190 Jahre Deutsches Archäologisches Institut - Abteilung Athen (1874)

Deutsches Archäologisches Institut
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30.10.2024
Am 17. Mai 2019 feierte das Deutsche Archäologische Institut sein 190-jähriges Bestehen mit einem Wissenschaftsfest in Berlin. Bei einem ganztägigen Forschungskolloquium präsentierten sich die weltweiten Standorte mit Kurzvorträgen.
1874 wurde in Athen neben Rom und der Zentrale in Berlin die erste DAI-Abteilung gegründet. Nicht nur das beeindruckende Gebäude der Abteilung sondern auch das beeindruckende Forschungsspektrum stellt die Erste Direktorin Katja Sporn in ihrem Vortrag im Rahmen des Forschungskolloquiums vor.
Das DHI Athen wurde 1874 gegründet, wie wir nun heute Morgen schon mehrmals gehört haben,
und entstand aus dem Wunsch heraus, Ausgrabungen in Olympia durchzuführen.
Nach einigen Jahren in einer Mietunterkunft, die wir erst vor kurzem wieder identifizieren konnten,
da der Baidekker aus der Zeit, des späten 19. Jahrhunderts, es als Haus mit Turm bezeichnet,
das auch auf einem Foto aus dem Jahr 1872 zu sehen ist.
Der Freundschaft zwischen Heinrich Schliemann und dem damals designierten ersten Direktor der Abteilung Athen,
Wilhelm Dörpfeld, ist es zu verdanken, dass Schliemann in den Jahren 1887, 88,
auf eigene Kosten dem Institut ein Gebäude errichtete, und zwar im Haus des ehemaligen österreichischen Gesandten
in Griechenland, Anton Prokisch von Osten, was 1837 fertiggestellt war.
Es wurde zum 25. Jubiläum der Abteilung 1899 vom deutschen Staat angekauft
und erfuhr im Laufe der Zeit verschiedene Anbauten, zuletzt 1974 anlässlich seiner 100-Jahrfeier,
und beheimatet es von kriegsbedingten Unterbrechungen abgesehen seit nunmehr 131 Jahren.
Das Kernstück bildet der große Raum der Bibliothek, die heute über 90.000 Bände fast und rege besucht wird.
Dieser Raum wurde ebenfalls anlässlich des 25-jährigen Jubiläums angebaut
und verfügt heute noch über einen Großteil seiner historischen Ausstattung.
Das Gebäude war ursprünglich nicht nur als Dienstsitz des Instituts konzipiert,
sondern verfügte auch über Wohnräume für Mitarbeiter, für Portiers, für die Verwaltungsangestellten usw.,
sowie über repräsentative Etagenwohnungen für die beiden Direktoren in den Obergeschossen.
Diese beiden Wohnungen waren fast baugleich, allerdings waren die Räume des ersten Direktors um einiges elaborierter dekoriert.
Das ist heute ungefähr der Blick, den ich habe von meinem Schreibtisch aus.
Im Raum dahinter sitzt mein Kollege Herr Senf.
Das Gebäude, ein Juwel des Athener Spätneoklassizismus, hat einige architektonische Anlehnungen an das Haus,
das eigene Wohnhaus von Heinrich Schliemann in Athen, das Sie rechts sehen,
wie die gusseisernen Treppenhausgeländer und die ursprünglich an den Ecken der Dachterrasse aufgestellten tönernen Götterstatuen.
Von Schliemann selbst ausgewählte Sinnsprüche zieren Wandabschlüsse in repräsentativen Räumen,
deren Decken zudem aufwendig mit an pompejanischen Vorbildern orientierten Malereien verziert wurden.
Im Zuge zahlreicher Renovierungsarbeiten haben sich Veränderungen im ursprünglichen Dekor ergeben,
deren Dokumentation in diesem Jahr 2019 zu einigen Überraschungen führte, wie Sie hier sehen können, vor allen Dingen bei 1900.
So schön das Gebäude ist, so bedarf es ständiger Pflege.
