Du kannst es einfach nicht mehr hören und fühlst dich deswegen egoistisch? In dieser Folge spreche ich über das Empathieversagen im Kontakt mit Menschen, die z.B. unter Traumafolgen leiden.
💡 IN DIESER FOLGE ERFÄHRST DU: 🔸 wie die Angst vor Veränderung zu Handlungsunfähigkeit führen kann
🔸 wie die Sogkraft eines Traumastrudels nach außen wirken kann
🔸 wann der Verlust des Mitgefühls mit Selbstschutz zu tun hat
🔸 wieso gesunde Abgrenzung ein wichtiger Bestandteil in der Begleitung ist
🔸 weshalb wir uns nicht zu Komplizen der schlechten Umstände machen sollten
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Hallo und herzlich willkommen hier beim Podcast für kreative Transformation.
Ich freue mich sehr, dass du da bist und dir Zeit nimmst zu lauschen.
Ich bin Verena König, ich bin Traumatherapeutin und in diesem Podcast dreht sich alles um
das Wissen um Trauma und Traumadynamiken, denn ich bin der Überzeugung, dass dieses
Wissen die Kraft hat, die Welt zu verändern.
In der heutigen Folge geht es um die Frage, ob man ein Egoist ist, wenn man es nicht mehr
hören kann.
Es geht um Empathieversagen im Kontakt mit Menschen, die unter Traumafolgen leiden oder
in Überforderung gefangen sind.
Und ja, ich wünsche dir wertvolle Erkenntnisse und eine gute Zeit beim Lauschen.
Die Inspiration zur heutigen Folge stammt einmal wieder aus der Hörerschaft.
Ich habe eine sehr inspirierende und berührende Frage von einer Hörerin bekommen, die ich
hier einmal Uta nenne.
Ich lese mal vor.
Ich würde mich als empathisch beschreiben, komme zur Zeit aber mehr als an meine Grenzen.
Eine Freundin ist kurz vor dem Burnout, lehnt jede private und professionelle Hilfe ab,
hat vom Arzt eine Kur verordnet bekommen, findet aber scheinbar keine Zeit, den Antrag
auszufüllen.
Auch hier will sie keine Hilfe.
Sie glaubt, das Schicksal muss ihr erst ein Zeichen geben, bevor sie losgehen kann.
Beinahe täglich klagt sie über ihr Leid, wie schlecht es ihr geht.
Erzählt jemand anderes von seinen Problemen, ist ihre Reaktion, dass es ihr ja noch schlechter
geht.
Ich kann verstehen, dass man komplett überflutet und im Freeze-Zustand sein kann.
Ich schäme mich aber, weil ich zunehmend wütend werde und nicht mehr empathisch auf
sie reagieren kann.
Warum empfinde ich so?
Ist man ein Egoist, wenn man zwar sieht, dass es dem anderen nicht gut geht, aber kein wirkliches
Mitgefühl mehr aufkommen mag?
Wenn man nicht mehr weiß, was man antworten soll, da alles abgeschmettert wird, mit noch
weiteren Klagen bzw. auch gefühlt alles schon mehrfach besprochen wurde.
Ich habe das Gefühl, sie will nur Zustimmung hören, dass alles schlimm und furchtbar ist.
Das fühlt sich für mich aber wie Selbstverrat an, ihr das immer wieder zu bestätigen.
Wie geht man damit um, dass der andere sich gesehen und gehalten fühlt, man selbst sich
aber treu bleibt und seinen Standpunkt sanft vertritt?
Das ist die Frage von Uta.
Ich finde, das ist eine zunächst mal, wie gesagt, ganz berührende Frage, weil Uta sich
hier sehr stark reflektiert in ihren zunehmenden negativen Gefühlen ihrer Freundin gegenüber
und weil sie sich fragt, wie sie denn Halt und Gesehenwerden geben kann und sich dabei
aber treu bleiben kann und das ist hier das Spannungsfeld.
