Die Shaolin-Mönche begeistern seit Jahrzehnten Zuschauer in Deutschland, Österreich und auf der ganzen Welt. Ihre Shows stehen für Disziplin, Spiritualität und eine über 1.500 Jahre alte Tradition.
Doch die Geschichte hinter dem Mann, der das Shaolin-Kloster zur Weltmarke machte, kennen die wenigsten.
Shi Yongxin, der langjährige Abt des Shaolin-Klosters, wurde am 29. Mai 2026 zu 24 Jahren Haft verurteilt. Die Vorwürfe: Unterschlagung, Veruntreuung von Geldern, Bestechlichkeit und Bestechung.
Wie konnte ein junger Mönch aus einem verfallenen Kloster zu einer der mächtigsten Persönlichkeiten des chinesischen Buddhismus aufsteigen? Welche Rolle spielten lokale Politiker und die Kommunistische Partei Chinas? Und warum wurden Vorwürfe, die bereits vor zehn Jahren öffentlich bekannt waren, erst jetzt verfolgt?
Diese Dokumentation zeichnet den Aufstieg und Fall von Shi Yongxin nach – von seinem Eintritt ins Shaolin-Kloster über den Aufbau eines internationalen Milliardenimperiums bis hin zu seiner Verurteilung.
Die heutigen Themen: 00:00 Der Shaolin-Abt sitzt im Gefängnis
Vielleicht hast du dieses Plakat schon mal gesehen.
Die Müncher des Schauling-Gung-Fu.
Eine Tournee durch Deutschland und Österreich.
Was auf dem Plakat nicht steht,
der Mann, der das Schauling-Kloster zur Weltmarke gemacht hat,
der diese Tourneen aufgebaut,
die Bühnen auf fünf Kontinenten bespielt hat,
der sitzt seit fast einem Jahr in Untersuchungshaft.
Abgeholt von seinem Abzimmer im Schauling-Kloster.
Ohne Einkündigung.
Am 29. Mai dieses Jahres fiel das Urteil.
24 Jahre Haft.
Und die Vorwürfe?
Die lagen bereits seit zehn Jahren auf dem Tisch.
Schwarz auf Weiß.
Nichts passierte.
Warum erst jetzt?
Und warum fiel das Urteil kleiner aus,
als es hätte sein müssen?
Und was sagt es über das System,
in dem dieses Kloster existiert?
Darum geht es heute.
Das Video ist etwas länger,
aber ich verspreche dir,
wenn du am Ende bist,
schaust du das nächste Schauling-Plakat
nie wieder mit denselben Augen an.
Es war 1981.
In der chinesischen Provinz Anhui
machte sich ein 16-jähriger Junge namens Liu Yingchang
allein auf den Weg.
In die Berge des Songshan-Provinz Rhön.
Er wollte ins Schauling-Kloster eintreten.
Er wollte Mönch werden.
Das Kloster, das ihn erwartete,
sah vollkommen anders aus,
als man es sich heute vorstellt.
Die Kulturrevolution hatte tiefe Wunden hinterlassen.
Buddha-Statuen waren zerstört worden.
Mönche vertrieben.
Es lebten noch ein paar alte Mönche dort,
ein paar Fehler und überall Verfall.
Der Junge trat in den Orden ein.
Er erhielt den Klostername Zhiyongxin.
Der damalige Abt Xinjiang bemerkte bald,
dass dieser junge Mann besonders war.
Aber nicht wegen seiner spirituellen Tiefe.
Geld und Wertgegenstände,
die durch seine Hände gingen,
verschwanden häufig.
Und er war geschickt darin,
andere Mönche auf seiner Seite zu ziehen.
Ehrgeizig und berechnend.
Zhiyongxin hatte sechs Jahre im Kloster verbracht.
Sechs Jahre, in denen er auf seiner Art
Netzwerke aufgebaut und Verbündeten gewonnen hatte.
Dann lag Abt Xinjiang im Sterben.
Das war 1987.
Kurz vor seinem Tod schrieb er noch einen Brief
an die buddhistische Vereinigung Chinas.
Darin listet er Zhiyongxins Vergehen auf.
Diebstahl, Verstöße gegen Ordnungsregeln.
