"Der beherzte Flötenspieler" Einschlaf-Hörbuch Märchen für Erwachsene von Ludwig Bechstein

Rico liest | Hörbücher | Märchen & Geschichten
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67 Videoaufrufe·11.01.2025
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Der beherzte Flötenspieler von Ludwig Bechstein
Es war einmal ein lustiger Musikant, der die Flöte meisterhaft spielte.
Er reiste daher in der Welt herum,
spielte auf seiner Flöte in Dörfern und Städten
und erwarb sich dadurch seinen Unterhalt.
So kam er auch eines Abends auf einen Pächtershof und übernachtete da,
weil er das nächste Dorf vor Einbrechen der Nacht nicht erreichen konnte.
Er wurde von dem Pächter freundlich aufgenommen,
musste mit ihm speisen
und nach geendigter Mahlzeit einige Stücklein auf seiner Flöte vorspielen.
Als dieses der Musikant getan hatte, schaute er zum Fenster hinaus
und gewahrte in kurzer Entfernung bei dem Scheine des Mondes
eine alte Burg, die teilweise in Trümmern zu liegen schien.
Was ist das für ein altes Schloss?
fragte er den Pächter.
Und wem hat es gehört?
Der Pächter erzählte, dass vor vielen, vielen Jahren
ein Graf da gewohnt hätte,
der sehr reich, aber auch sehr geizig gewesen wäre.
Er hätte seine Untertanen sehr geplagt,
keinem armen Menschen ein Almosen gegeben
und sei endlich ohne Erben,
weil er aus Geiz sich nicht einmal verheiratet habe, gestorben.
Darauf hätten seine nächsten Anverwandten
die Erbschaft in Besitz nehmen wollen,
hätten aber nicht das geringste Geld gefunden.
Man behauptete daher, er müsse den Schatz vergraben haben
und dieser möge heute noch in dem alten Schloss verborgen liegen.
Schon viele Menschen wären des Schatzes wegen
in die alte Burg gegangen,
aber keiner wäre wieder zum Vorschein gekommen.
Daher habe die Obrigkeit den Eintritt in dies alte Schloss untersagt
und alle Menschen im ganzen Lande ernstlich davor gewarnt.
Der Musikant hatte aufmerksam zugehört
und als der Pächter seinen Bericht geendigt hatte,
äußerte er, dass er großes Verlangen habe,
auch einmal hineinzugehen,
denn er sei beherzt und kenne keine Furcht.
Der Pächter bat ihn aufs Dringendste und schier fußfällig,
doch ja sein junges Leben zu schonen
und nicht in das Schloss zu gehen.
Aber es half kein Bitten und Flehen,
der Musikant war unerschütterlich.
Zwei Knechte des Pächters mussten ein paar Laternen anzünden
und den beherzten Musikanten
bis in das alte schaurige Schloss begleiten.
Dann schickte er sie mit einer Laterne wieder zurück,
er aber nahm die zweite in die Hand
und stieg mutig eine hohe Treppe hinan.
Als er diese erstiegen hatte,
kam er in einen großen Saal, um den ringsherum Türen waren.
Er öffnete die erste und ging hinein,
setzte sich an einen darin befindlichen altväterischen Tisch,
stellte sein Licht darauf und spielte die Flöte.
Der Pächter aber konnte die ganze Nacht
vor lauter Sorgen nicht schlafen
und sah öfters zum Fenster hinaus.
Er freute sich jedes Mal unaussprechlich,
wenn er drüben den Gast noch musizieren hörte.
Doch als seine Wanduhr elf Uhr schlug
und das Flötenspiel verstummte,
erschrak er heftig und glaubte nun nicht anders
als der Geist oder der Teufel
oder wer sonst in diesem Schlosse hauste,
habe dem schönen Burschen nun ganz gewiss den Hals umgedreht.
Doch der Musikant hatte ohne Furcht
sein Flötenspiel abgewartet und gepflegt.
Als aber sich endlich Hunger bei ihm regte,
weil er nicht viel bei dem Pächter gegessen hatte,
so ging er in dem Zimmer auf und nieder und sah sich um.
Da sah er einen Topf voll ungekochter Linsen stehen.
Auf einem anderen Tisch stand ein Gefäß voll Wasser,
eines voll Salz und eine Flasche Wein.
