Wie gelingt es China, Einfluss in den höchsten politischen Kreisen der USA zu gewinnen?
Der Fall Thomas Pauken zeigt, dass moderne Spionage oft ganz anders aussieht, als viele vermuten. Laut FBI-Ermittlungen soll der Sohn eines bekannten Republikaners über Jahre hinweg für das chinesische Ministerium für Staatssicherheit gearbeitet haben. Dafür soll er mindestens 100.000 US-Dollar erhalten haben.
In diesem Video rekonstruieren wir anhand von FBI-Dokumenten und Gerichtsakten die Geschichte eines Mannes, der vom konservativen Netzwerk in Texas bis in den chinesischen Staatsapparat aufstieg – und schließlich ins Visier amerikanischer Ermittler geriet.
🔴 Wer ist Thomas Pauken? 🔴 Wie funktioniert moderne Einflussnahme? 🔴 Warum war er für Peking so wertvoll? 🔴 Welche Rolle spielte die US-Regierung? 🔴 Und wie gelang dem FBI die Festnahme?
Willkommen bei „Leas Einblick“ – dem Kanal für Hintergründe, Analysen und Geschichten über China, die in den deutschen Medien oft zu kurz kommen.
Die heutigen Themen: 00:00 Intro – Der perfekte Informant 02:28 Thomas Pauken und sein Weg nach China 05:48 Die Anwerbung durch Chinas Geheimdienst 07:40 Geld, Familie und wachsende Abhängigkeit 08:56 Die Mission in der US-Regierung 12:43 FBI-Festnahme und Fazit
Wenn in Deutschland über chinesische Spionage und Einflussnahme gesprochen wird,
taucht meist ein ganz bestimmtes Bild vor den inneren Augen auf.
Chinesische Studenten an westlichen Universitäten,
Wissenschaftler in Forschungseinrichtungen oder Geschäftsleute,
die im Auftrag Pekings Informationen beschaffen.
Doch die Realität ist weitaus vielschichtiger.
Denn der perfekte Informant des chinesischen Geheimdienstes
ist nicht zwangsläufig jemand, der direkt aus China kommt.
Er bewegt sich nicht im Schatten, trägt keine dunklen Sonnenbrille
und stiehlt auch keine geheimen Dokumente aus verschlossenen Tresoren.
Im Gegenteil.
Der ideale Informant hat das vertrauteste Gesicht,
das man sich vorstellen kann.
Er ist Teil der westlichen Elite,
jemand, der Zugang zu Netzwerken besitzt,
dem Menschenvertrauen und dessen Loyalität niemand infrage stellt.
Im Frühjahr 2026 wurde genau ein solcher Mann
zum Gegenstand einer spektakulären FBI-Ermittlung.
Im Februar nahm er in US-Behörden fest,
vor einigen Tagen veröffentlichte das amerikanische Justizministerium
die Anklageschrift.
Der Vorwurf, er soll jahrelang als nicht registrierter Agent
für eine ausländische Regierung gearbeitet haben.
Genauer gesagt für das chinesische Ministerium für Staatssicherheit.
Dafür soll er nach Angaben der Ermittler
mindestens 100.000 US-Dollar erhalten haben.
Was folgt, ist Geschichte dieses Mannes.
Eine Geschichte, die zeigt,
wie moderne Einflussoperationen tatsächlich funktionieren.
Willkommen zu Leas Einblick.
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Hier zeige ich dir regelmäßig die Geschichten hinter den Stabzeilen
und die Zusammenhänge,
die in den deutschen Medien oft zu kurz kommen,
aber entscheidend sind, um China wirklich zu verstehen.
Die Hauptfigur in unserer heutigen Geschichte
heißt Thomas Pauken II.
In konservativen Kreisen der Vereinigten Staaten
ist der Name Pauken kein Unbekannter.
Sein Vater, Thomas Pauken, gehört über Jahrzehnte
zu den prägenden Figuren der Republikaner in Texas.
Unter Präsident Ronald Reagan leitete er eine Bundesbehörde.
Später führte er die texanische Republikaner als Parteivorsitzende.
Sein politisches Netzwerk reichte tief
in die konservativen Machtstrukturen der Republikaner hinein.
Genau dieses Netzwerk macht seinen Sohn für Peking besonders interessant.
Im Jahr 2010 zog Thomas Pauken Junior nach China.
Die chinesische Wirtschaft boomte damals
und die Führung in Peking investierte enormen Ressourcen
in den Aufbau internationaler Einflusskanäle.