Aufgrund von Schäden sowohl durch natürliche Ereignisse wie Erdbeben oder Wassereinflüsse,
aber auch anthropogen erzeugte wie ästhetisch nicht ganz zufriedenstellend angelegte Rohre
für die zugegebenermaßen im heißen Athen lange ersehnten Klimageräte.
Für die Renovierungsarbeiten von 1985, nach dem großen Erdbeben, wurde der renommierte Europa-Nostra-Preis verliehen.
Im gleichen Jahr wurde das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt.
Derzeit wird eine vollständige 3D-Dokumentation des Gebäudes erstellt, die als Grundlage für neue Pläne dient.
Einen kleinen Film dazu können Sie an unserem Stand gemeinsam mit einem zweiten Film über die aktuellen Arbeiten des Instituts sehen.
Ein weitaus schlechteres Schicksal hat das viel ältere Nachbarhaus von Prokesch erlebt.
Es diente im 20. Jahrhundert vor allen Dingen als eine sehr berühmte Musikschule in der unter anderem Persönlichkeiten wie Maria Callas ausgebildet wurden.
Seit seiner Schließung 1973 steht es leer und seither bemühte sich das DAI und auch andere Träger immer wieder um eine Nutzung bisher vergeblich.
Das Haus verfällt zunehmend, aber wir haben die Hoffnung auf eine zukunftsfähige Verwendung nicht aufgegeben.
Kommen wir nun zu unseren Projekten.
In der Frühzeit des Instituts standen verschiedene Erschließungsprojekte im Sinne von Corpora zu Inschriften, Vasen, Skulpturen,
landeskundliche, aber sehr früh durch den Direktor Dörpfeld auch bauforscherische Untersuchungen im Vordergrund,
aber es begann auch im Gegensatz zur Abteilung Rom auch ersatzungsmäßig festgehalten, früh Ausgrabungen.
Außer in Olympia wurden vom Institut oder mit seiner Unterstützung Feldforschungen in weiten Teilen Griechenlands durchgeführt.
Sie sehen hier eine Kartierung. Zu vielen dieser Unternehmungen liegen in unserem wissenschaftlichen Archiv Materialien vor,
die teilweise bereits in IDAI Archives digitalisiert sind.
Ein Antrag für ein größeres Digitalisierungsprojekt wird hoffentlich bald eingereicht.
Aufgrund der Beschränkungen im griechischen Antikengesetz auf nur drei Grabungslizenzen und zusätzlich drei Kooperationslizenzen pro Land,
das ein eigenes Forschungsinstitut in Griechenland unterhält,
haben sich die Ausgrabungen im Laufe der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf einige traditionelle Grabungsorte fokussiert.
Neben Olympia sind das Tirins, wo 1884 von Seite des DAI Ausgrabungen begonnen wurden,
im Kerameikos von Athen seit 1913, im Heraion von Samos seit 1925 und seit 1973 auch im Heiligtum von Kalapogi.
Das ist sozusagen unser Kleinkind unter den Grabungen.
Grundsätzliche Forschungsschwerpunkte der Abteilung sind damit Heiligtümer, Nekropolen und die Topografie und Landeskunde.
An allen Grabungsplätzen haben sich unsere Fragestellungen erweitert, nicht unbedingt verschoben,
von der Untersuchung einzelner Baukomplexe hin zu den Städten in ihrem räumlichen Kontext,
wobei ein wichtiger Fokus auf der Erforschung des Umlands, Raumgestaltung, Ressourcen, insbesondere Wasser,
Menschen-Natur-Beziehungen, Produktionsketten und Wegen und von Transformationsprozessen liegt.
Daneben sind nicht nur in unserem Institutsgebäude, sondern auch auf allen unseren Grabungsplätzen
die Denkmalpflege, Bauerhalt und Präsentation der Städten eine wichtige Aufgabe.
Ein eigenes Forschungsprojekt im Rahmen eines Einzelthemas zu dem DAI Athen in historischer Perspektive
beschäftigt sich derzeit mit der Abteilung der Geschichte während der NS-Zeit.
Kommen wir nun zu den laufenden Grabungsprojekten und deren Perspektiven.
