In einem offenen Brief an die CDU/CSU-Führungskräfte fordern der Aktionskreis Energie und Naturschutz und der Deutsche Arbeitgeberverband eine Umkehr in der Energiepolitik. Näheres berichtet der Verbandsvorsitzende Dr. Björn Peters. Über die gemeinsame Erklärung von sechs europäischen Staaten zum Ukraine-Krieg mit weitreichenden Konsequenzen berichtet der Historiker Prof. Stephan Sander-Faes. Eine Analyse über die wachsende Macht Chinas liefert uns Philipp Mattheis, Autor des Buches „Der chinesische (Alb-)Traum“. Und Collin McMahon widmet sich in seinem Kommentar dem neuen Kabinett des designierten US-Präsidenten Donald Trump und der Berichterstattung darüber.
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Es ist Dienstag, der 26. November und Sie hören Kontrafunk aktuell.
Am Mikrofon begrüßt Sie Marcel Joppa. Schönen guten Tag.
Es ist Wahlkampf in Deutschland und das bedeutet, auch die Regierungsparteien scheinen plötzlich in die Opposition gewechselt zu sein.
Und während sich die Wirtschaft der Bundesrepublik weiter auf Talfahrt befindet,
wirbt der grüne Spitzenkandidat und Wirtschaftsminister Robert Habeck um Vertrauen bei der Bevölkerung.
Wie weit ihn das bei der Bundestagswahl tragen soll, erklärte er etwa am Sonntag in der ARD-Sendung Karen Mioska.
Wenn wir es klug machen, wenn wir auf die Menschen zugehen und den Menschen zuhören, ich den Menschen zuhöre,
wenn die Dinge einfach gemacht werden und wenn der Nutzen in der Gegenwart da ist,
also wenn man mit Klimaschutz auch Geld sparen kann, dann sehr weit.
Mit Klimaschutz Geld sparen, sagt Robert Habeck, dessen Politik Wirtschaft und Bürger bereits Milliarden an Steuergeld gekostet hat.
Viele Entscheider in diesem Land hoffen nun auf eine dringende Wende, so etwa der Deutsche Arbeitgeberverband.
In einem offenen Brief an die Spitzen von CDU und CSU fordert er aktuell, die Energiepolitik des Landes dringend umzugestalten.
Was das im Einzelnen bedeutet, darüber spreche ich gleich mit dem Vorstandsvorsitzenden des Arbeitgeberverbands, Dr. Björn Peters.
Während vielen europäischen Ländern für ihnen politische Projekte oder Wirtschaftsförderung das Geld fehlt,
da wird es außenpolitisch allerdings weiter mit vollen Händen ausgegeben.
Stichwort Ukraine-Krieg.
Vor wenigen Tagen haben die Außenminister von Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien sowie Italien und Polen
eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet, die weitreichende Konsequenzen haben könnte.
Für unseren Geldbeutel, aber eben auch für unsere Sicherheit.
Darüber unterhalte ich mich in dieser Sendung mit dem Historiker Prof. Dr. Stefan Sander-Faes.
Der lachende Dritte in dem Konflikt zwischen Russland und dem Westen könnte die Volksrepublik China sein.
Das Land gewinnt immer größeren Einfluss, vor allem wirtschaftlich, und dieses Wachstum scheint noch lange nicht am Ende zu sein.
Eine Analyse dazu bietet das Buch »Der chinesische Albtraum« des Journalisten Philipp Mattheis,
der uns dazu gleich Rede und Antwort stehen wird.
In einem Kommentar von Colin McMahon geht es dann schließlich um das neue Kabinett
rund um den designierten US-Präsidenten Donald Trump und was die deutschen Medien daraus machen.
Soweit unsere Themen, heute hier bei Kontrafunk aktuell.
Sie hören Kontrafunk aktuell am Dienstag.
Die Energiepolitik der vergangenen Jahre hat in Deutschland zu massiven Kosten geführt.
Und nicht nur das, die deutsche Wirtschaft fällt im internationalen Wettbewerb weiter zurück.
Arbeitsplätze werden abgebaut oder ins Ausland verlagert.
Es muss sich also etwas ändern, vielleicht ja mit einer neuen Bundesregierung.
