Leib und Speise: der Thermomix

Kontra Funk
30 Abonnenten
4 Videoaufrufe·09.10.2024
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https://www.spreaker.com/episode/leib-und-speise-der-thermomix--62287552
Er ist aus vielen Haushalten nicht mehr wegzudenken, und auch in den Profiküchen kommt der Thermomix zum Einsatz. Welche Vorzüge hat das Gerät, und wo sind seine Grenzen? Das bespricht Markus Vahlefeld mit einer ganz normalen Hausfrau, die den Thermomix gerne einsetzt, und mit dem Profikoch Heiner Bohnet von der Goldenen Sonne in Neuenstein. Einige Rezepttipps sind auch mit dabei, aber keine Sorge: Das sind alles Rezepte, die auch ohne Thermomix ganz wunderbar gelingen.
Hallo und herzlich willkommen, liebe Hörer, zu einer weiteren Ausgabe von Leib und Speise,
dem Magazin über unser Essen und unser Trinken, natürlich auf Kontrafunk. Mein Name ist Markus
Fahlefeld. Heute möchte ich Sie entführen in meine kleine Laborküche, nicht nur was das Kochen angeht,
sondern auch in das Labor dieser Sendung, wie meine Themen entstehen und auf welche Widrigkeiten
ich dabei stoße. Es geht heute um den Thermomix, also jenes Gerät, das ähnlich den Tempotaschentüchern
von einem Markennamen zu einem Genrenamen avanciert ist. Der Thermomix ist das Küchengerät schlechthin
mit Mix- und Schneidefunktionen, vor allem aber mit einer Temperatursteuerung, die sogar heiße
Speisen im Thermomix ermöglicht. Aber natürlich ist der Thermomix nur ein Thermomix, wenn er von
der Firma Vorwerk kommt. Und Vorwerk ist das klassische deutsche Familienunternehmen,
aufgestiegen zu einem Weltmarktführer. Und es war eben einer der Gesellschafter von Vorwerk,
Tim Mittelstenscheid, der vor wenigen Wochen meinte, in die Wahlkämpfe der neuen Bundesländer
eingreifen zu müssen mit der Aktion »Made in Germany, made by Vielfalt«. Der Rechtsruck in
Deutschland und Europa hatte ihn, wie er selbst mitteilte, motiviert, endlich Flagge zu zeigen,
wie es im bunten Neusprech so schön heißt. Darum, also um die Eingriffe der Wirtschaftsunternehmen
ins Wahlverhalten der Bürger geht es genauso wie auch darum, was der Thermomix kann und was er
nicht kann. Dafür spreche ich mit einem Profikoch, mit Heiner Bonett, der den Thermomix ebenfalls
nutzt, wie auch mit einer ganz normalen Endverbraucherin. Dass sie aus Dresden kommt,
wo kürzlich gewählt wurde und eben jener Vorwerk-Miteigentümer unbedingt die Wahlen
beeinflussen wollte, ist reiner Zufall, ich schwöre. Bleiben Sie dran. Bis gleich.
Die Küchenmaschine mit Kochfunktion, das ist der Thermomix von Vorwerk, von der Firma Bosch
heißt er Cookit und von Kenwood Cooking Chef. Sie alle können nahezu das Gleiche, nämlich mixen,
schneiden und vor allem hohe Temperaturen generieren, die selbst zu einem Kochvorgang
ausreichend sind. In den genannten Küchengeräten kann man zwar nicht braten, obwohl man es können
soll, aber die Ergebnisse sind nicht so, dass die Maillardreaktionen, also die Röstaromen,
wirklich befriedigend sind. Also rühren, mischen, kneten, zerkleinern, wiegen, erwärmen,
kochen und dünsten, das ist alles möglich und so entstehen schmackhafte Suppencurries oder eben
Eintöpfe. Den Geräten zu eigen ist ein großer Mixtopf, ein Schlagmesser und inzwischen ein
Touchscreen, der die Geräte in einen Küchencomputer verwandelt, was den Umgang nicht
einfacher macht, aber eben Automatisierungen und Synchronisierungen erlaubt, die für uns
ständige Nutzer der digitalen Welt zumindest eine lustige, wenn nicht interessante Erweiterung bieten,
aber gleichzeitig eben auch abschreckend sind, weil das Handhaben der Geräte dadurch natürlich
viel komplizierter wird. Hier hat die Firma Vorwerk mit der App Cookidoo wirklich eine
Vorreiterfunktion, weil mit Cookidoo nicht nur unzählige Rezepte abrufbar sind, sondern der
Küchencomputer mit der App verbunden werden kann und dann sogar die Funktionen automatisch ablaufen.
Das Vorwerkgerät Thermomix kostet 1499 Euro und die Mitgliedschaft in der App schlägt jährlich
nochmals mit ca. 100 Euro zu Buche. Die Computerfunktion ist also eine durchaus nennenswerte
weitere Einnahmequelle für Vorwerk. Das sollten Endverbraucher wissen, denn die Anschaffung des
Geräts zieht eben weitere Kosten nach sich, die nicht nur im breiten Zubehörangebot liegen,
sondern die inzwischen eben auch für die Ausschöpfung aller Möglichkeiten des Geräts
zwingend sind. Der Cookidoo von Kenwood ist etwas günstiger, während der Bosch Cookit ungefähr
den gleichen Preis wie der Thermomix hat. Das in Kürze. Nun bin ich kein Nutzer dieser
Küchengeräte, was einfach daran liegt, dass ich in der Küche keine Digitalität und Vernetzung
benötige, ja sogar froh bin, beim Kochen noch manuell und ganz analog zu arbeiten. Deswegen
bat ich die beiden Firmen Vorwerk und Kenwood um die Zusendung eines Testgeräts. Beide antworteten
freundlich, wir machten Mietverträge aus und das Vorwerkgerät kam dann auch bei mir an.