Im Zeus-Halligtum von Olympia konnten in den letzten Jahrzehnten mit namhafter Förderung verschiedener Stiftungen
zahlreiche prominente Anasylose-Projekte durchgeführt werden.
Sie sehen hier Säulen im Zeus-Tempel und vom Ptolemäer-Weihgeschenk. Letztere wurde erst 2017 eingeweiht.
Verschiedene Projekte, häufig Qualifikationsarbeiten, beschäftigen sich in Olympia
mit sachgerechter Dokumentation und Publikation einzelner Bauwerke,
von denen einige bereits seit sehr langer Zeit ausgegraben wurden, unsere sogenannten Altlasten.
Etwa zu der Phidias-Werkstatt, die später in eine Basilika umgewandelt wurde.
Hier dienen zusätzliche fotogrammetrische Dokumentationen der Erstellung eines Denkmalschutz-Konzeptes.
Mit dem Leonidaion, das haben Sie eben schon gehört, beschäftigt sich ein Dissertationsvorhaben,
das hier an der Zentrale im Architekturreferat angesiedelt ist.
Hier wurden zur Klärung von Datierungsfragen zusätzlich Grabungssondagen durchgeführt,
die eine Neudatierung der kaiserzeitlichen Umbauphase zum Ergebnis hatte.
Die Publikation der Schatzhausterrasse ist ebenso in Vorbereitung wie auch die des Zeus-Tempels,
wo außerdem Vorbereitungen für ein Projekt zur Konservierung des original erhaltenen Pflasterbodens laufen.
Das letzte Grabungsprojekt 2016-2017 in Olympia betraf die Suche nach der bei Pausanias genannten Agora im Süden,
im Süden der Echo-Halle konkret.
Doch ergab die Grabung, dass sich dort sicher keine Agora befand, sondern einige Brandplätze von Pilgern,
mein Kollege Senf nennt das immer die eine der ersten Psistaries, der ersten Barbecue-Plätze sozusagen,
sowie seit der Spätantike ein Ofen und Gräber.
Noch in der Konzeptphase ist ein Projekt, das versucht mittels der historischen Fotogrammetrie,
also der 3D-Rekonstruktion von zweidimensional verfügbaren historischen Aufnahmen, Fundzusammenhänge zu rekonstruieren.
Die hier gezeigten Beispiele sollen verdeutlichen, dass auch nach über 140 Jahren Forschung
das Heiligtum von Olympia weiterhin hohes Forschungspotenzial hat, selbst an bereits länger ausgegrabenen Bauten.
Ein laufendes DFG-gefördertes Drittmittelprojekt in Kooperation mit dem RGZM Mainz,
das sich mit der Erfassung und statistischen Auswertung der Bronze-Hinterlassenschaften immerhin 29.000 Stück,
das ist ein riesiges Archiv, beschäftigt, lässt zudem bereits längst ausgegrabene Objekte
in Verbindung mit der in Olympia wirklich hervorragenden Dokumentation der Grabungen in neuem Licht erscheinen.
Auch das in den letzten Jahren im Umland von Olympia durchgeführte Kooperationsprojekt
konnte das Potenzial landschaftsarchäologischer Untersuchung und der Wechselwirkung von Heiligtum
und umliegenden Siedlungen in historischer Perspektive verdeutlichen.
Tirins ist berühmt für seine mykänische Zitadelle mit den mächtigen Mauern,
die mit Unterstützung des DAI in einem von Griechenland koordinierten EU-Projekt denkmalpflegerisch betreut werden.
Mit der Bauanalyse der Unterburgmauer, die Sie im Vordergrund sehen,
beschäftigt sich zudem seit vergangenem Jahr eine von der Fritz-Thyssen-Stiftung finanzierte Untersuchung.
Eines der Ziele der letzten Projekte in Tirins im Ganzen bestand darin,
den Nexus zwischen politischem Wandel und sozialem Gedächtnis in diakroner Perspektive zu untersuchen.
