Warum nutzen immer mehr wohlhabende Chinesen amerikanische Leihmütter? Welche Rolle spielen milliardenschwere Unternehmen, Investoren und internationale Fertilitätskliniken? Und weshalb geht es dabei für manche Familien um weit mehr als nur den Wunsch nach einem Kind?
In diesem Video beleuchten wir die internationale Leihmutterschafts-Industrie und zeigen anhand aktueller Fälle, wie eng Politik, Wirtschaft und globale Vermögensplanung miteinander verknüpft sein können. Außerdem werfen wir einen Blick auf die rechtlichen Besonderheiten der USA, die Bedeutung der amerikanischen Staatsbürgerschaft und die wirtschaftlichen Interessen hinter einem boomenden Milliardenmarkt.
📌 Themen im Video:
00:00 Der Spahn-Rücktritt und der eigentliche Skandal 01:34 Warum Chinesen den US-Leihmutterschaftsmarkt dominieren 03:55 Der Fall Qin Gang und die politische Dimension 05:41 Wang Huiwu & Xu Bo: Wenn Milliardäre Familiendynastien planen 10:36 Das Milliarden-Geschäft: Jinxin Fertility und internationale Investoren 12:58 Warum US-Leihmutterschaft für Chinas Reiche so attraktiv ist 15:32 US-Staatsbürgerschaft, Trump und das Fazit
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Der Fraktionsvorsitzende der Union, Jens Spahn, musste zurücktreten.
Nicht wegen eines klassischen Skandals, sondern weil er etwas getan hat, das in den USA völlig legal ist, in Deutschland jedoch verboten.
Er beauftragte eine Leihmutter, sein Kind auszutragen.
Diese Entscheidung löste ein politisches Erdbeben aus.
Die meisten Medien diskutieren derzeit eine Frage.
Ist Jens Spahn unglaubwürdig, hat er sich selbst widersprochen.
Ich möchte heute über etwas anderes sprechen.
Über die milliardenschwere Infrastruktur hinter der internationalen Leihmutterschaft.
In den vergangenen zehn Jahren spielte dabei eine Gruppe eine immer größere Rolle, von der die meisten Menschen noch nie gehört haben.
Vermögende chinesische Unternehmer und Investoren.
Und dahinter steckt, wie wir gleich sehen werden, weit mehr als nur der Wunsch nach einem Kind.
Es geht auch um internationale Mobilität und die Frage, wie wohl haben der chinesische Familien ihre Zukunft über nationale Grenzen hinweg absichern.
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Mit Hintergründen und Zusammenhängen, die in den Nachrichten oft zu kurz kommen.
Schauen wir zunächst auf die Zahlen.
Forscher der Emory University in den USA werteten die offiziellen Registierdaten der amerikanischen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin aus.
Sämtliche dokumentierte Leihmutterschaftszyklen in den Vereinigten Staaten zwischen 2014 und 2020.
Das Ergebnis? Die Zahl internationaler Auftraggeber, die eine amerikanische Leihmutter in Anspruch nahmen, viervierfachte sich innerhalb dieses Zeitraums.
Bis 2019 entfielen fast 40 Prozent aller amerikanischen Leihmutterschaftszyklen auf ausländischen Kunden.
Und unter diesen ausländischen Kunden stammt 41,7 Prozent aus China, mit großem Abstand vor Frankreich mit 9,2 Prozent und Spanien mit 8,5 Prozent.
Anders gesagt, fast jeder zweite internationale Kunde der amerikanischen Leihmutterschaftsbranche kam aus China.
Öffentlich wahrgenommen wurde dieses Thema erstmals durch einen Skandal in der chinesischen Unterhaltungsindustrie.
2021 kam heraus, dass die chinesische Schauspielerin Zheng Shuang über eine amerikanische Leihmutterschaft Zwillinge bekommen hatte.
Noch vor der Geburt der Kinder hatte sie sich aber von dem Vater getrennt.
Als ein Mitschnitt des Telefonats veröffentlicht wurde, in dem die beiden Familie über den Umgang mit den Kindern sprachen, löste das in China einen gewaltigen öffentlichen Aufschrei aus.
Die Behörden belegten Zheng Shuang anschließend faktisch mit einem Berufsverbot.
