190 Jahre Deutsches Archäologisches Institut - Zentrale Berlin (1833)

Deutsches Archäologisches Institut
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Am 17. Mai 2019 feierte das Deutsche Archäologische Institut sein 190-jähriges Bestehen mit einem Wissenschaftsfest in Berlin. Bei einem ganztägigen Forschungskolloquium präsentierten sich die weltweiten Standorte mit Kurzvorträgen.
1833 verlagerte sich die Zentrale des Instituts vom Gründungsinstitut in Rom nach Berlin, wo sie bis heute ihren Sitz hat. Generalsekretär Philipp von Rummel stellte die Geschichte und die aktuellen Herausforderungen im Bereich der Digitalisierung und wissenschaftlicher Infrastrukturen sowie die Forschungsschwerpunkte der Zentrale vor.
1833 zog Eduard Gerhardt, von dem wir ja schon gehört haben, von Rom nach Berlin,
um hier das Amt des Archäologen bei den Berliner Museen zu übernehmen.
Berlin gebührt daher die Ehre, in der chronologischen Reihe der Abteilungen und Kommissionen
an zweiter Stelle sprechen zu dürfen.
Auch wenn der Standort Berlin nach 1833 eher überschaubar blieb
und eigentlich als Ein-Mann-Abteilung über Jahrzehnte hinweg hier äußerst klein war,
gerade im Vergleich zur Gründungsabteilung Rom.
Die Berliner Generalsekretare standen als Vorsitzende der Zentraldirektion vor
und leiteten somit das Institut.
Hierfür stand ihnen lange Zeit kein Dienstgebäude zur Verfügung,
sondern nur die Privatwohnungen bzw. das Büro, ihre Haupttätigkeit, meistens in den Museen.
Bei Eduard Gerhardt war die Wohnung sehr prominent unter den Linden.
Mit der Übernahme des Etats des Instituts in den preußischen Staatshaushalt 1870-1871
verlagerte sich auch der offizielle Sitz der Zentraldirektion von Rom nach Berlin.
Aber erst 1890 konnte der damalige Generalsekretar Alexander Konze ein eigenes Amtsquartier beziehen,
und zwar in der Corneliusstraße 2 am Landwehrkanal.
Die Straße heißt heute immer noch so, aber das Haus ist verschwunden
und das Viertel hat sein Antlitz vollkommen verändert.
An der Stelle des einstigen Institutssitzes steht heute eine andere Art von Zentrale,
auf zumindest für Kenner sehr traditionsreichem archäologischem Boden.
1874 wurde das Institut für Archäologische Korrespondenz in eine Anstalt des Deutschen Reiches umgewandelt.
Hierbei wurde ein neues Statut erlassen,
das den ersten wissenschaftlichen Auftrag der Berliner Zentrale formulierte.
In Paragraph 10a legte das Statut fest,
dass das Institut in Berlin eine eigene Zeitschrift in deutscher Sprache herausgibt
und zugleich deren Herausgeber ernennt.
Hierfür wurde die ebenfalls von Eduard Gerhardt begründete,
aber von der Archäologischen Gesellschaft zu Berlin herausgegebene Archäologische Zeitschrift
vom Institut übernommen und von 1877 bis 1886 unter gleichem Namen weiterbetrieben.
1886 kam es zur Vereinigung der römischen Annali dell'Istituto und der Archäologischen Zeitung
unter dem neuen Titel Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts,
das ja bis heute unter gleichem Namen publiziert wird.
Ebenfalls 1886 entstand als Nachfolge der römischen Monumenti in Editi
die Reihe antike Denkmäler mit Ausführungen zur Topografie, Architektur und Bildwerken,
die bis 1931 erschien und als Ursprung der monografischen Korpuswerke des Instituts angesehen werden kann.
Die Aufgabe, Forschungs- und Informationsinfrastrukturen für die wissenschaftliche Gemeinschaft bereitzustellen,
gehörte so von Anfang an zu den wichtigen Arbeitsbereichen des Instituts.
Räumlich und organisatorisch entwickelte sich die Berliner Zentrale im Vergleich zum Gesamtinstitut jedoch nur langsam.