In verschiedenen Studien wurden architektonische Manifestationen des sozialen Gedächtnisses
ebenso wie die Verwendung beweglicher Bestandteile materieller Kultur über die Jahrhunderte hinweg nachverfolgt,
um zu analysieren, wie Vergangenes in der Gegenwart von Gesellschaften eingebunden wurde und so seine Wirkung entfaltete.
Die im letzten Jahr abgeschlossene DFG-geförderte Kooperationsbegrabung war dagegen nicht dem Palast selbst gewidmet.
Vielmehr galt sie der nordwestlichen Unterstadt und der Frage nach dem Leben nach der Zerstörung der Mykenischen Paläste um 1200 v. Chr.
Dabei stellte sich heraus, dass noch während der Existenz der Paläste massive Maßnahmen zur Umleitung des Flusses durchgeführt wurden,
um durch Einbringung großer Sedimentschichten die Entstehung einer neuen Siedlungsfläche zu ermöglichen.
Die Flussumleitung war somit nicht vorrangig eine Maßnahme des Schutzes im Anschluss an Überschwemmungen,
sondern vielmehr Teil eines visionären architektonischen Masterplanes politischer Akteure der ausgehenden Palastzeit.
Mit der Anlage der neuen Siedlung nun begann man bald nach der Zerstörung der Paläste.
Die Siedlung hat im 12. Jahrhundert mehrere Phasen.
Unter den erstaunlichen Funden waren Indizien dafür, dass hochqualifizierte Tätigkeiten wie die Elfenbeinproduktion weiterhin ausgeübt wurde.
Auch traten besondere Keramikfunde zu Tage, von denen ich hier zwei Pictorial-Style-Gefäße mit Kriegerszenen zeige.
Das Buchstück rechts unten gefällt mir besonders gut, wo Sie innen in einen Schild hineinschauen können
und das Kuhfell, das die Innenseite der Schilde überzogen hat, eindeutig abgebildet ist.
So wie ein sehr eigenartiges Kultgefäß, das bislang nur Parallelen auf Kreta und Zypern hat,
die jedoch ein halbes Jahrtausend, also 500 Jahre, älter sind als der Kontext zumindest, in dem dieses Gefäß in Thüringen zu Tage trat.
Zukünftig können in Thüringen etwa die Auswirkungen des mechanischen Landschaftsengineering auf die Umwelt,
am Beispiel der Flussumleitung und anderer Baumaßnahmen, sowie durch Untersuchung der Prozesse der Verschiebung der alten Meeresuferlinie,
durch Sedimenteintrag und die Auswirkungen auf den Hafen erforscht werden.
Weitere Forschungen könnten unter Kombination geophysikalischer Methoden mit gezielten Ausgrabungen
die Diachroneveränderung der Unterstadt seit dem Beginn der mykenischen Zeit zum Gegenstand haben.
In der Ausgrabungsstätte im Kerameikos von Athen liegt nicht nur eine der am besten dokumentierten und publizierten Nekropolen Griechenlands
und ein Ausschnitt einer der wichtigsten Nekropolen von Athen,
sondern hier sind auch wesentliche andere Teile der antiken Stadt zu fassen.
Ein Teil der klassischen Stadtmauer, hier in Dunkelgrau, ein Häuserareal in Grün, Töpferareale,
die dem Gebiet ja auch seinen antiken Namen gaben, in Orange, kultrelevante Plätze in diesen Senffarben,
sowie mit dem Eridanusfluss, in Dunkelblau, eine wichtige Lebensader der Stadt.
Auf dem relativ kleinen Areal vereint ergibt sich also die Möglichkeit,
vielfältige Aspekte des antiken täglichen Lebens zu studieren.
Während sich frühere Forschungen auf die Vorlage einzelner Baukomplexe konzentrierten,
stehen in den letzten Jahren übergreifende Fragestellungen im Vordergrund,
die sich um die Themenfelder, natürlich der Nekropole, Keramikproduktion, Heiligtümer und insbesondere Wassermanagement gruppieren.
Im letztgenannten Feld sind die Kartierung der Brunnen, die 3D-Dokumentationen ausgewählter Brunnen,
sowie die Rekonstruktion ihrer typologischen Entwicklung mittlerweile abgeschlossen.
