Dr. med. Henning Sartor über Pseudo-Hunger, künstliche Zucker und falsche Essgewohnheiten | QS24

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162 Videoaufrufe·20.12.2024
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Herzlich willkommen, liebe Zuschauerinnen und Zuschauer, hier in unserer Sendung vom Format Naturmedizin.
Ich habe heute wieder den FX Meierarzt da, Elektriker gewesen, Arzt, aber auch Lehrer bei BioWiss und im Lanzerhof.
Ein umfassbar kompetenter Mensch, insbesondere auch dann, wenn es darum geht, über das gesunde Essen zu reden.
Ich habe einen Teil 1 gemacht mit vielen, vielen Ernährungsfragen.
Da haben wir auch schon über das Thema Fleisch geredet, gesund oder nicht gesund, was ist der Anteil gesund, was ist der Anteil schlecht.
Wir haben über Viscerales Fett gesprochen und dann war die Sendung schon wieder vorbei, weil die Sendezeit vorüber war.
Heute möchten wir aber einen Teil 2 ansetzen und weitere Fragen zum Thema Ernährung stellen.
Und mein Gast ist heute wieder da. Wer es ist, sage ich Ihnen gleich.
Da sind wir wieder und der Gast ist der Dr. Matt Henning, Sartor, ganz herzlich willkommen, lieber Henning.
Vielen Dank, lieber Alexander.
Also, ich quäle dich weiter mit meinen Fragen.
Sie schreibt mir, meine Tochter, muss ich auch noch sagen, das intuitive Essen, um wo kann man das lernen?
Was meint sie mit intuitiven Essen?
Also, Intuition ist ja ein weiter Begriff, der aber von verschiedenen Grundvoraussetzungen ausgeht.
Und zwar, wenn man jetzt ein Tier betrachtet, einen Hund oder einen Reh im Wald,
dann würde man sagen, man muss diesem Reh nicht erklären, was es zu essen hat.
Es kann also aus der eben der naturgemäßen Intuition in dem richtigen Umfeld sehr genau auswählen,
was es bekommt und was nicht bekommt, was es braucht und was nicht.
So war das in der Urzeit, in der Steinzeit vielleicht oder bei Adam und Eva, wenn man das bemühen will, dann vielleicht auch.
Die Menschen sind entwickelt und gesetzt worden in eine Umgebung, zum Beispiel in den Urwald.
Und dort war dann das, was wir gebraucht haben, in gewisser Form vorhanden.
Und die normale, gesunde Intuition hat uns auch als Menschen dann dazu geführt, zu unterscheiden, was ist giftig und was ist gesund.
Und da waren dann diese Kräuterfrauen meistens, die beim Sammeln, die Männer beim Jagen und die Frauen beim Sammeln,
gewusst haben, das ist gut und das ist nicht gut.
Das ist dann ein Erfahrungsschatz, den man kultiviert.
Und man kann auch heute noch, wenn man in einem Naturwald, der noch irgendwie naturbelassen ist und gesund, eben nicht vergiftet ist,
dann kann man im Wald sehr, sehr viele Dinge wirklich gesunder Weise zu sich nehmen und ernten und essen.
Das ist, wenn man das kultiviert, sehr schön, alles gut, dann ist die Intuition in diesen Rahmenbedingungen auch wirklich zutreffend.
Mit einer gewissen Erfahrung im Hinterkopf.
Nämlich diese Kräuterfrauen, also Steinpilze ist gut, aber Giftpilze, Fliegenpilze sind eben nicht gut.
Und das muss man einfach wissen.
Das ist also ein Anteil von Erfahrungswissen und der gesunden Intuition, was brauche ich wann.
Das kann man sehr wohl heute auch noch machen.
Aber, und das ist der Punkt, wir haben uns sozusagen von diesem Environment, sagt man heute Neudeutsch,
also von der Umgebung her so verändert, dass man zum Beispiel in einer Stadt eben genau diese Bedingungen im Umfeld so eben nicht mehr hat.
Das heißt, unsere Intuition ist sehr weit entfernt von dem, was eine ganz natürliche Umgebungsintuition früher mal war.
Und wir haben uns, wenn man so will, von der Natur entfernt und deshalb auch eine natürliche Intuition,
die trifft heutzutage in den Regalen eines Supermarktes eben nicht mehr zu.