Unter Konzes Nachfolger Hans Tragendorf zog das Institut zwar um,
von der Corneliusstraße in die Ansbacherstraße am Wittenbergplatz, blieb aber weiter sehr klein.
1877 war aus dem Ein-Mann-Betrieb immerhin ein Zwei-Mann-Betrieb geworden,
in dem ein Verwaltungsbeamter hinzukam und noch mal elf Jahre später, 1886, ein Redaktionsmitarbeiter.
Erst unter Gerhard Rodenwald, der das Institut von 1922 bis 1932 leitete
und ab 1926, wir haben es schon gehört, den Amtstitel Präsident trug,
kam es zu einer organisatorischen Vergrößerung des Berliner Standorts
durch die Begründung eines Archivs zur Geschichte der Archäologie,
durch die Institutionalisierung der Bibliothek und, das ist kurios,
die Gründung eines Arbeitsbereiches für Ur- und Frühgeschichte Ostdeutschlands.
Im Jubiläumsjahr 1929 bezog das Institut Räume in der Wilhelmstraße.
Diese Räume mussten aber schon sechs Jahre später bereits wieder geräumt werden,
um Görings neuem Reichsluftfahrtministerium Platz zu machen.
Auch die dann neue, äußerst repräsentative Unterkunft in der Viktoriastraße,
das liegt heute in dieser Brache zwischen Mathekirche und der Staatsbibliothek am Potsdamer Platz,
musste nach bereits zwei Jahren Sperrs Ausbauplänen der Reichshauptstadt weichen.
1938 zog das Institut in die Villa des Chemikers Wilhelm Bunsen in der Mainstraße nahe des Nollendorfplatzes.
Die dunkelsten Jahre der NS-Herrschaft bestimmen die Jahre des Instituts in diesem Haus.
Die Zerstörung durch Bomben 1945, aber auch die Jahre des Wiederaufbaus,
bis 1957 das Haus des ehemaligen Präsidenten Theodor Wigand in Dahlem bezogen werden konnte.
Dort wuchs die Zentrale weiter.
Personal und Bücher ließen die geräumige Dahlemer Villa aber schnell eng werden.
Die organisatorische Teilung der Zentrale in zwei Abteilungen,
Wissenschaft und Verwaltung, im Jahre 1972 und vor allem die Entstehung des Architekturreferats 1973,
waren dann wirklich Richtungsweisen für eine spezifische wissenschaftliche Rolle der Zentrale im Konzert der Abteilungen und Kommissionen.
1974 bis 1976 wurde der Neubau des Bittelhauses errichtet und schuf,
gemeinsam mit dem Lepsius-Kolleg, das Sie auf der rechten Seite sehen,
ausreichend Platz für alle Arbeitsbereiche und wissenschaftlichen Gäste.
Die deutsche Wiedervereinigung brachte auch für das DI große Veränderungen.
Teile des Zentralinstituts für alte Geschichte und Archäologie der Akademie der Wissenschaften der DDR
wurden nach der Wende in das DI integriert und verschiedenen Abteilungen zugewiesen.
Die naturwissenschaftlichen Arbeitsbereiche des Akademieinstituts wurden zuerst in der neu geschaffenen Eurasienabteilung integriert
und ab 2003 als eigenständiges Referat für Naturwissenschaften mit Querschnittsaufgaben der Zentrale angegliedert.
Für das DI war die Integration der Naturwissenschaften ein Quantensprung in der Sicht auf die Archäologie
und eine wichtige Grundlage für die jetzt selbstverständliche Verbundforschung des Instituts.
Helmut Kyrieleis hat die Integration als Präsident sehr weitsichtig vorangetrieben
mit Unterstützung vieler Kollegen des ZTIAGA und des DI, unter denen vor allen Dingen Sigmar von Schnurrbein zu nennen ist.
Ab 1999 wurde schließlich ein drittes Querschnittsreferat aufgebaut und zwar für Informationstechnologie.
2006 folgte dem ein übergreifender Arbeitsbereich Bibliotheken und Archive
zur Koordination übergeordneter Belange aller Abteilungen und Kommissionen des Instituts in diesen beiden Bereichen.