Erst durch diesen Fall wurde vielen Menschen bewusst, dass amerikanische Leihmutterschaft in wohlhabenden chinesischen Kreisen bereits seit Jahren genutzt wurde.
Allerdings weitgehend außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung.
Der Fall Zheng Shuang war letztlich die private Entscheidung eines Prominenten.
Was jetzt folgt, spielt in einer völlig anderen Liga.
Die nächsten drei Fälle zeigen die drei unterschiedlichen Seiten desselben Phänomens.
2023 verschwand Chinas damaliger Außenminister Tsingang plötzlich aus der Öffentlichkeit.
Die britische Financial Times berichtete unter Berufung auf sechs mit dem chinesischen Außenministerium vertrauten Quellen,
Tsingang aber eine Beziehung mit einer ehemaligen Fernsehmoderatorin gehabt.
Diese soll im Jahr zuvor mit Hilfe einer amerikanischen Leihmutter einen Sohn bekommen haben.
Offiziell bestätigt wurde weder die Vaterschaft noch die Hintergründe dieser Berichte.
Fest steht jedoch, Tsingang war erst kurz zuvor vom chinesischen Botschafter in Washington zum Außenminister aufgestiegen.
In einer Phase besonders angespannte Beziehungen zwischen USA und China.
Die meisten China-Analysten gehen davon aus, dass sein Sturz das Ergebnis eines innerparteilichen Machtkampfes war.
Die mutmaßliche Affäre allein gilt daher nicht als ausreichende Erklärung.
Sobald die Berichte jedoch international bekannt wurden, entwickelten sie sich zu einem erheblichen politischen Belastungsfaktor.
Eine angeblich streng vertraulich gehaltene Beziehung wurde plötzlich zum Gegenstand weltweiter Berichterstattung.
Das Ergebnis, Tsingang wurde aus allen seinen Ämtern entlassen und verschwand aus der Öffentlichkeit.
Auch seine Geliebte trat seitdem nicht mehr öffentlich in Erscheinung.
Das ist die politische Dimension dieser Geschichte.
Kommen wir zur wirtschaftlichen Dimension und das ist womöglich noch bemerkenswerter.
Im Mittelpunkt steht Wang Huiwu, Gründer des chinesischen Bildungskonzerns Hope Education.
Das Wall Street Journal berichtet unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen.
Wang habe in den USA auf einen Schlag 20 Eizellen erworben.
Und zwar von Models, promovierten Finanzexpertinnen und Musikerinnen.
Der Preis habe demnach zwischen 6.000 und 7.500 US-Dollar pro Eizelle gelegen.
Nach Angaben derselben Quellen plante Wang mit Hilfe von Leihmüttern,
10 Töchter mit seinem eigenen Sperma zeugen zu lassen.
Und laut diesen Insidern ging es eben dabei nicht allein um Kinder.
Sie berichteten, Wang habe gehofft, diese genetisch besonders hochwertige ausgestatteten Töchter
später mit einflussreichen Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft auf der ganzen Welt zu verheiraten.
Eine Art moderner Heiratsdiplomatie.
Für diese angebliche Motivlage gibt es jedoch keine unabhängige Bestätigung.
Sie stammt ausschließlich aus den Aussagen anonymer Quellen, auf die sich das Wall Street Journal beruft.
Belegt ist dagegen etwas anders.
Wang Hui Hu selbst sowie ihm zugerechnete Social Media Accounten
haben über Jahre öffentlich die Auffassung vertreten, dass mehr Kinder alle Probleme lösen.
Und wiederholt davon gesprochen, eine möglichst große Familiendynastie aufbauen zu wollen.
Und dann gibt es noch einen Fall, der all das noch einmal auf die Spitze treibt.
Xu Bo, Gründer einer Spielefirma, verfügt Schätzungen zufolge über ein Vermögen von mehr als 20 Milliarden Yen.
Er hat öffentlich für Polygamie und eine drastisch höhere Geburtenrate geworben.
Von 50 hochwertigen Söhnen gesprochen und mehrfach erklärt,
er wünsche sich, dass seine Kinder eines Tages die Kinder von Elon Musk heiraten.
Diesen Satz sollte man sich kurz vor Augen führen.
Er verrät nicht nur den Wunsch nach einer großen Familie.