Die Firma Kenwood wird in Deutschland von Delonghi vertreten, die unter anderem für
ihre Kaffeemaschinen bekannt sind. Einen Tag bevor das Kenwood-Gerät ankommen sollte,
teilte mir dann Delonghi Folgendes mit, ich zitiere jetzt, nach eingehender Prüfung haben
wir leider festgestellt, dass ihr Medium, also Kontrafunk, Werte und Ansichten vertritt,
die wir nicht teilen können. Aus diesem Grund haben wir uns entschieden, den Versandauftrag
zu stoppen und die Kooperation zu beenden. Natürlich habe ich, höflich wie ich bin,
nachgefragt, ob Delonghi mir kurz die von uns vertretenen Werte und Ansichten beschreiben
könnte, die das Unternehmen nicht teilte. Eine Antwort ist nie gekommen, aber dieses
Spiel kenne ich natürlich bereits, die Feigheit und auch Faulheit und Argumentelosigkeit steht
eben in dir mit reinem Widerspruch zu der mutigen Haltung und dem berühmten Flaggezeigen. Warum
ich das kenne? Weil sehr sehr viele Anfragen von mir negativ beschieden werden. Eben weil
der Kontrafunk Werte und Ansichten vertreten soll, die scheinbar für die Wirtschaft schädlich sein
sollen. Das schönste bisher war eine E-Mail, die ich bekam, nachdem ich einen Gesprächspartner
für Kartoffeln gesucht hatte. Gerne hätte ich mit jemandem über die verschiedenen Kartoffelsorten
gesprochen, wofür sie sich eignen, was man beim Kauf und der Verwendung beachten solle und was
man alles Leckeres aus den verschiedenen Sorten machen könne. Ein Koch und Buchautor, der
gleichzeitig auf dem Münchner Viktualienmarkt einen Spezialitätenhandel für Kartoffeln betreibt,
freute sich, dass endlich auch mal bekannte und unbekannte Kartoffelsorten in den Medien
behandelt würden. Wir telefonierten lange und sehr herzlich und kooperativ, aber bevor er mir
einen Termin mitteilte, schrieb er dann per E-Mail, ich zitiere jetzt wieder,
wir sehen uns politisch und menschlich nicht bei Kontrafunk aufgehoben und ich möchte das
Interview hiermit absagen. Und genau hier ist eine Grenze überschritten, denn das Menschliche
zum Argument zu erheben, hat ja als einzig logische Konsequenz, dass ich oder der Kontrafunk oder Sie
als Hörer eben Unmenschen sind. Das hat leider in der Wirtschaft um sich gegriffen. Dabei gibt es
ein Prinzip in der Wirtschaft und damit meine ich nicht einen moralischen Anspruch, sondern es ist
das Funktionsprinzip der Wirtschaft schlechthin, das ich ganz einfach und ohne Pathos Brüderlichkeit
nenne. Wenn man etwas verkauft, schaut man nicht auf die Herkunft, die Hautfarbe oder die Religion
des Käufers, auch nicht auf die politischen Anschauungen, sondern verkauft es ihm. Er wird
zum Bruder, eben weil man sein Geld will. Ganz schrecklich, aber die Brüderlichkeit offenbart sich
da drin. Ob Christ, Jude, Buddhist oder eben Moslem, meine Kartoffeln sollen von jedem gekauft
werden. Ob weiß, ob schwarz oder gelb, der Wirtschaftskreislauf kennt weder Ideologien
noch Rasse. Das ist eine der großen Errungenschaften des Wirtschaftslebens, die vor
allem inzwischen von Wirtschaftsunternehmen ausgehebelt wird. Die Regression, der Rückschritt
in wieder vorzivilisierte Zeiten, wo man nur an bestimmte Menschen verkauft, geht damit leider
einher. Sehr bedauerlich. Kommen wir zurück zu Vorwerk. Nachdem ich also selbiges Muster bei
der Einflussnahme auf die Wahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg vom Vorwerk-Gesellschafter
erkannt hatte, war ich dem Thermomix nicht mehr ganz unvoreingenommen gegenüber. Deswegen spreche
ich lieber mit Praktikern, einem Profikoch und einer Endverbraucherin über die Küchenmaschine
und enthalte mich selbst der Wertung. Was ich auf jeden Fall nicht empfehlen kann, ist Kenwood
und DeLonghi. Und auch wenn ich nicht den Aufreger um Björn Höcke strapazieren will,
der den mittelständischen Unternehmen, die sich in die Wahlen in den neuen Bundesländern einmischten,
Heuchelei vorwarf, im Angesicht der jahrelangen und begeisterten Deindustrialisierung des Landes,
so habe ich doch Verständnis für die strikte Ablehnung dieser Art von Wirtschaftsverblödung,
die übrigens bei Edeka, die ja auch einen berühmt-berüchtigten Welt-nicht-Blau-Aufruf
starteten, zumindest zu einer öffentlichen Entschuldigung führte. Und noch ein Fun-Fact
zu Vorwerks Made-in-Germany-Made-by-Vielfalt-Initiative. Der Thermomix wird hauptsächlich
in Frankreich hergestellt, aber da geht es ja bekanntermaßen auch sehr bunt und vielfältig zu.
Und seit der Digitalisierung der Geräte im Jahr 2014 hat Vorwerk seinen Umsatz mit dem Thermomix
mehr als versechsfacht. Der Umsatz von 200 Millionen Euro im Jahr 2013 sprang mit der
Neueinführung des digitalen Thermomix auf astronomische 1.375.000.000 Euro. Und noch
immer wird der Thermomix ausschließlich im Direktvertrieb angeboten. Eine Strategie,
die man von der berühmten Tupperware kennt. Ob der Thermomix also etwas für Sie ist? Vielleicht
haben Sie überlegt, Ihrem Partner ein Küchengerät zu Weihnachten zu schenken, oder Sie haben noch
einen alten Thermomix im Schrank und ihn lange nicht mehr genutzt, weil die Ideen ausgegangen
sind? Genau dafür biete ich valide Informationen, habe einige Anregungen und einige Tipps und schöne
Beispiele. Und auch wenn ich den Thermomix selbst nicht benutze, was unter anderem auch an der schieren
Größe des Geräts liegt und die Größe meiner Küche im Büro eher überschaubar ist, so habe ich
nach meinen Gesprächen mit den beiden Praktikern doch Lust an dem Gerät empfunden. Und das
Basilikumöl, das ich auf Anraten von Heiner Bonet hergestellt hatte, ist wirklich ganz fabulös
geworden im Thermomix. Vor allem auf die Herstellung aromatisierter Öle im Thermomix wäre ich alleine
nicht gekommen. Dazu gleich mehr nach der kurzen Musikpause in meinem Gespräch mit Heiner Bonet.
Zugeschaltet ist mir jetzt Heiner Bonet. Heiner Bonet ist Koch und Betreiber der
Goldenen Sonne in Neuenstein bei Heilbronn. Er ist ausgebildet in der Hochgastronomie im
Fine Dining und steht mir als wiederkehrender Gast zur Verfügung, wenn es um knifflige Themen
des Kochens geht, wie jetzt zum Beispiel beim Thermomix. Hallo Heiner. Hallo Markus.
Professor Tess, mit dem ich über die kulinarische Thermodynamik gesprochen habe und wo er den
Thermomix gerne vorführt, Professor Tess meint ja, dass wer es schafft, Käufern 1500 Euro für ein
Produkt aus der Tasche zu ziehen, dessen Funktion man mit einem Topf, einer Heizplatte und einem
Quirl im Wert von insgesamt 50 Euro ebenso erfüllen kann, ist ein Marketing-Genie. Und
voller Hochachtung schließt er, solche Unternehmer brauchen wir. Heiner, ich frage dich jetzt. Du
arbeitest, wenn ich es noch richtig nach der Begehung deiner Küche erinnere, auch mit sogar
mehreren Thermomixen. Was ist für dich als Hochkoch das Besondere am Thermomix oder anders
worum hast du sie? Ja, ich habe zwei Thermomix und zwar für mich das beste Modell. Das ist der TM31,
den es auf Kleinanzeigen oder irgendwo gebraucht immer um die 300 Euro zu kaufen gibt. Es ist
quasi noch das gute alte Gerät, was ohne zu viel digitale Technik auskommt. Ich verwende den
Thermomix als Mixer, als Maschine zum Mürbeteig herstellen. Als Mixer des Messers wiegen? Er hat
ein gutes Messer und er dreht schnell und man muss sagen, er kann ungefähr von 700 Gramm bis
zu 2000 Gramm mixt er gut. Okay, 700 Gramm bis 2 Kilo. Also weniger mixt er nicht ordentlich,
dann spritzt es nur an den Rand und es funktioniert nicht. Aber ich arbeite ja jetzt schon einige Jahre
mit dem Thermomix und er mixt sehr gut, muss man sagen. Er mixt sehr gut und damit machst du?