Jeder einzelne Punkt hätte gereicht,
um ihn als Nachfolger auszuschließen.
Nach dem Tod des Abts übernahm der Ehrenabt Zhejiang
die Leitung des Klosters.
Er tat, was im Testament seines Urgänges stand.
Er verhängte die schwerste Strafe,
den vollständigen Ausschluss aus dem Orden.
Zhiyongxin wurde des Klosters verwiesen.
Er hätte sofort gehen müssen.
Er ging aber nicht.
Er wusste, wenn er geht, ist alles vorbei.
Also setzt er auf eine Karte.
Die lokalen Behörden draußen, vor den Klostermauern.
Wenige Jahre zuvor hat ein Film
die Geschichte des Shaolin-Klosters für immer verändert.
Die Shaolin-Tempel mit Jet Li.
In China sahen ihn 160 Millionen Menschen.
Weltweit löst er einen Hype aus.
Von Asien bis Europa wurde Shaolin-Kungfu über Nacht
zum Inbegriff chinesischer Kultur.
Viele Europäer begegneten der chinesischen Kampfkunst
zum ersten Mal durch diesen Film.
Das Kloster war plötzlich ein kulturelles Phänomen.
Junge Menschen strömten herbei, Pilger kamen,
und die lokale Regierung von der Stadt Dongfang
sah darin vor allem Eis.
Geld.
Sie wollten Eintrittskarten verkaufen,
den Tourismus ankurbeln,
aber die alten Äbte lehnten ab.
Ein buddhistisches Kloster ist kein Freizeitpark,
sagten sie.
Xi Jinping sah seine Chance.
Er suchte das Büro des lokalen Religionsamts auf
und machte den Beamten ein Angebot.
Wenn er Abt wird, würde das Kloster
voll mit der Regierung kooperieren.
Tourismus, Wirtschaftsförderung, alles.
Die Beamten griffen sofort zu.
Sie setzten ein Klosterverwaltungskomitee ein,
das die Autorität der alten Äbte aushebelte.
Und Xi Jinping zum Kommissarischen Abt ernannte.
So kam es, dass ein Mann,
der offiziell aus dem Orden ausgeschlossen worden war,
durch einen politischen Deal
wieder an die Spitze des Klosters gelangte.
Dieser Anfang bestimmte alles, was danach kam.
Xi Jinping hatte seinen Fuß in der Tür,
aber er wusste, ein Kommissarischer Abt
ist nur so sicher wie sein Schutzpatron.
Die Beamten auf Kreisebene konnte ihm nur begrenzt helfen.
Er brauchte Rückhalt auf höhere Ebene.
Aber bevor ich weitermache,
ich muss ganz kurz etwas erklären.
In China steht die Religionsfreiheit nur in der Verfassung.
Alle Tempel, alle Kirchen stehen unter der Kontrolle
der Kommunistischen Partei Chinas.
Zwei Behörden sind dafür zuständig.
Das Amt für religiöse Angelegenheiten
und die sogenannte Einheitsform.
Eine politische Kontrollbehörde für alle,
die nicht zur Partei gehören.
Zum Beispiel Religionsgemeinschaften,
ethnische Minderheiten und Auslandschinesen.
Ihre Aufgabe ist es, dafür zu sorgen,
dass diese Gruppen die Parteilinie mittragen.
Ein Kloster kann in diesem System nur wachsen,
wenn es der Partei nützt.
Und damit die Partei zustimmt,
müssen die Richtigen persönlich davon profitieren.
Xu Yongxin verstand das ganz genau.
Er war kein Politiker und wollte auch keiner sein.
Er war jemand, der wusste,
wie man die richtigen Leute findet,
ihnen gibt, was sie wollen
und dafür bekommt, was er selbst will.
Also reiste er regelmäßig nach Zhengzhou,
der Provinzhauptstadt von der Provinz Henan
und knüpfte dort Kontakte zum Religionsamt
und zur Einheitsform auf Provinzebene.
Und dann betrat genau der richtige Mann die Bühne.
Li Changchun wurde Parteisekretär der Provinz Henan.
Das war 1992.
Henan ist eine große Agrarprovinz,
bevölkerungsreich, aber wirtschaftlich schwach.
Die Lokalpolitiker standen unter enormem Druck
und suchten nach schnellen Einnahmenquellen.