Er offenbart einen Ehrgeiz, bei dem Ehe und Nachkommen als Mittel verstanden werden,
um Reichtum, Einfluss und familiäre Macht langfristig auszubauen.
Das Wall Street Journal berichtete,
dass einem Gericht in Los Angeles im Jahr 2023 bei der routinemäßigen Prüfung
mehrere Sorgerechtsanträge für Leihmutterschaft immer wieder derselbe Vatername auffiel.
Xu Bo.
Daraufhin setzte Richterin Amy Pellman eine vertrauliche Anhörung an.
Xu Bo nahm per Video mit einem Dolmetscher daran teil.
Nach Angaben des Wall Street Journal, das sich auf Teilnehmer dieser Anhörung beruft,
erklärte Xu Bo dort, er wünsche sich rund 20 in den USA geborene Söhne,
ausdrücklich Söhne, weil er sie für den Fortbestand seines Unternehmens für geeigneter halte.
Die Richterin wies seinen Antrag schließlich zurück.
Ein in diesem Bereich ungewöhnlicher Schritt.
Xu Bos Unternehmen bestritt die Darstellung des Wall Street Journal entschieden.
Zugleich erklärte es jedoch, dass nicht alle in Bericht genannten Zahlen zu treffen
und räumte ein, dass zwölf seiner Kinder tatsächlich in den USA geboren worden seien.
Anfang Juni endete außerdem ein weiterer Gerichtsstreit.
Dieses Mal zwischen Xu Bo und seiner ehemaligen Lebensgefährtin.
Aus Protest gegen das Urteil veröffentlichte Xu Bo selbst ein Gruppenfoto von über 100 Kindern.
Ob das Bild vollständig authentisch oder teilweise digital bearbeitet wurde,
lässt sich bislang nicht unabhängig verifizieren.
Fest steht jedoch, Xu Bo selbst entschied sich, dieses Bild öffentlich zu verbreiten.
Auch Spekulationen, er habe nahezu 300 Kinder, wies sein Unternehmen zurück.
Gleichzeitig erklärte es, Xu Bo habe inzwischen nur mehr als 100 Kinder,
von denen nach eigener Angaben nur ein kleiner Teil in den USA geboren wurde.
Diese Geschichten klingen extrem.
Doch gerade an solchen Extremfällen lässt sich besonders gut erkennen,
wie das System dahinter funktioniert.
Ein System, das sich längst zu einer international verzahnten Wertschöpfungskette entwickelt hat.
Ein gutes Beispiel dafür ist die Jingxin Fertility Group aus Sichuan.
Das Unternehmen ging 2019 in Hongkong an die Börse
und zählt heute zu den größten privaten Anbietern für Reproduktionsmedizin in China.
Zu den Investoren gehören internationale Private Equity-Gesellschaften
wie Warburg Pincus und Hill House Capital.
Hinzu kam eine Investmentplattform, der CITIC Group,
einem der größten staatlich kontrollierten Mischkonzern Chinas.
2018 tätigte Jingxin dann einen strategisch entscheidenden Zukauf.
HIC Fertility, einer der bekanntesten Klinikketten für Reproduktionsmedizin in Kalifornien.
Der eigentliche Wert der Übernahme lag nicht allein in der medizinischen Infrastruktur.
HIC verfügte bereits über einen ziemlich großen Kundenstamm aus China.
Dadurch konnte Jingxin die bislang getrennten Abläufe auf beiden Seiten des Pazifiks miteinander verbinden.
Von der medizinischen Vorbereitung in China über die Behandlung und Leihmutterschaft in den USA
bis hin zur rechtlichen Abwicklung.
Nach den veröffentlichten Geschäftsberichten verdoppelte sich der Umsatz von Jingxin in den Jahren nach der Übernahme nahezu.
Einen wesentlichen Beitrag dazu leistete das US-Geschäft mit chinesischen Kunden.
Bemerkenswert ist auch die personelle Ebene.
Der Vorstandsvorsitzende von Jingxin war zwischen 2018 und 2021 zuvor viele Jahre in einem chinesischen Staatsunternehmen tätig.
Zusammengenommen ergibt sich ein interessantes Bild.
Internationale Investoren, Beteiligungen mit Verbindungen zum chinesischen Staatssektor
und ein Management mit Erfahrung in staatlichen Unternehmen.
