können wir Einfluss nehmen
auf die Art und Weise, ob unsere Gene, sag ich mal, positiv reguliert werden für uns oder eben
negativ reguliert werden oder nicht im Balance, die Epigenetik nicht im Balance ist sozusagen.
Genau und da ging dann auch vor nicht allzu langer Zeit nochmal ein neuer wissenschaftlicher
Bereich auf, der der transgenerationalen Epigenetik. Das heißt, Wissenschaftler
wollten dann auch verstehen, ob der Lebensstil, den wir jetzt leben, die nächsten Generationen
prägt, ob vielleicht auch traumatische Ereignisse auf biologischer Ebene weitergegeben werden können
an den nächsten Generationen oder inwieweit wir jetzt schon von unseren Ahnenden geprägt sind
durch das, was sie erlebt haben die letzten Jahrhunderte, Jahrzehnte und wie wirkt es auf
uns jetzt und ist es biologisch sogar messbar. Und da sind dann eben viele Untersuchungen,
Studien gemacht worden und bei Tieren, beispielsweise bei Mäusen, konnte man schon
eins zu eins nachweisen, dass es so ist. Bei Menschen kommen auch immer mehr Hinweise,
durch verschiedene Studien, auch an Menschen, wo man sehen konnte, okay, man findet gewisse
epigenetische Muster wieder sozusagen in Enkelkindern oder Kindern, die sehr stark
darauf hinweisen, dass eben eine transgenerationale Weitergabe stattgefunden hat. Man weiß nur noch
nicht, wie dieser Mechanismus dann auch wirklich abläuft. Aber viele Wissenschaftler, die daran
forschen, gehen davon aus, dass es auch passiert. Und das zeigt uns eben nochmal wirklich dieses
transgenerationale Thema, wie wichtig es ist, dass wir wirklich beginnen, uns auch damit
auseinanderzusetzen, was haben unsere Ahnen erlebt und wie hat das möglicherweise mich geprägt.
Und uns bewusst zu machen, so wie ich vielleicht jetzt mit meinem eigenen Traumata umgehe, wie
ich mit meinem eigenen Leben umgehe, wie ich mein Leben gestalte, hat möglicherweise auch wieder
einen Einfluss auf die nächsten Generationen. Und diese Erkenntnis, ich lebe in
nächsten Generationen weiter, in dem Sinne. Und das gibt uns auch nochmal eine ganz neue
Verantwortung, dass wir eben nicht nur für uns verantwortlich sind, für unser Leben, sondern auch,
wenn wir Kinder zur Welt bringen, für das Leben der nächsten Generationen und da schon
Einfluss nehmen können. Und das ist eben das, was die transgenerationale Epigenetik
beforscht und was wirklich da nochmal ganz neue Türen aufmacht.
Entschuldigen Sie ganz kurz diese Unterbrechung, aber bitte, es dient nicht nur uns, sondern auch
der Verbreitung dieser Sendung, wenn Sie diesen YouTube-Kanal jetzt auch abonnieren. Vielen Dank
und weiterhin viel Spass. Adieu miteinander.
Ja, das ist so spannend, weil man sieht ja das ganz oft, wie so familiäre Häufungen, eben nicht nur
in körperlichen Erkrankungen, eben auch in Strukturen, wenn man wählt oder immer wieder
so dysfunktionale Dinge. Und das ist für mich eigentlich ohne wissenschaftliche Erkenntnisse
schon einfach durch die Menschen, mit denen ich gearbeitet habe, schon belegt, dass das so ist.
Und was natürlich die freudige und gute Nachricht auch ist, dass wir das wieder auflösen können.
Genau, ja. Also ich werde dann gleich auch noch auf ein paar Studien eingehen, die das auch ganz, ganz gut zeigen,
dass man sozusagen auch hier wieder einen Einfluss nehmen kann und wieder eine Balance herstellen kann.
Tatsächlich auch eben auf der biologischen Ebene, gehe ich ganz stark von aus.
