»Zauberei auf dem Sender« – Hundert Jahre deutsches Hörspiel

Kontra Funk
30 Abonnenten
210 Videoaufrufe·20.12.2024
unsere Sendereihe
Dreiländereck wird zur Zeit neu
organisiert hören sie heute stattdessen
einen Beitrag von Christian
Hörburger mit dem Titel Zauberei auf dem
Sender 100 Jahre deutsches
Hörspiel der Medienwissenschaftler und
hörspielexperte beschreibt in seinem
Essay die Entwicklung des deutschen
Hörspiels von seinen Anfängen im Jahr
1924 bis zur
Gegenwart dabei hat die radiokunst in
ihrer hundertjährigen Geschichte Höhen
und Tiefen durchmessen es gab
Glanzpunkte die mit den Namen Günther
eich oder Ernst jandel verbunden sind
aber auch institutionelle Eingriffe die
mit Zensur oder Bevormundung des
Hörspiels einhergingen er spricht
Christian Hörburger
trotz des vielfältigen Entertainments
das Fernsehen und die
Unterhaltungsindustrie insgesamt
anbieten hat sich das Hörspiel als Spiel
und Kunstform im öffentlichrechtlichen
Radio zunächst behaupten können Krisen
dieser akustischen Spielwiese haben
kluge Kritiker und
Medienwissenschaftler immer wieder
einmal herbeigeredet doch einer seriösen
Überprüfung haben diese Kassandra rufe
auf Dauer nie standhalten können
die Faszination des Spiels mit Stimmen
und Klängen Tönen und Geräuschen hat
sich gegen alle Höhen und Tiefen
nachhaltig durchsetzen können verwundern
kann dies eigentlich nicht denn ein
Hörspiel kann bei Lichte besehen überall
und zu jeder Zeit stattfinden im
Kinderzimmer auf der Straße in der
Schule beim Spaziergang am Fluss und
natürlich ganz kunstvoll im
hörspielstudio der Sender der Boom des
deutschen Hörspiels zumal des öffentlich
rechtlichen scheint ungebrochen das
Angebot breit gefächert nur im föeton
ist die Resonanz auf das Hörspiel eher
bescheiden geworden und diese besondere
radiokunst wird dort nur noch
ausnahmsweise gewürdigt mit eher
sparsamen Hinweisen auf
hörspielpreise und besondere
Inszenierungen die großen
Sendeanstalten haben gegen den
allgemeinen Trend inzwischen die eins
schmucken opulenten und informativen
hörspielvorschauen eingedampft unter
anderem WDR und
SWR ansonsten machen im
privatwirtschaftlichen Sektor die
hörverlage mit zahlreichen
hörspieltiteln meist direkt lizensiert
durch die Sendeanstalten weiterhin ein
umfangreiches und einträgliches Geschäft
aber halten wir Rückschau und erinnern
uns und Feiern nachträglich
geburtstag am 24 Oktober
1924 strahlte der Frankfurter Sender
gewissermaßen im Auftrag der
südwestdeutschen rundfunkdienst AG ein
sendespiel eine akustische groteske ein
Hörspiel aus dass der künstlerische
Leiter der Sendeanstalt Hans flashch
verfasst zu Papier und in Szene gebracht
hat und das alles live noch ganz ohne
Tonband und digitalen Schnickschnack und
elektronischen Zauber 100 Jahre ist das
her der Begriff Hörspiel war noch gar
nicht geboren und man war semantisch
gesehen noch auf ungewisser Spurensuche
wie ein dramatisches Spiel im Radio zu
benennen
sei zauberi auf dem Sender wird im
illustrierten Programmheft angekündigt
und wenige Tage später resumiert eine
radiobesprechung in der radimschau
folgendes geheimnisvoll fährt der Lift
zur Sendestation empor irgendetwas
Besonderes ist los man merkt es an der
scheinbaren Ruhe des Leiters des
Ansagers der Sängerin und selbst die
Trommel kratzt sich neugierig das Fell
Punkt 8:30 Uhr beginnt es mit einer
höllischen fra Diavolo uvertüre alle
Rundfunkteilnehmer fahren entsetzt in
die Höhe dr flashch der Herrscher des
sendereichs wird in seinem Programm
gestört tatsächlich gestört von der
Märchentante die auch einmal abends ein
Märchen erzählen will der Sender ist
verrückt das eigentlich moderne und
überraschende an diesem hörspielauftakt
im Jahre
4 der als historische Aufzeichnung nicht
überliefert ist bleibt vor allem darin
begründet dass die Teilhabe oder eben
auch der Ausschluss der Hörerschaft von
Produktion und
radiogeschehen in schelmischer Offenheit
ausgebreitet und diskutiert