Aus diesem Grund haben der Deutsche Arbeitgeberverband und der Aktionskreis Energie- und Naturschutz
einen offenen Brief an die Spitzen von CDU und CSU geschrieben.
Die Forderung lautet, Energiepolitik umgestalten und zwar jetzt.
Was das im Einzelnen bedeutet und welche Erwartungen auch die kommende Bundestagswahl mit sich bringt,
darüber spreche ich jetzt mit dem Unternehmer und Energieökonom Dr. Björn Peters,
Vorstandsvorsitzender des Deutschen Arbeitgeberverbands.
Schönen guten Tag.
Grüß Gott.
Herr Peters, der offene Brief ist explizit an sechs Führungspersonen bei der Union gerichtet,
darunter Friedrich Merz, Markus Söder oder auch Jens Spahn.
Warum nicht auch an den SPD-Kanzler oder an den grünen Spitzenkandidaten und Wirtschaftsminister Robert Habeck?
Unserer Beobachtung nach sind die beiden linken Parteien, die Sie genannt haben,
letztlich nicht offen für einen wirklichen Schwenk in der Energiepolitik.
Sie halten einen alten Zöpfen fest, das ist auch personell bedingt.
So ist zum Beispiel die Tochter dessen, des Erfinders des EEGs, Hermann Scheer,
sitzt nach wie vor im Bundestag, ist dort verantwortlich in der SPD für die Energiepolitik
und hat zumindest in der Vergangenheit sehr wenig Bereitschaft erkennen lassen,
irgendwas an der Energiepolitik zu ändern.
Andererseits kommen aus der Union sehr positive Signale, die wir gerne aufgreifen.
Sie selbst sind nicht nur Unternehmer, Sie sind eben auch Physiker und Energieökonom.
Was besorgt Sie mit Blick auf unsere Energiepolitik am meisten vor allem?
Nun, in gesunden Volkswirtschaften stellt der Energiesektor ungefähr drei Prozent dar,
das Bruttosozialprodukt.
Durch die Energiewende haben wir eine Politik der systematischen Verteuerung von Energie,
schon seit mehreren Jahrzehnten. Das zieht sich auch durch alle Parteien durch.
Die CDU und auch selbst die FDP hat das mitgemacht auf Basis von dem Glauben,
dass teurere Energie besser sei, um die Umstellung auf eine andere Energieform zu bewältigen.
Tatsächlich ist es eine unbelegte Hypothese und was wir im Moment erleben,
ist, dass unter anderem auch wegen der hohen Energiekosten der Wirtschaft die Luft ausgeht.
Am vergangenen Sonntag, da war aber Wirtschaftsminister Robert Habeck zu Gast
in der Talksendung bei Karen Miosga und dort sagte er, dass seine Energiepolitik
perspektivisch zu einer geringeren finanziellen Belastung führen wird.
Ich entnehme Ihren Ausführungen, Sie glauben ihm nicht.
Nun, es gibt ja Schätzungen, wie die Energiewende welche Auswirkungen hat, wie teuer das wird.
McKinsey zum Beispiel hat aufgeschrieben, dass es ungefähr sechs Billionen Euro kosten wird.
Das sind also anderthalb Bruttosozialprodukte.
Und tatsächlich ist die ganze Energiewende, die bringt ja nichts Neues,
sondern sie ersetzt nur eine Energieform durch andere.
Und wenn das dann aber mit dem drei-, vier-, fünffachen Preisschild daherkommt,
ist eben niemandem geholfen.
Und was oft vergessen wird, ist, dass diese sogenannten erneuerbaren Energien,
wie ein Satiriker mal gespottet hat, nur deswegen erneuerbar heißen,
wenn man sie alle 20 Jahre erneuern muss.
Im Gegensatz dazu halten eben thermische Kraftwerke 40 bis 80 Jahre
und bieten dadurch eben die Gewähr, dass man wesentlich weniger regelmäßig investieren muss.
Deshalb ist Ihre Hoffnung, dass es die Union nun drehen soll.
Nun gab es vor der Ampel eine 16-jährige Regierungszeit von CDU und CSU.