Vielleicht kennst du das auch von Menschen in deinem Umfeld, denen es schlecht geht,
dass sie in diesen Strudel geraten, der Abwärtsspirale der Negativität und du das Gefühl hast,
dass du sie nicht mehr erreichen kannst.
Vielleicht bist du auch schon selbst in der Situation gewesen, dich ganz in der Ausweglosigkeit
zu empfinden und zu bemerken, wie sich Menschen von dir distanzieren und dir immer weniger
Zuspruch geben oder irgendwann vielleicht sauer auf dich werden.
Also beide Seiten können hier durchaus in der Zuhörerschaft angesprochen werden und
ich hoffe, dass ich für jeden Beteiligten oder eben auch für diejenigen, die von ganz
außen zuhören, hier etwas Inspirierendes und etwas Wohltuendes anbieten kann.
Ich möchte in dieser Folge zum einen darauf eingehen, was die Gründe dafür sind oder
sein können, dass die Freundin von Uta sich so verhält, um einfach noch mehr Verständnis
für diese Dynamik zu generieren, zu ermöglichen und natürlich möchte ich auch auf die Frage
von der Uta eingehen, wieso sie so fühlt und was sie wohl tun kann, um eine Balance
zu finden zwischen Freundin sein und Grenzen ziehen und sich treu bleiben.
Ich möchte tatsächlich zunächst einmal beginnen mit der Analyse von der Dynamik der
Freundin, die sich in diesem Strudel befindet.
Uta beschreibt, dass die Freundin kurz vor einem Burnout steht, also kurz vor einem gewissermaßen
ganzheitlichen Zusammenbruch aus einer großen Überforderungssituation heraus.
Tatsächlich könnte man sagen, dass von den Merkmalen einer Burnout-Entwicklungsdynamik
hier schon vieles darauf hindeutet, dass die Freundin sich, wenn es um Burnout geht, tatsächlich
schon mittendrin befindet, weil sie nämlich schon bereits nicht mehr in der Lage ist,
sich zu helfen.
Hierzu findest du auch eine Podcast-Folge zum Querhören in den Shownotes verlinkt,
wo es um Überforderungserleben geht.
Also, was passiert hier mit dieser Freundin?
Das, was Uta uns beschreibt, ist sehr, sehr deutlich und sehr krass.
Die Freundin leidet und formuliert ihr Leiden sehr deutlich und sie nimmt keine Hilfe an.
Das ist für Außenstehende, auf die ich dann später noch eingehen werde, natürlich total
schwierig, weil man selbst dann in eine Ohnmacht hineingezogen wird, wenn man zwar Zeuge der
Leidensempfindung des anderen werden soll, aber eben sämtliche Hilfsangebote und Zuwendungen,
die als Hilfsversuche empfunden werden, abgelehnt werden.
Man fühlt sich dann zu sehensohnmächtig und das ist eine sehr ungute Dynamik, weil
hier sozusagen die möglicherweise Traumastrudel-Energie der leidenden Person, dazu komme ich ja gleich,
sich auf die helfenwollende, also beistehende Person ausdehnt, also die beistehende Person
mitgezogen wird in den sogenannten Traumastrudel.
Nun aber noch mal ein paar Schritte zurück, was ist da los bei dieser Freundin?
Die Dynamik, die Uta beschreibt, lässt sich aus der Perspektive der Psychotraumatologie
und der Nervensystemarbeit ganz gut erklären oder zumindest mal mutmaßen, denn ich weiß
ja nun nicht viel über die Freundin, aber ich werde mal versuchen, das klassische sozusagen
Traumadynamische hier zu erklären.
Sie scheint sich in einem Zustand zu befinden, den man durchaus als einen Zustand, durchaus
als einen Zustand der Überwältigung und dauerhaften Überforderung bezeichnen könnte.
Also einen Zustand, in dem das Nervensystem auf Stress, der als sehr extrem empfunden
wird, reagiert, in dem es sozusagen dicht macht.
Das bedeutet, dass auf der Wahrnehmungsebene der betroffenen Person, hier der Freundin,
die Wahrnehmung eingeengt ist.