wird Chaos Stimmengewirr Börsenkurse und
sich überschlagende Stimmen aus dem
Lautsprecher reklamieren zunächst
Teilhabe vieler externer Produzenten am
Radi geschehen doch sie wird der wilden
produzentengemeinschaft die das System
Radio provoziert schlussendlich
verweigert war der sendeleiter Alias
Hans Flesch zu Beginn seines
sendevorhabens einem radiozauberer
hilflos ausgesetzt so zeigt er sich im
Finale als ein systemkonformer Verwalter
des des Radios und seiner Abläufe der
mit Strenge auf die Beibehaltung der
Trennung von Rufer und Hörer bestehen
muss und dann entschieden durchgreift
Hans flashch dann ist es also wirklich
so dass wir etwas tun wollten das
richtig ist und konnten es nicht weil
ein anderer etwas tun wollte was falsch
ist das ist ausgeschlossen die ganze
Weltordnung müsste zusammen
es wäre ein völlig neues Moment
geschaffen die Weltgeschichte hätte
ihren Sinn verloren die Ordnung wäre
nicht mehr Herr wir müssen uns alle
erschießen nein nein ich gebe zu dass
wir alle oft nicht aufpassen und dass
wir wenn wir nicht aufpassen besiegt
werden können der Zauberer Antagonist
zum sendeleiter und Intendanten Recht
sich für Minuten an einem Radiosystem
das nur produzierende auf der einen
Seite und Hörende auf der anderen zu
kennen
scheint neben der
Antizipation der neuen Erfindung Radio
oder des
unterhaltungsrundfunks wird indirekt
auch auf den
einbandstraßencharakter der vermittelten
hörakte verwiesen und damit auf die
Einschränkung des Feedbacks und Teilhabe
zwischen Rezipient und Produzent zu
zwischen Rufer und
Hörer vielleicht lässt sich zugespitzt
aus der Radi groteske unter anderem
ablesen dass ein Zauberer in diesem
Stimmen und tönespiel auch als
gehinderter
Mitproduzent sich in das systemradio
einzumischen versucht und wie die
Märchentante scheitern muss wenige Jahre
später am 27 juli
1929 war es Berthold brech dern
badenbaden unter technischer Mitwirkung
der
reichsrundfunkgesellschaft die
Einbindung des Hörers als Mitproduzent
im Radio
erprobte in seinem
lindbergflug ging es neuerlich um die
aktive Beteiligung des Hörers an einer
Radioproduktion auf einem zweigeteilten
Podium demonstrierte Brecht wie der
Radiohörer an der rundfunkmusik aktiv
beteiligt werden könnte
Brecht bemerkte vorab und jetzt streng
didaktisch durchbuchstabiert und damit
weitreichender und radikaler als bei
Hans flashch ich habe über die
Radiosendung des lindbergfluges etwas
nachgedacht und zwar besonders über die
geplante öffentliche
Generalprobe diese könnte zu einem
Experiment verwendet werden es könnte
wenigstens optisch gezeigt werden wie
wie eine Beteiligung des Hörers an
radiokunst möglich
wäre diese Beteiligung halte ich für
notwendig zum zustande kommen des
kunstaktes Hans flashch ließ in der
Groteske noch tollkühn zaubern um das
Problem eingeschränkter Partizipation
von Rundfunkhörer und
radioproduzenten zumindestens satirisch
überhöht anzudeuten und Brecht te wenig
später sehr radikal auf die zunächst
unversöhnlich scheinende Spaltung
medialer Produktion und Rezeption
aufmerksam machen und sie im Modell
lehrpielhaft
überwinden in diesem Zusammenhang wäre
es sicherlich reizvoll wenn in der
Medien und hörspielforschung das
Wechselspiel in Theorie und Praxis
zwischen Hans Flesch und Bert Brecht
einerseits und erweitert die zum Teil
Visionär utopischen
medienmutmaßungen von Hans Magnus
ensberger aus dem Jahr
1970 vertieft und weiter untersucht
werden könnte
ensberger proklamierte damals noch
vollmundig und leidenschaftlich den
Siegeszug der neuen Medien und erhoffte
sich durch diese gar eine
Demokratisierung in der Medienproduktion
und
Distribution die neuen Medien seinen
ihrer Struktur nach egalitär hieß es
frolockend und durch einen einfachen
Schaltvorgang könne jeder an ihnen
teilnehmen die Programme selbst sein
immateriell und beliebig
reproduzierbar tendenziell so
formulierte der optimistische
Schriftsteller und Medientheoretiker