Also in einem Supermarkt sich intuitiv zu ernähren, wenn man Kinder zum Beispiel dorthin schickt,
dann wählen die das aus, was süss schmeckt, aber eben nicht das aus, was im Normalfall,
jedenfalls in der entfernten Intuition, das, was man eigentlich als gesund bezeichnet.
Das entscheidet der Kopf und eigentlich nicht das Körpergefühl, was mir gerade guttun würde.
Genau, deshalb ist eine Intuition immer die Frage, in welchem Setting oder in welcher Umgebung befinde ich mich
und ist meine Intuition auch wirklich naturgemäß geprägt.
Wir, die wir in der sogenannten westlichen Welt leben, haben eben im Durchschnitt der Bevölkerung
diese natürliche Intuition eines Steinzeitmenschen verloren.
Oder zumindest haben wir uns ein ganzes Stück weit davon entfernt.
Also ich behaupte sogar, dass die Männer noch viel weiter davon entfernt sind als die Damen.
Ich mache da noch ein Beispiel. Wir haben viel Omega-3 genommen, um den Wert zwischen 9 und 11 % zu erreichen.
Und als meine Frau 13 % hatte, hatte sie keinen Bock mehr, überhaupt Omega-3 zu nehmen.
Dann sagte sie, ich kriege es nicht mehr runter. Und als der Wert wieder unten war, konnte sie es wieder nehmen.
Da dachte ich, das ist doch interessant. Aber bei mir, ich könnte jeden Tag Pizza oder Nudeln essen.
Aber nicht, dass es mir guttun würde.
Also diese Sensibilisierung wieder auf das zu hören, was der Körper eigentlich gerne haben möchte,
wäre darunter gemeint, wäre sicherlich die Königsklasse.
Sie schreibt mir, zwanghaftes Gesundessen.
Und da gibt es ja heute wirklich schon fast kranke Leute, die so darauf gepicht sind, gesund zu essen.
Wie siehst du dieses Thema? Das ist ja ein psychisches Problem, oder?
Insgesamt muss man wirklich diesen Bogen sehen.
Also zwischen der Steinzeit und der natürlichen, intuitiven Ernährung, die ja total entspannt war.
Auch heute gibt es das noch in vielen Ländern am Äquator, wo wirklich gesunde Früchte und Wurzeln und sowas alles vorhanden ist.
Da können die Menschen so ganz entspannt einfach sammeln gehen.
Wir haben heute das Problem, dass wir uns eben von dieser Natur entfernt haben.
Und wir müssen tatsächlich lernen und aufpassen auf unsere Ernährung.
Wir müssen das sozusagen kognitiv kontrollieren und lernen, was ist jetzt für mich gesund,
weil ich das eben in der Natur von meinen Eltern oder der Mutter vom Sammeln her nicht mehr richtig gelernt habe, aus der Natur.
Aber wenn ich mir so viel Stress mache, dann ist doch die gesündeste Ernährung nicht mehr gesund, oder?
Ganz genau. Und wir haben einerseits eben jetzt diese Verpflichtung, ein bisschen aufzupassen,
dass eben diese grundlegenden Dinge auch wirklich biologisch zusammenpassen in unserem Körper.
Die Zufuhr und so weiter. Also was esse ich?
Und dann ist es aber so, dass man eben diese Entspannung, die in der Steinzeit noch möglich war, intuitiv,
die wird sozusagen kognitiv überladen und zwar kontrolliert,
weil es eben in dem normalen Supermarkt das so in dieser Form natürlich nicht mehr gibt.
Und dazu also die gesamte Kultur ist bei uns so, dass wir eben durch das wirklich kontrollierte,
bewusste, gesunde Ernähren immer mehr in einen Zwang geraten, innerlich.
Und es gibt Menschen, die diesen Zwang nicht vertragen.
Und den Zwang kann man natürlich auch übertreiben, dann wird man hypochondrisch,
also man kriegt eine Art Zwangsstörung, indem man nur noch auf diese Dinge achtet
und sich überhaupt nicht mehr entspannen kann beim Essen.
Und belehren. Andere Leute belehren. Und ich muss mich selbst an der Nase nehmen.