Aber Li Changchun saß gleichzeitig
auf einem gefährlichen Geheimnis.
Um zu verstehen, warum er den Shaolin Abt
so dringend brauchte,
muss ich ganz kurz über etwas sprechen,
das die meisten Menschen außerhalb Chinas
nie gehört haben.
In den früheren 1990er Jahren
rief die Provinzregierung Henan die Bevölkerung auf,
Blut zu verkaufen.
Für die Pharmaindustrie
fast tausend staatlich unterstützte
Blutabnahmestationen entstanden.
Hunderttausend Bauern gingen dorthin.
Die Stationen erfüllten aber
keine medizinischen Mindeststandards.
Das HIV-Virus verbreitete sich explosionsartig.
Ganze Dörfer verloren ihre Bevölkerung,
sogenannte AIDS-Dörfer.
Schätzungen zufolge starben bis zum Jahr 2000
über hunderttausend Menschen.
Die Reaktion der Provinzregierung?
Schweigen.
Medien durften nicht berichten,
aber die Nachrichten drangen trotzdem nach außen.
Li Changchun geriet unter Druck.
Nicht wegen der Toten,
sondern weil der Skandal
seine Karriere gefährden konnte.
Er brauchte etwas,
das Hunan in ein anderes Licht rückte.
Genau in diesem Moment
legte Xu Yongxin einen Bericht vor.
Der Titel?
Nutzung der Shaolin-Kampfkunst
zur Beliebung der chinesischen Kultur
und des Tourismus in Hunan.
Li Changchun las diesen Bericht und nickte.
Was folgte,
war eine sorgfältig inszenierte Bühne.
Das Shaolinkloster feierte
sein 1500-jähriges Bestehen,
über tausend Gäste aus duzenden Ländern,
mehr als 580 Journalisten aus aller Welt.
Die Welt schaute hin.
Nach buddhistischer Tradition
hätten die erfahrensten,
respektiertesten Müncher
auf den Ehrenplätzen stehen sollen.
Die ehrwürdigen alten Äbte
waren nirgends zu sehen.
Stattdessen stand Xu Yongxin im Mittelpunkt.
Damals gerade 30 Jahre alt,
in prächtigen Gewändern.
Li Changchun nahm als höchster Repräsentant
der Provinz teil.
Xu Yongxin begleitet ihn auf Schritt und Tritt.
Vor laufenden Kameras
lobte Li Changchun ihn öffentlich.
Jung, mit Weitblick,
ein Talent, das das Shaolinkloster
in die Welt tragen könne.
Von diesem Tag an
war Xu Yongxins dunkle Vergangenheit
offiziell ausgelöscht.
Und das Shaolinkloster
begann eine neue Rolle zu spielen.
Wann immer die internationale Gemeinschaft
nach der Verantwortung für die AIDS-Krise
in Hürnan fragte,
präsentierte die Provinz das Shaolinkloster.
Die beeindruckenden Auftritte der Müncher
lenkten die Aufmerksamkeit ab.
Das Kloster war zum Ablenkungsmanöver geworden.
Ein Werkzeug?
Nützlich, solange es gebraucht wurde.
Vielleicht fragst du dich gerade,
was hat das alles mit der Shaolin-Vorstellung
in Deutschland zu tun?
Gleich.
Li Changchun machte danach Karriere.
Er stieg ins Politbüro auf,
damals als jüngster Mitglied.
Einige Jahre später
wurde er ständiges Mitglied des Politbüros
und übernahm die Kontrolle
über Ideologie, Meinungsbildung
und Kulturbetrieb in ganz China.
Je weiter Li Changchun aufstieg,
desto mehr profitierte auch das Shaolin-Kloster.
Mit Rückhalt aus höchsten Kreisen
legte der Kommissarische Abt
endgültig den Namenszusatz
Kommissarisch ab.
Xu Yongxin wurde offiziell
der 30. Abt des Shaolin-Klosters.
Er war 34 Jahre alt.
Was Xu Yongxin in den folgenden Jahren aufbaute,
hatte mit einem buddhistischen Kloster
immer weniger zu tun.
Er ließ Shaolin in 47 Ländern als Marke schützen.