Pürees oder Nusspasten oder aus Zerealienpasten oder ich schrote Zerealien damit. Also das ist
auch eine Funktion, die er sehr gut kann, wenn man ganz schnell auf höchste Geschwindigkeit dreht,
zum Beispiel Buchweizen einfüllt, dann bekommt man schönes Buchweizenmehl. Das heißt dann ohne
Feuchtigkeit und das einfach nur als Mixer benutzen. Ja genau und er ist temperaturunempfindlich. Ich
kann die Buchweizen auch geröstet einfüllen und schnell mixen, dann bekomme ich das geröstete
Buchweizenmehl. Das gleiche geht mit Nüssen. Ich kann dann zu dem Mixen der Nüsse auch noch
einen Karamell hinzugeben und kann sozusagen ein bisschen abgeändert eine eigene Nougatmasse
herstellen, indem ich das soweit mixe, bis das Öl ein bisschen austritt und damit Lecithin ein
bisschen einfangen wieder. Also da gibt es viele Möglichkeiten, aber mixen ist die Grundfunktion.
Mixen ist die Diffing Thermomix. Genau das macht er gut, ein starkes Messer und was er auch kann
ist Farce herstellen, also die klassische Fischfarce für Fischklöße oder Fischterrinen,
was die hohe Küche natürlich so gerne macht. Das heißt man gibt zu kaltem Fisch drei Prozent
Salz und dann ungefähr die gleiche Menge kalte Sahne während des Kutterns. Also das hat man
sonst immer in einem Kutter machen müssen, da hatte man noch ein extra Gerät. Das heißt,
er darf nicht zu schnell drehen, da darf man nicht zu hoch drehen, sonst entsteht zu hohe
Temperatur um das Messer rum, das Fischeiweiß verklumpt und die Farce hält nicht. Das heißt,
man muss das Messer langsamer rühren und die Fischstruktur erst mit dem Salz zerstören und
dann langsam die Sahne einfließen lassen. Das gleiche geht auch mit Fleisch, nur dann nimmt
man ein bisschen weniger Salz, wenn man es nicht so viel braucht. Und das kann der Thermomix auch,
er ersetzt auch einen Kutter. Da wird es dann schon schwierig mit dem Handrührgerät.
Ja, das ist ein guter Hinweis. Das heißt aber auch da ist verpflichtend 700 Gramm oder mehr
machen zu müssen? Nee, eher weniger. Ah, okay. Ja, sonst schafft er das nicht. Ah ja,
verstehe. Ja, weil der Fisch hat eine sehr feste Struktur und durch das erste Zerkuttern mit dem
Salz wird er ganz hart klebrig und er bremst das Messer dann ungemein. Das heißt,
eher so 250 Gramm Fisch und 250 Gramm Sahne, das ist schon das Höchste der Gefühle. Ah ja,
okay. Aber ich fand, ich habe eine Mayonnaise gemacht in dem Thermomix und ich musste da so
viel Öl nehmen, so viel Mayonnaise esse ich nicht. Bis das glatt wird. Ja, das sind die 600-700 Gramm.
Genau. Nee, da brauchen wir mindestens drei Eier oder so. Und zehn Gäste.
Okay, das heißt bei der Farce, also sei es Fisch oder Fleischfarce, kann man weniger nehmen. Da
vereignet er sich auch gut. Ja, es geht ja mehr ums Volumen als ums Gewicht und Fisch hat mehr
Volumen als Wasser. Deshalb braucht man schon weniger. Und Teige machst du damit auch? Teige?
Nee, nur den Mürbeteig. Nur den Mürbeteig? Und den Mürbeteig macht er besser als jede
andere Küchenmaschine. Also das ist wahrscheinlich das Häufigste, was ich im Thermomix mache, sind
meine Crumble. Also das klassische Crumble-Rezept ist 1, 1, 1, 1. Ein Teil Nuss, ein Teil Mehl,
ein Teil Zucker, ein Teil Butter. Und man macht die trockenen Bestandteile, also alles ohne die
Butter, einfach in den Thermomix. Geht einmal auf Vollgas, dann ist alles homogen vermengt. Dann
macht man die ganz kalte, etwas klein geschnittene Butter dazu und geht nochmal sechs Sekunden auf
Vollgas. Dann hat die Butter sich in ganz kleine Stücke verteilt und fängt an zu binden. Aber der
Teig ist ganz mürbe. Und dann macht man aus und hat einen fertigen Mürbeteig in 20 Sekunden.
Das ist verrückt. Und dafür ist der Thermomix in der Profiküche auch bekannt, kann man das sagen?
Oder ist sein eigenes Erfahrungsfeld gewesen? Nee, nee, das wissen schon mehrere Köche.
Das wissen schon mehrere Köche. Okay, sehr gut. Also das heißt, du hast nicht das digitale
Neugerät, das sich über 1.500 Euro kostet? Das digitale Gerät hat eine Eigenschaft. Es hat
den Sicherheitsmechanismus, dass der Deckel sich durch einen Automatismus öffnet, wenn man die
Geschwindigkeit auf Null dreht. Mein Gerät lässt sich auch nur öffnen, wenn ich die Messergeschwindigkeit
auf Null gedreht habe. Aber das neue Gerät geht davon aus, dass die Flüssigkeit im Becher sich
vielleicht noch drehen könnte. Und dann, wenn ich den Deckel runternehme, aus dem Thermomix
spritzen könnte, was auch passieren kann. Aber deshalb lässt sie einen immer 10 Sekunden warten.
Und das nervt dich? Nein, das dreht durch. Das funktioniert nicht. Wenn mir ein Gerät sagt,
wann ich es aufmachen darf, das funktioniert gar nicht. Dann hat er noch einen Touchscreen,
der funktioniert auch immer nicht, wenn ein bisschen Wasser drauf ist oder irgendetwas.
Wenn der ausgesteckt war und man die neu einsteckt, dann muss man eine halbe Minute warten,
bis der hochgefahren hat. Das sind Zeiten, in denen es in der Küche gar nicht funktioniert.
Also in einer halben Minute auf dem Gerät warten, dann kündigt jeder Koch.
Sehr gut, sei es innerlich. Es funktioniert gar nicht. Was hat man denn dann für ein Arbeitstempo?
Ja, das heißt, der Thermomix, der neue, der TM6, ist also nicht für die Profiküche mehr geeignet?
Der steht bestimmt in ganz vielen Profiküchen, weil man den anderen ja gar nicht mehr kaufen kann.
Aber für mich ist das Gerät komplett an der Idee vorbei. Also wenn ein Gerät einen
zeitlichen Rahmen diktiert, dann läuft was schief. Ja, guter Punkt. Mich befremdet die
Digitalisierung des Thermomix ebenfalls. Nicht nur wegen der monatlichen Kosten,
die es bedeutet und dem Programm, die man runterladen kann, die ich faktisch gar nicht
brauche, sondern auch, weil im Thermomix passiert ja eh so viel im Geheimen,
dass jetzt noch mit einem Computerprogramm alles im Unsichtbaren abläuft. Das lässt
sich in meinen Kochvorgang gar nicht integrieren, zumal ich ja die ganzen
Schnittprozesse doch noch selbst durchführen muss. Deswegen sagst du, das alte Gerät,
den Thermomix 3, der ist gut geeignet. Genau, TM31 heißt der TM31. Genau,
den kann man gut verwenden. Und wer mal irgendwie ein Gemüse hacken möchte oder
für eine Bolognese die Karotte einfach nur so ein bisschen kleiner will und keine Zeit hat,
kann da auch seine geschälten Karotten reinschmeißen und die Geschwindigkeit auf
Nummer 4,5,5 drehen und dann hat man so kleine Karottenhacksel. Also das funktioniert alles,
das kann man so auch verwenden. Aber ja, wie du sagst, das Kochen in dem Gerät,
also ein Risotto aus dem Thermomix, also ich glaube in Italien würde sich das nicht verkaufen.