Ich war auch mal Vegetarier und habe jedem, der ein Stück Fleisch gegessen hat,
gesagt, er isst ein Kadaver. Was natürlich so völlig Irrsinn ist.
Aber man kommt da in einen Extremismus rein. Das ist die grosse Gefahr.
Genau. Und das ist ja dann auch wieder diese Balance, die dann nicht mehr gegeben ist,
wo man fragt, was ist jetzt entspannt, gemütlich, zum Beispiel in Frankreich,
wenn man sieben Gänge in drei Stunden zu sich nimmt, wie man so sagt, Gott in Frankreich.
Also so eine richtig schöne französische Sitzung, gemeinsam mit guten Freunden am besten,
mit Rotwein oder wie. Also jedenfalls wenig pro Zeit, alles genüsslich und entspannt.
Das wäre noch eine gute Kultur. Dann ist es aber bei den meisten Menschen so,
dass sie in einen Zwang geraten und der Stress, der dabei entsteht,
der behindert ja dann auch wieder die Verdauung.
Ah ja, klar, natürlich. Gut, das haben wir kurz angesprochen.
Dann möchte ich mal kurz in die ganzen Zucker reinkommen.
Sucralose, Aspartam, Asceulfam, K&K, schreibt sie da, Erythrit und Xylit und Stevia.
Es heisst immer wieder, die einen oder anderen sind krebserregend.
Es wird überall versteckt heutzutage, in die Nahrungsmittel schon reingepackt.
Was kann man pauschal dazu sagen?
Ja, also da sind viele gute Forschungsergebnisse jetzt mittlerweile auf dem Tisch.
Diese sogenannten Artificial Sweeteners, also künstliche Süssstoffe,
die haben zwei wesentliche negative Eigenschaften.
Das erste ist, dass sie eben doch das Insulin, jedenfalls die meisten dieser Stoffe,
das Insulin hochschießen durch diesen Süßaspekt auf der Zunge oder in der Nase.
Das heisst also, man kann die Tendenz zur Insulinresistenz und zum Diabetes
mit diesen Süßstoffen zum Teil sogar stärker fördern, also die Zuckerkrankheit herbeiführen,
als mit dem Zucker selbst. Das ist also ein ganz großer wichtiger Nachteil.
Das hat man jetzt kürzlich relativ gut nachgewiesen.
Dann das zweite ist aber, dass eben die Darmflora, insbesondere in der Darmflora,
eine Gruppe der Bakterien, die unseren Schleim an der Darmschleimhaut regenerieren,
die heißen Ackermansia mucinifila und diese Bakterien sind hochempfindlich.
Und dann gibt es noch eine zweite Gruppe, das sind die Bacteroides bzw. Bifidobakterien.
Diese beiden Gruppen im Wesentlichen sind hochempfindlich auf diese Zuckerstoffe,
Zuckerersatzstoffe und die gehen sozusagen ein, gehen kaputt und dann haben wir zwei Probleme wieder,
nämlich eine nicht geschützte Darmwand. Das führt dann zum Leaky Gut und zur Entzündung im Darm möglicherweise.
Und das zweite ist, die andere Gruppe, die macht nämlich Milchsäure und die Säuerungsflora,
die gesunde Säuerungsflora ist aber für die Energieversorgung unseres Darmes und des Körpers am Ende zuständig
und dann fehlt dem Darm die Energie. Also die Darmwand und die Energie des Darmes wird von diesen Zuckerstoffen,
man muss hier sagen, das Stevia ist da noch das gesündeste an dieser Stelle im Verhältnis zu den anderen,
aber trotzdem, alle diese Süßstoffe führen letztendlich zu schwereren Problemen im Bauch.
Gut, du hast gerade noch Stevia ein bisschen rausgenommen. Was ist mit dem Ausnahmen von Xylit und Erythrit?
Sind das auch Ausnahmen oder haben die auch schon negative Auswirkungen?
Ja, man muss dann auch nochmal genauer unterscheiden zwischen Erythrit und Xylit.
Xylit ist da nochmal einen Hauch besser als Erythrit, aber beide sind eben in der Lage genau das zu machen,
was ich gerade beschrieben habe, nämlich die Akkermansia mucinifila und die Bifidobakterien zu hemmen
und deshalb gibt es für uns in unserer Art von Ernährungsberatung ein No-Go,
also eine komplette Empfehlung, diese Stoffe zu vermeiden.
