Die Bindungstheorie wurde von John Bowlby entwickelt. In diesem Video erfährst du etwas über die Bindungstypen und über die Entwicklung der Bindung. Die Phasen der Bindungsentwicklung werden ebenfalls beleuchtet.
0:00 - Einleitung 0:48 - Was ist Bindung? 1:37 - Wie entsteht Bindung? 3:46 - Entwicklungsphasen der Bindungsbeziehung 4:02 - Phase 1 4:23 - Phase 2 4:43 - Phase 3 5:01 - Phase 4 5:29 - Warum ist eine sichere Bindung so wichtig? 7:27 - Der Fremde Situations Test 9:03 - Der sichere Bindungstyp 9:45 - Der unsicher vermeidende Bindungstyp 10:34 - Der unsicher ambivalente Bindungstyp 11:16 - Der Desorganisierte Bindungstyp 12:08 - Die 4 Bindungstypen im Überblick 13:21 - Feedback und Anmerkung :-)
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Was genau besagt die Bindungstheorie?
Wie entwickelt sich eine positive Bindung und wieso ist diese so fundamental wichtig für das spätere Leben?
Welche vier Bindungstypen gibt es, wie charakterisieren sich diese und welche Folgen haben die einzelnen Bindungstypen für den Menschen?
Dies und vieles mehr erfährst du im heutigen Video.
Hi und herzlich willkommen zu einem neuen Video.
In diesem Video geht es um die Bindungstheorie, welche von John Bowlery, James Robertson und Mary Ainsworth entwickelt wurde.
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Und jetzt viel Spaß beim Video.
Die Bindung wird als ein emotionales Band zwischen zwei Personen verstanden.
In der Bindungstheorie insbesondere das emotionale Band zwischen Eltern und Kindern.
Dieses Band sorgt im Idealfall für Schutz und Sicherheit beim abhängigen Kind durch eine stabile Bindung zu der Bezugsperson.
John Bowlby beschreibt die Bindung als unsichtbares, gefühlvolles Band zwischen dem Kind und seinen Eltern,
welches eine starke Bedeutung in der kindlichen Entwicklung beimisst.
Die Bindungstheorie wird von Fachkollegen häufig als ein umfassendes Konzept der Persönlichkeitsentwicklung eines Kindes
als Folge der eigenen individuellen sozialen Erfahrungen bezeichnet.
Mit diesem Konzept lässt sich der Zusammenhang zwischen negativen Gefühlen, Persönlichkeitsstörungen oder emotionaler Distanz
und der negativen Bindung und Trennung zu Bindungspersonen beleuchten.
Wie entsteht eine Bindung zwischen dem Kind und der Bezugsperson?
Direkt nach der Geburt hat das Kind keine emotionale Bindung zu den Mitmenschen.
Es erkennt allerdings die Stimme seiner Mutter, diese ist ihm aus der Schwangerschaft bekannt.
Später kommt die Stimme des Vaters und der Geruch der beiden Elternteile dazu.
Die Eltern hingegen haben biologische Dispositionen, die dafür sorgen, dass sie automatisch eine starke Bindung zum Kind verspüren.
Das Kind entwickelt in der Regel im Verlauf des ersten Lebensjahres eine emotionale Beziehung zu den Eltern.
Das Kind fordert die Befriedigung seiner Bedürfnisse durch angeborene und intuitive Verhaltensweisen ein,
zum Beispiel durch Weinen, Klammern oder Schreien,
damit bei Angst, Enttäuschung oder Kummer eine fürsorgliche Person diese negativen Gefühle vertreibt.
Diese angeborenen und intuitiven Verhaltensweisen seitens des Kindes stellt das Bindungsverhalten dar.
Kinder wenden dieses aktiv an, um sich emotionale Sicherheit und Geborgenheit einzuholen.
Die Eltern reagieren auf dieses Bindungsverhalten des Kindes intuitiv richtig.
Sie müssen keinen Kurs dafür absolvieren oder es mühsam erlernen.
Wenn das Kind Angst hat und schreit, dann weiß die Mutter oder der Vater in der Regel, was zu tun ist.
Das Kind wahrnehmen, es auf den Arm nehmen und mit sanfter Stimme beruhigen.
Dieses sogenannte Pflegeverhalten der Eltern wird als intuitives Elternprogramm betitelt.