weiter heben die neuen Medien alle
bildungsprivilegien und damit auch das
kulturelle Monopol der bürgerlichen
Intelligenz auf eine Utopie und doch
zuugleich ein fataler Irrtum wie sich
herausstellen sollte der vergleichsweise
große Spielraum den das Hörspiel heute
im Kontext des öffentlichrechtlichen
Rundfunks ausschöpfen und genießen kann
war freilich in der Frühzeit und im
Kontext des Weimarer Rundfunks nie
gegeben
ab Mitte der 20er Jahre wurden die
sendegesellschaften und ihre Programme
durch
überwachungsausschüsse und kulturelle
Beiräte kontrolliert überwacht und auch
massiv
zensiert rund 200 Personen die entweder
Reichs oder auch Länderinteressen zu
vertreten hatten waren insgesamt im
Reich in den jeweiligen
überwachungsausschüssen
tätig im zunehmenden Maße bestimmten die
kulturelle und politische
Reglementierung die Programmarbeit der
Sendeanstalten dem Vorwurf einer
Zensurpraxis entgegnete unser Autor und
Intendant Hans flashch mit dem
schelmischen Hinweis dem geistsind Zügel
nicht auferlegt die Form muss ich
anpassen auf der berühmten Arbeitstagung
Dichtung und Rundfunk im Herbst
1929 in
Kassel sah selbst Alfred Dublin das
Problem einer
rundfunkzensur als eher marginal und
verglich die staatlichen Eingriffe in
das Programm mit denen eines Verlegers
oder
Theaterdirektors kurioserweise sollte
dann wenig später Dublin selbst Opfer
der rundfunkzensur werden denn sein auf
wachsplattten setzen erhaltenes fertig
produziertes Hörspiel die Geschichte vom
Franz Biberkopf
geplant für eine Ausstrahlung am 30
September
1930 wurde dann aber gecancelt zumal 14
Tage nach der reichtagswahl die NSDAP
ihre Mandate fast verzehnfachen konnte
und die überwachungsgrämien wohl Unruhen
durch Dublins Hörspiel
befürchteten die zensurkeule oder
vorzensurmaßnahmen konnten aber auch
unbedeutendere autorentreffen Ernst
tollers Hörspiel Berlin letzte Ausgabe
wurde vor der Sendung auch vom
Auswärtigen Amt
examiniert Erich Scholz Referent für das
rundfunkwesen Vorsitzender des
überwachungsausschuss und NSDAP Mitglied
Bart in einem Schreiben vom 21 November
1930 einen Zuständigen Legationsrat um
aus unft ob vom Standpunkt des
Auswärtigen Amtes gegen dieses Hörspiel
soweit darin die abrüstungsfrage
behandelt wird Bedenken
bestehen trotz starker Vorbehalte gegen
die Tendenz des Stückes und einzelner
der darin enthaltenen Darstellungen
werde man aber von einem Einspruch
absehen so die Antwort des
hörspielzensors die ausgewähl Beispiele
machen den
rundfunkpitischen und
demokratieorientierten Quantensprung der
nach dem Zweiten Weltkrieg mit der
Etablierung des öffentlichrechtlichen
rundfungs eingeschlagen werden konnte
jetzt deutlich eine Zensur war nun
ausgeschlossen gleichwohl eine
programmanalyse auf Verlangen in der
Rückschau durch Rundfunkräte oder
Verwaltungsräte
möglich spektakulär ist auch die die
ausgebliebene hörspielsendung eines
avantardistischen
radiokunstwerkes das unter dem Namen
Bellin zona firmierte und ein historisch
belegtes Zugunglück vom 23 april
1924 akustisch zu spiegeln versuchte da
der nachtschnellzug Nummer 51 von
Mailand nach Badel stark verspätet war
verkehrte er in zwei Teilen der Schweiz
Teil des Zuges fuhr regulär die aus
Italien kommenden Wagen folgten als
Nachläufer 46 Minuten
später in der Nähe des Bahnhofs kam es
zu einem folgenschweren Zusammenstoß und
Unfall es starben neun Reisende fünf
Eisenbahner darunter der Lokomotivführer
der das geschlossene Signal überfahren
hatte und ein blinder Passagier
unter den Opfern war auch der
Vizekanzler und Reichsminister Karl
Helferich der Hörspielmacher und
radiokünstler Rolf Gunold reichte seine
akustische Studie über das Zugunglück
beim Berliner
senderein die Komposition und die
Struktur im Manuskript aufgebaut in die
Sequenzen Motive rufe Geräusche und
Dialog hätten eigentlich aufhorchen
lassen zumal Gunold ganz bewusst auf
kenntlich maende und personalisierte
Dialoge verzichtet
hatte doch die minuziöse