Darf ich noch die Klammer aufmachen, Galactosetagatose?
Ja, sehr gut, weil das sind ja keine Zuckerersatzstoffe, sondern es sind ja Zucker.
Es gibt also unter den Zuckern nicht nur Glucose, also Traubenzucker und Fructose,
sondern es gibt eine ganze Reihe natürlicher Zuckermoleküle, wie zum Beispiel die Degalactose,
Degalactose ist ja die Hälfte von der Laktose, Milchzucker, es gibt also Monosaccharide und Disaccharide usw.
Und von diesen Monosacchariden gibt es also sehr viele interessante Moleküle, die durchaus sogar heilsam sind.
Wir haben zum Beispiel mit Galactose und Ribose sehr schöne Nachweise von Heilungseffekten auf Nervenzellen.
Okay, und das macht auch nicht dick, wenn man mal etwas süsst mit Galactose oder Tagatose?
Genau, es macht deshalb nicht dick, weil es ja keine Insulinreaktion herbeiführt
und auch Insulin unabhängig in die Zelle kommt.
Es kommt aber auch da wieder ein bisschen auf die Menge an,
weil wenn man da jetzt zum Beispiel kiloweise dieses Degalactose oder so zu sich nehmen würde,
das wäre natürlich auch wieder zu viel.
Also ich reagiere sogar auf Galactose bis zu kleinen Mengen schon mit Durchfall.
Also bei mir funktioniert es nicht so, aber die Tagatose ist für mich wieder besser.
Du hast vorhin noch in einem Satz gesagt, selbst wenn man Zucker riecht, könnte es Insulinreaktionen geben. Tatsächlich?
Ja, es gibt sogar schöne Arbeiten, wo man zeigt, dass wenn man an Zucker denkt ...
Ah ja, dann läuft ja.
Genau, nicht nur der Speichel läuft nach Pavlov mit den Hundenversuchen und so weiter,
sondern es gibt diese sogenannten zentral nervösen Riechorgan getriggerten Reaktionen auf das Drüsensystem.
Insbesondere die Insulinausschüttung.
Da gibt es sehr viele interessante Dinge zu bedenken, die nämlich dann dazu führen,
dass wenn man sehr oft an Süßes denkt oder Süßes riecht oder an süße Elemente auf die Zunge bekommt,
dann reagiert eben das Insulinsystem und das schadet auf die Dauer.
Danke.
Gut, Kaloriendefizite. Es ging auch immer wieder laukab.
Ja, kein Kohlenhydrat, Kohlenhydrat ist schlecht, Kohlenhydrat ist giftig, gibt nur Zucker und, und, und.
Trotzdem muss man ja sagen, ohne Kohlenhydrate können wir auch nicht leben, oder?
Ja, da muss man schon wirklich sehr genau hinschauen.
Es gibt sehr viele unterschiedliche Betrachtungsweisen und auch Lebenssituationen, die man wirklich differenzieren muss.
Also zum Beispiel jemand, der eh schon etwas übergewichtig ist,
der eigentlich ein Stück weit seine Körpersubstanz in ein gesundes Maß reduzieren sollte,
ist also in einer ganz anderen Situation als jemand, der normalgewichtig ist und dann sportlich aktiv ist
und körperlich arbeiten würde oder körperlich arbeiten muss.
Also wer seine Muskulatur benötigt und auch aktiviert und richtig körperlich aktiv ist,
der braucht nämlich für diese Arbeit der Muskulatur durchaus Kohlenhydrate als einfach Energiezufuhr.
Diejenigen, die aber eben zum Beispiel schon in einem metabolischen Syndrom oder im Diabetes
oder im Übergewicht mit Bluthochdruck und so weiter gerade unterwegs sind,
die lieben Menschen, die brauchen in einer gewissen Phase zumindest eher keine Kohlenhydrate,
weil die dann auf diese Körpersubstanz und vor allem einen niedrigen Insulinspiegel angewiesen sind,
um wieder ins Lot zu kommen.
Das verstehe ich schon, aber ich meine selbst Bohnen haben Kohlenhydrate.