Das Pflegeverhalten der Eltern und das Bindungsverhalten des Kindes passen gut zusammen
und sind in der Regel aufeinander abgestimmt.
Lernt das Kind, dass es in den relevanten und nötigen Momenten, in denen es das Bindungsverhalten zeigt,
Aufmerksamkeit und Pflegeverhalten seitens der Eltern erfährt, dann lernt und verinnerlicht es Sicherheit.
Das Kind nimmt in weiteren Situationen unbewusst an, dass es erneut eine positive Bedürfnisbefriedigung erfährt.
Erleben die Eltern, dass sie mit ihrem Pflegeverhalten einen positiven Effekt auf das Bindungsverhalten des Kindes haben,
verfestigt sich dieses Verhalten ebenso.
Durch dieses Zusammenspiel und eine häufige positive Interaktion zwischen Eltern und Kind
festigt die Bindung und die Eltern werden nach und nach zu einer sicheren Bindungsperson.
Es entsteht eine vertrauensvolle Beziehung und eine sichere Bindung.
Die Entwicklungsphasen der Bindungsbeziehungen
Das eben beschriebene Bindungsverhalten durchläuft verschiedene Entwicklungsphasen.
Das Bindungsverhalten wird in diesen Phasen unterschiedlich ausgelebt, entwickelt sich und wird komplexer.
Es lassen sich vier Entwicklungsphasen der Bindungsbeziehungen benennen.
Phase 1
Der Säugling zeigt Bindungsverhalten zur Befriedigung der eigenen Bedürfnisse.
Zum Beispiel durch Weinen und Schreien.
Der Säugling unterscheidet dabei nicht zwischen vertrauten und unbekannten Menschen.
Er lässt sich von jeglichen Erwachsenen hochnehmen und beruhigen.
Diese Phase dauert vom ersten bis zum dritten Lebensmonat.
Die zweite Phase
Das Bindungsverhalten wird auf ausgewählte Personen gerichtet.
Tendenziell am ehesten auf die Mutter.
Der Säugling unterscheidet zwischen vertrauten und fremden Personen.
Hochheben und Trösten kann in dieser Phase allerdings noch durch fremde Personen möglich sein.
Diese Phase dauert vom dritten bis zum sechsten Lebensmonat.
Die dritte Phase
Das aktive Bindungsverhalten erweitert sich, dadurch dass das Kind Bindungspersonen folgt, sie begrüßt oder gezielt Blickkontakt aufnimmt.
Das Kleinkind sucht die Nähe der primären Bindungspersonen.
Diese Phase dauert vom sechsten Lebensmonat bis etwa zum dritten Lebensjahr.
Die vierte Phase
Das Kind kann aufgrund gereifter Kompetenzen, Erfahrungen und Eigenschaften die Emotionen und Motive der Bindungspersonen nachvollziehen.
Es kann Rücksicht nehmen und es ist möglich, dass das Kind nicht ausschließlich auf den eigenen Bedürfnissen beharrt.
Es ist in der Lage zu verstehen, dass es auch andere Bedürfnisse gibt.
Die Beziehung zwischen Kind und Erwachsenen wird dadurch deutlich komplexer.
Diese Phase beginnt etwa zwischen dem dritten und vierten Lebensjahr.
Warum ist eine sichere Bindung von so großer Bedeutung?
Sicher gebundene Menschen und vor allem Kinder und Jugendliche können mit Stress besser umgehen.
Sie sind resilienter.
Ebenso sind sie fähiger, Probleme zu lösen und verfügen über ein ausgeprägteres Selbstwertgefühl.
Somit entsteht die Basis für psychische Gesundheit und Charakterbildung in der frühkindlichen Entwicklung.
Sie ist damit nicht in Stein gemeißelt, aber eine sichere Bindung ist ein sehr großer Schutzfaktor für spätere psychische Erkrankungen und weitere Probleme.
Eine positive Entwicklung der Bindung ist zum Beispiel dadurch möglich, dass die Eltern dem Kind mit Fürsorge und Geborgenheit entgegentreten.
Dabei darf das Kind allerdings nicht überbehütet und dauergeschützt werden.
Ein Auskundschaften und Erleben der Umwelt ist für die kindliche Entwicklung ebenso richtig.
Das Kind muss bei Bedrohung, Gefahr oder Angst jedoch wissen, dass es Sicherheit und Schutz bei seinen Bindungspersonen erfährt.
So kann das Kind in Ruhe explorieren.