detailfreudigkeit gunolds seine Vorliebe
für eine dynamische
geräuschsymphonik die ihm als Folie für
die Projektion des aktuellen Zugunglücks
dienen sollte honorierte die
Sendeleitung in Berlin nicht stattdessen
argumentierte man formalästhetisch
und der Radiojournalist alous wilzmann
betonte es ist noch kein Kunstwerk dazu
ist es zunächst sprachlich zu
undichterisch zu wirklich dazu ist auch
die Handlung zu naturalistisch es ist
eine Fotografie kein Gemälde auch sind
die technisch hervorragend
durchgeführten begleitgeräusche in der
Wirkung zu krass und zu
realistisch im Kenntnis der gängigen
Kontroll und Zensurpraxis ist es
allerdings eher plausibel dass mit
Rücksicht auf den Unfalltod des
deutschnationalen und radikal
antirepublikanisch und antisemitisch
gesindnten Karl Helferich eine
Hörspielproduktion von
Bellinzona ausgeschlossen werden musste
Helferich war erklärter Feind und Gegner
von Matthias Erzberger der im Zuge von
Völk nationalen Hetzkampagnen am 26
august
1921 ermordet
wurde Jahrzehnte später nämlich
1959 räumte der radiopionier Alfred
braun vorsichtig ein das wegen des
zeitgeschichtlichen Bezugs eine
Ausstrahlung von
binzona dann doch zu heikel
schien immerhin machte sich der
sarländische Rundfunk dann spät aber
nicht zu spät um die überfällige
ursendung von belinzona verdient eine
akustische Rarität die endlich am 4 mai
1978 erstmals ausgestrahlt
wurde wer über 100 Jahre deutsches
Hörspiel spricht ist tunlichs gehalten
auch über die Geburtsstunde des
allerersten europäischen Hörspiels zu
sprechen dass wenige Monate vorzauberei
auf dem S am
15.1.124 unter dem Titel a comedy of
danger von der BBC ausgestrahlt wurde
geschrieben hat es der britische
Drehbuchautor und Schriftsteller Richard
huges der das Hörspiel in der absoluten
Dunkelheit eines wallisischen Bergwerks
spielen lässt in dem drei Personen
eingeschlossen sind die in begreiflicher
Todesangst auf Rettung hoffen und doch
gibt es kein Happy
End das bizarre Hörspiel mit einer
Location untertage im Finstern bissig
und satirisch zugespitzt sollte für
viele Jahre auch die Dramaturgie
deutscher Hörspiele
mitbestimmen denn es schien zunächst
einleuchtend dass der geheimnisvolle Ton
des Radios aus Dunkelheit und ferne
geboren dem Nichtsehenden vor allem ja
vorrangig dem blinden gewidmet sei
Richard huges führte einleiten zu diesem
uhurhörspiel des Radios
aus indem wir versucht haben Gefühle
anzusprechen und eine vollständige
Geschichte über ein einzelnes
Sinnesorgan das Ohr zu erzählen haben
wir offensichtlich nichts anderes
versucht als das was das Kino bereits
durch das Auge getan hat
die dramaturgische Hinwendung zur
schwerze
Lichtlosigkeit aber auch Dunkelheit im
Hörspiel mag zunächst in der Folgezeit
auch zu Missverständnissen geführt haben
auch im benachtbarten Ausland im Oktober
1924 kam es in Frankreich zu einem
spektakulären radiodramaversuch unter
dem Titel Mare
Moto die Autoren pire und
ger hatten sich für ihren
hörspielversuch eine
Schiffskatastrophe bei peitschenend dem
Wellengang als Handlungsort ausgedacht
wobei der Hörer Ohrenzeuge der fiktiven
Hilferufe von hoher See werden sollte
doch war dieses katastrophenhörspiel
offensichtlich sehr plastisch und
realistisch
angelegt sodass das französische
Marineministerium weitere aus
Strahlungen des Hörspiels strikt Verbot
Ausstrahlungen die wiederum nur Live und
ganz ohne Tonband Reproduktion zu denken
gewesen
wären im Zuge dieser akustischen Flucht
ins Dunkle und
nichtsichtbare kam es zu weitreichenden
Vorschlägen für das Hörspiel Alfred
Auerbach ein schwäbischer Schauspieler
und Schriftsteller postulierte im Jahre
1926 bemerkenswerte en für den
zeitgenössischen hörspieldichter ich
zitiere er wird das Reich des sichtbaren
meiden die Schatten und die Nacht
bevorzugen die Fantastik der Winkel in
denen man tuscheln hört sein Ohr wird
dem huschenden Auge des Films ähnlich
überfein an den Wänden horchen wieder
ins unsehbare