Ja, das ist ganz richtig. Deshalb gibt es eine Ernährung ohne Kohlenhydrate nicht.
Also es gibt diesen Zero Carb, also keine Kohlenhydrate, das ist de facto Unsinn.
Eben.
Ja, selbst Fleisch enthält ja Kohlenhydrate und deshalb ist das die Frage, wie viel Kohlenhydrate,
von was redet man da?
Da geht man dann auf Low Carb oder wirklich im Bereich, dass die Kohlenhydrate
vielleicht wirklich immer unter 10% sind oder sowas.
Genau, aber es ist ja tatsächlich die Basis der ganz normalen Ernährungswissenschaften
ist ja immer, dass man essentielle Aminosäuren braucht und essentielle Fettsäuren.
Aber essentielle Kohlenhydrate gibt es nicht.
Das heißt, der Körper kann über die sogenannte Gluconeogenese aus allen möglichen anderen Lebensmitteln
seinen Zucker selbst bilden.
Und auch, dass das Gehirn immer Zucker bräuchte, ist ein Unsinn, weil als Fastenarzt machen wir das ja so,
dass wir eben längere Zeit liebe Menschen fasten lassen, um gesund zu werden.
Wir setzen also nicht nur die Kohlenhydrate, sondern überhaupt die Kalorienzufuhren auf Null
oder fast Null beim Wasser- oder Teefasten und dann kommt eben der Körper doch wieder zurecht.
Nach einer gewissen Umstellung kann eben der Körper seine Erythrozyten,
die sind die einzigen Zellen, die wirklich Zucker brauchen, dann aber damit versorgen
und das kann die Leber wunderbar aus der eigenen Substanz herstellen.
Aber man kann zusammenfassend sagen, wenig Kalorien essen gleich Gewichtsabnahme,
zu viel Kalorien essen heisst Gewichtszunahme.
Ja, schon. Aber im Alltag ist das nicht ganz so einfach, weil da hängt das tatsächlich mit der Bewegung zusammen.
Ja, klar.
Gerade die Kohlenhydrate braucht man eben dann, wenn man sich viel bewegt.
Zum Beispiel eine Sportler-Tour-de-France-Etappe, da braucht man 17.000 oder 18.000 Kalorien am Tag.
Wenn man da keine Kohlenhydrate zuführen würde, dann hätte man einfach ein Energiedefizit.
Das geht nicht.
Ich habe auch schon Leute gesehen, die haben so ein richtiges Fett reingebissen und gegessen während dem Joggen.
Genau. Aber da ist eben die Frage, von wo beziehe ich meine Energie und welches Enzymsystem für die Fettverbrennung
oder Energiebildung von ATP in den Muskeln hat die Muskelzelle gelernt zu verbrennen?
Fette oder Zucker? Und wo kommt der Zucker her?
Kommt das aus dem Eiweiß, aus der Gluconeogenese oder aus dem Essen von Kohlenhydraten?
Also nochmal, die Kohlenhydrate sind für Bewegungsmenschen in den Muskeln sehr nötig meistens.
Aber wer abnehmen will, der sollte eher auf Kohlenhydrate bewusst verzichten und unterscheiden,
das hast du angedeutet, zwischen gesunden Kohlenhydraten und krankmachenden.
Die krankmachenden sind immer die süssen, die kurzen Zucker und die komplexen Kohlenhydrate,
die sind eher zu bevorzugen, wenn man die dann auch körperlich verarbeitet.
Da kommt mir jetzt gerade noch etwas in den Sinn.
Da hat mir mal jemand erklärt, wenn du Kartoffeln kochst und dann in den Kühlschrank legst für 24 Stunden oder Reis,
dann verliert der eigentlich diese resistente Stärke.
Entschuldigung, aber das ist genau umgekehrt.
Also wenn man jetzt die Kartoffel oder der Reis oder irgendein Getreide,
wenn das zunächst mal Stärke hat und man würde das erhitzen, dann würde die Stärke bio-verfügbar werden.
Für die Verdauung in Zucker und dann zu verbrennen in den Mitochondrien.
Also wenn ich jetzt Nudeln koche, Nudeln esse, bin ich nach dem Essen müde,
weil ich eine unfassbar hohe Insulinproduktion habe, oder?
Zum Beispiel, ja.