In Deutschland und Amerika ist es ein sehr erfolgreiches Gerät.
Ja, es stiftet halt anscheinend einen Mehrwert. Also für den, der halt nicht kochen kann,
der wird an die Hand genommen, der macht sein Chip an der Seite rein, dann sagt ihm das Gerät,
er kann ja auch wiegen. Jetzt so 300 Gramm von dem und dann schüttet man die da rein und
nachher kommt ein Kuchen raus. Und die Personen haben noch nie vorher einen Kuchen selbst
gebacken. Das ist ja toll. Genau, das würde ich auch ganz ehrlich sagen. Also wer immer
Tütensuppen oder Dosenessen zu sich genommen hat, für den ist der Thermomix einfach,
weil man mit frischen Produkten arbeiten muss, zumindest ein Fortschritt. Eine Erleichterung
weiß ich nicht, aber ein Fortschritt, sagen wir es so. Nur in einer Küchenkultur,
die das weder benötigt noch je als Tradition aufgebaut hat, glaube ich,
ist sehr schwer zu vermitteln. Okay, aber ich fasse nochmal zusammen. Jede Art des Pürees,
aber dann recht große Mengen, wenn ich das richtig verstanden habe. Ja, halt für eine Küche. Genau,
für dich als Küche ist es natürlich großartig. Wenn man Single ist, ist es definitiv immer zu
viel. Ja, aber wenn man eine Suppe macht, zum Beispiel für zwei Personen, eine gebundene Suppe
mit einem Gemüse drin, dann kann man auch gut eineinhalb Liter machen oder zwei und kann die
dann essen. Also das ist ja nicht so viel. Kürbissuppe jetzt zum Beispiel im Herbst funktioniert
erst rein. Okay, gut. Das heißt dann Suppen, Pürees, du sagst Farce geht ganz wunderbar. Natürlich zum
Mixen etc., das ist selbstverständlich. Und dann eben der Mürbeteig, der ist bei dir auch gesetzt
und dafür der Thermomix. Ganz genau. Was noch funktioniert, was ich selbst nicht mache,
weil ich es lieber im Topf mache, ist Dinge zur Rose abzuziehen. Also die klassische Vanillesoße
wird ja zur Rose abgezogen. Das heißt, man erwärmt sie unter Rühren, also das ist Gemisch aus Milch
oder Flüssigkeit und Ei oder Eigelb, erwärmt man im Topf unter Rühren so lange, bis wenn man mit
dem Löffel, mit der Löffelrückseite durchgeht und auf diese Rückseite pustet, muss es so viel
Bindung haben, dass sich eine Rose im Bild quasi ergibt. Und das ergibt sich bei einer Temperatur
von ungefähr, je nach Eianteil, sagen wir mal 80 Grad. Das soll ja nicht unten ansetzen und
schwarz sein und oben soll es dann gerade die richtige Temperatur haben. Deshalb muss man
immer rühren, rühren, rühren bei schwacher Hitze oder auf dem Wasserbad, ganz klassisch. Und das
kann der Thermomix eben auch. Man stellt zum Beispiel 85 Grad oder 90 Grad ein und hat sein
Gemisch da drin und lässt ihn rühren und lässt ihn einfach mal zehn Minuten warm machen und dann
läuft man nicht Gefahr, dass es unten ansetzt. Man kann so lange was anderes machen. Das heißt,
er kann meine Eismasse zum Beispiel fürs Vanilleeis oder meine Vanillesoße oder so,
könnte er zur Rose abziehen, ohne dass ich das selbst machen muss. Ich selbst bin davon wiederum
kein so großer Fan, weil der heizt doch recht stark am unteren Ende des Thermomix, also am Boden
und es geht dann oft leicht so ein bisschen an. Wenn es nicht zu sehr ist, schmeckt man es auch
nicht, aber wenn es zu stark ist, würde man es doch schmecken. Und das andere Problem ist,
eine Vanillesoße sollte gerührt sein und nicht von Messern umgewälzt. Sie soll sich ja gerade
Struktur bilden und sie soll ja Stand haben. Deshalb ist es so ein bisschen kontraproduktiv.
Aber das bestimmte Erwärmen auf eine Temperatur unter Rühren macht er doch recht gut. Wo mache
ich mir das zunutze? Zum Beispiel bei der Herstellung von grünen Ölen. Ich nehme zum
Beispiel ein Bund Petersilie, gebe Öl dazu, mache den Thermomix, mixe das einmal ganz schnell. Es
emulgiert, es entsteht ein Pesto. Das will ich aber nicht. Ich möchte ja ein grünes Öl. Und
dann gehe ich auf zehn Minuten als Zeit und stelle 90 Grad ein und lasse das auf niedriger Stufe,
eineinhalb, zwei, einfach rühren und erhitzen. Dann trennt sich wieder mein Pesto und es gibt
ein grünes Öl mit dem Geschmack der Petersilie und voll mit Chlorophyll. Die Petersilie wird wie
so ein bisschen gegart und das Wasser verdunstet. Dann kann ich es absieben und kalt stellen. Dann
habe ich ein grünes Öl mit Petersiliengeschmack und ich habe alles in einem Topf gemacht. Also
alles im Thermomix. Natürlich könnte ich das auch von Hand machen. Ich mixe es erst und mache es
dann wieder auf dem Herd und rühre es. Aber so ist es natürlich die einfache Sache. Ja,
das klingt gut. Ich kenne ja auch deine aromatisierten Öle. Das heißt, die machst
du dann auch im Thermomix? Einige. Weil dann eine Temperaturzugabe der Vorteil ist,
weil dann eben nochmal Wasser verdunstet und das ganze Chlorophyll einfach besser gelöst wird.
Genau. Es wird auch mehr fixiert an das Fremdöl sozusagen und der Farbstoff ist stabiler.
Ja, finde ich sehr gut. Aber sag mir mal, weil ich habe früher, das habe ich schon lange nicht
mehr gemacht, weil ich hier im Büro eine kleine Küche nur habe. Ich habe früher selbst Basilikum
Pesto gemacht. Dann eben Pinienkerne, Parmesankäse, Basilikum und eben Olivenöl gehabt. Das eben so
das ganz klassische Pesto. Wunderbar. Das Grün war toll. Meine Kinder haben es geliebt. Einfach
als, mal schnell, wenn man Pasta mit ein bisschen Pesto. Ganz, ganz wunderbar. So,
ich habe festgestellt natürlich, das ist ja auch relativ bekannt, dass Basilikum man eigentlich
nicht mixen darf, weil sonst Bitterstoffe freigesetzt werden. Das Gleiche gilt natürlich
für das Olivenöl. Wenn du das Olivenöl zu schnell mixt, dann hast du ein Problem,
weil dort dann eben auch eine Bitterheit entsteht, die durch das Mixen erst in das Olivenöl kommt.
Olivenöl hat ja immer vom Anlass her einen leichten Bitterton, aber eben dann wird er
störend. Deswegen alles stundenlang im Mörser bearbeitet und dann einfach nur noch mit Öl
vermengt. Das war dann das beste Ergebnis, aber hat natürlich zu lahmen Armen geführt.