Er goss geschwind Wasser über die Linsen,
tat Salz daran, machte Feuer in dem Ofen an,
weil auch schon Holz dabei lag
und kochte sich eine Linsensuppe.
Während die Linsen kochten,
trank er die Flasche Wein leer
und dann spielte er wieder Flöte.
Als die Linsen gekocht waren, rückte er sie vom Feuer,
schüttete sie in die auf dem Tische schon bereitstehende Schüssel
und aß frisch darauf los.
Jetzt sah er nach seiner Uhr
und es war um die zwölfte Stunde.
Da ging plötzlich die Türe auf.
Zwei große schwarze Männer traten herein
und trugen eine Totenbarre,
auf der ein Sarg stand.
Diesen stellten sie, ohne ein Wort zu sagen,
vor den Musikanten,
der sich keineswegs im Essen stören ließ,
und gingen ebenso lautlos, wie sie gekommen waren,
wieder zur Türe hinaus.
Als sie sich nun entfernt hatten,
stand der Musikant hastig auf und öffnete den Sarg.
Ein altes Männchen, klein und verhutzelt,
mit grauen Haaren und grauem Barte, lag darin.
Aber der Bursche fürchtete sich nicht,
nahm es heraus, setzte es an den Ofen
und kaum schien es erwärmt zu sein,
als sich schon Leben in ihm regte.
Er gab ihm hierauf Linsen zu essen
und war ganz mit dem Männchen beschäftigt.
Er fütterte es wie eine Mutter ihr Kind.
Da wurde das Männchen ganz lebhaft
und sprach zu ihm,
Das Männchen ging voraus.
Der Bursche aber nahm seine Laterne
und folgte ihm sonderzagen.
Es führte ihn nun eine hohe verfallene Treppe hinab,
und so gelangten endlich beide
in ein tiefes, schauerliches Gewölber.
Hier lag ein großer Haufen Geld.
Da gebot das Männchen dem Burschen,
Diesen Haufen teile mir in zwei ganz gleiche Teile,
aber dass nichts übrig bleibt,
sonst bringe ich dich ums Leben.
Der Bursche lächelte bloß,
fing sogleich an zu zählen,
auf zwei große Tische herüber und hinüber
und brachte so das Geld in kurzer Zeit
in zwei gleiche Teile.
Doch zuletzt war noch ein Kreuzer übrig.
Der Musikant aber besann sich kurz,
nahm sein Taschenmesser heraus,
setzte es auf den Kreuzer mit der Schneide
und schlug ihn mit einem dabei liegenden Hammer entzwei.
Als er nun die eine Hälfte auf diesen,
die andere auf jenen Haufen warf,
wurde das Männchen ganz heiter und sprach,
Du himmlischer Mann,
du hast mich erlöst.
Schon hundert Jahre muss ich meinen Schatz bewachen,
den ich aus Geiz zusammengescharrt habe,
bis es einem gelingen würde,
das Geld in zwei gleiche Teile zu teilen.
Noch nie ist es einem gelungen
und ich habe sie alle erwürgen müssen.
Der eine Haufen Geld ist nun dein,
den anderen aber teile unter die Armen.
Göttlicher Mensch, du hast mich erlöst.
Darauf verschwand das Männchen.
Der Bursche aber stieg die Treppe hinan
und spielte in seinem vorigen Zimmer
lustige Stücklein auf seiner Flöte.
Da freute sich der Pächter,
dass er ihn wieder spielen hörte
und mit dem frühesten Morgen ging er auf das Schloss,
denn am Tage durfte jedermann hinein
und empfing den Burschen voller Freude.
Dieser erzählte ihm die Geschichte.
Dann ging er hinunter zu seinem Schatz,
tat, wie ihm das Männchen befohlen hatte
und verteilte die eine Hälfte unter die Armen.
Das alte Schloss aber ließ er niederreißen
und bald stand an der vorigen Stelle ein neues,
wo nun der Musikant
als reicher Mann wohnte.
Danke fürs Zuhören!
Wenn dir das Märchen gefallen hat und du noch nicht schläfst,
würde ich mich über einen Daumen nach oben
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Und falls du noch nicht schlafen kannst,
findest du hier ein weiteres Märchen.
Bis bald!