Bis in das letzte Jahr folgte die Struktur unserer Zentrale durch eine im Vordigitalen Zeitanschlag entstandene Systematik.
In letzter Zeit wurde jedoch mit zunehmender Schnelligkeit deutlich,
wie stark die Digitalität Grenzen zwischen ehemals klar getrennten Aufgabenbereichen aufhebt
und neue Formen der Vernetzung nicht nur zulässt, sondern auch fordert.
2018 haben wir daher die Bereiche Informationstechnologie, Redaktion, Bibliotheken und Archive zu einem neuen Arbeitsbereich zusammengefasst,
der deutlich macht, in wie starkem Maß diese Einrichtung der Zentrale nicht nur für das Gesamtinstitut,
sondern weit darüber hinaus durch die Bereitstellung von Forschungs- und Informationsinfrastrukturen
für die internationale wissenschaftliche Community tätig ist.
Wer sich mit der Entwicklung der Zentrale näher beschäftigen möchte, diesen Blog Vergangenheit schließe ich jetzt ab,
dem sei diese soeben erschienene Publikation zur Geschichte der Zentrale als wissenschaftliche Einrichtung ans Herz gelegt,
die Sie auf unserem Publikationsportal IDI Publications digital einsehen können
und dann später hier auch im Nebenraum auf der Messe in Papierform.
Das Wachsen der Bedeutung des Digitalen geht einher mit der wachsenden Bedeutung des IT-Referats der Zentrale
hin zu einem Arbeitsbereich mit derzeit 26 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern,
aufgeteilt in eine Säule für wissenschaftliche Informationsinfrastrukturen
und eine zweite für wissenschaftliche Softwareentwicklung.
Unter der Leitung von Reinhard Förch baut das IT-Referat eine umfassende Forschungsumgebung auf,
deren neue Homepage pünktlich zum heutigen Geburtstag des Instituts freigeschaltet wurde.
Das Referat betreibt auch die technische Infrastruktur des Instituts,
die, wie Sie hier sehen, beeindruckende Zahlen vorweisen kann.
In der Softwareentwicklung arbeiten derzeit vier Teams in den Bereichen Grabungsdokumentation,
Publikationen und Archive, Bibliotheken und Standards sowie Geoinformationssysteme.
Aus letzterem Bereich stammt etwa das Palmyra GIS, das Sie hier auf der Messe sehen können.
Die IDI-Welt macht besser als alles andere deutlich,
welches Potenzial in der Vernetzung der unterschiedlichen Arbeitsbereiche liegt.
Normdaten für Orte, Zeiten und Begriffe werden vielsprachig vernetzt
mit den Daten unserer Bibliotheken, Fototheken, Archive, Publikationen und Forschungsprojekten.
Alle Arbeitsbereiche, nicht nur der zentrale, sondern des Gesamtinstituts,
werden so gemeinsam zu einem digitalen Laboratorium,
in dem in beispielhaften Projekten gemeinsam an der Weiterentwicklung
unserer vernetzten digitalen Forschungsumgebung gearbeitet werden kann.
Ähnlich vernetzt stellt sich unsere Abteilung im Kleinen dar,
die im Gegensatz zu anderen Abteilungen und Kommissionen
nie einen kulturgeografischen Forschungsauftrag erhalten hat.
Lange Zeit war die wissenschaftliche Aktivität der Zentrale
vor allem von der Zentraldirektion beauftragte Publikations-, Korpus- und Grabungsvorhaben bestimmt.
Aus der Verbindung unserer wissenschaftlichen Fachreferate,
der Verbindung von archäologischen Naturwissenschaften,
der Bauforschung und der Archäologie ergibt sich eine Stärke der Abteilung.
Die übergreifende Erforschung der gegenseitigen Beeinflussung von Mensch und Umwelt,
die es auf ideale Weise ermöglicht,
die unterschiedlichen wissenschaftlichen Arbeitsbereiche der Zentrale
in einem thematischen Dach zu sammeln
und sie gemeinsam mit den zentralen wissenschaftlichen Diensten
in Hinsicht auf Dokumentationstechnik, Quellenanalyse, Publikationen und Archivierung
zu einem Gesamtinstitut bestmöglich dienenden Einrichtungen zu vereinen.