Und genau, was du gerade angesprochen hast, im Prinzip in den Familiensystemen,
diese transgenerationalen Traumata, kann man eben dadurch auch sich bewusst werden, indem man merkt,
okay, gewisse Muster wiederholen sich und wiederholen sich. Das heißt, da war niemand, der wirklich mal
begonnen hat, in einer Generation etwas aufzulösen oder vielleicht auch diese Themen zu bearbeiten,
um hier gewisse destruktive Muster zu beenden für die nächsten Generationen.
Häufig beispielsweise, so Sucht ist so ein Thema. Das heißt, es gab vielleicht mal irgendwo in den Generationen
ein Event oder einen Zeitraum, der sehr traumatisch geprägt war. Daraus ist eine Sucht entstanden.
Sucht ist, also gibt es auch diesen Satz, hinter jeder Sucht steckt ein Trauma.
Nicht jedes Trauma führt zu einer Sucht, aber man kann davon ausgehen, bei Süchten, dass ein Trauma dahinter steckt.
Und dann auf einmal sieht man beispielsweise der Vater Alkoholik und das Kind auf einmal alkoholsüchtig.
Also man sieht sozusagen gewisse Symptome, vielleicht in anderen Ausprägungen, aber es wiederholt und wiederholt sich,
weil es sozusagen immer wieder weitergegeben wird und nicht bearbeitet wird.
Das heißt, so Familiendynamiken wiederholen sich immer wieder.
Also der Vater hat vielleicht den Sohn schon klein gemacht und der Sohn macht es auch wieder mit seinen Kindern und so weiter.
Oder das extreme Gegenteil.
Oder das extreme Gegenteil, genau. Das ist eben auch möglich. Also wirklich diese Ausprägung im Familiensystem.
Und da geht es wirklich auch darum, dass wir beginnen zu verstehen, auch im eigenen Familiensystem,
welche Dynamiken gibt es denn da und was kann ich für mich tun, um daran zu arbeiten, um das aufzulösen,
damit ich es eben nicht an meine Kinder weitergebe.
Und häufig geht es auch darum, bei diesem transgenerationalen Traumata auch was zurückzugeben, was nicht zu mir gehört.
Also ich kann auch von mir sprechen beispielsweise oder mal ein Beispiel geben zum transgenerationalen Thema.
Ist auch in Deutschland ja dieser ganze Thema Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg.
Ich habe früh, früh war das Thema Schuld und das Thema Zweiter Weltkrieg hat mich immer unglaublich beschäftigt.
Das heißt, ich habe schon mit zwölf Jahren mir jegliche Dokus dazu angeguckt, wollte verstehen, was da los ist.
Und auch mein Verhalten war immer beeinflusst auch durch dieses Thema.
Und bis ich irgendwann halt, als ich dann bewusst genug war und mich auch mit transgenerationalen Traumata auseinandergesetzt habe,
verstehen konnte, okay, wow, da haben Generationen was nicht aufgelöst und weitergegeben.
Und ich auf einmal entdeckte es in mir wieder.
Dieses Thema lässt mir keine Ruhe. Ich kenne Schuldgefühle, die nicht zu mir gehören und so weiter.
Und daran kann man natürlich auch therapeutisch arbeiten, dass man wirklich dahin geht, dass man sagt,
okay, ich gebe auch in Aufstellungsarbeit und sonstigen Themen auch gewisse Themen, die nicht zu mir gehören, an meine Ahnen zurück.
Also da, wo sie eigentlich hingehören, weil ich will die Last nicht mehr tragen.
Sie gehört nicht zu mir. Ich kann sie auch nicht auflösen, weil ich war nicht in dem Moment verantwortlich dafür.
Und das ist so dieser bewusste Umgang, sagen wir mal, mit diesen transgenerationalen Themen, der ganz wichtig ist.
Und genau, Familiensysteme spielen eben bei transgenerationaler Epigenetik und wie er sehr eng im Zusammenhang steht mit transgenerationalem Trauma,
eine wichtige Rolle.