Aber das muss man differenziert sehen. Das Problem ist nicht das Mixen. Das Problem ist
die Temperatur, wodurch die Bitterstoffe entstehen. Und zwar nicht unbedingt die Temperatur im ganzen
Gefäß, sondern die Temperaturspitzen, die um die Messer entstehen beim Mixen.
Das ist also nicht der Mixvorgang, sondern es ist die Temperatur?
Nee, der Mixvorgang ist ja nichts anderes als ein blödes Messer, was durch was durchfährt. Das ist
die Temperatur, die entsteht. Das heißt, ich kann dem entgegenwirken, indem ich mein Basilikum und
mein Öl kalt mache. Und dann es mixen. Dann kann ich es auch fein mixen. Und ich muss halt schnell
sein, dass es nicht zu warm wird. Aber dann habe ich weniger Bitterstoffe.
Ah, ja, das ist großartig. Das sind so die kleinen Probleme, mit denen ich mich hier rumschlage. Und
dann hast du so eine ziemlich coole Lösung dafür, im wahrsten Sinne des Wortes. Ich habe dann
irgendwann das Basilikum immer in so einem großen Mörser. Meine Frau hat extra so einen großen
Steinmörser. Aber ich habe damit schon seit Jahren aufgehört, weil es mir dann irgendwann der Arm lahm
und der große Mörser. Und das ist wirklich eine richtige Arme. Weil ich habe oft beim Türken dann
nicht nur ein kleines Bund Basilikum, sondern richtig so ein Strauß Basilikum oder so ein
halbes Kilo. Da habe ich anderthalb Stunden. Und dann hatte ich zwei Tage Muskelkater. Und dann
habe ich gesagt, so, dann reicht. Meine Kinder sind aus dem Haus. Ich brauche keinen Basilikum-Pest.
So ein gestampftes.
Ja, so ein bisschen, genau. Aber ich habe mich nie getraut, wieder, weil ich es einmal gemacht
hatte, einen Mixer zu nehmen. Das heißt, Olivenöl…
Mach das mal kalt. Stell mal dein Basilikum im Kühlschrank, dein Öl auch und probier es mal dann.
Das finde ich großartig. Werde ich machen. Werde ich dir berichten. Das heißt aber,
ich wollte ja nochmal zurück zum Thermomix. Der Thermomix ist für ein Basilikum-Pesto,
bringt sozusagen das Temperaturerhitzen dann eben das Gegenteil. Ist das richtig?
Nein, weil die Temperatur von 90 Grad noch kein Problem sind. Also tatsächlich funktioniert eben
so ein Basilikum-Öl sehr, sehr gut. Häufig störend im Pesto sind die oxidativen Noten dann,
weil der Basilikum so schnell oxidiert. Und wenn ich mein Basilikum kalt mit dem Öl vermenge,
ihn einmal stark mixe und dann langsam auf die 90 Grad erhitze und dann absiebe,
habe ich eigentlich nur gute ätherische Öle in meinem fremden Öl gefangen. Und es schmeckt herrlich
nach Basilikum und das auch ganz lange.
Das heißt, man kann ein Basilikum-Pesto im Thermomix machen, dann so wie du dein
Petersilienöl beim Aromatisieren ein bisschen dann erwärmst, um mehr Chlorophyll und so weiter
rauszuführen. Ist dann kein Pesto mehr, weil man hat ja die festen Bestandteile dann rausgesiebt.
Es ist dann nur ein Basilikum-Öl. Also du würdest zustimmen oder du würdest mir sagen,
mach dein Basilikum-Pesto, wenn du es eben nicht mit Muskelkater im Arm im großen Mörser machen
willst. Durchaus auch im Thermomix? Ja, probier das. Mit kaltem Öl und kaltem Basilikum.
Wunderbar. Sagt Heiner Bonet von der Goldenen Sonne in Neuenstein. Heiner, ich danke dir.
Sehr, sehr gerne. Du hast mich wirklich wieder vom Muskelkater bewahrt.
Ja, vom Muskelkater bewahrt, aber frustriert, dass ich in all den Jahren meiner,
wirklich, ich wurde für mein Pesto gefeiert. Ich habe es zum Teil in Gläser abgefüllt und
meinen Kindern zu Weihnachten geschenkt, weil die so begeistert waren davon.
Unter größtem Schmerz.
Unter größtem Schmerz, genau. Hätte ich vorher mit dir geredet, würde ich es immer noch machen,
um zu viel größere Kostbarkeit zu verdanken. Ja, wissen wir ja schon, was es jetzt dieses
Weihnachten gibt. Heiner, ich danke dir und wünsche dir einen schönen Tag.
Sehr, sehr gerne. Tschüss. Bis dahin, alles gut.
Vor dem Mikrofon habe ich eine treue Nutzerin des Thermomix. Sie ist eine gute Freundin und
kommt aus Dresden, wie sie an ihrem sächsischen Akzent unschwer erahnen könne. Hallo, Ines.
Hallo, Markus. Ich freue mich, dich zu hören.
In der Tat, ich mich, dich auch. Es geht um den Thermomix und du hattest gesagt,
dass du ihn gerne nutzt und ab und an oder oft nutzt. Sag mal,
wie oft ist der Thermomix bei dir im Einsatz?
Also, ich nutze den Thermomix gerne. Oft ist relativ, also ich nutze den dreimal in
der Woche, würde ich mal sagen. Doch, regelmäßig. Ja, vornehmlich für das
Bereiten von Brotteigen. Ich mache das Brot selbst und dafür ist es natürlich
ideal, weil er auch eine Fermentierfunktion hat und ist perfekt für
Hefeteige zum Beispiel. Das heißt aber, dafür brauchst du ja die
Temperaturregulierung, die der Thermomix anbietet, oder? Oder machst du den
Hefeteig dann auch ein bisschen wärmer? Ja, genau, ein bisschen wärmer.
Eigentlich 37 Grad. Da kommen wir gleich hin zu den Rezepten.
Ich frage dich erst mal, welche Version des Thermomix hast du?
Also, ich habe den TM6, also das neueste Modell, vor knapp einem Jahr gekauft.
Das neueste Modell, also state of the art. Sag mal, hast du eine Einweisung bekommen
oder bist du in einem Thermomix-Club drin, wo ihr euch regelmäßig trefft und
über eure Erfahrungen euch austauscht? Nein, bin ich eigentlich nicht. Also, ich
habe da sozusagen learning by doing gemacht. Ganz am Anfang hatte ich die
Cookie-Doo-App zum Beispiel noch nicht und musste feststellen, dass man ohne
diese App eigentlich nur die Grundfunktionen nutzen kann. Und da
nützt der Thermomix nicht allzu viel. Und durch, sagen wir mal, ja, das war durch
eine Freundin, da bin ich halt mal zu so einem Koch-Event gegangen. Dadurch habe
ich erst mal überhaupt mitgekriegt, dass die Cookie-Doo unerlässlich ist.