Der inhaltliche Schwerpunkt der von Hans Ruprecht Götte geleiteten Bibliothek der Zentrale
liegt seit ihren Anfängen im Bereich der griechisch-römischen Antike.
Sie ist nicht nur ein wichtiges Wissensarchiv für die archäologische Gemeinschaft in Berlin,
sondern auch beliebter Zielort für Dutzende ausländischer Kollegen,
die über Einladungen der Auslandsabteilungen zu uns kommen
und Bibliothek wie Lepsiuskolleg zu einem stimulierenden Ort des wissenschaftlichen Austausches machen.
Der fachlichen Ausrichtung der Bibliothek entsprechend
sind auch zahlreiche Forschungsprojekte unserer Abteilung im Mittelmeerraum angesiedelt.
So etwa die Forschungen von Hans Ruprecht Götte zu antiker Skulptur,
die Grabungen von Andreas Oettl im spätantiken Kastell von Wieg in Albanien
oder aber auch Forschungen des Dendrochronologischen Labors
unter Karl-Uwe Heusner zu Hölzern aus Herkulaneum in Italien.
Die antike Siedlung Hengir Burgu auf der tunesischen Insel Djerba,
in der sich hervorragende Quellenerhaltung an einem historisch höchst interessanten Ort findet,
der bereits vor der phönizischen Kolonisation der Insel eine der wichtigsten Relaisstationen
zwischen den mediterranen und transsaharischen Kommunikationskreisen war,
wird ab diesem Herbst zu einem gemeinsamen Projekt der Abteilung
und zu einem Testfall für die Weiterentwicklung unserer zentralen wissenschaftlichen Infrastrukturen.
Genau wie das bereits seit über 50 Jahren in deutsch-tunesischer Kooperation
erforschte Chimtou in Nordtunesien,
das auch wie Hengir Burgu im Transarea Network Afrika des DRI vernetzt ist.
Chimtou leitet als Herkunftsort des berühmten gelben numidischen Marmors
zudem über zu weiteren Forschungsschwerpunkten der Zentrale.
Etwa der archäologischen und archäometrischen Erforschung antiker Marmorbrüche
und der Verwendung des in ihnen gewonnenen Marmors.
Neben Chimtou werden derartige Fragen etwa in den Forschungen von Herrn Götte
zu Landeskunde und Marmorbrüchen in Attica und Olböa aufgeworfen,
in dem von Natalia Thoma am naturwissenschaftlichen Referat betriebenen DFG-Projekt
zu Bauprozessen und Wirtschaftsdynamiken im kaiserzeitlichen Millet
oder dem Projekt zum archaischen Apollontempel in Didima
und der Genese der monumentalen ionischen Sakralarchitektur von Uta Dierschädel.
Für das Architekturreferat, das bis zu ihrem viel zu frühen Tod im vergangenen Jahr
von Ulrike Wolf-Reith geleitet wurde, sind der Erhalt, die Dokumentation
und die Erforschung der gebauten Umwelt allein aufgrund der Größe der Objekte
eine besondere Herausforderung.
Zum Zeitpunkt der Gründung des DRI steckte die systematische Dokumentation von Architektur
noch in den Anfängen.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren jedoch gerade auch die Großgrabungen des DRI
eine entscheidende Triebfeder in der Entwicklung der Bauforschung
als eigene wissenschaftliche Methode.
Das Architekturreferat der Zentrale steht in dieser langen Tradition der deutschen Bauforschung.
Der Verlust von Bausubstanz ist nach wie vor die zentrale Herausforderung
und zugleich die Existenzberechtigung der Bauforschung.
Mit jeder Mauer oder Verputzschicht verlieren wir wichtige Informationen
zum historischen Bauen und Konstruieren, aber auch zu künstlerischen, sozialen,
politischen und wirtschaftlichen Prozessen.
Daraus ergeben sich die vielfältigen Fragestellungen,
die heute am Architekturreferat verfolgt werden.