In dieser Zeit ist etwa die Energiewende auch gefallen, der Atomausstieg, der Kohleausstieg.
Was macht Sie so optimistisch, dass es nun besser werden könnte?
Na ja, von Optimismus kann man nicht wirklich reden.
Aber ich glaube, die CDU oder die Union hat hier den falschen Weg gewählt
und sie hat jetzt nächstes Jahr die letzte Gelegenheit, um das noch umzuändern,
die Dramatik der wirtschaftlichen Situation, die hoffentlich ein Einlenken bewirkt.
Wenn wir jetzt weiterhin vier Jahre Energiewende-Politik bekommen
und die Energiekosten sich dann nochmal verdoppeln,
deswegen, man kann es auch zeigen, dass jedes neue Windrad, das gebaut wird,
eben die Energiekosten nochmal erhöht.
Da ist eine historische Chance, das ist ein Fenster.
Und wenn nichts passiert, werden wir 2029, also bis zur nächsten Bundestagswahl,
eine Situation bekommen, wo die Wirtschaft dann niederliegt,
wo die Arbeitslosigkeit steigt, trotz der Verrentung der Boomer,
wo der Staatshaushalt sehr deutlich in der Krise ist,
wo harte Maßnahmen ergriffen werden müssen.
Sprich, das ist ein Szenario eigentlich wie 1930 mit all den Konsequenzen, die es damals gab.
Und man kann das nicht genug dramatisieren.
Wenn jetzt die CDU und die CSU nicht die Kurve bekommen,
dann sieht es sehr düster aus für den Standort Deutschland.
Dann schauen wir doch mal in die Details in dem offenen Brief.
Da wird etwa gefordert, die Stromsteuer auf das europapolitische Mindestmaß abzusenken,
die Ökosteuer auf Benzin auszusetzen sowie sämtliche Steuern auf CO2 zu streichen.
Da würde Ihnen die aktuelle Regierung vermutlich sagen,
das ist aufgrund der Haushaltslage ja gar nicht drin.
Was antworten Sie?
Wir haben einen völlig aufgeblähten Staatssektor.
Das ist nämlich der zweite Grund, warum die Wirtschaft keine Luft unter den Flügeln hat.
Und wir müssen auch den Staat verschlanken.
Und da gibt es auch erhebliche Potenziale dafür.
Man kann die Hälfte der Staatsausgaben streichen, wenn man mutig ist.
Javier Millet, der neue Präsident Argentiniens, macht das vor.
Und ich denke, wir werden genau so eine Debatte auch in den USA bekommen,
wo jetzt Elon Musk das Department of Government Efficiency gründen soll.
Der Staat kann mit sehr viel weniger Geld auskommen.
Er ist aufgebläht, repräsentiert 50 Prozent des Bruttosozialprodukts.
Und von dem, was theoretisch noch frei ist,
gibt er durch bürokratische planwirtschaftliche Vorgaben
noch in einem erheblichen Teil der Wirtschaft genau vor, was und wie produziert werden muss.
Und wir müssen, damit die Wirtschaft wieder arbeiten kann,
damit es wieder Wohlstand für alle gibt,
das ist das Motto von Ludwig Erhard, einem unserer Gründer,
müssen wir viele staatliche Aufgaben in Frage stellen.
Und ich glaube, der Trend geht auch dazu.
Das heißt, wir müssen uns die Luft schaffen, um die Energiekosten runterzubekommen
und schlagen dann zwei Fliegen mit einer Klappe.
Sie fordern auch in Ihrem Schreiben, dass die Netzstabilität gewährleistet werden muss
und dafür solle die EEG-Vergütung gestrichen werden.
Sie sprechen da in dem Zusammenhang auch von Geisterstrom.
Können Sie uns das näher erklären?
Wir haben ja einen sehr großen Teil dessen, was unter dem EEG gefördert wird.
Es sind ja wetterabhängige Produzenten, also Windkraftanlagen und Solarkraftwerke.
Wenn sie gar nichts liefern, so wie vor drei Wochen, 6. November,
hat die Windkraft ihr absolutes Minimum seit zehn Jahren erreicht mit 44 Megawatt.
Das ist 0,06 Prozent der installierten Kapazität.