Die Wahrnehmung wird sozusagen starr.
Es werden keine Handlungsoptionen gesehen, nichts scheint umsetzbar und überhaupt zugänglich
zu sein.
Das ist wie eine Art Wahrnehmungseinengung und auch eine Art Erstarrung, eine Art Fixierung
in der Überforderungs- und Leidensempfindung.
Das Gefühl von Selbstwirksamkeit und Selbstermächtigung ist nicht vorhanden.
In diesem Zustand fühlt sich alles zu viel an und selbst kleine Schritte wie das Ausfüllen
eines Antrags können unmöglich erscheinen.
Also der Zustand der Überwältigung und Überforderung führt zu einem großen stressreichen Leidensgefühl
und gleichzeitig einem Gefühl, nichts dagegen tun zu können.
Und jetzt kommt ein ganz paradox erscheinender Aspekt hinzu.
Die Person ist dann häufig nicht in der Lage, Hilfe und Unterstützung anzunehmen.
Also man würde ja vielleicht erwarten, okay, sie fühlt sich überfordert, sie kann es
alleine nicht regeln, weil das Gefühl von Selbstwirksamkeit nicht zugänglich ist, weil
alles viel zu viel und viel zu groß erscheint, dann könnte sie sich doch helfen lassen,
wenn sie so eine tolle Freundin wie die Uta hat.
Aber jetzt kommt dieser paradox wirkende Teil hinzu.
Häufig ist es so, dass Menschen in einer solchen Stresslage das Gefühl haben, jede
Form der Veränderung als bedrohlich zu empfinden und das hat unter Umständen damit zu tun,
dass es mit dem Empfinden von Leiden und Hilflossein eine Art Identifikation gibt.
Also wenn sich jemand in einem solchen Zustand befindet, dann ist es nicht selten so, dass
das Gefühl der Handlungsunfähigkeit zu einem tiefen inneren Leiden führt und dieses Leiden
kann sich dann auf eine Art und Weise manifestieren, dass die Person es nicht nur als vorübergehenden
Zustand sieht, sondern tatsächlich beginnt, sich damit zu identifizieren.
Das heißt, es wird zu einem Teil des Selbstkonzeptes, das vielleicht schon früh im Leben auch so
einmal angelegt wurde durch schwer belastende Erfahrungen in der Kindheit.
Das klingt dann etwa so, mir geht es schlecht und das ist, wer ich bin, so würde man das
vielleicht in einen Satz fassen, wenn man es ausdrücken könnte.
Und bei Traumadynamiken ist es ja immer hochgradig faszinierend, sich zu fragen, wozu dient denn das?
Also was ist denn das Hilfreiche unterm Strich, das kompensatorisch Hilfreiche an so einer
Anpassungsstrategie, an so einer Reaktion?
Und hier ist es so, dass diese Identifikation mit dem Leiden paradoxerweise so etwas wie
ein Gefühl von Sicherheit geben kann, weil es vertraut ist.
Also ich weiß, wer ich bin, wenn es mir schlecht geht.
Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn es sich ausweglos anfühlt.
Ich weiß, wie es ist, wenn ich mich schlecht fühle und darin sozusagen zu Hause bin.
Auch wenn ich darunter leide, macht es mir nicht so große Angst, wie beispielsweise
eine Veränderung herbeizuführen.
Veränderung kann sich bedrohlich anfühlen, weil sie Ungewissheit mit sich bringt und
neue Energie fordert, für die man sich in dem Moment aber zu schwach fühlt.
Also das Ausfüllen eines Antrages könnte ja zur Folge haben, dass man in eine Kur kommt.
Und in eine Kur zu kommen könnte ja bedeuten, dass man mit sich selbst konfrontiert wird,
mit seinen noch schwierigeren Gefühlen als den Überforderungsgefühlen, nämlich den
Emotionen und Gefühlen und Empfindungen, die hinter der Überforderungsempfindung stehen.