Stephan Zink und Jens Pflug untersuchen am Lago Argentina in Rom
etwa ein Tempel aus dem dritten Jahrhundert vor Christus,
der über die gesamte Antike hinweg, als er für ein halbes Jahrtausend
als Pagala Kultbau genutzt wurde und dann nochmals 1500 Jahre als Kirche weiter existierte.
In besonderer Weise kann hier etwa der Frage nachgegangen werden,
wie ein Bau über einen so langen Zeitraum überhaupt überleben konnte,
trotz zahlreicher Überschwemmungen und Feuersbrünste
und trotz fundamentaler gesellschaftlicher und politischer Veränderungen.
Neben derartigen Langfristentwicklungen geht es im Projekt von Birte Geißler
zur Porta Nigra in Trier auch um eine genaue bauforscherische Dokumentation,
die künftig Grundlage für alle Restaurierungsmaßnahmen bilden wird.
Die entscheidenden Informationen ergeben sich hier auch aus einer genauen Analyse der Oberflächen.
Natürlich sind die Methoden der Bauforschung einem kontinuierlichen Wandel unterworfen,
sodass es heute oftmals auf die passende Kombination verschiedener Methoden ankommt.
Wie hier am Beispiel des Projekts von Claudia Mechler, dem Leonidajon in Olympia zu sehen,
kann etwa mit Hilfe digitaler Fotografie ein genaues 3D-Modell einer Ruine erstellt werden.
Es dient in diesem Fall auch als Grundlage für eine digitale Rekonstruktion
und eine Visualisierung des zerstörten Gebäudes.
Allerdings führt der Weg zu einer derartigen Rekonstruktion immer noch über eine genaue Bauaufnahme
aller Gebäudereste und der vorhandenen Bauteile.
Als Folge der Großgrabungen des 19. Jahrhunderts gehören auch komplexe Megastrukturen zum Aufgabenfeld der Bauforschung.
Wenige Institutionen sind allerdings in der Lage, derartige Großprojekte zu schultern.
Die berühmten Kaiserpaläste auf dem Palatin im Zentrum Wurms, die Sie hier sehen,
wurden zwischen 1996 und 2012 unter der Leitung von Ulrike Wulfreith vom Architekturreferat erforscht.
Derartige Projekte erfordern auch in der Vermittlung der Ergebnisse besondere Herangehensweisen.
Diese 3D-Darstellung zeigt, mit welchen komplexen Ruingebilden wir es bei XXL-Bauten zu tun haben.
Acht verschiedene Bauphasen, verteilt auf fünf horizontale Ebenen, sind hier ineinander verschachtelt.
Aus dieser Bauabfolge lassen sich ganz neue Erkenntnisse zur Entwicklung der Kaiserpaläste generieren
und damit letztlich auch neue Aussagen zur Architektur als dem Handlungsrahmen für das römische Kaisertum.
Langfristprojekte generieren große Datenmengen.
In einem aktuellen Pilotprojekt zur Casa del Fauno in Pompeji geht es darum,
dieses Archivmaterial zu erschließen und für künftige Forschungen zugänglich zu machen.
Es soll eine neuartige räumliche Erschließungsplattform entworfen werden,
die auf einer Georeferenzierung aller historischen Pläne und Zeichnungen basiert,
sodass diese schließlich über ein 3D-Modell erschlossen werden können.
Im Prinzip ein virtueller Planschrank, der jeden Plan an seinem ursprünglichen Ort in einer virtuellen Ruine zeigt.
Dieses Archiv wird natürlich in die IDI Welt eingebettet, die Sie schon kennengelernt haben.
Längerfristiges Ziel ist es, eine funktionsfähige Lösung zur Online-Erschließung unserer eigenen Architekturdaten zu entwickeln,
die sich in den letzten 190 Jahren angesammelt haben.
Das Referat für Naturwissenschaften ergänzt die Abteilung in das Gesamtinstitut
um die für die Archäologie essentiellen Bereiche der Archäozoologie, Archäobotanik,
prähistorischer Anthropologie und Dendrochronologie.
Teil des Referats sind die drei bedeutenden Referenzsammlungen der Zoologie, der Botanik und der Dendrochronologie,
die beständig weiter wachsen und allen interessierten Forscherinnen und Forschern zur Verfügung stehen.