Also es ist ein Totalausfall und abends schien natürlich auch keine Sonne.
Also das ist ein Problem und da steigen dann die Preise sprunghaft an.
Wir hatten damals zum Beispiel 82 Cent pro Kilowattstunde, als die Windkraft da niederlag.
Wir haben aber noch ein zweites Problem.
Das ist dann, wenn zu viel produziert wird, dann kann dieser Strom nicht mehr abgeführt werden.
Das ist mit ein genauso großer Grund für mögliche Stromausfälle,
wenn zu viel Strom im Netz ist, wie zu wenig.
Wir haben aber im EEG eine Regelung, dass dieser Strom immer vergütet werden muss.
Es sei denn, zufällig an der Börse ergibt sich ein negativer Preis.
Wir haben aber keine Regelung, dass aus Systemstabilitätsgründen der Strom abgeregelt werden darf,
beziehungsweise dass er unentgeltlich abgeregelt werden darf.
Sondern dann muss eben voll vergütet werden.
Das heißt, die Anbieter von Wind- und Solarstrom haben 0,0 Interesse,
das Netz stabil zu halten und deswegen muss diese Regel einfach fallen.
Sie müssen gezwungen werden, ihren Beitrag zur Systemstabilität zu leisten.
Nun beten uns die aktuelle Regierung, aber auch viele Medien tagtäglich vor,
dass der Ausbau der erneuerbaren Energien der einzig richtige Weg sei
und es aktuell nur einfach nicht schnell genug damit gehe.
Wo sehen Sie denn die Energie der Zukunft?
Vor 25 Jahren hieß es, es gibt ein energiepolitisches Ziel-Dreieck.
Strom muss also sicher preisgünstig und umweltfreundlich sein.
Dieses umweltfreundlich hat sich sehr gewandelt.
Der Ausbau der wetterabhängigen Energien, insbesondere der EEG-geförderten Energien,
hat sich verselbstständigt als Ziel.
Das steht sogar explizit im Energiewirtschaftsgesetz drin.
Und das ist ein Fehler.
Man kann eine ökonomische Optimierung durchführen und sagen,
wie viel Sonne und Wind verträgt der deutsche Strommarkt.
Und das wäre die richtige Frage.
Tatsächlich glauben wir, dass je mehr wetterabhängiger Strom im Netz ist,
desto besser wird irgendwas.
Aber man kann es zeigen, dass es eben dann irgendwann mal immer teurer wird.
Und auch wenn die Kilowattstunde Strom, wenn die Sonne scheint,
aus einer PV-Anlage immer weiter absinkt,
die sogenannten Integrationskosten, also der Aufwand,
um den wetterabhängig fluktuierenden Strom immer weiter zu integrieren,
der steigt quasi exponentiell mit dem Marktanteil von wetterabhängiger Energie.
Und deswegen müssen wir über Los gehen und uns nochmal genau überlegen,
wie viel Sonne und Wind Strom können wir überhaupt vertragen.
Und das ist ein Schritt, der jetzt dringend nötig ist.
Dann war es natürlich auch eine ziemliche Schnapsidee,
wenn man so sagen darf, die Atomkraftwerke abzuschalten,
in einer Zeit, wo wir eine Mangellage an Strom und Gas hatten.
Wir könnten jetzt immer noch 6 bis 8 bis 10 sogar Kernkraftwerke wieder in Betrieb nehmen.
Das ist mittlerweile sehr teuer, weil dort sehr viel zerstört worden ist schon.
Und wir sind auch das einzige Land, das eine neue Energieversorgung aufbaut,
aber vorher schon die alte zerstört.
Das muss auch sofort stoppen.
Deswegen haben wir als Generalen Leitsatz auch gefordert,
dass Energieinfrastruktur erst abgebaut werden darf,
wenn ein funktionierender Ersatz dafür aufgebaut ist.
Daran krankt es in diesen beiden Dingen.
Wir haben einerseits dieses Dogma, dass Energie teuer sein soll,
obwohl es völlig unbewiesen ist, dass es irgendwas Positives bringt.
Und zweitens maßen wir uns an,
Altes Funktionierendes abzubauen, bevor das Neue aufgebaut ist.