Im Rahmen von Grabungssondagen wurde hier im Jahr 2016 eine besondere Entdeckung gemacht.
In zwei Brunnen, in dem früher als Hekateion bezeichneten Bezirk, traten Tonröhren mit Inschriften,
vor allem in der Kaiserzeit zutage.
Einer der Brunnen trägt eine Anrufung an Pan, Men und den Nymphen,
der andere auf 22 Zylindern immer wieder die nur leicht variierte Anrufung des Pajan mit der Bitte,
das wahre Orakel oder den wahren Orakelspruch zu bringen.
In Verbindung mit Apollon, der wohl unter Pajan zu verstehen ist, wurde am Brunnen ein Orakelspruch erwartet.
Der Fund hinter der Gräberterrasse im äußeren Keramikos ist schon deshalb so wichtig,
da bislang in Athen und Attika kaum Orakelstätten bekannt sind,
im Gegensatz etwa zu Boiotien oder anderen Gebieten in Griechenland.
Entsprechend wird die Publikation des Befundes auch von den Religionsforschern mit Spannung erwartet.
Unter großer Anstrengung und durch Beratung von einem offiziell eingesetzten deutsch-griechischen Expertenteam
wurden in den letzten Jahren ein neuer Site-Management-Plan für den Keramikos erarbeitet.
In zahlreichen Dokumentationsvorlagen wurde erstmals der erhaltene Bestand dokumentiert
und mögliche Konzepte für zukünftige langfristige Konservierungs- und Präsentationsplanung vorgestellt.
Es soll noch in diesem Jahr dem Archäologischen Rat des griechischen Kultusministeriums zur Entscheidung vorgelegt werden.
Die Umsetzung des Planes wird natürlich abhängig sein von möglichen Finanzierungen.
In die Zukunft gerichtete Projekte am Keramikos beschäftigen sich mit weiteren Untersuchungen
im Rahmen des Themenfeldes Wassermanagement, zunächst einer Dokumentation der Zisternen,
zu Festungsbau und Wasser, einschließlich Wasserstand und Wasserqualität,
zu Fingerabdrücken an Töpferwaren, da arbeitet Frau Strosser mit dem Kriminalinstitut zusammen in Athen,
zur DNA an den selten im Keramikos vorkommenden Leichenbränden
und auch zur Klärung von Ernährungs- und Krankheitsfragen und weiteres.
Zahlreiche mitunter lange erwartete zentrale Publikationen,
wie unter anderem die zwei Bände zu den Ostraka, konnten in den letzten Jahren vorgelegt werden
und hier, wie an allen Grabungsplätzen, wird nachhaltig an der Vorlage noch ausstehenden Materials gearbeitet.
Im Heraion von Samus wird seit 2016 in Kooperation mit dem Labor für Hydrologie der FH Lübeck
ein auf drei Jahre angelegtes interdisziplinäres DFG-Projekt zum Thema Wasser und Kult durchgeführt.
Ziel des Forschungsvorhabens ist es, die bisherigen Erkenntnisse zu den wasserbaulichen Einrichtungen im Heiligtum der Heraion von Samus zu sammeln
und unter geohydrologischen, wasserwirtschaftlichen und wasserbaulichen Gesichtspunkten neu zu analysieren.
In diesem Zusammenhang sind an verschiedenen Stellen im Heiligtum und in der Umgebung Messsonden installiert worden,
die mitunter der kontinuierlichen Erfassung der jeweiligen Wasserstände dienen.
Mitunter war es gerade dieses Jahr im Frühjahr nicht leicht, diese Messsonden wiederzufinden, da es sehr stark geregnet hat.
Sie können das unten sehen.
Die Messdaten zeigen, welche Einflüsse zu einem Anstieg des Wasserstandes im Heraion führen.
Sedimentanalysen an durchgeführten Bohrprofilen konnten unter anderem Belege für die Richtung früher im Heiligtum verlaufender Flussarme und für Überschwemmungen liefern.