Und weil ihr habt ja ein ganz tolles System, wie man eben auch wirklich das entschlüsseln kann,
kann man da auch Aussagen darüber machen? Also man sieht, dass vielleicht ein Trauma besteht.
Gibt es da auch Hinweise, wie man da eben auf allen Ebenen unterstützen kann?
Also jetzt, wenn es um transgenerationales Trauma geht?
Ja, egal. Einfach generell, ja.
Genau. Also grundsätzlich ist es so, dass wir, wir können Messungen machen, beispielsweise auch durch Tests und so weiter.
Kann man auch schauen, auch auf epigenetischer Ebene, welcher Stress ist in mir und so weiter.
Aber ich kann jetzt noch nicht sagen, wenn genau die und die Gene reguliert sind oder ich kann mir genaue Marker anschauen,
das deutet auf das Trauma hin. Also soweit sind wir nicht.
Aber es braucht die zwischenmenschliche Arbeit sozusagen.
Also es geht schon darum, zu erforschen und zu schauen, okay, was prägt mich?
Was hat das vielleicht auch mit meinen vorherigen Generationen zu tun? Und daran dann zu arbeiten.
Und in der Epigenetik ist es eben so, dass Epigenetik auch Psychotherapie auch immer mehr studienbasiert gemessen wird.
Also es wird geguckt, was passiert einmal in der Biologie und der Epigenetik, wenn ich gewisse Themen in meinem Leben aufarbeite.
Oder auch bei EFT, Emotional Freedom Technik, ist eine Technik, wo ich mit Trauma, sozusagen Trauma-Integration arbeiten kann.
Und dann sieht man auf einmal, wenn Menschen sozusagen beginnen, an ihren Themen zu arbeiten,
hier mehr emotionale Freiheit auch zu gewinnen, wie auf einmal die Epigenetik sich positiv verändert.
Also dass auf einmal Gene, die für das Immunsystem kodieren, besser arbeiten können.
Dass Gene, die mit Stressreaktionen im Körper zusammenhängen, auf einmal besser reguliert sind.
Und dann sehe ich diesen direkten Zusammenhang zwischen Trauma-Arbeit oder therapeutischer Arbeit auf Genebene.
Und damit leiste ich dann schon auch so einen Bärendienst für die nächste Generation, wenn ich beginne, daran zu arbeiten.
Wir können auch gerne mal auf ein paar Studien eingehen in dem Bereich.
Das ist immer so der Bereich, der sehr, sehr viel diskutiert wird da draußen, auch von Wissenschaftlern.
Aber es gibt unterdessen auch schon sehr, sehr interessante Studien.
Isabelle Mansuy, sie kommt hier tatsächlich aus der Schweiz, ist eine Epigenetik-Wissenschaftlerin.
Die haben wir auch mal interviewt.
Und die beschäftigt sich tatsächlich auch sehr, sehr viel mit dem transgenerationalen epigenetischen Themen.
Und die hat erstmal, das ist eine Mäuse-Studie gewesen.
Die macht viel an Mäusen, aber auch schon an Menschen.
Und da hat man herausgefunden, dass praktisch traumatisierte, also die haben traumatisierte männliche Mäuse,
die haben eine Sperma entnommen, haben das den weiblichen Mäusen eingesetzt.
Es kamen Kinder zur Welt.
Und die waren auf einmal, obwohl sie die Väter nie zu Gesicht bekommen haben,
von den Verhaltensmustern ähnlich wie die Väter.
Das heißt, sie waren sehr ängstlich, sie waren sehr aggressiv.
Und dann hat die Mansuy gemessen, okay, was in der Genregulierung ist denn schiefgelaufen.
Und hat dann unter anderem ein, das war Suppressin-Gen beobachtet.
Und hat gesehen, okay, bei den traumatisierten väterlichen Mäusen war es so,
dass eben durch traumatische Erfahrungen dieses Vasopressin-Gen fehlreguliert war.
Das heißt, Vasopressin wurde deutlich mehr gebaut im Körper.