hinausfantasieren die dunklen Kerker
betasten den Blinden
gleich und tatsächlich in Anlehnung an
diese Dramaturgie für das solitäre Ohr
wären aus den 20er Jahren eine ganze
Folge von Hörspielen zu benennen die in
den Gefahrenzonen der Dunkelheit des
Weltkrieges oder den Abenteuern der
polexpeditionen beheimatet
sind Exemplar in diesem Zusammenhang an
das berühmteste originalhörspiel dieser
Zeit erinnert an ernst johansnen und
seine als
antikriegshörspiels sich verstehende
brigadevermittlung das Hörspiel fügt
sich in die literarische Landschaft der
Zeit insofern stimmig ein als es im
engen Umfeld von röarx im Westen nichts
Neues
1929 oder von Ludwig Renz kritisch
akzentuierter romanfolge Krieg und
nachkrieg gesehen werden kann
Objektivität und Sachlichkeit
verfestigten sich für die
zeitgenössische Kritik sehr rasch zu
Attributen die man seit der Uraufführung
der
brigadevermittlung nun auch einem
Hörspiel attestierte das in allen
politischen Lagern gleich starke
Zustimmung gefunden haben
soll neben der Brutalität die das
Hörspiel durchaus gebrochen und
voyaristisch aufzeigt sind es vor allem
soldatenwitze die heldischen Berichte
von deutschen
störtrupattacken die etwas von einer
indirekten Glorifizierung des
Schlachtfeldes
transportierten in sehr vielen
hörspielarbeiten die vor
193 zur Ausstrahlung kamen Wetter
leuchtet bereits das Aufkommen der neuen
nationalsozialistischen
Zeitenwende auch Hermann kaks
arbeitslosenhörspiel der Ruf 12 dezember
1932 formuliert eine Krisenbewältigung
die weit außerhalb
rationaler Argumentationen
lag wer nur will der bekommt Arbeit so
lautet das sehr schlichte Motto am
Vorabend der Machtergreifung
so konnte es auch unschwer geschehen
dass der nationalsozialistische
rundfunkt das Hörspiel bereits am 203
1933 wiederholte und gleichzeitig dazu
missbrauchte es mit originalen
hitlerzitaten aufzufüllen und zu
entstellen die Zertrümmerung einer
freien hörspielästhetik durch den
nationalsozialistischen Rundfunk soll
hier nicht weit er verfolgt werden
immerhin ist es bemerkenswert dass
Propagandaminister Göbbels in der
Folgezeit das Hörspiel in Konkurrenz zum
Film weitgehend ablehnte und nur ein
bedingtes Interesse an seiner Förderung
hatte gleichwohl galten auch im Rundfunk
weitgehend die üblichen
nsrriktionen wobei es bemerkenswert ist
dass immerhin Günther eich das eine oder
andere Schollen oder
propagandatingierte Hörspiel im Radio
noch platzieren
konnte es gab keine Stunde n0 nach
1945 im deutschen Hörspiel obwohl diese
gern von führenden Dramaturgen
vollmundig herbeigeredet wurde Heinz
schwitz gab
1951 Leiter der Hörspielabteilung in
Hamburg und durchaus aktiv als
Parteimitglied für den nsrundfunk tätig
beschwor nur zu gerne die eigentliche
Geburtsstunde des deutschen Hörspiels
mit dem Durchbruch von Günther eich den
der Dramaturg nach
1945 maßgeblich förderte und
unterstützte
über viele Jahrzehnte half diese
theoretische Einschätzung an einer
Legendenbildung über den Charakter des
genuinen deutschen Hörspiels dessen in
Teilen problematische
Vorgeschichte nur zu gerne ausgeblendet
wurde mit dem 13 februar
1947 klopfte Borchard mit der
Hörspielfassung seines ursprünglichen
Theaterstücks draußen vor der Tür an die
ledierte medientür des Rundfunks und
dier vasoft später selbst erfolgreicher
Hörspielautor
notierte ich war mit drei anderen allein
auf der Bude als jemand aufgeregt
hereinstürzte und rief kommt mal schnell
rüber da ist was Tolles im
Radio nur in der Nebenstube gab es ein
Radio dort saßen schon mehrere und gaben
uns mit einer schnellen Handbewegung zu
verstehen wir sollten uns still
hinsetzen es war der Abend des 13
februar
1947 das Stück vom nordwestdeutschen
Rundfunk aus Hamburg
gesendet sprach auf eine bisher
ungehörte leidenschaftliche Weise von
den Verheerungen des Krieges von der
Verlorenheit der Überlebenden von
heimatloser Heimkehr und als seine
letzte Frage gibt denn keiner Antwort in