Ferner wurden alle wasserbaulichen Einrichtungen im Heiligtum neu erfasst und kartiert.
Sie sehen hier rechts eine Kartierung der Brunnen.
Im Rahmen eines Auslandsstipendiums wird nicht nur die feingliedrige Abfolge ritueller Deponien archaischer Zeit,
die in Grabungen 2009 bis 2013 östlich des großen Altars freigelegt worden war, erschlossen,
sondern auch eine Studie allgemein zur sogenannten Kultkeramik im Heraion durchgeführt.
Dabei spielen auch Fragen des Deponierungsverhaltens eine wichtige Rolle
und im kommenden Jahr soll gemeinsam mit dem österreichischen Archäologischen Institut eine Veranstaltung zu rituellen Depots in Heiligtümern bei uns in Athen stattfinden.
2009 bis 2013 fanden außerdem nördlich der Heiligen Straße im Bereich der prähistorischen Siedlung Grabungen in Kooperation mit der Universität Zypern statt.
Durch die mikro- und makrotechnologische Studien der Fundkeramik sowie Radiokarbondatierungen
konnten hier wichtige Ergebnisse zur Typokronologie und Absolutdatierung der späten mittelbronzezeitlichen Keramikuntersiedlung
und ihres Konnexes im Umfeld der Ostägäis gewonnen werden.
Die Publikation dieser Grabungen steht kurz vor ihrem Abschluss.
Auch für das Heraion von SAMUS sind viele ausstehende Publikationen in den letzten Jahren vorgelegt worden
oder sie befinden sich im fortgeschrittenen Stadium der Druckvorlage.
Großes Potenzial für zukünftige Forschungen im Heraion haben hier Anschlussprojekte an das Wasser- und Kultprojekt zur Landschafts- und Klimarekonstruktion
sowie die Erforschung des Küstenverlaufs und der Landestelle.
Oder auch zum Umland des Heraion oder seiner späteren Entwicklung in hellenistischer Zeit und in der Kaiserzeit.
Die Entscheidung über die künftige Ausrichtung der Forschung wird nach dem im kommenden Jahr anstehenden Grabungsleiterwechsel fallen.
In Cala Posi waren durch frühere Grabungen zwei Tempelkomplexe bekannt,
die eine besondere longue durée mit überhaupt ersten Belegen für ein größeres extra-palatiales Heiligtum mykenischer Zeit erbrachte,
das bis in die Kaiserzeit aktiv war.
Falls nun dieses Heiligtum wirklich das in archaischen und klassischen Quellen viel berühmte Apollon-Orakel von Abbai ist,
stellt sich die Frage des räumlichen Zusammenhangs zwischen Heiligtum und Siedlung sowie überhaupt nach weiteren Raumeinheiten im Heiligtum.
Daher wurden in einem Areal über sieben Hektar um die Tempelkomplexe herum
großflächige geophysikalische Prospektionen von der KAU Kiel durchgeführt.
Dabei kamen besonders westlich des Tempelareals oberflächennah Spuren einer Siedlung zutage,
die wohl besonders aus der Spätphase der Nutzung des Areals stammen.
In gezielten Sondagen konnten weitere Fragen geklärt werden.
Zunächst ließ sich der Nachweis erbringen, dass eine Hangstützmauer nördlich des Tempelareals,
wahrscheinlich im 6. Jahrhundert vor Christus, das ist die rosane Phase, die Sie hier sehen,
als Begrenzungsmauer des Heiligtums errichtet wurde.
Ferner ließen sich verschiedene weitere bauliche Anlagen nachweisen und in Datierung und Funktion erschließen.
Ein Areal mit zwei Öfen, hellenistisch-römischer Zeit, ein Spolienbau im Nordosten,
der vollständig aus Spolien des klassischen Nordtempels errichtet wurde
und derzeit den einzigen Bau im Heiligtum darstellt, der in späthellenistischer Zeit errichtet wurde,
aber auch existierte in der Zeit.
Die klassische Bronzewerkstatt vor dem Südtempel ist mittlerweile mit sechs Gussgruben
die größte derzeit bekannte Werkstatt zur Herstellung von Großbronzen im antiken Griechenland überhaupt.