Vielleicht tiefe Panik, echte Empfindung von Versehrtheit, Einsamkeit, Verlustangst,
Bodenlosigkeit, Leere, was nicht alles sich dahinter verbergen kann.
Also im Leiden zu bleiben, könnte mehr Sicherheitsempfinden geben, als die Veränderung
anzugehen und sich der Veränderung zu stellen.
Und darauf entsteht dann häufig eine Art Teufelskreis.
Das Leiden wird immer wieder neu thematisiert und dadurch verstärkt, weil es auch eine
Art von Bestätigung und Aufmerksamkeit hervorruft.
Das ist ein menschliches Bedürfnis.
Wir alle wollen gesehen und gehört werden.
Und in der Situation der Freundin von Uta könnte es sein, dass sie zwar Mitgefühl sucht,
aber unbewusst auch eine Bestätigung für ihr Leiden anstrebt, weil sie sich damit sicherer
fühlt, als mit der Vorstellung tatsächlich etwas zu ändern.
Also es gibt ihr eine Art Bestätigung, wenn Uta sie tröstet und ihr immer wieder sagt,
ja, es ist so schlimm, das gibt ihr ein Gefühl von richtig sein in dieser Empfindung und
dort sein dürfen, dort gelassen werden sozusagen.
Also diese Bestätigung gibt wiederum ein Stückchen Sicherheit.
Und Veränderung erfordern Mut und Kraft und das sind beides Ressourcen, die sich in dem
Moment für diese Freundin scheinbar nicht zugänglich anfühlen.
Und dann gibt es noch ein weiteres Phänomen, das hier eine Rolle spielen könnte und das
ist der sogenannte sekundäre Krankheitsgewinn.
Das ist ein Wort aus der Psychologie, das sehr häufig fällt, denn es ist immer mal
auch interessant zu hinterfragen, ob das hier eine Rolle spielen könnte.
Der sekundäre Krankheitsgewinn umschreibt das Phänomen, dass das Leid einer Person,
ohne dass es ihr bewusst ist, gewisse Vorteile bringt, wie zum Beispiel Fürsorge, Aufmerksamkeit
oder eben auch diese Erlaubnis, sich nicht mit bestimmten schwierigen Aspekten des Lebens
oder des eigenen Inneren auseinandersetzen zu müssen.
Das geschieht, das ist sehr wichtig, nicht absichtlich oder manipulativ, sondern das
ist ein tief verankerter Mechanismus, der sich häufig in überforderten oder eben traumatisierten
Nervensystemen zeigt.
Und dieser Satz, das Schicksal muss mir ein Zeichen geben, zeigt außerdem, dass die Freundin
von Uta die Verantwortung für ihr Leben und ihr Wohlbefinden wohl nach außen zu delegieren
versucht.
Das kann auch wiederum eine Strategie sein, um mit der Überforderung umzugehen, anstatt
die Kontrolle beziehungsweise Verantwortung selbst in die Hand zu nehmen.
Sie wartet darauf, dass etwas von außen passiert, was ihr die Richtung vorgibt.
Also das ist vielleicht auch ein Ausdruck von einem tiefen Ohnmachtsgefühl und einem
daraus folgenden Vermeiden von der Verantwortungsübernahme für den eigenen Weg.
Das ist so eine Art, ja, Autonomie-Mangel, etwas anderes muss über mich entscheiden.
Hier könnte in der Tiefe auch noch eine Angst vor dem Scheitern verborgen sein.
Wenn ich nicht selbst aktiv werde, dann kann ich auch nicht scheitern, so könnte hier
ein Modell innerlich lauten.
Wenn ich selbst aktiv werde, dann könnte es richtig gefährlich werden, dann könnte
es mir noch schlechter gehen, dann könnte ich in Teufelsküche kommen, weil ich dann
vielleicht bemerke, wie schlecht es mir wirklich geht oder wie ohnmächtig ich mich fühle,
wenn ich es wirklich fühle, statt in Anführungszeichen nur darüber zu klagen.