ein langes Schweigen auslief eher die
Absage über den Sender kam da herrschte
dieses Schweigen wohl überall unter den
betroff
Zuhörern das Hörspiel und auch die
nachfolgende Bühneninszenierung oft mit
den Stimmen von Hans Quest als Beckmann
Josef Damen Maria Janke und kurtmeister
traten sehr bald und unaufhaltsam ihren
Triumph in Radio Bühne und Schulbüchern
an die Sendeanstalten wiederholten Monat
für Monat und Jahr für Jahr die Heimkehr
des geschundenen und versehrten
kriegsheimkehrers Beckmann der auch zu
Hause
kein zuause mehr finden kann die späte
durchaus berechtigte Kanonisierung und
euphorische Würdigung der Figur des
Kriegsveteran der fatale Nihilismus und
die Weltverneinung in draußen vor der
Tür lassen aber heute nur allzu leicht
übersehen dass es auch ein genertes und
völlig überfordertes radiopublikum gab
dass sich durch die Uraufführung
geschockt und abermals entwurzelt s ein
ansonsten funkbegeisterter Hörer schrieb
an den Sender noch am
ausstrahlungstag wenn dieser Herr
Beckmann in den ersten Minuten des
Hörspiels versoffen wäre es wäre vielen
Hörern ein widerliches Spiel erspart
geblieben aber es gab auch andere
positive hörerstimmen am 17 Februar
schrieb ein krückenmann aus Kiel als
krückenmann dann sage ich auf diesem
Wege dem Verfasser des Hörspiels meinen
besten Dank es war wirklich erschütternd
und der Oberst in dem Spiel sagte mir
besonders zu zumal eine solche Figur in
meinem Haus lebt ehemals aktiver
feldbebel bei der Marine gut durch den
Krieg gekommen heute stiefellecker bei
unseren besten
Freunden das demokratische Hörspiel mit
seiner selbstgestellten Aufgabe
aufzuklären
zu erschüttern aber auch katartisch zu
wirken nicht nur zu unterhalten hatte
mit draußen vor der Tür Tritt gefasst
Günther eich ist dieser radikalen
Spiegelung der jüngsten Vergangenheit
drei Jahre später am 19 April
1951 dann mit seinem Hörspiel Träume
gefolgt allerdings vermiet eich den
Blick in naturalistische
nachkriegsabgründe
wie sie der Kriegsheimkehrer Beckmann
durchmisst
eich lässt fünf
gegentrräume zum sich etablierenden
Wirtschaftswunder im Radio apokalyptisch
aufblitzen radioalbträume die ihrerseits
in merkantilen Aufschwung zwischen vorw
käferromantik und
nentisch zwischen kommender
Wiederbewaffnung und renazifizierung der
deutschen Innenpolitik gemütlicher und
und erträglicher Aufflackern lassen
lieber das schreckliche erinnernd
vorsichtig Träumen als konkrete
literarische Aufarbeitung im Radio das
war die kongeniale Antwort eines
Massenmediums noch ohne Fernsehbilder
die durchaus hörertaugliche Flucht aus
quälender Aufarbeitung und Erinnerung ja
vom Lyriker eich beabsichtigt oder nicht
das subtilgeniale Angebot an die
Hörerschaft sich nicht Rechenschaft
geben zu müssen sondern sich im
Verdrängen ungemütlich wie auch immer
einrichten zu dürfen schon das konnte
Schmerzen gewiss und es nahm die
mitcherlichanalyse über die deutsche
Unfähigkeit zu trauern
vorweg im ersten Traum rattert ein
geschlossener Güterwagon mit zunehmender
Beschleunigung ins irgendwo vermutlich
in einen imaginären
ausschwitztod die Jüngeren sind im
lichtlos rollenden Gefängnis anscheinend
nicht unglücklich sie kennen nur
Finsternis und
Gefangenschaft nur der Großvater hat
eine dunkle Erinnerung an eine Zeit in
der es einen Himmel gab auch blühenden
Löwenzahn draußen durch einen Türspalt
im Zug sieht man riesen so groß wie
Bäume
der Zug wird schneller und schneller und
wird in einem Abgrund
zerbersten zweiter Traum in China
verkauft ein armes Menschenpaar seinen
sechsjährigen Sohn an einen reichen
asthmatischen Greis dem brutale
Bluttransfusionen von kleinen Kindern
das Leben verlängern soll Dritter Traum
in einer australischen Siedlung erwarten
die Einwohner in Todesangst einen
bestimmten Feind er spioniert
unnachsichtig nach Flüchtlingen auch die
Bewohner denunzieren alsbald alle
Schutzsuchenden und werden selbst zu
Verrätern vierter
Traum
Afrikaforscher werden mit