China wollte nicht länger nur wirtschaftlicher Macht sein,
sondern auch die öffentliche Debatte im Westen prägen.
Als chinesische Geheimdienstoffiziere den Lebenslauf des Amerikaners prüften,
dürfte vor allem ein Detail ihre Aufmerksamkeit geweckt haben,
nämlich sein Nachname.
Für das Ministerium für Stadtsicherheit war Pauken keine gewöhnliche Zielperson.
Er war eine seltene strategische Gelegenheit.
Wer ihn für sich gewinnen konnte,
erhielt potenziell einen direkten Draht
in konservative Netzwerke der Vereinigten Staaten,
insbesondere nach Texas.
Unter dem Pseudonym Tom McGregor begann Pauken in den folgenden Jahren
eine Karriere innerhalb des chinesischen Medienapparates.
Er arbeitete als Redakteur für das englischsprachige Programm
des staatlichen Fernsehsenders CCTV,
modellierte Formate für die staatliche Nachrichtsagentur Xinhua
und veröffentlichte regelmäßig Beiträge in wichtigen Staatsmedien
wie zum Beispiel People's Daily oder der englischsprachigen Global Times.
2019 veröffentlichte er sogar ein Buch mit dem Titel USA und China
vom Handelskrieg zu einer Vereinbarung gegenseitigen Nutzens.
Für westliche Beobachter wirkte Pauken wie ein konservativer Amerikaner,
der China besser verstand als andere.
Chinesische Staatsmedien präsentierten ihn als Experten,
luden ihn zu Veranstaltungen ein und verschafften ihm öffentliche Aufmerksamkeit.
Im Fernsehen verteidigte er regelmäßig die Politik der Kommunistischen Partei Chinas.
Sein Vater betrachtete diese Entwicklung offenbar mit Sorge.
Um die politische Reputation der Familie zu schützen,
hatte er seinen Sohn gebeten, unter einem Pseudonym zu veröffentlichen.
Doch hinter den Kulissen liefen längst andere Prozesse.
Nach Angaben des FBI begann die eigentliche Anwerbung spätestens im Jahr 2017.
Damals trat ein chinesischer Regierungsbeamte an Pauken herein.
Um dessen Vertrauen zu gewinnen, machte er eine bemerkenswerte Behauptung.
Er sei einer der Redenschreiber von Xi Jinping.
Über diesen Kontakt wurde Pauken schließlich eine Frau vorgestellt,
die den FBI-Akten unter dem Decknamen Cathy geführt wird.
Nach Einschätzung der Ermittler handelt es sich dabei um eine Mitarbeiterin des chinesischen Geheimdienstes.
Je enger die Zusammenarbeit wurde, desto stärker arbeitete Cathy mit einem wirkungsvollen Instrument.
Schmeichelei.
Sie vermittelt Pauken das Gefühl, dass seine Analysen von höchster Bedeutung seien.
Seine Berichte würden direkt den Schreibtisch von Xi Jinping erreichen, erklärte sie ihm.
Dann folgte ein ungewöhnlicher Loyalitätstest.
Weil die Informationen angeblich bis in die Spitze der chinesischen Führung gelangten,
müsse sich Pauken einer Sicherheitsüberprüfung unterziehen.
Konkret bedeutet das ein Lügendetektortest.
Laut den freigegebenen FBI-Unterlagen wurde ihm dabei unter anderem zwei Kernfragen gestellt.
Nämlich, spionieren sie gegen China und arbeiten sie für die CIA.
Pauken bestand den Test.
Von diesem Zeitpunkt an wurde er immer tiefer in das Netzwerk eingebunden.
Schon früher hatte er offen eingeräumt, dass im China vieles gegeben habe,
was er zuvor vermisst hatte, vor allem Anerkennung und Einfluss.
Das Leben in Peking sprach sowohl seiner Eitelkeit als auch seiner materiellen Interessen an.
Doch für die Strategen des chinesischen Geheimdienstes gab es noch einen weiteren Hebel.
2014 hat Pauken eine chinesische Frau geheiratet.
Gemeinsam bekam sie einen Sohn.
Aus Sicht der Geheimdienstführung entstand damit eine zusätzliche Bindung an China
und zugleich eine potenzielle Abhängigkeit.
Die Agenten mussten ihn nicht bedrohen.
Stattdessen sorgten sie dafür, dass die Zahlungen für seine Dienste
auf das chinesische Konto seiner Ehefrau flossen.