Und wenn ich einen Überschuss an Vasopressin habe, also zu viel, wenn es nicht im Balance ist,
entstehen eben Verhaltensmuster wie Ängstlichkeit, Aggressivität, ähnlich wie bei Menschen.
Also traumatische Erfahrungen führen auch zu solchen Verhaltensmustern oder Gefühlsmustern.
Genau, da hat man beobachtet, wow, die Kinder, also die Mäuse, die dann zur Welt kamen,
die aber ihre Väter nie zu Gesicht bekommen hat und die Mütter, die sozusagen nicht traumatisiert waren,
die haben die gleichen Verhaltensweisen gezeigt und hatten auch eine Fehlregulierung im Vasopressin-Gen.
Das heißt, sie haben auch zu viel Vasopressin die ganze Zeit produziert.
Und das hat dann wirklich so eins zu eins gezeigt, diese Studie, dass wirklich,
zumindest bei Mäusen jetzt, dass wirklich eins zu eins Traumata über den Vater
an die Kinder weitergegeben wurden auf biologischer Ebene.
Und das ist natürlich hochspannend.
Und dann, um auch das Positive noch reinzubringen, hat sie auch beobachtet,
wenn sie denen ein besonders positives Umfeld geboten hat, den Mäusen,
wie sich langsam über die Zeit, sozusagen im Leben der Mäuse, sich das wieder eingeschwungen hat,
die Epigenelik, und die wieder zu zuversichtlichen Mäusen wurden, die Vertrauen gefasst haben,
das Vasopressin-Gen beispielsweise sich wieder besser reguliert hat und so weiter.
Das hat gezeigt, würden die jetzt wieder vielleicht Kinder zur Welt bringen,
die würden vielleicht auch ein gutes Leben führen, weil sozusagen hier ein Kreislauf durchbrochen wurde.
Hätten die jetzt natürlich die gleichen Erfahrungen wieder weitergemacht,
dann wird das wieder weitergegeben worden.
Oder vielleicht wäre der Vater dabei gewesen mit seinem Traumastruktur,
dann wäre das noch verstärkt worden.
Genau, das heißt, wir haben ja eben nicht nur diese biologische Ebene,
sondern haben ja natürlich auch die Erfahrungen, die gemacht werden,
vielleicht mit Eltern, mit Vertrauenspersonen, die Beobachtung, die stattfindet.
Also auch das spielt natürlich alles eine Rolle.
Und das fällt tatsächlich bei der transgenerationalen Epigenelik immer noch sehr schwer,
wenn wir Menschen untersuchen, das zu trennen.
Also was ist wirklich rein biologisch und was ist einfach vielleicht dadurch,
dass die Menschen ja auch in Kontakt mit diesen Menschen waren, die traumatisiert waren,
oder vielleicht mit den Vertrauenspersonen, die auch Muster wiederholt haben.
Deshalb, da ist man noch intensiv in der Forschung.
Aber wenn ich so sehe, auch in meiner Arbeit, oder sehe, wenn ich an mir selbst reflektiere,
welche Gefühle, ich kann auch noch mal gerne nach einem Beispiel geben,
welche Gefühlsmuster oder Ängste noch mal in mir hochkommen,
die nichts mit meiner Biografie zu tun haben und auch nicht mit der Biografie meiner Eltern,
dann wird es natürlich schon spannend.
Die dann wirklich noch weiter zurückreichen in den Generationen und den Erfahrungen,
die die gemacht haben.
Und hier ist nochmal eine interessante Studie auch zum Thema toxischen Stress und Traumata.
Und das war eine Studie, die wurde an Mäusen und Männern durchgeführt.
Und da hat man herausgefunden, wenn beispielsweise Mäuse oder Männer,
es waren auch männliche Mäuse logischerweise, wenn die Traumata erfahren haben,
wurde sozusagen im Sperma gewisse Mikro-RNAs reduziert.
Das heißt, sie waren deutlich weniger vorhanden.
Und Mikro-RNAs sind sozusagen Informationsboten, die dann wirken können.