Das bedeutet nicht, dass Jingxin ein staatliches Unternehmen ist und direkt von Pekin gesteuert wird.
Es zeigt aber, dass zwischen diesem Geschäftsmodell und Teilen des chinesischen Staatssektors
durchaus personelle und finanzielle Verbindungen bestehen.
Und damit stellt sich die eigentliche Frage,
warum setzen so viele wohlhabende Chinesen alles daran, dass ihre Kinder ausgerechnet in den USA geboren werden?
Hier kommt ein Motiv ins Spiel, an das viele zunächst gar nicht denken.
Der Transfer von Vermögen ins Ausland.
Nach chinesischem Devisenrecht darf eine Privatperson grundsätzlich nur bis zu 50.000 US-Dollar pro Jahr in Fremdwährungen umtauschen.
Wer deutlich größere Beträge ins Ausland überweisen möchte,
muss je nach Zweck und Struktur der Zahlung weitere Nachweise erbringen oder zusätzliche Genehmigungsverfahren durchlaufen.
Internationale Leihmutterschaften kosten jedoch häufig mehrere hunderttausend Dollar.
Die Ausgaben verteilen sich auf zahlreiche Positionen.
Medizinische Behandlungen, Fugbarkeitskliniken, Anwaltskanzleien,
Agenturen sowie die Vergütung der Leihmutter.
Mehrere Experten für Chinas Kapitalferkehrskontrolle weisen deshalb darauf hin,
dass solche komplexe, grenzüberschreitende Dienstleistungen für mögende chinesische Familien zugleich
einen legalen Anlass für umfangreiche Auslandzahlungen bieten können.
Das bedeutet nicht, dass internationale Leihmutterschaften grundsätzlich der Kapitalflucht dienen.
Für viele Paare steht eindeutig der Kinderwunsch im Vordergrund.
Für einen Teil besonders vermögenden Familien kann diese Konstruktion jedoch einen zusätzlichen Vorteil haben.
Große Summe verlassen China im Rahmen reale Dienstleistungen und vertraglich belegbare Zahlungen
und nicht als einfache Vermögensüberweisung.
Und das Entscheidende.
Diese in Amerika geborenen Kinder erhalten automatisch die amerikanische Staatsbürgerschaft.
Damit verfügt die nächste Generation nicht nur über einen zweiten reichlichen Anknüpfungspunkt außerhalb Chinas.
Sie erhält auch deutlich mehr Möglichkeiten für Ausbildung, Wohnsitz, Unternehmensgründungen
und langfristige internationale Vermögensplanung.
Das bedeutet, ein Teil der nächsten Generation und ein Teil des Familienvermögens
ist damit faktisch außerhalb der Reichweite von Chinas Antikorruptions- und Vermögensprüfungssystemen verankert.
Präsident Donald Trump unterzeichnete am ersten Tag seiner zweiten Amtszeit eine Anordnung,
in der das automatische Geburtsortprinzip für bestimmte Kinder eingeschränkt werden sollte.
Dagegen wurden zahlreiche Klagen eingereicht.
Der Supreme Court entschied im Juni jedoch zunächst nicht über die Verfassungsmäßigkeit dieser Anordnung selbst.
Stattdessen befasst sich das Gericht mit der Frage,
in welchem Umfang Bundesgerichte solche Anordnungen landesweit stoppen dürfen.
Die eigentliche Verfassungsfrage ist damit weiteren Gegenstand juristischer Auseinandersetzungen.
Für den Moment gilt deshalb weiterhin das traditionelle Geburtsortprinzip.
Wer unter den Voraussetzungen des 14. Verfassungszusatzes in den USA geboren wird,
erhält grundsätzlich die amerikanische Staatsbürgerschaft.
Kritiker sehen darin einen Anreiz für sogenannten Geburtstourismus.
Führende Republikaner, darunter der Sprecher des Repräsentantenhauses Mike Johnson,
haben das wiederholt kritisiert und eine Reform gefordert.
Für wohlhabende Familien aus China bedeutet das,
der Weg über eine Geburt in den USA amerikanische Staatsbürger in der eigenen Familie zu haben,
besteht derzeit grundsätzlich weiter.
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China und wirtschaftliche Zusammenhänge interessieren.
Danke fürs Zuschauen und bis zum nächsten Mal.