Die Labore haben eine umfangreiche technische Ausstattung, können aber natürlich nicht alle Felder der Analyse abdecken.
Daher gibt es vor allem in den Feldern Genetik, Isotopenanalysen und Computertomographie
lang etablierte Kooperationen mit unterschiedlichen spezialisierten Einrichtungen.
Diese Kooperationen sind auch vor einigen Jahren in eine neue Form gebracht worden im Archäometrienetzwerk Berlin-Brandenburg,
das unter tatkräftiger Mitarbeit unseres Referats gegründet wurde
und die archäometrischen Institutionen in diesem Raum eng miteinander vernetzt.
Die aktuellen Forschungsprojekte des Referats stehen fest im Rahmen der Frage nach historischen Mensch-Umwelt-Beziehungen.
So etwa das von Norbert Benecke koordinierte Projekt zur Wirtschaft und Umwelt früher Bauern im zirkumpontischen Raum,
das in einem zeitlichen Längsschnitt und im regionalen Vergleich die Auswirkungen des mit dem Neolithikum einsetzenden Kulturwandels
auf verschiedene Aspekte der Mensch-Tier-Nutzbeziehungen untersucht.
Das höchst aktuelle Thema des Klimawandels in historischer Tiefe ist ein Schwerpunkt der Dendrochronologie unter Karl-Uwe Häusner.
Die Grundlage hierfür bildet ein hoher Probendurchsatz mit großer zeitlicher Tiefe bei gleichzeitig hoher räumlicher Auflösung.
So gelingt es etwa, die Eichenchronologie Nord- und Ostdeutschlands, die Sie hier sehen,
lückenlos bis zum Jahr 7229 vor unserer Zeitrechnung zu kompletieren.
Die bei der Datierungsarbeit gewonnenen Daten bilden als Proxidaten die Grundlage für weitergehende Forschungen zur Klima- und Umweltgeschichte.
So hat Herr Häusner etwa auch wichtige Datengrundlagen für diese mittlerweile berühmte Auswertung geliefert,
die unter der Leitung von Ulf Bündgen in der Zeitschrift Science erschienen ist.
Ebenfalls an Fragen der Klima- und Vegetationsentwicklung arbeiten die Archäobotaniker
Ryan Danev und Michel Dignes in Nordafrika und auf der arabischen Halbinsel
mit einem Schwerpunkt auf der Frage des Beginns und der Weiterentwicklung der Oasenwirtschaft.
Datengrundlage dieser Forschungen bilden Pollenanalysen aus Bohrkernen aus Seen.
Hier sehen Sie den berühmten Legiao im Tschad.
Ein Projekt, das in Kooperation mit Stephan Kröpelin vorangetrieben wird.
Und die Untersuchung botanischer Makroreste aus Grabungen.
Die Erforschung der bis weit in die Vergangenheit reichenden, traditionsreichen Oasenwirtschaft
liefert überraschende neue Erkenntnisse.
Etwa, dass im saudi-arabischen Taimah ein Projekt der Orientabteilung
schon vor 7000 Jahren der Anbau von Wein und Feigen belegt ist
und erst 2000 Jahre später der Anbau der heute so altgegenwärtigen und dominierenden Dattelpalme.
Die Anthropologie am DRI nimmt unter der Leitung von Julia Greski
die Menschen in den Blick, die hinter den archäologischen Funden stehen.
Diese Folie zeigt an unterschiedlichen aktuellen Projekten des Arbeitsbereiches
die Spannbreite an Informationen, die am Skelettmaterial gewonnen werden können.
Etwa seltene Erkrankungen, die derzeit einen Schwerpunkt der Arbeiten von Frau Greski darstellen
und Ende letzten Jahres auf einem vielbeachteten Kongress hier in Berlin thematisiert wurden.
Oder die Ernährungsweise, über die sehr, sehr viele Informationen an Knochen gewonnen werden können.
Aber auch medizinische Fertigkeiten, die sich etwa an den Schädeloperationen zeigen,
sogenannten Trepanationen, die Sie hier an bronzezeitlichen Beispielen aus dem Kaukasus sehen.