Später registrierte er in China
über 700 Warenzeichen.
Von Lebensmittel über Getränke
und von Lampen bis hin zu Schmuck.
Wer den Namen Shaolin kommerziell nutzen wollte,
musste zahlen.
Er öffnete Shaolin-Kulturzentren im Ausland,
darunter in Berlin und in Wien.
Er war der erste buddhistische Abt Chinas
mit einem MBA-Abschluss.
Er reiste ständig um die Welt,
das iPhone immer dabei,
und traf die britische Königin,
Nelson Mandela
und sogar Apple-Chef Tim Cook.
Die westlichen Presse nannte ihn
den CEO-Mönch.
Seine wichtige Einnahmequelle
war eine Open-Air-Aufführung
tief in einem Bergtal.
Die Singmusik von Shaolin.
Die Bühne stand mitten in der Natur.
Die Mönche waren die Hauptdarsteller.
Die Show lief fast 20 Jahre.
Gesamter Umsatz schätzungsweise
2 bis 3 Milliarden Yuan.
Wo floss dieses Geld hin?
Zwischen 80 und 85 Prozent der Einnahme
wurde jedes Jahr unter verschiedenen Bezeichnungen,
Werbegebühren, Beratungsleistungen,
Beschaffung von Geräten
an externe Firmen überwiesen.
Und wer stand hinter diesen Firmen?
Beamte aus Henan,
lokale Politiker,
ihre Familienmitglieder
und Vertrauensleute.
Dass diese Show in einem nationalen Naturschutzgebiet
gebaut werden durfte
und dass sie fast 20 Jahre lang
keine Steuer- oder Umweltprüfung stoppen konnte,
das war kein Zufall.
Das funktionierte, weil die Richtigen daran verdienten.
Alle kommerziellen Aktivitäten des Klostes
liefen über eine einzige Firma,
die Henan Shaolin Immaterial-Güterverwaltungsgesellschaft.
Offiziell hieß es,
das Kloster besitze diese Firma vollständig.
Aber wer die Handelsregisterdaten aufschlug,
sah etwas anders.
Xu Yongxin persönlich hielt 80 Prozent der Anteile.
Ein weiterer Mönch hielt 10 Prozent.
Das Kloster selbst hielt 10 Prozent.
Du hast richtig gelesen.
80 Prozent gehörten dem Abt persönlich.
Wie kam es dazu?
Das Kloster wollte ursprünglich selbst 80 Prozent halten.
Das Handelsamt lehnte ab.
Chinesisches Recht erlaubte es religiösen Institutionen nicht,
Hauptgesellschaft eines Unternehmens zu sein.
Die Lösung?
Xu Yongxin hielt die Anteile im eigenen Namen,
auf dem Papier für das Kloster,
in der Praxis für sich selbst.
Wenn du also in einem deutschen Theater
eine Eintrittskarte für die Shaolin Mönche gekauft hast,
das Geld floss in die Veranstaltungsfirma,
dann in die Immaterial-Güterverwaltungsgesellschaft
und am Ende zu einem Mann mit den 80 Prozent.
Du dachtest, du unterstützt ein jahrtausendaltes Kloster.
In Wirklichkeit hast du in die Privatfirma eines Abts gezahlt.
Das Geld floss nicht nur innerhalb Chinas.
Es floss auch hinaus.
Das Shaolin-Kloster legt der Stadtverwaltung
von Shoalhaven im australischen Bundesstaat New South Wales
einen Plan vor.
Ein Shaolin-Dorf mit einem Tempel,
einer Kung-Fu-Akademie,
einem Vierstern-Hotel mit 500 Zimmern
und einem 27-Loch-Golfplatz.
Gesamte Investition 380 Millionen australische Dollar.
Der Bürgermeister war begeistert.
Die Presse jubelte.
Arbeitsplätze, Tourismus, Aufschwung.
Dann wurde es merkwürdig.
Das Grundstück kostet 5 Millionen australische Dollar.
Aber Xi Jinping brauchte neun Jahre,
um es vollständig zu bezahlen.
2015 reiste er persönlich nach Australien
und überreichte dem Bürgermeister feierlich den letzten Check.
Große Gäste, viel Symbolik.
Und dann nichts.
