"Die schöne junge Braut" - Hörbuch Märchen zum Einschlafen für Groß und Klein von Ludwig Bechstein

Rico liest | Hörbücher | Märchen & Geschichten
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133 Videoaufrufe·26.12.2024
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Die schöne junge Braut
von Ludwig Bechstein.
Es ging einmal ein hübsches Landmädchen in den Wald, um Futter für ihre Kühe zu holen.
Wie sie nun in Gottes Namen graste und dann gar nichts Arges dachte,
so kamen auf einmal vier Räuber,
umringten sie und führten sie mit sich fort,
ohne Gnad und Barmherzigkeit.
Sie mochte schreien und zappeln,
bitten und betteln, so viel sie wollte.
Weit ab von des Mädchens Heimat in einem finstern Wald
hatten die Räuber ein Haus, worin sie sich aufhielten.
Wenigstens blieben immer einige daheim,
wenn die anderen auf Raub auszogen.
Dem Mädchen taten aber die Räuber weiter nichts zu Leide,
als dass sie sie eben aus ihrer Heimat fortführten
und sie in dem Hause gleichsam gefangen hielten.
Sie musste den Haushalt besorgen,
kochen, backen und waschen.
Sonst hatte sie es gut,
wurde aber immer scharf bewacht.
Dabei hatten ihr die Räuber den Namen gegeben
Schöne Junge Braut.
So war nun das Mädchen schon einige Jahre in der Räuberherberge,
als es sich einmal traf, dass ein Hauptraub ausgeführt werden sollte,
an dem, wenn er gelingen sollte,
die ganze helle Bande teilnehmen musste.
Da das Mädchen sich an das Leben in der Räuberhöhle gewöhnt zu haben schien,
auch noch keinen Versuch zu entfliehen gemacht hatte
und auch schwerlich durch den wilden Wald die Wege finden würde,
so dachte der Hauptmann,
so blieb sie diesmal allein und unbewacht im Waldhause zurück.
Aber die Räuber waren kaum fort,
so sann die Schöne Braut darauf,
wie sie unerkannt entfliehen könne.
Sie machte geschwind eine Gestalt von Stroh,
zog derselben ihre Kleider an,
setzte ihr ihre Haube auf.
Sich selbst aber bestrich sie von Kopf bis zu den Füßen mit Honig,
wälzte sich darauf über und über in Federn,
sodass sie ganz unerkennbar wurde und aussah wie ein seltsamer Vogel.
Die Gestalt in ihren Kleidern lehnte sie an ein Fenster über der Haustür
und ließ sie hinaussehen,
doch mit verdecktem Gesicht.
Und dann eilte sie von dannen.
Mochte es aber nun sein, dass dem Hauptmann eine Ahnung von des Mädchens
beabsichtigter Flucht kam
oder dass etwas vergessen worden war.
Genug.
Er sandte einige seiner Räuber nach dem Hause zurück
und gerade musste es sich treffen,
dass ihnen auf ihrem Wege das fiedrige Keuzlein aufstieß.
Sie dachten aber, es wäre einer ihrer Kumpane,
der sich unkenntlich gemacht hätte,
und riefen die Gestalt lachend und fragend an.
»Wohin, wohin, Herr Federsack?
Was macht die schöne junge Braut?«
Diese, die es selbst war,
war zwar sehr erschrocken,
doch fasste sie sich ein Herz und antwortete mit verstellter Stimme.
»Sie fegt und säubert unser Haus
und schaut wohl auch zum Fenster heraus.«
Damit machte sie, dass sie den Räubern aus dem Gesichte kam,
kam auch glücklich aus dem Walde,
erreichte ein Dorf,
kaufte sich Kleider,
badete sich und erlangte wohlbehalten nach langer Wanderung ihre Heimat.
Und da sie nicht gerade das Beste in der Räuberherberge zurückgelassen hatte,
so hatte sie auch wohl zu leben und heiratete einen wackern Burschen.
Jene Räuber,
wie die nun des Hauses ansichtig wurden,
sahen die Gestalt der schönen jungen Braut am Fenster und grüßten schon von
weitem, indem sie riefen,
»Grüß Gott, oh schöne junge Braut,
die freundlich uns entgegenschaut!«
Da aber der Gruß unerwidert blieb,
so verwunderten sich die Räuber,
und als sie näher kamen, vermeinten sie,
die schöne junge Braut sei eingeschlafen.
Vergebens riefen sie.
Sie ermunterte sich nicht.
Vergebens geboten sie, ihr zu öffnen.
All ihr Pochen und Schreien,
Rufen und Schelten war erfolglos.
Und wütend traten sie zuletzt die Türe in Trümmern,
stürmten die Treppe hinauf
und fassten die Gestalt der schönen jungen Braut hart an.
Da fiel ihnen die Strohpuppe in die Arme.
Da riefen die Räuber,
»Fahr wohl, du schöne junge Braut!
Ein Tor ist, wer auf Weiber baut!«
Danke fürs Zuhören.
Wenn dir das Märchen gefallen hat und du noch nicht schläfst,
würde ich mich über einen Daumen nach oben und einen Kommentar freuen.
Und falls du noch nicht schlafen kannst, findest du hier ein weiteres Märchen.
Bis bald.