Es könnte auch die Angst sein, nicht die nötige Kraft zu haben, um die Herausforderungen
zu bewältigen, wenn die Freundin die Verantwortung für sich selbst übernimmt.
Und so könnte man vielleicht zusammenfassend sagen, eben um die Dynamik der Freundin zu
beschreiben, dass sie sich in einer Dynamik aus innerer Überwältigung und Identifikation
mit ihrer Rolle im Leiden und einem Sicherheitsgefühl, das paradoxerweise durch das Festhalten an
dem Zustand entsteht, befindet.
Sie nimmt keine Hilfe an, weil das bedeuten würde, sich mit der Angst vor Veränderung
und der damit verbundenen Unsicherheit auseinanderzusetzen.
Ich denke, das ist alles hochgradig nachvollziehbar.
Es ist richtig gut logisch nachzuvollziehen, dass es auf einer ganz unbewussten Ebene sicherer
und leichter erscheint, sich mit dem Leiden und der ausweglos scheinenden Feststecksituation
zu identifizieren und darin Halt und Zuspruch von anderen zu suchen, als sich dem großen
Prozess der Veränderung, vielleicht tiefeninneren Auseinandersetzung zu begeben.
Aber was macht das jetzt mit Uta?
Wie ich schon zu Beginn angedeutet habe, könnte man die Dynamik, in der die Freundin von Uta
sich befindet, als eine Art Traumastrudel bezeichnen.
Sie ist in einer Abwärtsspirale unterwegs und darin eingerastet und verweigert sozusagen,
Angebote rauszukommen und dieser Traumastrudel hat eine Sogkrippe.
Uta wird auf eine gewisse Weise damit reingezogen und etwas in ihr beginnt, sich dagegen zu
erwehren.
Uta scheint zu spüren, dass sie nicht dafür da sein möchte, lediglich dafür da zu sein,
im Leiden zu bestätigen und sozusagen den Schmerz und den Leidensweg zu bezeugen.
Sie möchte gerne hilfreich sein, sie möchte gerne ihrer Freundin ihre Kraft zur Verfügung
stellen, um ihr zu helfen, um eine Wende zu unterstützen und zu erleben, dass das abgelehnt
wird, führt, wie zu Beginn beschrieben, zu einem Gefühl von Ohnmacht auf Utas Seite.
Sie wird abgeschmettert, ihr Gefühl von Wirksamkeit wird sozusagen unterminiert.
Sie darf nicht wirksam sein.
Sie erlebt, dass das, was sie zur Verfügung stellen würde, nicht wirkt.
Sie erlebt nur, Zeugin einer Ohnmacht zu werden und selbst ohnmächtig dieser Dynamik sozusagen
teil zu werden, also Teil daran zu haben.
Und nun beginnt in Uta eine Art Abwehrreaktion aufzutauchen.
Diese Reaktion, die die Uta beschreibt, ist menschlich sehr nachvollziehbar.
Es ist absolut stimmig und sozusagen in Anführungszeichen normal, dass sich Uta in einem Spannungsfeld
von Empathie und Überforderung und innerer Wut befindet.
Sie scheint sehr, sehr feine Antennen zu haben für das, was in ihrer Freundin vorgeht und
gleichzeitig spürt sie mehr und mehr ihre eigenen Grenzen und das ist wirklich gut.
Diese Reaktion von Wut und Abwehr ist ein Zeichen dafür, dass Uta gut spürt, was für
sie stimmig ist und was eben nicht.
Die Wut und der beginnende Verlust von Mitgefühl, wie sie es beschreibt, ist eine natürliche
Reaktion, die auch aus ihrem Nervensystem kommt, das sich in dieser Situation ebenso
dauerhaft überfordert empfindet.
Und Empathie, also die Fähigkeit mitzufühlen, braucht immer einen gesunden Rahmen, um bestehen
zu können.
Und dieser Rahmen wird dann überdehnt, wenn ein Gegenüber, wie hier die Freundin, keine
Bereitschaft zeigt, etwas zu verändern.