Das Grundstück liegt bis heute brach,
ein Teil als Weiterland genutzt.
Kein Tempel, keine Akademie.
Natürlich auch kein Hotel und kein Golfplatz.
Aber neben diesem brachliegenden Grundstück
lief etwas sehr reibungslos.
Die Projektgesellschaft überwies jedes Jahr Millionen
als Beratungsgebühr an ihre Gesellschafte.
Hinter denen steckten Briefkassenformen
auf dem britischen Jungferninsel,
die, wenn man sie weiter aufschlüsselt,
auf chinesische, gut vernetzte Personen hinweisen.
Jemand kaufte also ein Grundstück,
ließ es brachliegen.
Geld floss aber auf Auslandskonten und kam nie zurück.
War das wirklich ein Plan, ein Kloster zu bauen
oder eine Methode zur Geldwäsche?
Eine offizielle Antwort gibt es nicht.
Aber in einer Gesellschaft,
in der undurchsichtige Deals zum Alltag gehören,
ist die erste Reaktion vieler Menschen nicht Zweifel,
sondern das klingt sehr plausibel.
Noch ein Punkt, bevor wir zum Ende kommen.
Kurz, aber wichtig.
Ab 2011 kursierten im chinesischen Internet
Gerüchte über Xi Jinping.
Dann, 2015, erstattete ein ehemaliger Schüler
öffentliche Anzeige unter seinem eigenen Namen.
Die Vorwürfe?
Unterschlagung von Klostervermögen,
Auslandskonten zur Vermögensverschiebung
und mehrere geliebte, unehrliche Kinder.
Für einen Mönch, der das Köschheitgelübde abgelegt hat,
sagte dieser letzte Punkt eigentlich alles.
In der späteren offiziellen Untersuchung
wurde diese Vorwürfe bestätigt.
Xi Jinping ist kein Einzelfall.
Wenn ein Kloster zum Konzern mutiert
und die Mönchsrobe zur reinen Berufskleidung wird,
lautet die Frage vielleicht nicht mehr,
warum ein Abt korrupt wird,
sondern vielmehr,
wir würde in diese Position nicht schwach werden.
Anfang 2025 reiste Xi Jinping mit einer Delegation nach Rom.
Im Vatikan traf er Papst Franziskus zu einem privaten Gespräch.
Auf den Fotos des Vatikans
schien Xi Jinping im Privatbüro des Papstes.
Kein chinesischer Beamter war dabei.
Das klingt nach einem kleinen Detail,
aber im politischen Kontext der kommunischen Partei Chinas
ist es aber nicht.
China und der Vatikan unterhalten keine formellen diplomatischen Beziehungen.
Unter Xi Jinpings Politik gilt die Sinisierung der Religion.
Jeder Kontakt zwischen Religionsvertretern
und ausländischen religiösen Führern
muss vorab genehmigt werden
und ist von chinesischen Beamten zu begleiten.
Kein Beamter war dabei.
Das bedeutet sehr wahrscheinlich,
dieser Besuch wurde nicht offiziell gemeldet.
Wenige Monate nach seiner Rückkehr
begann die Ermittlung gegen Xi Jinping.
Der offizielle Grund
Korruption und Unterschlagung.
In China wird niemand wegen Überschreitung politischer Grenzen angeklagt.
Aber Analysten haben diese Chronologie bemerkt.
Eine Interpretation.
Xi Jinping glaubte offenbar,
sein internationales Renommee verleihe ihm einen Sonderstatus.
Einen Freibrief,
sich den normalen Rechenschaftspflichten zu entziehen.
Doch diese Attitüde der Unkontrollierbarkeit
ist im heutigen China ein politisches Todesurteil.
Ein Vergehen, bei dem kein Schusspatron der Welt
mehr Rettung bieten kann.
Erinnerst du dich noch an den Erhöhungsbrief von 2015?
Er hatte eine Welle ausgelöst.
Dann wurde es still.
Die Ermittlungen wurden eingestellt.
Keine ausreichende Beweise hieß es.
Xi Jinping blieb abt.
Die Tourneen der Shaolin-Mönche gingen weiter.
Er saß weiterhin im Nationalen Volkskongress.
10 Jahre lang.
Dann, in der Nacht im Juli 2025,
kommen Polizisten zum Shaolin-Kloster.