Das heißt, du hast, als du ihn erworben hast, gar nicht gewusst, dass es Cookie-Doo
gibt, dass man da Mitglied werden muss. Doch. Doch, das wusstest du schon. Sorry, doch,
das wusste ich, aber habe das jetzt nicht so für notwendig gehalten. Hatte mich
damit gar nicht befasst. Okay, das heißt, du bist ein Mitglied
geworden bei Cookie-Doo. Das ist ja so die Rezepte-Anleitungsseite von Vorberg,
extra für den Thermomix. Ja. Man kann den Thermomix mit dem
Internet verbinden und dann eben über Cookie-Doo auch synchronisieren. Das heißt,
bestimmte Rezepte, die dann eben bei Cookie-Doo aufgeführt werden, werden dann
automatisch im Thermomix abgespult oder durchgeführt. Benutzt du diese
Funktion auch? Ja, die benutze ich fast immer. Wenn ich vielleicht auch nicht
unbedingt den Rezepten folge, also von den Zutaten her, aber man hat da immer
auch eine, sagen wir mal, so eine Grundaussage oder diese Grundfunktion
dabei, wie lange muss es garen und so weiter. Und das geht dann alles
automatisch, ohne dass ich mir da was überlegen muss. Wie teuer ist Cookie-Doo
im Moment? Im Moment wohl an die 100 Euro im Jahr. Ich habe es noch für 48 Euro,
weil ich das letztes Jahr abgeschlossen habe, das Abo. Ah ja, okay. Das heißt, du
hast die neueste Version, du hast sie synchronisiert mit Cookie-Doo und benutzt
den Thermomix eigentlich auch ausschließlich über Cookie-Doo. Ja. Warum
ist die Thermomix-Funktion ohne Cookie-Doo so unbefriedigend oder eingeschränkt, wie
du gesagt hast? Ja, es gibt zum Beispiel Zusatzgeräte für den Thermomix. Das fängt
schon mal bei dem Thermometer an, was du zum Beispiel in einen Brotteig dann
stecken kannst, wenn du es in den Backofen gibst oder auch für Fleisch, was du im
Backofen garst. Zum Beispiel könntest du das Thermometer ohne diese App oder ohne
Internetanschluss nicht nutzen. Ich gehe davon aus, dass das Thermometer
natürlich zu nutzen ist, aber eben nicht zu updaten ist, also wenn neue Funktionen
dazu kommen. Genau. Das heißt, sie haben alles digitalisiert. Alles digitalisiert.
Dann gibt es auch noch einen Kartoffelpiler. Das ist eigentlich nur eine
Scheibe, die da aufgesetzt wird. Im Prinzip aufs Messer von dem Thermomix und
das funktioniert auch ohne Internet nicht. Also die Funktionen einzurichten und zu
aktualisieren, meinst du? Genau. Also ohne Internet hast du nur eingeschränkte
Funktionen, zwar Grundfunktionen, die eigentlich auch ausreichen, weil der
Thermomix ist immer noch viel Geräte in einem, selbst auch ohne Internet. Aber mit
Internetverbindung kannst du einfach viel mehr machen und nutzen.
Das heißt, Fahrwerk hat das jetzt inzwischen so geändert, weil früher
waren die Geräte ja manuell zu bedienen und man konnte damit eigentlich alles
machen in selbstständiger Entscheidung. Jetzt ist es so, es wird ja alles
abgenommen. Es ist irgendwo digital verfügbar und die Rezepte laufen
automatisch ab. Genau. Das ist ja irre. Okay, das ist jetzt der TM6, also die
neueste Version. Du benutzt Cookido. Jetzt erzähl mir mal, welche Rezepte oder
sag mal im Überbegriff, was machst du gerne im Thermomix und für was benutzt
du den Thermomix nicht? Also ich nutze den Thermomix hauptsächlich für die
Zubereitung von Suppen aller Art. Also wir sind auch Suppenkasper, wir essen
gerne Suppen und jetzt, wenn Herbst-Winter wieder ansteht, dann natürlich mehr. Im
Sommer ist das weniger. Das ist natürlich ideal für zwei Personen da im
Thermomix verschiedene Suppen zu bereiten. Allerdings braucht man dafür am
besten noch die in Cookido präsentierte Gemüsepaste. Das ist die
Grundlage für die Suppen und das Rezept ist genial. Also das ist das beste
Rezept, was der Thermomix da bastelt. Du hast halt ungefähr zwei Kilo Gemüse oder
zwei Kilo Zutaten. Die, die du magst, nimmst du da rein und hast dann im
Endeffekt eine Gemüsepaste, vielleicht 400 Gramm, wo du pro halben Liter einen
Teelöffel benötigst, um Suppen zu machen. Und das ist genial, das kannst du auch
auf Vorrat machen und du hast immer diese Grundlage da und weißt, was ist
drin. Das heißt, du machst diese Paste, die ist auch bei Cookido als Rezept
hinterlegt. Du benutzt keine Brühwürfel mehr, du benutzt keine Pasten mehr, die
man irgendwo im Supermarkt oder irgendwas kaufen kann. Du machst ja
alles selbst. Das sind dann auch, nehme ich an, natürliche Zutaten ohne Hefe,
Geschmacksverstärker etc. Genau. Und kannst es dir halt selbst so würzen, wie
du es gerne hast. Genau und das ist schon mal für mich der Hauptgewinn von dem
ganzen Teil. Okay und diese Paste machst du wie oft, zweimal im Monat oder wie lange
hält die? Ja, ich würde sagen zweimal im Monat mache ich sie schon, weil wie gesagt,
ich benutze viel. Man kann sie auch, wenn man normal kocht, ans Fleisch mitgeben
oder so. Es ist halt einfach konzentriertes Gemüse. Also zweimal im
Monat mache ich das schon. Hast du die mal ohne Thermomix, also bevor du den
Thermomix hattest? Du hast ihn ja erst seit einem Jahr. Hast du so eine Paste schon
mal vorher gemacht, aber eben ohne Thermomix in Eigenregime auf dem Topf
oder so? Nein, habe ich nicht gemacht. Okay, das ist also wirklich eine Neuerung, die
durch den Einzug des Thermomix bei dir auch im Haushalt Einzug gehalten hat.
Das klingt erst mal gut. Das heißt, du machst Suppen. Diese
Paste als Grundlage, du machst Suppen. Das ist, finde ich, genau das. Ich habe das
auch schon beschrieben in dem Beitrag vorher, als ich eine Beurteilung des
Thermomix abgegeben habe. Man kann mit dem Thermomix, wenn man jetzt Richtung
warme Gerichte geht, ich sage das jetzt mal in meinen Worten, das soll jetzt aber
nicht zu hart klingen, eher so Napfgerichte machen. Gerichte nicht auf
einem flachen Teller, die schön angerichtet sind, sondern eben so ein Napf, meistens
mit einer Flüssigkeit, dass es nicht rechts und links da ausläuft, eben
deswegen Napf. Aber eben Gerichte, die in der Kochkunst, sage ich jetzt mal, ein
bisschen überspitzt, vor allem auch in der Anrichtung, nicht sehr viel hergeben können.
So ist es. Da hast du es genau auf den Punkt getroffen.
Also es ist nicht der Zaubertopf, der dir irgendwelche Menüs zaubert, die dann
aussehen wie beim Sternekoch. Also das funktioniert nicht.
Genau. Dann sind Suppen, Pasten, Curries all sowas, was man eben aus dem halb
hohen Teller essen kann. Und so neben der Paste und den Suppen, die du machst,
machst du Curries im Thermomix oder was kochst du noch da drin?