Dann beschreiben Sie uns doch mal als Vorstandsvorsitzender
des Deutschen Arbeitgeberverbands ganz unverblümt,
wie es um den Zustand der deutschen Wirtschaft derzeit bestellt ist.
Nun ja, wir beobachten seit 2005 bereits, also schon seit fast 20 Jahren,
dass in energieintensiven Branchen nur noch Ersatzinvestitionen geleistet werden
und dass die neuen Investitionen im Ausland stattfinden.
Deswegen boomt auch der DAX, weil die großen Firmen
sich mehr und mehr unabhängig machen vom Standort Deutschland.
Und so eine Firma wie BASF verdient überall in der Welt Geld, außer in Deutschland.
Und das liegt eben an mehreren Faktoren.
Wir sind völlig überreguliert und die Energiekosten sind zu hoch.
Und dann gibt es noch ein paar andere Probleme.
Das Arbeiten in Deutschland nicht eben einfacher machen.
Und wenn wir diesen Pfad nicht sehr bald verlassen,
wird von der großen deutschen Volkswirtschaft eben nicht mehr so viel übrig bleiben.
Zahllose Unternehmer, mit denen ich auch in letzter Zeit gesprochen habe,
die denken mindestens darüber nach, in die USA zu gehen, irgendwo anders hinzugehen
und in Deutschland eben den Rücken zu kehren.
Und wenn das mal richtig anfängt, wir haben jetzt schon mehr und mehr Firmen,
die Standorte schließen, Bosch und Miele und Volkswagen,
also auch die ganz großen Adressen, auf deren Rücken eigentlich die ganze deutsche Volkswirtschaft lastet.
Wenn die wegbrechen, dann bleibt halt nicht so schrecklich viel übrig.
Und ich gebe noch eins zu bedenken.
Wir haben in der Corona-Zeit gesehen, dass Lieferketten auch dann zusammenbrechen können,
wenn nur einzelne Firmen ausfallen.
Und wenn die eben nicht mehr produzieren können,
dann kann es sein, dass ganze Wertschöpfungsketten zwangsläufig abwandern.
Und das sollten wir verhindern.
Und deswegen haben wir diesen Brief geschrieben und hoffen auf eine positive Resonanz.
Sagt der Energieökonom Dr. Björn Peters, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Arbeitgeberverbands.
Und ich bedanke mich ganz herzlich für das Gespräch.
Vielen Dank.
Sie hören Kontrafunk aktuell am Dienstag.
Sechs europäische Staaten, die wollen ihre Zusammenarbeit und die Unterstützung für die Ukraine verstärken.
In einer gemeinsamen Erklärung verkündeten die Außenminister von Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien sowie Italien und Polen dabei neue Leitlinien.
Von den großen Medien blieb das meist unerwähnt.
Dabei kann das alles große Auswirkungen auf den Kriegsverlauf und auch auf unser Steuergeld haben.
Worum es geht, das bespreche ich jetzt mit dem Historiker Prof. Dr. Stefan Sander-Fais.
Schönen guten Tag.
Einen schönen guten Tag trotz alledem aus Norwegen.
Herr Sander-Fais, Anlass der gemeinsamen Erklärung war laut Text der zu diesem Zeitpunkt 1000 Tage andauernde Krieg in der Ukraine.
Es gibt jedoch auch Vermutungen, das Papier sei vor allem in Richtung USA und den designierten Präsidenten Donald Trump gerichtet.
Was glauben Sie?
Ja, also das ist, denke ich, eine durchaus plausible Erklärung.
Ich würde allerdings auch im Sinne der historischen Korrektheit darauf hinweisen, dass dieser Krieg nicht erst unter Anführungszeichen vor 1000 Tagen begonnen hat.
Denn eines ist vollkommen klar, das hat auch der damalige NATO-Generalsekretär Stoltenberg anlässlich des ersten Jahrestages bei einem Treffen der NATO in Brüssel erklärt gehabt.
Der Krieg hat 2014 begonnen, das hat auch Annalena Baerbock mittlerweile zugegeben.