vergessenheitspillen gefüttert und
versinken in tödliche
Orientierungslosigkeit sie verlieren
Gedächtnis und Sprache und werden unter
Trommel
dem tödlichen schreckensspiel von
urwalddämonen
ausgeliefert fünf Traum in New York
Höhlen Termiten Wolkenkratzer und
Wohnungen aus bis Haus und Mensch als
leergefressene Fassaden
zusammenbrechen und sich das nagende
fressgeräusch zum tödlichen Requiem
steigert e wusste um die mediale
Provokation die sein Hörspiel auslösen
würde als er hoffte wenn es mir gelänge
den Hörer aus seiner Sofaecke
aufzuschrecken so wäre mein Ziel
erreicht insoweit würde ich auch
Proteste begrüßen eben als Zeichen der
Beunruhigung und tatsächlich reagierte
das hörerpublikum durchgehend kritisch
insoweit die 15 aufgezeichneten
höreranrufe als repräsentativ eingestuft
werden können am Telefon des Hamburger
Senders saß zur Zeit der Ausstrahlung
ein gewisser Herr Böning und der
Regisseur Fritz Schröder jah sie bekamen
unter anderem folgendes ins Telefon
gesagt oder eben auch gebrüllt sagen Sie
mal was verzapfen sie denn heute Abend
wieder für ein Mist im Rundfunk es ist
zum kotzen hängen sie ihre ganzen
Hörspiele an den Nagel wissen sie
schweinemäßig ist das und doch wurden
Günther Eis Trum entgegen aller
hörerkritik ein phänomenaler
hörspielerfolg und später folgten
textliche Übernahmen in Schulbüchern und
Fachzeitschriften alle Sender der
Bundesrepublik also Westdeutscher
Rundfunk süddeutscher Rundfunk
Südwestrundfunk saarländischer Rundfunk
Radio Bremen RIAS Radio im
amerikanischen Sektor Berlin Radio
Bremen mitteldeutscher Rundfunk und
Deutschlandfunk übernahmen die
Hörspielproduktion aus Hamburg und es
folgten etliche
Neuinszenierungen unter anderem auch vom
ORF
Steiermark der unvergleichliche Erfolg
dieses Hörspiels die behutsame ja
psychoanalytisch versteckte Aufarbeitung
oder wenigstens Andeutung auch deutscher
Geschichte und Schuld in traumatischen
Brechungen war sensationell und nicht
mehr zu überhören genau im Rausch und im
Siegeszug von Träume wurde auch der
Hörspielpreis der Kriegsblinden unter
Federführung von Friedrich Wilhelm
hümmen ins Leben gerufen ein
Hörspielpreis der jährlich ich zitiere
für ein von einem deutschsprachigen
Sender konzipiertes und produziertes
originalhörspiel verliehen werden sollte
dass in herausragender Weise die
Möglichkeiten der Kunstform realisiert
und erweitert allerdings die neu
etablierte Jury des hörschpielpreises
der blinden mochte sich am
unüberhörbaren Siegeszug der schwarzen
radioträume und der subtilen Regie von
Fritz schröderjahn noch nicht erwärmen
die Jury so ist überliefert war tief
geschockt von Eichs pessimistischer
Weltsicht die keinerlei Blick auf ein
versöhnliches Weltenende
zuließ stattdessen prämierte die Jury
hörspielgeschichtlich gesehen eine
Fehlentscheidung das eher belanglose und
eskapistische Hörstück von Erwin Wickert
darfst du die Stunde rufen dass ich
zudem noch durch das eigentlich
politisch brandaktuelle Thema NS
nasie
durchmogelte das ausbügeln dieser Jury
Fehlentscheidung im Hinblick auf Eis
Hörspiel schaffen geschah dann
1953 ein Jahr später im Ruck Verfahren
mit der Prämierung der SDR Produktion
die andere und ich eich hat über 200
Hörspiele geschrieben und seine
Hörspiele wurden später als radiokunst
der Innerlichkeit in gleicher Weise
gefeiert wie
getadelt und die hörspieljurie nhmt
alles im allen war über 70 Jahre lang
immer wieder ein aufmerksamer Begleiter
akustischer Neuerungen und literarischer
Entwicklungen die nähliche Einführung
der UKW Frequenz der
ultraakurzwelle nach
1949 war für die hörspielästhetik
übrigens ausschlaggebend waren zuvor die
Sendungen auf der Frequenz der
Mittelwelle noch immer wieder lästigen
akustischen Störungen wie Rauschen
knistern oder fäen ausgesetzt die z.B
eine Opernaufführung oder die
Ausstrahlung eines hörspieles
empfindlich stören und beeinträchtigen
kon
so veränderte sich dies mit der
Einführung der UKW Frequenz jetzt kam es