Also zum Beispiel mache ich Pesto, Aufstriche, Remoulade, sowas macht sich
da gut. Wird zwar nicht gekocht, aber gerührt. Dann mache ich sehr gerne Brotteige
und auch Kuchenteige, die gelingen halt, wie gesagt, perfekt. Sehr gut isst er auch
in der Winterzeit, wenn man Glühwein machen möchte, weil er hält halt die
Temperatur, die du einstellst. Und da kann der Glühwein so schön vor sich hin
ruhen, bis die Gewürze alle schön in dem Rotwein drin sind. Da kannst du dann
eine Stunde auf 70 Grad lassen und dann hast du einen perfekten Glühwein. Oder Eierlikör,
Punsch, was ich auch gerne mache, weil mein Mann... Soll ich aufhören? Nein, nein, weiter, weiter, weiter.
Spannend. Ja, mein Mann mag gerne Pudding und Milchreis, wie Männer so sind. Und das
kannst du auch super im Thermomix machen, weil da brennt nichts an. Da machst du das
auf 90 Grad und perfekt. Schokoladeschmelzen geht perfekt. Im
Prinzip ist es für mich eher ein Hilfsgerät, als dass ich damit Menüs
koche. Es ist wirklich praktisch, aber gekocht wird trotz allem bei mir auf dem
Herd. Gerade wenn es jetzt Fleischgerichte sind oder so. Anbraten,
wie gesagt, geht im Thermomix nicht, dass die Fläche zu klein.
Ja genau, weil das war auch mein Eindruck, dass du im Thermomix, weil erstens musst
du, also sagen wir es anders, ich habe, wenn ich koche, einen bestimmten Rhythmus, dass ich
die Pfanne heiß mache, dann erstmal irgendwas da drin anbrate, was ich
vorgeschnitten habe und während das anbrät, dann das Nächste, was ich zufüge,
schneide, sodass dann eigentlich der Schneidevorgang mit dem Kochvorgang in
eins geht. Und dieser Schneidevorgang ist ja beim Thermomix eigentlich, der wird
ja nicht abgenommen, obwohl es ein Schneidemesser hat. Aber ich finde, dieses
Schneidemesser zerkleinert ja so extrem, dass das, wenn man, sagen wir mal, Möhren ein
bisschen dicker geschnitten haben möchte, damit man sie noch ein bisschen bissfest hat,
das geht alles im Thermomix nicht. Nee, das geht echt nicht. Genau, deswegen ist
das Kochen, wenn ich dich auch richtig verstehe, ist das Kochen gar nicht die
Hauptaufgabe, die dein Thermomix absolviert, weil du eher, wenn du Teige
machst, Pasten machst und so weiter, sind das ja keine klassischen Kochvorgänge.
Genau. Das heißt, der einzige Kochvorgang, den du gerne im Thermomix machst, ist
eben Suppen. Suppen. Und wenn man das auch noch Kochen nennen kann, halt Pudding,
Milchreis. Wird ja auch noch mal gekocht. Ja, das stimmt. Bei 90 Grad, ob das dann
Kochen ist. Genau. Und gut, dein Ehemann, den ich ja auch kenne, ist also begeisterter
Puddingesser. Ich bin es zum Beispiel gar nicht. Deswegen habe ich mich auch an
einen Pudding gar nicht rangewagt im Thermomix, weil ich den gar nicht aufessen würde.
Man kann sehr gut Mayonnaise machen und sowas. Das habe ich auch erwähnt in dem
Beitrag. Habe ich auch schon gemacht. Prima. Genau. Und gerade auch so Würzsoßen, wenn
man da ein bisschen die Temperatur erhöhen muss, dafür sind die wirklich
gut. Aber wie gesagt, das ist kein klassischer Kochvorgang. Und wenn man
kocht, dann sind es eben Napfgerichte, die dabei rauskommen, sagen wir es mal so.
Das heißt, zum klassischen Kochvorgang, wenn dein geliebter Mann am Abend nach
Hause kommt, hast du selten den Thermomix soweit vorbereitet, dass du dann ein
Abendessen da heraus machst, außer er will Pudding essen.
Ja, oder eine Suppe, ja. Aber ansonsten, wie gesagt, kommen Töpfe und Pfanne bei
mir auf den Herd. Und das macht mir auch Spaß. Also es ist auch, das macht einfach
Laune, zu kochen. Aber der ist sehr unterstützend und ich möchte ihn auch
nicht mehr missen, muss ich sagen. Dass der 30 Sekunden braucht, bis er sich
öffnet, wenn du ihn ausgemacht hast, sind das so Sachen, die stören dich oder
findest du das alles im Rahmen des Workflows absolut okay?
Nö, das stört mich nicht. Obwohl ich ein sehr ungeduldiger Mensch bin, stört mich
das komischerweise nicht. Ja, weil ich hatte mit einem Koch gesprochen, also einem
Profikoch, der natürlich auch einen Thermomix hat, aber ältere Geräte, weil er
sagt, diese neueren Geräte, durch das Digitale, die nehmen dir alles ab. Aber
da fühlt er sich so bevormundet, dass er diese 30 Sekunden, bis eine Klappe
aufgeht, das kann er gar nicht warten. Das ist in einem professionellen
Kochvorgang völlig unmöglich. Also fand ich ganz interessant. Aber das stört dich
nicht. Du bist zufrieden mit den Sachen, wie sie dir sozusagen vorgegeben werden.
Ja, gut. Ich lasse mich auch nicht gerne bevormunden, muss ich auch sagen. Aber in
dem Fall drücke ich mal ein Auge zu. Und mir kommt es auch nie wie 30 Sekunden
vor. Echt nicht. Aber gut. Aber wenn ich das zusammenfasse, heißt das, wenn man sich
einen Thermomix zulegen will, dann sollte man eben zwingend Mitglied bei
Cookidoo werden, was auch noch mal Geld kostet. Also inzwischen 100 Euro im Jahr.
Ich gucke aber noch mal nach, wie teuer der Mitgliedsbeitrag ist. Das heißt, zu
den hohen Anschaffungskosten kommen eben auch noch mal die Mitgliedsbeiträge bei
Cookidoo. Und die sind zwingend, sagst du. Ja, wobei ich da noch einen Tipp habe, wenn
man Freunde hat, die schon einen Thermomix besitzen, kann man sich auch auf das
Cookidoo-Konto mit einwählen, weil man kann bis zu fünf Geräte da anmelden.
Könnte man ja irgendwie versuchen. Genau, weil die Geräte haben dann einen Code, der
bei Cookidoo sozusagen hinterlegt ist. Und der Code mit dem Gerät kommuniziert dann
eben in Cookidoo. Ja, genau. Worauf sagst du als Praktikerin des
Thermomix, des neuen Modells? Worauf sollten Neulinge achten, wenn sie sich
einen Thermomix anschaffen wollen? Also ich muss sagen, wenn man sich einen
nagelneuen Thermomix kauft, dann ja wahrscheinlich direkt über Vorwerk.
Da gibt es eigentlich nichts zu beachten. Ich meine, die Geräte sind neu,
funktionieren. Wenn irgendwas am Gerät ist, hat man seine Garantie, kann erstmal
nichts passieren. Wenn man sich unschlüssig ist, kann man immer noch mal
eine Vorführung besuchen. Es gibt ja auch Vertreter in der Nähe. Überall sind
die verteilt. Die kommen auch nach Hause und machen da mal eine Kochvorführung.
Also das kann man machen. Aber ansonsten, ja, wüsste ich nicht, auf was man da
besonderes Augenmerk legen sollte. Ich denke, man informiert sich eh vorher,
was macht das Teil, was will ich, passt das. Interessanter wird es, wenn man sich
ein gebrauchtes Gerät kauft. Da kann man schon bis zu 300 Euro sparen.