Und dann hat man beobachtet, dass es nicht nur bei Mäusen so war,
sondern tatsächlich auch bei den Männern.
Die haben dann den Männern nach Fragebogen gegeben.
Und wenn die gewisse traumatische Erfahrungen gemacht haben,
hat man auch beobachtet bei denen, dass diese Mikro-RNAs deutlich reduziert waren im Sperma.
Und bei den Mäusen hat man beobachtet, dass das dazu geführt hat,
dass gewisse Traumamuster weitergegeben wurden,
dadurch, dass diese Mikro-RNAs als Botenstoffe gefehlt haben
und dann auch gewirkt haben in den nächsten Generationen.
Und dann sieht man, ok, beispielsweise bei den menschlichen Daten,
auch bei Männern waren diese Mikro-RNAs deutlich reduziert,
diese zwei Arten von Mikro-RNAs.
Und wir können darauf schließen, oder zumindest Hinweise,
oder darauf möglicherweise weiterdenken,
dass das dann auch so wirkt in den nächsten Generationen,
auf das Stresssystem dieser Kinder, die dann zur Welt kommen.
Was auch nochmal zeigt, was ja auch wichtig ist,
welche Lebenserfahrungen des Vaters, welche Rolle es spielt,
auch unabhängig, auch wirklich auf dieser biologischen Ebene.
Wenn ich mir meine Themen nicht anschaue,
wenn ich einen katastrophalen Lebensstil führe beispielsweise,
was ja häufig auch viel mit Trauma zu tun hat, sonst würde ich es ja nicht machen,
dann hat auch der Vater eine Riesenrolle,
zumindest meiner Meinung nach, meiner Erfahrung nach,
wie er dann die nächsten Generationen beeinflusst.
Und das war eben auch so eine spannende Studie, die das näher bringt.
Absolut spannend, ja. Das habe ich so jetzt auch noch nie gehört.
Genau, und ich habe noch, ich weiß gar nicht, ob wir noch schauen,
ich glaube noch, genau, noch eine weitere habe ich dabei,
weil die fand ich besonders spannend.
Das ist eine Studie, die wurde in Sao Gonçalves durchgeführt, in Brasilien.
Und da war es so, dass Großmütter, die traumatische Erfahrungen erlebt haben,
wurden untersucht.
Und man hat bei diesen Großmüttern gesehen,
und Sao Gonçalves in Brasilien ist ein Ort,
der eben sehr von traumatischen Erfahrungen geprägt ist,
sozusagen gesellschaftlich.
Und man hat gesehen, dass gewisse Marker auf dem CFTR-Gen,
also epigenetische Marker, fehlreguliert,
also praktisch nicht richtig reguliert waren.
Das heißt, das führt zu einer Höhe,
also CFTR-Gen hat eine Funktion, eine Regulation unseres Herz-Kreislauf-Systems.
Und das hat dazu geführt, dass die Großmütter ein Thema hatten
mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch diese traumatischen Erfahrungen.
Und dann hat man die Enkelkinder untersucht von diesen Großmüttern,
die in weitaus, sage ich mal,
oder die Enkelkinder untersucht,
die eben nicht diese traumatischen Erfahrungen erlebt haben wie die Großmütter,
und hat gesehen, dass die auch noch in ihrem CFTR-Gen
epigenetische Veränderungen hatten
und mehr Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen,
obwohl sie nicht die gleichen Erfahrungen gemacht haben wie die Großmütter.
Und das war auch wieder so ein Hinweis zumindest,
dass tatsächlich auch diese Erfahrungen,
die da die Großmütter gemacht wurden,
tatsächlich noch in der,
sagen wir nicht in der direkten Nachfolge,
sondern in der übernächsten Generation gewirkt haben.
Und das zeigt, wow, okay, möglicherweise ist es doch so,
dass die epigenetischen Anpassungen,
die entstehen aufgrund von gewissen Lebensumständen,
wirklich auch dazu führen,
dass die nächsten Generationen da einen gewissen Grad mitbekommen,
weil vielleicht die Biologie davon ausgeht,
dass sie in ähnlichen Umfeldern aufwachsen.