Und jetzt nehme ich diese Nudeln und lege sie in den Kühlschrank?
Genau, und dann kommt es zu einer sogenannten Quervernetzung dieser Kohlenhydrate
und das nennt man dann am Ende dieser Quervernetzungsaktion,
nennt man das resistente Stärke.
Diese resistente Stärke, die können wir nicht verdauern,
die geht praktisch dann, wie ich eben schon mal sagte, zu diesen Bakterien
und die Bakterien können das als Futter verwerten und dann davon leben.
Das sind also Ballaststoffe eigentlich, die also Futter für unsere Bakterien sind.
Also es bildet sich resistente Stärke und das ist das Futter.
Also müssten wir doch eigentlich schauen, dass wir unsere Nudeln,
unser Reis und unsere Kartoffeln immer zuerst in den Kühlschrank stellen
und dann aufwärmen und dann haben wir viel, viel weniger Insulinproduktion.
Ja.
Ja, stimmt.
Nicht ganz. Also man muss jetzt schon einmal unterscheiden.
Also wenn wir die zunächst mal kochen, dann ist der Anteil der bioverfügbaren
Kohlenhydrate für uns in Richtung Insulin am höchsten.
Jawohl.
Wenn wir die in den Kühlschrank geben, dann sinkt sozusagen das Insulin für uns,
wenn wir es essen, immer weiter ab und nach 24 Stunden zum Beispiel
ist das fast nur noch resistente Stärke und wir hätten einen Kartoffelsalat,
der eben dann nicht wieder erhitzt wird, der wäre eben hauptsächlich resistente Stärke.
Würden wir das jetzt wieder erhitzen, also wieder erhitzen,
dann würde aus dieser resistenten Stärke die Quervernetzung zum Teil wieder aufgelöst
und dann würde der Anteil der Insulinreaktionen wieder ansteigen.
Ja, ja.
Und wenn man dann wieder abkühlt, dann ist aber der quervernetzte Anteil noch höher.
Also je öfter man das macht, sozusagen innerhalb von zwei, drei Tagen oder so,
da würde also der Anteil hinterher noch etwas mehr sein.
Und wenn man es kalt zu sich nimmt, ist es gesünder.
Ah, jetzt habe ich es verstanden.
Darum, meistens beim Kartoffelsalat macht man es dann wirklich kalt.
Genau deshalb.
Und seitdem wir das wissen und ich das esse, jetzt plötzlich liebe ich Kartoffeln,
es schmeckt ganz anders, viel besser.
Und beim Reis, okay, also ein Teil des Vorteils geht wieder verloren,
wenn ich ihn wieder aufwärme, aber es ist immer noch besser.
Immer noch besser, wenn es vorher mal abgekühlt worden ist, ja.
Ja, die Zeit wieder.
Noch einer, Pseudohunger.
Die einen haben immer Hungergefühl und dann trinken sie einen Kaffee
und dann sind sie wieder satt.
Also hatten sie auch gar keinen Hunger, oder?
Ja, das ist eine ganz wichtige Frage.
Also eigentlich unterscheiden wir drei verschiedene Formen von Hunger.
Wir bezeichnen das alles als Hunger,
aber in Wirklichkeit reden wir von verschiedenen Dingen,
drei verschiedenen im Wesentlichen.
Und zwar das Erste ist der optische und geruchsmäßig getriggerte Appetit.
Die Lust.
Lust, ja.
Und Gusto, sagt man in Österreich.
Jedenfalls dieser optische Reiz,
da hätte man auf irgendein Lebensmittel Appetit,
obwohl man eigentlich keinen Hunger hat.
Klar, warmes Brezel im Bahnhof, geht doch.
Genau. Und dann gibt es den Magenhunger.
Das ist der knurrende Magen.
Und dieses Knurren im Magen hängt aber sehr oft davon ab,
wie oft und wie viel man im Magen eben schon hineingegeben hat
und wie konzentriert die Magensäure ist.
Und auch das ist sehr, sehr subjektiv.
Hat man zum Beispiel eine kurze Kohlenhydratmahlzeit gegessen,
also einen Zuckerriegel oder irgendwas,
und dann ist die Magensäure zunächst mal gesättigt,
und dann aber reaktiv auf diesen Zucker bildet sich nach der Mahlzeit,
weil der relativ schnell verbrannt wurde,
bildet sich wieder sehr viel Magensäure.