Wenn man ein bisschen genauer hinsieht, dann müsste man allerdings auch in die Geschichte des sogenannten Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommens zwischen der EU und der Ukraine blicken,
die im November 2013 gescheitert sind und die die unmittelbare Vorgeschichte der Eskalation 2014 bedeuten.
Und nun sind es also Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien, Italien und Polen, die diese Erklärung gemeinsam unterzeichnet haben.
Warum denn eigentlich gerade diese Staaten?
Ich vermute, dass es zu einem Gutteil in zweierlei Richtung geht.
Das eine ist, wie kann man auf der einen Seite den sogenannten Brexit, aus der im EU-Verband ausgeschiedene Großbritannien, enger an diese Überlegungen binden.
Und auf der anderen Seite ist alleine schon die Zusammensetzung dieser Gruppe, also früher sprach man ja von der unter Anführungszeichen, wenn man so möchte, Achse Bonn bzw. Berlin-Paris.
Nun ist neben London zweifelsohne eine andere Nuklearmacht mit dabei, aber auch die unter Anführungszeichen danach in einer Machthierarchie normalerweise sich wiederfindenden Länder wie Polen, Italien und Spanien sind mit dabei.
Also das ist auf dieser Ebene auch eine Art Zugeständnis, dass man etwa Polen, aber auch Spanien und Italien zumindest in dieser Hinsicht ein gewisses Miteinander umgehen auf Augenhöhe zugesteht von Seiten Berlins, Paris bzw. Londons.
Gerade bei den beiden Ländern Italien und Spanien habe ich mich zumindest gefragt, dass es ja doch sehr große politische Unterschiede zwischen diesen beiden Regierungen dort gibt. Sind da nicht gemeinsame politische Ziele eher unwahrscheinlich?
Einige Kritiker nennen das, was da auch gerade passiert, eine Art neue Kriegsallianz unter Ausschluss der USA. Sind ja auch einige Staaten Nordeuropas mit dabei. Würden sie so weit gehen?
Also wenn man sich mit Finnen und finnischen Kolleginnen und Kollegen unterhält, also das sind ja Erfahrungen, die da gemacht wurden, die sind durchaus mit den Heimatvertriebenen aus dem ehemaligen deutschen Ostgebieten zu vergleichen.
Sagt der Historiker Prof. Dr. Stefan Sander-Faes und ich bedanke mich ganz herzlich für Ihre Einschätzung.
Vielen Dank und alles Gute trotz alledem.
Sie hören Kontrafunk aktuell am Dienstag. Die Volksrepublik China hat sich in den vergangenen Jahrzehnten von einem Entwicklungsland zu einem der mächtigsten Staaten der Erde entwickelt.
Politisch, aber vor allem auch wirtschaftlich. Offiziell gilt es für den Westen noch als Schwellenland, gleichzeitig als großer Konkurrent.
Wie es soweit kommen konnte und was ja dieser Aufstieg konkret auch für uns bedeutet, das beschreibt der Journalist Philipp Mattheis in seinem aktuellen Buch »Der chinesische Albtraum«.
Er war jahrelang China- und Ostasien-Korrespondent, etwa der »Wirtschaftswoche« und vom Magazin »Stern« und mit ihm möchte ich jetzt über seine Analysen sprechen. Schönen guten Tag, Herr Mattheis.
Hallo, ich grüße Sie.
Herr Mattheis, in dem Titel Ihres Buches »Der chinesische Albtraum«, da ist das »Alb« in Klammern gesetzt. Ist Ihr Werk also eher eine Lobeshymne oder ein Abgesang?
Tja, gute Frage. Mir ging es ein bisschen darum, auch die chinesische Version dieses Traumes oder Albtraumes zu beschreiben.
Tatsächlich gab es so im Jahr 2013, 2014 von Xi Jinping so ein nationales Erbaugungskonzept und es nannte sich »Zhongguomeng«, also »der chinesische Traum«.
Das orientiert sich natürlich so ein bisschen an dem »American Dream«, sozusagen, dass es jeder schaffen kann.
Und in China wurde das so ein bisschen umgemünzt auf »der chinesischen Traum«, also eine Prosperität bei gleichzeitiger nationaler Renaissance und natürlich auch mit einem autoritären Regierungsmodell, was damit einhergeht.