Aus dem Bindungsverhalten des Kindes und dem reagierenden Pflegeverhalten der Eltern entsteht eine Bindung.
Jede Bindung ist unterschiedlich.
Dies hängt einerseits von den Erfahrungen im Bindungs- und Pflegeverhalten ab, andererseits von äußeren Umständen,
weiteren Einflussfaktoren aus der Umwelt und natürlich der individuellen Persönlichkeit und den Bedürfnissen des Kindes.
Dennoch konnten die Bindungsarten in vier verschiedene Typen eingruppiert werden.
Diese Bindungstypen werden vor allem beim fremden Situationstest deutlich.
Im Englischen nennt sich dieser Test The Strange Situation.
Dieser wurde von Mary Answorth entwickelt.
Dieser Test bzw. dieses Experiment bestätigt die Bindungstheorie und die Bindungstypen von Bowlby.
Dabei wurde in einer fremden Umbegebung das Verhalten von 12 bis 18 Monate alten Kleinkindern beobachtet.
Bevor die Bindungstypen gleich konkret benannt werden, wird der fremde Situationstest einmal kurz erläutert.
Dann lassen sich die Bindungstypen besser nachvollziehen.
Das Kind und die Mutter werden vom Versuchsleiter in den Raum geführt.
Anschließend liest die Mutter eine Zeitschrift und das Kind beginnt zu spielen.
Eine fremde Frau betritt den Raum, setzt sich auf einen Stuhl und schweigt für eine Minute.
Danach spricht die fremde Person mit der Mutter des Kindes.
Die fremde Person spielt für drei Minuten mit dem Kind.
Anschließend verlässt die Mutter den Raum.
Fängt das Kind an zu weinen, tröstet die fremde Frau das Kind.
Ansonsten bleibt die fremde Frau sitzen und macht nichts.
Die Mutter kommt zurück und begrüßt das Kind.
Anschließend setzt sie ihr Kind zum Spielzeug und versucht es zum Spielen zu animieren.
Dann verlässt die fremde Frau den Raum.
Anschließend, nach etwa drei Minuten, verlässt ebenfalls die Mutter erneut den Raum.
Nach maximal drei Minuten alleiniger Zeit des Kindes kommt die fremde Person zurück in den Raum
und passt ihr Verhalten an das des Kindes an.
Also sie tröstet es oder sie spielt mit ihm.
Anschließend kommt die Mutter zurück in den Raum und begrüßt ihr Kind.
Die Versuchsleiter beobachten bei diesem Experiment hauptsächlich die Situation,
in denen die Bindungsperson den Raum verlässt und wie sich das Kind dann verhält.
Zusätzlich die Situation, in der die Bindungsperson den Raum wieder betritt
und ebenfalls wie sich das Kind dabei verhält.
Dieses Verhalten gibt Aufschluss über den Bindungstyp.
Kommen wir nun zu den vier Bindungstypen.
Die sichere Bindung
Das Kind hat eine große Zuversicht und ist sich sicher,
dass die Bindungsperson zur Verfügung steht und Gefahr beiseite räumt.
Es ist also ein großes Urvertrauen vorhanden.
Diese Bindung entsteht vor allem durch ein klares, nachvollziehbares,
unverlässliches Verhalten der Bindungsperson dem Kind gegenüber.
Das Kind lernt die Bindungsperson einzuschätzen. Es wird Sicherheit vermittelt.
In einer fremden und überfordernden Situation, in welcher die Bindungsperson nicht anwesend ist,
wird das sicher gebundene Kind vermutlich trotzdem weinen und die eigenen Gefühle zeigen.
Es kann Trost annehmen und wenn die Bindungsperson auftaucht,
wird das sicher gebundene Kind diese Person freudig begrüßen.
Die unsicher vermeidende Bindung
Das Kind mit einer unsicher vermeidenden Bindung zeigt sich äußerlich unbeeindruckt,
wenn die Bindungsperson den Raum verlässt.
Das Kind wirkt nicht ärgerlich, wütend oder ängstlich, sondern unbeeindruckt.
Das Kind mit einer unsicher vermeidenden Bindung beschäftigt sich weiterhin mit dem Spielzeug,
mutmaßlich als Stresskompensation.
In den Versuchstests hat sich herausgestellt,
dass im Speichel der Kinder ein hoher Anteil eines Stresshormons vorhanden war.