Also Empathie beginnt zu erlöschen, sie beginnt sozusagen zu versagen, wenn man selbst immer
mehr in die Ohnmacht hineingezogen wird.
Die Traumadynamik schwappt rüber, das Ohnmachtsgefühl schwappt rüber und die Empathie, also das
Gefühl von Verbundenheit, wird immer weniger, vielleicht eben auch als ein rettender Versuch,
auch nicht so sehr mit reingezogen zu werden in diese Traumaenergie.
Und die Wahrnehmung, die Uta mit diesem sehr starken Wort Selbstverrat beschreibt, also
die Wahrnehmung, dass es sich anfühlt wie Selbstverrat, wenn sie immer wieder das Leid
bestätigt, hat vermutlich tief mit ihrem inneren Bedürfnis nach Authentizität zu tun.
Wenn wir Menschen begleiten, egal ob professionell oder in unserem ganz privaten Umfeld, dann
ist es wichtig, dass wir uns auch selbst treu bleiben.
Empathie bedeutet nicht, dass wir uns ständig über unsere eigenen Grenzen hinwegsetzen,
sondern dass wir in Verbindung mit dem anderen bleiben, aber eben auch mit uns selbst.
Und wenn wir nun eben spüren, dass unsere Empathie nicht wirken darf, wenn man von uns
sozusagen mit Leid erwartet und wenn man von uns erwartet, dass wir uns den schlechten
Umständen sozusagen unterwerfen, also mit in das Boot der Verzweiflung zu steigen, wenn
man das von uns erwartet, dann endet das Mitgefühl unter Umständen, es versagt, was ein gesundes
Versagen ist, weil es einem Selbstschutz gleichkommt beziehungsweise entspricht.
Also das, was Uta erlebt, hat nichts mit Egoismus zu tun, sondern mit einer natürlichen Reaktion
in ihrem eigenen inneren Erleben, in einem zunehmenden Stresserleben und in einer Empfindung
von Unaufrichtigkeit oder mangelnder Authentizität, wenn sie dieses in Anführungszeichen Spiel,
das ist nicht despektierlich gemeint, also sagen wir diese Dynamik mitbefeuern würde.
Es ist stimmig, dass hier eine Wutreaktion auftaucht, weil die Erwartung der Freundin
wie eine Forderung empfunden werden kann.
Bestätige mich in meinem Leid und erwarte nicht von mir, dass ich etwas verändere.
Das ist eine sehr, sehr schwierige Forderung, weil es bedeutet, wie gesagt, wie mehrfach
schon gesagt, die Forderung beziehungsweise die unbewusste Erwartung oder unbewusste Einladung,
komm in mein Ohnmachtsempfinden, verbünde dich mit mir in meinem Ohnmachtsempfinden,
identifiziere dich mit meinem Leid und bestärke mich darin, dass es keinen Ausweg gibt, damit
ich mich sicher fühlen kann, damit ich weiter auf das Schicksal warten kann und das will
man nicht, wenn man bei klarem Verstand bleibt und eben mit sich verbunden bleibt.
Also es wird von Uta erwartet, die Perspektive einzunehmen und zu bestätigen, dass die Veränderung
nicht möglich ist.
Es wird von Uta erwartet, dass sie akzeptiert, dass ihre Freundin die Verantwortung nicht
übernimmt und das fühlt sich natürlich an wie eine Sackgasse und hier ist eine Wutabwehr
und ein Versagen der Empathie also wie gesagt eine natürliche Reaktion.
Utas Inneres geht auf Abwehr, auf Schutz, damit raus aus der Verbindung, um nicht weiter
mitgenommen zu werden in die Traumadynamik und um auch nicht instrumentalisiert zu werden,
um einen schlechten Zustand zu stabilisieren.
Das ist auch wichtig in der traumasensiblen Begleitung, dass wir als Begleiterinnen und
Begleiter nicht uns zu den Komplizen der schlechten Umstände machen, wie es Michaela
Huber immer treffend formuliert, indem wir Menschen nur dabei helfen, sich zu stabilisieren,
damit sie dann in ihren widrigen Umständen weiter bestehen können.