Mit diesem Prozess wollte ich also ein bisschen genauer beschreiben und eigentlich fragen, was hat es eigentlich mit dem Westen gemacht, was hat es mit uns gemacht und wie konnte es dazu kommen?
China wird ja auch häufig als größte geopolitische Herausforderung für den Westen wahrgenommen. Welche Aspekte machen diese Herausforderung besonders komplex?
Also ich würde mal so sagen, in der Zeit, wo auch mein Buch beginnt, so 2010, 11, 12, war das ja so eine große Zeit der Hoffnung.
Das lag zum einen daran, dass natürlich nicht nur die Deutschen, aber die deutschen Unternehmen sehr große Gewinne gemacht haben und die Geschäfte blendend liefen.
Und gleichzeitig wurde aber China auch immer reicher und es ist durchaus, China ist ja keine Kleptokratie, wo sich eine reiche Klasse sozusagen das Land ausbeutet, wobei es auch sehr viel Korruption gibt.
Aber es ist keine klassische Kleptokratie. Das heißt, der Wohlstand kam schon bei sehr großen Bevölkerungsschichten an und das war eigentlich so eine Art Mittelschicht am Entstehen.
Das heißt, man ist eigentlich davon ausgegangen, dass China jetzt an einem Punkt angekommen ist, wo es sich auch politisch liberalisieren würde, also sozusagen auf Druck dieser Mittelschicht hin, dieser neuen Mittelschicht.
Und dazu ist es nicht gekommen. China ist wesentlich autoritärer, als es vor zehn Jahren war, wesentlich repressiver und unfreier.
Und gleichzeitig ist, wie Sie es auch gesagt haben, einfach eine große geopolitische Herausforderung entstanden und ich glaube, das sieht man aktuell ganz besonders deutlich anhand der Autoindustrie.
Es prallen ja auch zwei Systeme aufeinander zwischen der Volksrepublik und dem Westen. Oder was würden Sie sagen, birgt das größte Konfliktpotenzial zwischen diesen beiden Parteien?
Eine Einschätzung war das von dem Journalisten Philipp Mattheis. Sein Buch Der chinesische Albtraum ist aktuell im Handel erhältlich und ich bedanke mich ganz herzlich für das Gespräch.
Ich danke auch. Tschüss.
Vielleicht kann man ja wie in Goodbye Lenin vor den Funkhausfenstern große Plakate von Präsidentin Kamala Harris aufhängen.
Cenk Uygur, der weit links stehende Moderator der YouTube-Sendung The Young Turks, bewirbt sich öffentlich auf X bei Elon Musk für einen Job in der neuen Regierung. Mit dem Hinweis, Trump würde wenigstens die Sorgen der kleinen Leute ernst nehmen.
Derweil lädt Sandra Maischberger den 81-jährigen Watergate-Enthüller Bob Woodward in ihre Sendung, der die deutschen Fernsehzuschauer wissen lässt, dass Trump lauter unfähige Idioten ins Kabinett hole.
Schon bei der umstrittenen Auszählung in Philadelphia 2020 erwirkte Bondi eine einstweilige Verfügung, als die Demokraten die republikanischen Wahlbeobachter drei Tage lang von der Auszählung aussperrten und die Fenster mit Kartons zuklebten.
»Krieg den Kriegern« heißt das Buch, und Hegseth macht darin klar, dass er wiederum den Woken-Generellen und Gender-Beauftragten im Pentagon den Krieg erklären wird.
Dazu kommen Robert F. Kennedy Jr. als Gesundheitsminister, der gerüchteweise den führenden Corona-Maßnahmen-Gegner Jay Bhattacharya ins Fauci-Ministerium NIH holen will. Und gekokst haben soll er auch.
Es gibt einen Grund, warum Sandra Maischberger und Bob Woodward dieses neue Kabinett fürchten. Und es liegt nicht an ihrer Inkompetenz.
Und ich glaube, da ist Brasilien nur typisch für viele andere Länder auch. Deutschland zahlt sich dumm und die anderen Länder lachen sich ins Fäustchen.
Ich sage tschüß, bis dahin und machen Sie es gut!