Und auch ein vielbeachtetes Ergebnis von Frau Greski,
das sogar von der Zeitschrift Archaeology zu einem der bedeutendsten Artikel des Jahres 2017 gewählt wurde,
die Entdeckung einer neuartigen Form von Schädelkult am Göbekli Teppe,
die Frau Greski anhand von Ritzspuren an den Schädeln nachweisen konnte.
Alle diese Forschungen müssen schlussendlich wieder in Form von Veröffentlichungen zusammengeführt werden,
womit wir wieder bei dem ältesten der Berliner Arbeitsbereiche angekommen wären, der Redaktion.
Die Redaktion der Zentrale gibt unter der Leitung von Peter Baumeister
heute 35 Publikationsreihen und zwei Zeitschriften heraus.
Das schon vorhin genannte traditionsreiche Jahrbuch des Instituts und den archäologischen Anzeiger.
Mit dem Anzeiger werden wir im November in ein neues Zeitalter starten.
Neben der gedruckten Fassung wird der Anzeiger vom ersten Tag an digital,
frei und weltweit in responsiver Vieweransicht online erscheinen.
Dabei bietet er unter anderem die Gelegenheit, zu den Artikeln gehörende Forschungsdaten
über die Vernetzung mit anderen Komponenten der AiDai-Welt zu publizieren.
Der Anzeiger wird so zum digitalen Flaggschiff unseres Zeitschriftenbereichs Journals in dem Feld AiDai Publications,
in dem sich in schnell wachsender Zahl auch Digitalisate der älteren Jahrgänge der Zeitschriften
unserer Abteilungen und Kommissionen finden.
Auch der Bereich Books wächst rasch, da die Bände unseres neuen Reihenlayouts
dort zwei Jahre nach ihrem Erscheinen freigeschaltet werden und in schneller Folge mehr werden.
Auch bei den monografischen Publikationen gibt es nun die Möglichkeit,
das Buch mit digitalen Supplementen von Forschungsdaten zu begleiten
und diese in der AiDai-Welt zu vernetzen.
Dabei arbeiten wir bereits am nächsten Schritt.
Das ist eine Vision, an der schon kräftig geschafft wird,
nämlich der automatisierten Inhaltserschließung durch Textmining
und das Verknüpfen der verschiedenen Informationsressourcen der AiDai-Welt,
zum Beispiel hier bei AiDai Publications, AiDai Gazetteer und AiDai Objects Arachne.
Die Publikationen, die in den Statuten von 1874 den ersten wissenschaftlichen Auftrag der Zentrale bildeten,
bilden so einen essentiellen Bestandteil nicht nur unserer Abteilung und des Instituts,
sondern vor allem auch unserer digitalen AiDai-Welt
und werden durch die Verbindung mit den anderen forschungsorientierten Bereichen
der zentralen wissenschaftlichen Dienste noch weiter gestärkt.
Eine ganz ähnliche Entwicklung gibt es im Archiv der Zentrale,
unter der Leitung von Martina Dünser, Solveig Lavrenz und Sabine Thänert
und nach dem Vorbild der Arbeiten am Archiv Friedrichs Hinkel zum Sudan
oder dem Syrian Heritage Archive intensive Digitalisierungsprojekte laufen.
Essentieller Bestandteil dieser Arbeiten ist das neue Portal,
Sie haben es jetzt schon oft gehört, AiDai Archive,
das in unserem Gesamtportal AiDai World integriert ist.
Genau wie die anderen Bereiche wird auch das Archiv oder besser
die unterschiedlichen Archivbestände des DAI an den vielen Standorten, die wir haben, zu einem großen Ganzen.
Dieses Ganze können Sie seit heute in ganz neuer Form erschließen, auch das sagte ich schon.
Schauen Sie sich doch die neuen Seiten unter aidai.world gleich einmal an.
Die Reise durch unsere digitale Welt macht dort großen Spaß.
Abschließend möchte ich allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern danken,
auf die diese Arbeiten gründen und ohne die all das nicht möglich wäre.
Vielen Dank euch allen dafür und Ihnen allen für die Aufmerksamkeit.
Danke.