Das ist das, was die Freundin hier von Uta erwartet und das ist das, was wir als Mitmenschen
und auch als traumasensible Begleiter nicht zulassen sollten.
Wir machen uns sonst zu Komplizen der schlechten Umstände und helfen Menschen, sich in ihrer
Dynamik der widrigen Umstände und der Unterwerfung dieser widrigen Umstände einzurichten und
dort zu verweilen.
Wir wollen Hilfe zur Selbsthilfe geben, wir wollen Selbstwirksamkeit erwecken, wir wollen
gerne behilflich sein, um ein bisschen Last wegzunehmen, damit eine positive Veränderung
geschehen kann und wenn das vom Gegenüber abgewehrt wird, dann ist es auch wichtig und
richtig, sich abzugrenzen und diese Erwartung nicht zu erfüllen.
Jetzt die Frage, wie man das machen kann.
Also die hat die Uta jetzt nicht unbedingt so explizit gestellt, aber ich möchte trotzdem
auf sie eingehen.
Eine sanfte Möglichkeit, den eigenen Standpunkt zu vertreten und gleichzeitig Verbindung zu
halten, könnte möglicherweise sein, dass man dieser Freundin liebevoll und klar spiegelt,
was man wahrnimmt.
In etwa so nach dem Motto, ich merke, ich weiß, ich spüre, ich fühle mit, dass es
dir gerade sehr schlecht geht und dass es dir schwer fällt, etwas zu ändern und gleichzeitig
merke ich auch, dass ich erschöpft bin, weil ich dir nicht mehr helfen kann, wenn alles
abgelehnt wird.
Das fühlt sich für mich schwierig an.
Deswegen fällt es mir schwer, dir auf diese Art zur Seite zu stehen und einfach nur dich
zu bestätigen in deinem Schmerz.
Also vielleicht ist es ein Moment, in dem es darum geht, die Dynamik in den Gesprächen
zu verändern.
Also dass Uta sich erlaubt, sich abzugrenzen, ohne sich schuldig zu fühlen.
Und es ist auch in Ordnung, meiner Meinung und Erfahrung nach, sich selbst einzugestehen,
dass man eine solche Freundin, einen solchen Mitmenschen nicht retten kann, denn das kann
dieser Mensch nur selbst tun, zum Beispiel eben auch, indem er Hilfe zulässt.
Und manchmal ist der liebevollste Weg, jemandem Raum zu geben, um eigene Verantwortung zu
übernehmen.
Und es ist so wichtig, dass wir uns bewusst sind im Angesicht von Menschen, die in solchen
Traumadynamiken gefangen sind, dass wir eben auch die eigenen Grenzen wahren sollten, um
uns selbst treu zu bleiben, weil wir nur dann auch in Verbindung bleiben können.
Das ist dann kein Egoismus, sondern das ist der nötige innere Schritt oder die nötige
innere Entscheidung, um in Verbindung bleiben zu können.
Das entspricht einer gesunden Selbstfürsorge und das ist die Grundlage dafür, überhaupt
langfristig in einer Beziehung oder eben Freundschaft bleiben zu können, auch wenn
der andere in einer solchen Dynamik feststeckt.
Also es handelt sich hier nicht um Egoismus, wie es sich Uta gemutmaßt hat, das Empathie
Versagen, also dass die Empathie, dass man in eine Empathie-Müdigkeit kommt und dann
irgendwann die Empathie versagt, dass man das Gefühl hat, ich kann es nicht mehr hören,
ist eine logische Konsequenz von einem sich aufstauenden Überforderungsgefühl, von einem
sich entwickelnden Ohnmachtsgefühl, dem man sich eben nicht hingeben möchte.
Es ist eine große Herausforderung, damit umzugehen und vielleicht konnte ich gerade
mit den letzten Sätzen ein bisschen Inspiration geben, wie wir vielleicht einem solchen Mitmenschen
begegnen können, ohne dass wir ihn fallen lassen müssen, aber eben auch ohne, dass
wir uns selbst verraten.