Ah, das macht ja Sinn, ja.
Könnte ein Rückschluss sein.
Das ist jetzt nicht wissenschaftlich bewiesen, die These,
aber das wäre so ein Rückschluss, wo ich sage,
okay, auch viel in der Evolutionstheorie,
da gab es ja die Darwinistische,
die gesagt hat, das sind nur alles zufällige Genmutationen.
Und dann gab es den Lamarck, der gesagt hat,
vielleicht haben die Giraffen auch lange Hälse,
weil jede Generation sie ein bisschen höher strecken musste,
um an die Äste zu kommen oder an die Blätter zu kommen,
in den Bäumen.
Und dass hier auch durch epigenetische Anpassungen
möglicherweise in den Generationen
sich gewisse Körperstrukturen entwickelt haben.
Das war spannend, ja.
Also man sieht es ja in den Bienen,
ein kurzes Beispiel nur an Bienen.
Da ist es ja so, dass praktisch die Bienen,
die Relais Royal gefüttert bekommen,
die entwickeln sich zu Königinnen und die anderen zu Arbeiterbienen.
Aber beide sind eins zu eins identisch zu Beginn.
Das heißt, nur die Nahrung führt dazu,
dass sie sich komplett körperlich unterschiedlich entwickeln.
Wie dran gebeißt haben.
Auch auf der Ebene der Tiere, genau.
Das heißt, es gibt wirklich viel Hinweise in dem Bereich.
Und deshalb ist es so wichtig,
dass wir uns auch den transgenerationalen Themen
oder Traumata auch widmen, auch in unserer Gesellschaft.
Damit wir wirklich diese Weitergabe stoppen können
und dass wir eben auch, sage ich mal,
einen Dienst an die nächste Generation erweisen können.
Dass sie nicht ähnliche Muster wieder und wieder wiederholen können.
Und wenn man dann, sage ich mal,
ich kenne jemanden, auch einen Traumata-Therapeuten,
der sagt das immer wieder.
Der spricht dann sozusagen von seiner eigenen Erfahrung,
dass er so viele Generationen in seiner eigenen Familie erlebt hat.
Also praktisch seine Großeltern, Urgroßeltern, Großeltern,
er selbst, seine Kinder und jetzt seine Enkelkinder.
Und gesehen hat,
wie sich einmal gewisse Themen durchgezogen haben durch die Familie.
Ich glaube, das sieht man fast in jeder Familie,
wenn man ein bisschen genauer hinschaut.
Genau, ja.
Was dann wirklich nochmal so Auslöser war,
da voll reinzugehen in diese Arbeit.
Genau.
Und dementsprechend, ich kann nochmal drauf eingehen,
was eben einmal so wiederholende Muster sein können.
Oder hatten wir ja schon eben das Thema Sucht.
Fehlen älterliche Vorbilder.
Das wiederholt sich wieder und wieder.
Und dann die Frage,
das hatte ich auch noch,
dramatische Events, die noch die nächsten Generationen prägen.
Da wollte ich von mir nochmal ein Beispiel geben,
wie man vielleicht auch darauf Rückschlüsse ziehen kann.
Also ich habe erlebt zum Beispiel beim Aufbau unserer Bewegung
und Firma in dem Gesundheitsbereich,
dass immer wieder Existenzängste hochkamen.
Ich hatte immer Angst.
Und die waren sehr intensiv, die Ängste.
Es könnte morgen alles platt gemacht oder vorbei sein.
Oder es könnte alles den Bach runtergehen.
Und als ich mich dann wirklich dem gestellt habe
und daran gearbeitet habe mit einem Traumatherapeuten,
habe ich noch einmal verstanden,
ja gut, biografisch gesehen,
habe ich nie einen Existenzverlust in dem Sinne erleben müssen.
Ich bin nie auf der Straße gelandet.
Ich musste nie Angst haben,
dass morgen sozusagen ich nicht mehr an Nahrung komme oder Sonstiges.