Und die Magensäure macht wieder Appetit.
Deshalb sagt man, kurze Magen- oder Kohlenhydratmahlzeit
machen immer wieder neuen Hunger über den Tag.
Also keine nachhaltige Sättigung, sagt man.
Und dann gibt es aber der eigentliche Hunger.
Der entsteht dann, wenn die Zelle Energiemangel hat.
Das ist der eigentliche Zellhunger.
Und davon sollte man ausgehen,
die beiden anderen sind mehr oder weniger subjektiv.
Würde man zum Beispiel den Magenhunger durch Basenpulver
oder irgendeine Kohlenhydrate, also komplexe Kohlenhydrate,
nur Ballaststoffe, die keine Kalorien haben,
oder einen Tee, einen Basentee oder sowas,
einfach die Magensäure neutralisieren,
dann wird das Hungergefühl weg oder zumindest gedämpft.
Also eine Basensuppe oder so.
Ja, genau. Und wenn man die optischen Dinge betrachtet,
wenn man wegschaut, dann vergeht dieser Hunger
oder dieser Appetit wieder.
Aber der Zellhunger, das ist das, was die Zelle,
was der Körper wirklich braucht an Energie.
Aber das kennen wir wahrscheinlich gar nicht,
den Zellhunger in unserer zivilisierten Welt.
Ganz genau.
Der Zellhunger im Normalfall wird in dieser Zivilisation,
die wir haben, deshalb sagt man ja auch Zivilisationskrankheit,
also viel zu viel gegessen, was ja dann krank macht.
Ich habe ja zwei Wochen FX-Major gemacht
und wir haben da nicht viel gekriegt.
Da machen wir eine eigenständige Sendung darüber,
aber ich glaube, nicht mal da hätte ich einen Zellhunger gehabt,
sondern es war ständig Kopfkrieger.
Immer Kopfkrieger.
Ein schönes Stück Fleisch, ein bisschen Fett und Kohlenhydraten,
Nudeln und preisgott, nur hier oben.
Aber da war es immer satt.
Ja.
Und mit so wenig.
Genau.
Okay, also das sind diese drei Formen.
Und wenn jemand jetzt wirklich das Gefühl hat,
er muss was essen, jetzt außerhalb des Gelustes,
weil der Magensäure was tut, dann eine Basensuppe.
Zum Beispiel, ja.
Das ist also, oder Basenpulver, Mineralien,
die auch basisch sind.
Also die Magensäure zu neutralisieren,
aber dann eben nicht kurzfristig durch Bikarbonat,
sondern durch irgendwas,
was die Magensäure nicht wieder provoziert,
sondern eben ausgleicht
und dann aber auch nachhaltig zur Ruhe bringt,
dieses Magenknurren.
Da hast du auch am Basen Tee gesagt.
Bestimmte Tees sind dazu sehr gut geeignet.
Gut.
Ja, ich glaube, wir sind durch mit dieser Liste.
Nächste Sendung machen wir eine über FX Maier,
weil was ich da gelernt und gesehen habe,
finde ich unfassbar bedeutsam.
Und ein Freund von mir,
der Professor Christian Schubert,
hat es jetzt auch schon gesagt,
hat es auch schon gemacht.
Im Garten Lanzerhof war er, glaube ich.
Wahnsinn, dieser Erfolg.
Ähnlich wie ich, er war sogar noch besser.
Aber das Überraschendste an allem ist ja,
wenn da unten alles in Ordnung ist,
wie plötzlich der Kopf leer ist.
Diese Ruhe hier oben ist unfassbar.
Ja.
Höchst relevant.
Darüber reden wir nachher.
Sehr gerne.
Danke ganz herzlich, Dr. Met Henning Sator.
Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer,
mit dem Teil 2 in Sachen Ernährungsfragen,
die sich da bei uns immer wieder so kumulieren,
die wir manchmal auch nicht immer so spontan
und selber beantworten können.
Ich hoffe, wir konnten Ihre Fragen
jetzt mit dieser Zusammenfassung beantworten
und wünsche Ihnen alles Gute,
guten Appetit, bis ein anderes Mal
und auf Wiedersehen miteinander.