Die im vergangenen Jahr gefundenen Fragmente großformatiger Statuen mit einem Gewicht von knapp 20 Kilogramm,
da mussten wir erstmal eine eigene Waage finden, die uns das Gewicht nennen konnte,
lassen aufgrund ihrer Bearbeitungsspuren wertvolle Rückschlüsse auf ihren Herstellungsprozess zu.
Im Rahmen der Umsetzung des Denkmalschutzkonzepts des Südtempelareals
wurden Grabungen am bereits 2007-08 in Sturzlage der Perserzerstörung gefundenen Westgiebel des Südtempels durchgeführt,
die wichtige Ergebnisse für die archaische Tempelarchitektur erbrachten.
Erstmals konnte durch die Fundlage von Hörnerantifixen in situ der Zerstörungslage
der Nachweis der Existenz einer Tönernen Horizontalsima im Giebelfeld erbracht werden,
die bislang für manche westgriechische Tempel, also auch an der Westküste des griechischen Kernlandes,
wie Thermos und Kalidon, zwar angenommen, aber nicht bewiesen werden konnte.
Zur komplementären Visualisierung dieses Tempels wurden im vergangenen Jahr auch 3D-Rekonstruktionen
des Tönern Pferder Protomen Akrotheas und der Sphinx durchgeführt.
Mit der Umsetzung des Denkmalpflege-Konzeptes wurde im vergangenen Jahr bereits begonnen
und derzeit sind meine Kollegen auch vor Ort und arbeiten weiter.
Auch wenn in den nächsten Jahren ein Fokus auf Publikation,
Depotmaßnahmen, Umstrukturierung und Digitalisierung gelegt wird,
ein Pilotprojekt für Grabungsdatenverwaltung des gesamten Kalaposi-Archivs hat gerade begonnen,
hat der Ort langfristig hohes, um nicht zu sagen, fast einzigartiges Forschungspotenzial für die Heiligtumsforschung.
Da es eines der wenigen bedeutenden griechischen Heiligtümer ist,
die nicht bereits bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts im Kern ausgegraben waren,
können hier unter Einsatz moderner Untersuchungsmethoden diverse Fragestellungen
rings um die Ritualforschung getestet werden.
Erst 2016 begann unsere Beschäftigung mit dem in der Nähe von Kalaposi hier gelegenen Kifissos-Tal.
Kalaposi sehen Sie hier rechts unten im Bild,
Delphi hinter dem Parnassos und Tithorea liegt in der Mitte des Kifissos-Tals.
Ausgehend von unserer Unterstützung bei einem Höhlensurvey oberhalb von eben diesem Tithorea,
nach dem Zufallsfund eines Panreliefs in einer Höhle während unseres Fokuskurses gemeinsam mit Peter Funke
und der Baudokumentation und Analyse der Befestigungsmauer von Tithorea,
einer der am besten erhaltenen Stadtmauern des antiken Griechenlands,
begann 2018 ein deutsch-griechisches Kooperationsprojekt
zu einer landschafts- und siedlungsräumlichen Analyse des gesamten mittleren Verlaufs des Kifissos-Tals.
Als Grundlage des Projektes konnten 2018 mit Mitteln der Fritz-Thyssen-Stiftung
ein hochauflösender Airborne LiDAR-Scan sowie ein Autofoto des gesamten knapp 150 Quadratkilometer großen
Untersuchungsgebiets erstellt werden, der erste dieser Größenordnung in Griechenland überhaupt.
Dessen archäologische Auswertung uns die nächsten Jahre beschäftigen wird.
Nur ein Beispiel soll hier den hohen Mehrwert verdeutlichen.
Im Heiligtum der Athena Kranaya bei Elatia, dem Archiv des Vogtischen Koinon in hellenistischer Zeit,
konnte nicht nur der Verlauf der Umfassungsmauer im Vergleich zu älteren Plänen korrigiert,
sondern erstmals auch weitere Baustrukturen sowie Wegenetze dokumentiert werden.