Leise, ohne jede Vorwarnung.
Sie brachten Xi Jinping fort.
In einer Untersuchungshaft in eine andere Stadt.
150 Kilometer weit entfernt.
Warum so weit weg?
Weil das Shaolin-Kloster
ein Drittel der Steuereinnahme von der Stadt Dongfeng ausmachte.
Jeder neue Bürgermeister besuchte das Kloster,
bevor er seine Amtsgeschäfte aufnahm.
In Dongfeng wäre die Verhaftung nicht geheim geblieben.
Am 29. Mai dieses Jahres
fällt das Mittlere Volksgericht Xinjiang sein Urteil.
Unterschlagung, Verunteuerung von Geldern,
Bestechlichkeit, Bestechung, also 24 Jahre Haft.
Geldstrafe in Höhe von 3,5 Millionen Yuan.
Die Anklagepunkte waren fast identisch
mit dem, was der ehemalige Schüler 2015 aufgeschrieben hatte.
Aber eine Zahl im Urteil fiel sofort auf.
Die anerkannte Summe der Bestechungsgelder 5,6 Millionen Yuan.
Etwa 470.000 Euro.
Nur dieser Summe.
Ein Mann, der 26 Jahre erbt war,
der Milliarden Umsätze durch seine Hände laufen ließ,
der auf allen Kontinenten Spuren hinterlassen hatte,
soll nur 5,6 Millionen Yuan an Bestechungsgeldern gezahlt haben?
Dieser Zahl passt überhaupt nicht zu seiner Macht.
Einer Interpretation.
Die ersten drei Anklagepunkte
betreffen Xi Jinpings persönlicher Gier.
Der vierte.
Die Bestechung wurde politisch klein gerechnet.
Warum?
Weil die Schmiergeldempfänger
seine Schussschilder im Staatsapparat waren.
Hätte wahren Summen und Namen im Urteil gestanden,
wären im System Köpfe gerollt.
Die Herabstufung der Summe war ein gezielter Schussmaßnahme.
Noch im Gerichtssaal erklärte Xi Jinping,
er werde das Urteil nicht einfechten.
Das war kein Geschenk aus Einsicht,
sondern ein kalkulierter Deal.
Ohne Berufung wandern die Akten ins Archiv
und die Beamten, die von ihm profitierten,
können weiter ruhig schlafen.
Das war Xi Jinpings letzter politischer Deal.
24 Jahre Haft.
Dafür, dass die Akten für immer versiegelt bleiben.
Dafür, dass seine Schutzmächte in Frieden leben können.
Vielleicht sorgen sie irgendwann mal dafür,
dass er unter dem Vorwand medizinische Behandlung freikommt.
Vielleicht auch nicht.
In diesem System entscheidet nie die Spielfigur
über ihr eigenes Schicksal.
Das Shaolin-Kloster hat inzwischen eine neue Führung ernannt.
Die neuen Verantwortlichen stehen vor denselben Strukturen,
denselben Spielregeln.
Wer wachsen will, braucht Rückhalt bei dem Mächtigen.
Wer diesen Rückhalt will, muss nützlich sein.
Und wenn dieser Mensch fällt oder keinen Nutzen mehr sieht,
kann alles, was man aufgebaut hat,
von einem Tag auf den anderen zu Beweislast werden.
Xi Jinpings Geschichte ist keine persönliche Tragödie
eines korrupten Münchs.
Sein Anfang war ein politischer Deal.
Sein Höhepunkt war ein weiterer politischer Deal.
Sein Ende war noch einer.
Das Shaolin-Kloster steht noch.
Die Münche treten noch auf deutscher Bühne auf.
Im Programmheft steht noch.
1500 Jahre reine spirituelle Überlieferung.
Wenn du das nächste Shaolin-Plakat siehst und kurz innehältst,
dann hat dieses Video seinen Zweck erfüllt.
Und schreib mir gerne in die Kommentare,
hast du schon mal eine Shaolin-Vorstellung gesehen?
Was denkst du jetzt darüber?
Und wenn du mehr solcher Geschichten willst,
du weißt ja, wo der Abo-Button ist.
Vielen Dank fürs Zuschauen, bis zum nächsten Mal.