Wir machen uns nicht zu den Komplizen und Komplizen der schlechten Umstände und damit
tun wir dem anderen gut.
Wenn wir in unserer Kraft und Klarheit bleiben, dass es Hilfe gibt, dass es Möglichkeiten
gibt, die Situation zu verändern, sind wir wie Leuchttürme, die Orientierung geben,
auch wenn sich die Person immer wieder die Augen zuhält, um diesen Lichtstrahl der Orientierung
nicht zu sehen.
Es ist eine Frage der Zeit.
Es ist gut, wenn wir stoisch weiter vor uns hin leuchten und nicht uns von der Dynamik
so mitreißen lassen, dass unser Licht irgendwann darunter sozusagen gedimmt wird.
Also die Einladung ist, in der eigenen Wahrnehmung und Kraft zu bleiben, sich damit auch transparent
zu zeigen, das in die Kommunikation und Konversation hineinzutragen und eben sich auch bewusst
zu sein, dass das nicht egoistisch ist, sondern eine natürliche Reaktion und auch eine gesunde
Grenze und Selbstfürsorge.
Und damit schließe ich diese Folge und hoffe von Herzen, dass du was Inspirierendes und
Wertvolles für dich mitnehmen kannst und dass es spürbar geworden ist, wie sehr es
doch von Bedeutung ist, dass wir ein Sowohl-als-auch-Hinbekommen, nämlich Empathie und ein warmes Herz für akut
Betroffene und gleichzeitig die Kraft und Klarheit nicht Komplizen der schlechten Umstände
zu werden und eher in der Funktion eines Leuchtturms da zu sein.
Ich hoffe, dass dir die Folge gefallen hat und ich würde mich von Herzen freuen, wenn
dem so ist.
Und wenn dem so ist, dann freue ich mich natürlich von Herzen, wenn du die Folge weiterempfiehlst,
wenn du sie jemandem weiterleitest, der vielleicht von der Thematik profitieren könnte oder
wenn du mir eine Spur deiner Anwesenheit hinterlässt, deiner lauschenden Anwesenheit, in dem du
einen Kanal aber auf YouTube da lässt oder einen Daumen hoch, einen Kommentar oder ein
paar Sterne auf iTunes oder Spotify.
Wenn ich zum Abschluss noch eine Bitte aussprechen dürfte, dann lausche gerne weiter, ansonsten
drückst du hier einfach auf Stop.
Ich freue mich so sehr, dass mein Buch viele Menschen erreicht und ich freue mich sehr,
sehr, sehr, wenn Menschen eine Rezension schreiben über das Buch auf Amazon, denn dort kommen
doch auch viele Menschen entlang, die noch nie von mir gehört haben und die meine Arbeit
nicht kennen.
Und Rezensionen zu lesen kann sehr dabei helfen, sich für oder gegen die Lektüre eines Buches
zu entscheiden.
Und wenn du findest, dass mein Buch eine Leseempfehlung ist, dann machst du mir und gegebenenfalls
Betroffenen ein riesiges Geschenk, wenn du eine Empfehlung auf Amazon aussprichst.
Du kannst das auch tun, wenn du nicht auf Amazon das Buch erworben hast, sondern in
deinem Lieblingsbuchladen oder bei der Autorenwelt oder wo auch immer.
Also ich lade dich ein, wenn du möchtest, mich damit zu unterstützen, mit meiner Arbeit
noch mehr Menschen zu erreichen und ich danke dir, falls du dir die Zeit dafür nehmen möchtest.
Und wenn nicht, dann danke ich dir, dass du bis hierhin zugehört hast und freue mich
von Herzen, dass du da bist.
Ich freue mich auch, wenn du nächste Woche wieder rein lauscht und schicke dir ganz,
ganz herzliche Grüße.
Alles, alles Liebe und bis dann.
Tschüss.