Bereits in der ersten Testkampagne der geophysikalischen Prospektion ließen sich zudem hervorragende Ergebnisse erzielen,
die uns auch wieder zeigte, dass eine Methodenkombination hier dringend notwendig ist.
Hier in Elatia, der Magisterpolis von Phokäon, also der größten Stadt der Phoka,
traten erstmals deutliche Indizien der nicht überbauten Stadtanlage zutage.
Reste der Unterstadtmauer mit Türmen bei 2.18.4,
Indizien für Großbauten von mitunter bis zu 50 Meter Seitenlänge bei 2.18.2 links im Bereich der Agora,
sowie bislang völlig unbekannte Siedlungsstrukturen auf der Akropolis ganz oben.
Eine weitere kleine Sensation stellte sich an anderer Stelle ein,
wo in geomagnetischen Prospektionen unter schwierigsten Umständen in einem Baumwollfeld,
in einem stehenden Baumwollfeld, Sie sehen das umrecht,
die Negativanomalien eines 44 auf 18 Meter großen Tempels gefunden werden konnten,
der den dort erhaltenen Architekturfragmenten zufolge aus klassischer Zeit stammt
und ungefähr die Größe unseres Nordtempels von Kalaposi hat.
Im Ganzen hat im Vergleich zu anderen Gebieten noch nicht lange
und weniger durch Tiefrodung und Aufsiedlung zerstörte Region
ein historisch wichtiges Durchgangsgebiet Griechenlands
ein sehr hohes Forschungspotenzial zu untersuchen von Siedlungsentwicklungen in ihren landschaftsräumlichen Umfeld.
Die nun anstehenden geomorphologischen Untersuchungen sollen Aufschluss über diakrone Veränderungen
im Verlauf des Flusstales, Wasserstand und Landschaftsnutzung in diesem sehr fruchtbaren Tal erzielen.
In den kommenden Jahren sollen auch ausgehend von den Leiterergebnissen unterstützt von Satelliten
und historischen Luftbildaufnahmen sowie weiteren Methoden
eine gießbasierte archäologische Kartierung der Region entstehen.
Bei all dieser Forschung liegt uns die Nachwuchsförderung am Herzen.
Hierbei verfolgen wir seit einigen Jahren ein dreistufiges Konzept mit wechselnden Themenschwerpunkten.
Für Studierende wird ein Keramikworkshop auf dem Keramikus angeboten,
der einem Hands-on Prinzip folgt, bei dem der Umgang mit Keramik am Objekt aus der Grabung geübt wird.
Für Doktoranden bieten wir ein deutsch-griechisches Doktoranden-Kolloquium
mit dem Ziel des Networkings und Austauschs deutscher und griechischer Doktoranden und Professoren
von verschiedenen Universitäten an.
Und schließlich werden junge Postdocs in die vielfältigen Forschungsperspektiven
zu Griechenland durch Teilnahme an den Länderkursen eingeweiht,
was tatsächlich bereits in einigen Fällen in konkrete Forschungen mündete.
Unsere eigenen Nachwuchswissenschaftler organisieren seit über zehn Jahren
eine eigene Vortragsreihe EIROS sowie in den letzten Jahren auch Kolloquien,
dieses Jahr unterstützt vom DAAD.
Schließend möchte ich damit, dass die Arbeiten in Griechenland
nicht nur dem Fachpublikum, sondern auch der weiteren Öffentlichkeit
in der regelmäßig erscheinenden Broschüre ATHENEA vorgestellt werden,
die Sie auch auf unserem Stand mitnehmen können,
ebenso wie die im letzten Jahr erschienene Publikation anlässlich der 130-Jahr-Feier des Gebäudes.
Schließlich gilt mein besonderer Dank an den Gastgebern im Land
und seinen Vertretern im griechischen Kultusministerium
und besonders natürlich dem ganzen Team der Abteilung Athen
sowie den externen, hier nicht genannten, Mitarbeitern,
die alle gemeinsam die Säulen der hier gezeigten Projekte bilden.
Herzlichen Dank.