Also warum sind diese Ängste da?
Und wo ich dann verstanden habe,
wirklich durch das Erforschen sozusagen,
wie haben meine Generationen gelebt,
hat es dann am Ende dazu geführt,
dass ich eine Ahnenreise gemacht habe.
Gestattet habe ich, wie haben meine Generationen davor gelebt.
Und dann erfahren habe,
dass väterlicher wie mütterlicherseits die Großeltern fliehen mussten.
Einmal in Polen, dann in Sudetenland damals, also Tschechien.
Und von heute auf morgen das gesamte Leben,
das sie sich aufgebaut haben, hinter sich lassen mussten.
Und rumgeirrt sind irgendwo in Deutschland.
Und ich dann verstanden habe,
wow, da kommen meine Existenzängste her.
Da war einfach ein transgenerationales Trauma,
was in mir noch nachwirkte.
Aber ich habe es nicht erlebt,
aber meine Großeltern haben es erlebt.
Und ja, jetzt kann ich verstehen und einen neuen Umgang damit finden.
Und mir ist bewusst, das gehört ja gar nicht zu mir.
Das macht schon mal Abstand, gell?
Das macht schon mal Abstand.
Und wenn es kommt, erkenne ich es und verstehe in diesem Moment,
ich kann diese Ängste sortieren.
Ich kann sagen, was hat das wirklich mit mir zu tun?
Also welche Angst ist denn real?
Und welche Angst ist dann vielleicht auch transgenerational?
Und ich kann ja ins Vertrauen gehen.
Also das ist wirklich noch mal so ein Beispiel gewesen.
Und so kann ich auch transgenerationale Traumata eben erkennen.
Also beispielsweise, wenn Ängste, und das war jetzt zum Beispiel mir,
oder Emotionen, die ich wirklich nicht im eigenen Leben zuordnen kann,
gewissen Erfahrungen zuordnen kann, kann es ein Hinweis sein.
Ein Glaubensmuster, der Ahnen sich in mir wiederholen,
wenn ich sehe, das hat mein Opa, meine Oma schon gesagt,
und ich sage es immer noch, meine Eltern haben es gesagt,
und ich lebe nach diesem Glaubenssatz,
also kann ich hier auch mal gucken, hier kann ich was verändern.
Und Symptome, die sich eben wiederholen.
Beispielsweise eine Sucht, die sich vielleicht unterschiedlich äußert,
aber immer wieder im Familiensystem ein Thema ist.
Und wenn ich sowas erkenne, dann kann ich eben beginnen, daran zu arbeiten.
Das ist hochspannend, dass du das sagst.
Mir ist jetzt gerade auch Menschen, die ich kenne, in den Sinn gekommen,
die wirklich auch unter dieser Angst, immer zu wenig zu haben,
und unglaublich viel kaufen, und dann wieder der Partner,
der fliegt manchmal fast ein bisschen aus.
Aber diese Angst, für die Not etwas zu haben,
da wäre es auch mal spannend zu erforschen, mit was hat das denn zu tun?
Weil diese Personen selber waren nie konfrontiert mit so einer Situation.
Genau, das ist einmal diese transgenerationale Geschichte,
da wirklich mal in die Erforschung zu gehen.
Und wir werden ja auch noch mal eine Sendung zum kollektiven Trauma machen.
Auch damit kann es sehr viel zusammenhängen.
Das betrifft ganze Gesellschaften,
die vielleicht eine Erfahrung von Hungersnot gemacht haben beispielsweise,
wo die nächsten Generationen noch von diesen Ängsten geprägt sind.
Da haben wir dann, kollektiv und transgenerational geht Hand in Hand häufig.
Aber ja, es ist auf jeden Fall wertvoll.
Man merkt, diese Ängste beeinflussen ja einen intensiv im täglichen Leben,
obwohl es nicht nötig ist.
Es ist ja aktuell vielleicht in dem Moment nicht so.