Das Kind hat also seine eigentlichen Gefühle und den starken Stress nicht nach außen mitgeteilt.
Bei der Rückkehr der Bindungsperson ignorieren die Kinder diese meist
und wenden sich eher der fremden Person zu.
Der Grund dafür ist, dass die Kinder von ihrer Bindungsperson im bisherigen Leben
häufig Zurückweisungen und wenig Konstanz erlebt haben.
Die Kinder zeigen ein Muster von Beziehungsvermeidung.
Die unsicher ambivalente Bindung
Die Kinder mit einer unsicher ambivalenten Bindung
zeigen sich in fremden Situationen sehr ängstlich und abhängig von der Bindungsperson.
Trennungen belasten diese Kinder extrem.
Es kommt schon vor der eigentlichen Trennungssituation zu starken Verlustängsten.
Fremde Personen werden gefürchtet.
Das Kind klammert an der Bindungsperson.
Es ist kaum möglich, eigene Erfahrungen zu machen und das Neugehalten ist stark eingeschränkt.
Das Kind hat von seiner Bindungsperson ein ambivalentes Verhalten erlebt.
Mal starke Nähe, mal starke Abweisung.
Die Kinder reagieren im Experiment bei Rückkehr der Bindungsperson ebenfalls ambivalent.
Mal stark klammernd, mal aggressiv und mal abweisend.
Die desorganisierte Bindung
Die Kinder mit einer desorganisierten Bindung zeigen auch ein desorganisiertes Bindungsverhalten.
Sie zeigen unerwartete Verhaltensweisen, die sich für außenstehende Personen kaum zuordnen lassen.
Erstarrte Gesichtsausdrücke, unvollendete Bewegungen,
Plötzliches auf den Boden fallen lassen, im Kreis drehen und so weiter.
Das Kind mit dieser Bindungsform erlebt die Beziehung zu der Bindungsperson als bedrohlich.
Besonders Bindungspersonen mit schweren Depressionen, unverarbeitenden Traumata
und weiteren schwerwiegenden psychischen Erkrankungen
übertragen im schlechtesten Fall ihre Problematiken und unverarbeitenden Konflikte,
ihr Verhalten und das eigene Fühlen auf die Welt des Kindes.
Das Kind findet keine Erklärung und kann keine sichere Bindung aufbauen,
da unter anderem die Grundbedürfnisse gar nicht befriedigt werden.
Grundsätzlich lässt sich sagen, dass eine sichere Bindung für das Kind am positivsten ist.
Sie führt dazu, dass Kinder durch die gewonnene Sicherheit und das Neugehverhalten
mehr erleben und somit Entwicklungsanreize geschaffen werden.
Ebenso verbessert eine sichere Bindung den Kontakt zu gleichaltrigen Kindern
und stärkt das Selbstbewusstsein und das Selbstwertgefühl.
Die Bindungstheorie kann Aufschluss über Verhalten von Kindern geben.
Daraus lassen sich Handlungsmöglichkeiten für Erzieher und Erzieherinnen ableiten.
Ein Kind, welches seine Eltern sehr klammert und kaum von ihnen loskommt,
um eigene Erfahrungen zu machen, sollte anders behandelt werden als ein Kind,
welches gar nicht klammert und sicher gebunden ist.
Die Bindung in Bezug auf das Verhalten des Kindes hat immer mit Gefühlen von Sicherheit
oder Unsicherheit zu tun.
Ist das Kind unsicher und benötigt noch die Nähe und Sicherheit der Bindungsperson,
sollte dies auch gegeben werden.
Das Kind lernt, dass die fremde Person der fremde Ort nicht so gefährlich ist,
wie er erst einmal erscheint.
Diese Erfahrung wird am schnellsten gemacht, wenn das Kind einen sicheren Rückzugsort hat,
so beispielsweise die eigenen Eltern oder eine andere Bindungsperson.
Das Bindungsverhalten ist beispielsweise bei der Eingewöhnung neuer Kinder relevant,
da zeigt sich meist der Bindungstyp des Kindes.
Was ist deine Meinung zur Bindungstheorie?
Konntest du durch dieses Video etwas lernen?
Dann gebe doch gerne einen Daumen nach oben.
Oder hat dir etwas gefehlt?
Hast du Ergänzungen zu dem Thema?
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Vielen Dank und bis zum nächsten Mal.
Simon vom Erzieherkanal