Ich selbst habe mir eben ein gebrauchtes Gerät gekauft. Da muss man natürlich
darauf achten, dass man unbedingt die Originalrechnung bekommt, worauf auch die
Seriennummer von dem Thermomix steht. Denn ich habe gehört, es gibt auch Betrug,
dass da irgendwas, wie auch immer die das machen, dann muss ja der Thermomix
gestohlen sein und die müssen den verkaufen, weil wie komme ich sonst an
so ein Gerät. Dann muss man schauen, der allgemeine Zustand, wie ist der Zustand
des Messers und des Mixtopfes. Das nutzt sich ja am ehesten ab und ob alle Teile
vorhanden sind. Wobei ich auch sagen muss, wenn man den zum Beispiel über Ebay
kauft, hat man ja den Käuferschutz. Also von daher ist man auch etwas geschützt.
Du hast dein Gerät über Ebay erworben? Ja. Aber mit Originalrechnung? Mit
Originalrechnung, ja. Sehr gut, Ines. Danke für all die
Informationen. Lass mir noch eine Frage stellen.
Es gibt Einsätze für den Thermomix, diese Plastikwannen sozusagen, wo man dann auf
mehreren Ebenen Sachen garen, kochen etc. kann. Benutzt du diese Einlagen oder
Einsätze oft? Die benutze ich überhaupt nicht. Die benutzt du überhaupt nicht? Nein, weil ich mag
dampfgegarte Sachen nicht. Also gut, Gemüse könnte man da noch ein
bisschen mit Dampf garen. Obendrin, man könnte zum Beispiel, wenn man eine Suppe
macht und möchte die etwas grober, da kann man zum Beispiel Karottenscheiben
oder Blumenkohlröschen oben in diesen Varoma-Behälter legen und nebenbei mit
Dampf garen und dann später der Suppe zugeben. Das wäre noch eine Möglichkeit.
Also das würde ich vielleicht auch machen, aber wir essen gerne gebundene
Suppen, so eher ein bisschen was für Zahnlose. So Allseitenach gar nicht? Nee, eigentlich nicht. Zähne sind auch noch gut,
es war halt nur ein kleiner Fake. Alles gut, okay. Das heißt, dieser, wie heißt das, Varoma?
Varoma, ja, Varoma-Aufsatz. Genau, Varoma-Aufsatz, ja, sehr gut. Also den benutzt du gar nicht so oft. Du hast
den Topf oder die Schüssel und hast das Mix- und Zerkleinerungsmesser da drin und
das reicht dir eigentlich und mit der Temperaturzufügung benutzt du den Thermomix
auf deine Art sozusagen. Auf meine Art, genau, so stimmt das. Sehr gut. Ines, wunderbar, da hast
du mir jetzt wirklich geholfen, weil ich habe das Gerät gehabt und habe es ausprobiert, aber
natürlich habe ich nicht über Monate oder Wochen das Gerät eingesetzt und kann deswegen über das
Praktische und wofür er sich wirklich gut eignet und wofür nicht, eigentlich gar nichts sagen.
Wobei ich sagen muss, ich bin kein Pudding-Esser, wobei Pesto und Teig und sowas, das kann ich mir
schon gut vorstellen. Dafür ist er wirklich geeignet, wie gesagt, auch Öle herstellen, wenn man eine
Soße macht oder so, das finde ich auch sehr gut. Und um ehrlich zu sein, mein Eindruck, den ich hatte,
den bestätigst du hiermit, dass er beschränkt ist in dem, was man Kochen nennt, aber ein guter
Begleiter eben als Zusatz in der Küche. Genau, so sehe ich das auch. Also er kann nicht zaubern,
das funktioniert nicht. Wobei viele sagen, es ist ein Zaubertopf, aber für mich nicht. Amis,
noch was eingefallen und zwar, was man mit dem Teil auch super machen kann, malen, pulverisieren,
also du kannst dein eigenes Mehl herstellen. Das habe ich auch schon gemacht, das hatte ich
vergessen. Also du hast Roggen oder Weizen und machst daraus dein eigenes Mehl. Ja, das finde
ich auch mega. Und kannst du dann einstellen, welchen Mahlgrad das Mehl haben soll? Ja,
also direkt Mahlgrad, man muss halt dann den Turbo länger oder kürzer einstellen. Lieber
nochmal nachschauen, aber das ist mega, muss ich sagen. Das heißt, du kaufst dann Vollgetreide
und malst es dann selbst zu Mehl, wenn du einen Teig ansetzt. Ja, genau, das ist der erste Schritt
sozusagen beim Brotbacken. Das machst du auch selbst, finde ich schön. Okay, Ines, ganz herzlichen
Dank, das hat mir geholfen. Ich hoffe, das gibt auch den Zuhörern einen Eindruck zu dem, was der
Thermomix kann und was er vielleicht nicht kann. Ines, ich danke dir ganz herzlich. Gerne, hat mir
Spaß gemacht, Markus. Wunderbar, tschüss Ines. Liebe Hörer, das war es schon wieder mit Leib und
Speise für diese Woche, aber keine Sorge, nächste Woche geht es schon weiter mit dem Gegenprogramm
zum technischen Kochen zum Thermomix, nämlich mit dem Kochen im Mittelalter. Aber wir betrachten
das Kochen im Mittelalter nicht nur historisch, sondern ganz praktisch. Welche Rezepte sind
und was können wir anhand von den Zutaten und Gewürzen vom Mittelalter noch lernen? Und weil
das Mittelalter anwesend sein wird, habe ich noch zum Schluss eine hübsche Redewendung für Sie,
deren Ursprung natürlich auch in dieser Zeit liegt, wie so viele Redewendungen. Was sind
eigentlich olle Kamellen? Bei den Karnevalsumzügen im Rheinland werden ja heute noch Kamellen geworfen
und damit ist alles gemeint, was süß ist. Und so ging ich bisher davon aus, dass olle Kamellen eben
Süßigkeiten oder Karamellbonbons seien, die schon hart und unansehnlich geworden waren. Also auch hier
eine Redewendung zwar nicht aus der Küche, aber doch mit Lebensmitteln, mit Bonbons oder
eingenorddeutscht mit Bonschen. Weit gefehlt. Olle Kamellen haben nur am Rande mit der Küche zu tun,
wenn man zumindest Essen von der medizinischen Einnahme von Kräutern oder Heilpflanzen unterscheidet.
Im Niederdeutschen, also einem noch heute bestehenden Dialekt, der in Norddeutschland
und im Osten der Niederlande gesprochen wird und nicht deckungsgleich mit dem Plattdeutsch ist,
sind Kamellen keine Bonschen, sondern benennen die Kamillenpflanze. Und die Kamille wurde ja
über Jahrhunderte bis zur Geburt der pharmazeutischen Industrie als Heilpflanze eingesetzt. Sammelte
man also frische Kamille, so verlor sie doch recht schnell ihre Wirkung und wurde Niederdeutsch
oll, alt. Olle Kamellen sind also nichts anderes als alt gewordene Kamilleblüten ohne Heilwirkung.
Und winkt man heute ab, wenn jemand etwas altbekanntes, langweiliges erzählt und sagt,
das seien doch Olle Kamellen, dann geht das genau auf diese Redewendung aus dem Niederdeutschen zurück.
Hätten Sie es gewusst? Ich nicht. Bis nächste Woche. Tschüß, Ihr Markus Fahlefeldt.