Dann macht es schon Sinn, sich das auch anzuschauen und zu bearbeiten.
Und eben, dass man wirklich wieder zu der Lebensfreude und Lebensqualität kommt.
Und ihr bietet ja da wirklich eine ganz tolle Möglichkeit auf für alle Menschen.
Das ist auch, wenn man sich jetzt sagt als Laie,
ich möchte informativer verstehen oder in die Verantwortung kommen.
Ebenso wie für Ärzte.
Das wäre natürlich auch ganz toll, wenn man auf allen Ebenen das Wissen weitergeben könnte.
Und wie sieht das aus und wie funktioniert das genau?
Genau, wir verbinden die verschiedenen Bereiche der Epigenetik.
Die Epigenetik zeigt uns sehr gut,
dass die verschiedenen Lebensbereiche ganzheitlich betrachtet werden müssen
und dass wir Lebensstilveränderungen in allen Bereichen vollziehen müssen,
wenn wir ganzheitlich gesund bleiben wollen und vor allem nachhaltig gesund.
Oder tatsächlich, da gehen wir jetzt nicht so hin, wenn wir im Coaching-Bereich sind,
aber wenn auch schon Krankheiten da sind, kann ich über den Lebensstil unglaublich viel machen.
Weil wichtig ist immer, nicht eine Tablette oder eine chemische Tablette heilt mich,
sondern sie kann in dem Moment vielleicht mal unterstützend sein,
häufig leider aber auch symptomunterdrückend,
damit ich es nicht mehr spüre und es dann aus dem Kopf verschwindet, das Thema.
Sondern ich muss alles tun, damit die Kräfte, die in mir schlummern,
also die Selbstheilungskräfte sind die einzigen Kräfte, die heilen sozusagen.
Der Körper strebt immer nach Balance.
Die kann ich sozusagen über meinen Lebensstil ganz stark unterstützen,
indem ich wieder ein natürliches Umfeld schaffe,
auf der psychischen Ebene, auf der transgenerationalen Ebene bearbeite,
auf der Ebene der Ernährung und so weiter, Schlaf.
Es gibt verschiedene Bereiche, und was wir machen, ist,
dass wir Menschen ausbilden in diesen Bereichen,
dass sie Menschen wirklich einmal ganzheitlich betrachten können,
Menschen ganzheitlich begleiten können und Menschen dabei unterstützen können,
den Lebensstil so zu verändern, sie so zu befähigen,
dass sie sich ganzheitlich gesund halten können.
Und das ist eben die Epigenetik Coach-Ausbildung,
die dann sozusagen, und das ist uns eben wichtig,
dass wir da viele Menschen dabei haben, die Lust haben,
das auch mit uns in die Gesellschaft zu tragen.
Also, das ist eine ganz wunderbare Botschaft eben auch,
weil ich kenne auch viele Menschen, die sagen,
ja, das war immer so in unserer Familie, das kann man nicht ändern.
Und einfach, dass man diese Dinge wirklich ändern kann.
Es braucht die Selbstverantwortung und auch die Arbeit.
Aber es gibt so viele Möglichkeiten, wir sind dem nicht ausgeliefert.
Und das ist so eine wunderbare Botschaft, die er da auch in die Welt bringt
und dass er das auf die Beine gestellt hat.
Und für dieses tolle Gespräch, vielen Dank.
Vielen Dank auch, ja, war super, danke.
Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer, auch Ihnen herzlichen Dank fürs Dabeisein.
Ich finde, so wichtige Informationen für uns alle.
Und ja, es bringt uns wirklich wieder in die Eigenermächtigung,
aber auch in die Eigenverantwortung.
Wir machen noch mehr Sendungen und ich hoffe,
Sie sind auch wieder mit dabei.
Bleiben Sie gesund und auf Wiedersehen.
Danke fürs Schauen vom Schweizer Gesundheitsfernsehen QS24.
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Hier eine Auswahl für Sie zusammengestellt
und ich wünsche Ihnen alles Gute bis ein anderes Mal.
Auf Wiedersehen miteinander.