In den letzten fünf Jahren überwiesen sie immer wieder Beträge von mehreren Tausend Dollar.
Insgesamt soll die Summe nach Angaben der Ermittler mindestens 100.000 Dollar betragen haben.
Mit jedem weiteren Jahr wurde es schwieriger, sich von diesem System zu lösen.
Schließlich erhielt Pauken einen neuen Auftrag.
Er sollte in den Vereinigten Staaten nach Personen suchen,
die für den chinesischen Geheimdienst noch wertvoller sein könnten als er selbst.
Die Gelegenheit dazu ergab sich Anfang 2025.
Am 20. Januar wurde Donald Trump zum zweiten Mal als Präsident vereidigt.
In Washington begann das übliche politische Stühlerrücken.
Hunderte Bewerber hofften auf Positionen in der neuen Regierung.
Für Peking war genau das der ideale Moment.
Nur neun Tage nach Trumps Amtseinführung reiste Pauken auf Anweisung von Cathy in die USA.
Nach Auffassung der Ermittler war die Mission Teil eines langfristig geplanten Vorgehens,
das auf die Übergangsphase einer neuen Regierung abzielte.
Doch kaum hat der Pauken amerikanischen Boden betreten, warteten bereits Bundesbeamte auf ihn.
Bei einer Kontrolle fanden sie zwei Mobiltelefone, einen Laptop und 3.000 Dollar Bargeld.
Anschließend wurde Pauken über Stunden hinweg von FBI befragt.
Und dort begann die Geschichte eine unerwartete Wendung zu nehmen.
Im Verhör räumte Pauken ein, im Auftrag chinesischer Stellen gehandelt zu haben.
Sein Ziel sei eine Person gewesen, die in den Akten lediglich als Person 1 bezeichnet wird.
Diese Person bewarb sich zu diesem Zeitpunkt um einen Posten innerhalb der neuen Trump-Regierung.
Pauken hatte dafür bereits alles vorbereitet.
In seinem Gepäck befanden sich technische Geräte für Kommunikation mit Cathy sowie ein USB-Stick.
Darüber hinaus sollte er der Zielperson 10.000 Dollar im Bar übergeben.
Im Gegenzug erwartete man regelmäßige interne Informationen aus Regierungsstellen.
Besonders bemerkenswert ist eine Aussage, die laut FBI-Protokoll vom Pauken selbst stammt.
Er habe die Wahrscheinlichkeit auf etwa 80% geschätzt, dass diese Zielperson später geheime Informationen an China weitergeben würde.
Trotz dieses Geständnisses wurde Pauken zunächst nicht festgenommen.
Stattdessen entschied sich die Ermittler für eine andere Strategie.
Sie ließen ihn weiterlaufen.
Pauken führte seine Mission fort, während das FBI im Hintergrund jede Bewegung beobachtete.
Aus dem mutmaßlichen Agenten wurde ein unfreiwilliger Köder.
Ein Jahr lang verfolgte die Ermittler die Kommunikation des Netzwerks.
Dann, Ende Februar 2026, kehrt Pauken erneut in die USA zurück.
Diesmal reist er gemeinsam mit seiner Ehefrau und seinem Sohn.
Nach außen wirkte alles wie ein gewöhnlicher Familienurlaub in Washington, D.C.
Fotos in Sozialnetzwerken sollten genau diesen Eindruck vermitteln.
Doch laut Ermittlern hatte die Reise einen anderen Zweck.
Die Zielperson war inzwischen in einer US-Behörde angekommen.
Zeigte jedoch offenbar Zweifel an einer Zusammenarbeit.
Pauken sollte die Verbindung wiederbeleben.
In seinem Gepäck befanden sich erneut eine SIM-Karte sowie das Angebot, weitere Zahlungen.
Das FBI beobachtete das Treffen.
Am 26. Februar griffen die Beamten schließlich zu und nahmen Thomas Pauken den zweiten fest.
Eine Freilassung gegen Kaution wurde abgelehnt.
Damit endete das Doppelleben eines Mannes, der über Jahre hinweg als Journalist, Kommentator und China-Experte aufgetreten war.
Heute drohen ihm bis zu zehn Jahre Gefängnis.
Der Fall Thomas Pauken II. zeigt vor allem eins.
Das gefährlichste trojanische Pferd ist oft nicht der Fremde vor den Toren.
Es ist die Person, die längst Teil des eigenen Netzwerks geworden ist.
Das war unsere Geschichte für heute.
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Danke fürs Zuschauen. Wir sehen uns im nächsten Video.