zu einem weitgehend störungsfreien
Qualitätssprung denn Wellenrauschen und
andere Störgeräusche aus dem äter waren
nun weitgehend
getilgt für das Hörspiel bedeutet dies
dass Autor und Regie mit
spannungsgeladenen Pausen und
akustischen Lehrstellen operieren und
arbeiten konnten
ausgefallte pausendramaturgie entstand
wie sie z.B in Eis dritt und fünftem
Traum verordnet in Australien und den
USA zum Tragen kommt die Einführung der
Stereophonie und die damit einhergehende
Variabilität des Raumes und seiner darin
agierenden Personen erweiterte Ende der
60er Jahre die rhetorischen
hörspielaspekte die Gleichzeitigkeit und
beliebig versränkbaren Aktionen
Klangteppiche und
Disputationen ließ sich in
neuerschlossenen höhachsen nahez
unbeschränkt erhöhen und
weiten die damit verbundene
ividualisierung des Sprechenden Subjekts
im Hörspiel erfuhr eine neue
akustischemension die letztlich auch das
eichmaß im radioch undchßer KZ ernst
jandel und Friederike meiruer erprobten
mit sprachlichem
Reduktionismus
1968 in fünfmann Menschen die neue
abbreviatur der Wirklichkeit im
Hörspiel man kann wieder Radio hören
titelte die Süddeutsche Zeitung im April
1969 nach der Ausstrahlung
begeistert es war mehr als eine
freundliche grußadresse an die beiden
Hörspiel en ernst jandel und Friederike
meiröcker ihr gerade einmal
viertelstündiges Hörspiel hatte die Jury
beeindruckt und 17 von 18 jurystimmen
bekommen die Gründe für die Entscheidung
lagen einer doppelten Richtung einmal
bewies das Autorenpaar unter der Regie
von Peter Michel Ladiges dass die neue
Technik der Stereophonie im Hörspiel
tatsächlich so etwas wie ein ästhetisch
akustischen Quantensprung bedeutete und
ganz spezifische höhräume eröffnen
konnte hinzu kam die neue
hörspielsprache im semantischen Bereich
die Reduktion der Worte und Bilder auf
archetypische Grundmuster und
Lebensläufe die bei aller Lakonie auch
auf die eigene Biographie des Hörenden
verwies das experimentelle oder auch
sogenannte ne Hörspiel war
geboren noch verweist diese Sprache auf
eine Wirklichkeit gab der
hörspielhistoriker Stefan Bodo Würfel zu
bedenken doch wird zugleich deutlich so
Würfel weiter dass diese Wirklichkeit
mit Hilfe der kollagierten
sprachtrümmer nur noch unvollkommen
erfasst werden kann und die Sprache
daher im Begriff ist sich selbst absolut
zu setzen und die sprachtrümmer des
alltagsgeredes als einzige Wirklichkeit
zu stiften fünfmann Menschen ist
bescheiden in seinen zeitlichen Ausmaßen
aber umso wirkungsvoller für jene Ohren
die gewillt waren zu hören und sich
einzulassen auf eine akustische
Provokation in 14
Szenen im neuen Hörspiel
experimentierten die Autoren mit
politischer Sprache Kritik und zeigten
die Isolierung der Hörer vor dem
Massenmedium Radio jetzt im Nachklang
der 68er
Ideologiekritik wurde auch das
originaltonhörspiel neu
entdeckt Ludwig Harig demontierte in
Staatsbegräbnis West deutscher rundfunkt
3.09.169 den pompösen leichenabschied
von Konrad Adenauer am 25 April
1967 zu Köln zu Wort kam im Hörspiel
ausschließlich die Akteure des
Begräbnisses also Politiker geistliche
Festredner und ein
Radioreporter die sakrale Klangkulisse
aus choräen Musikstücken und
Gesängen kontrastierte und denunzierte
das Leichenbegängnis als großes
schauerliches epit
der Öffentlichkeit auf die jetzt im Ton
geronnene
medienfiktion Konrad Adenauer
Harig hat den authentischen Tonband
Mitschnitten nichts hinzugefügt wohl
aber durch lups Schleifen und serielle
Sprünge die politische Rhetorik am
katfalk des Verstorbenen sarkastisch
entlarft und
entzaubert in der 64 minütigen on
wetteifern Josef Kardinal frinks
Erzbischof von Köln die eins der NSDAP
nahehenden Politiker Heinrich Lüpke und
Kurt Georg Kiesinger und weitere
Teilnehmer in begotten Statements um
Verklärung des Verstorbenen
Staatsmannes Franz mai Intendant des
sarländischen rundfuns und ehemals
persönlicher Referent von
Adenauer versuchte vergeblich ein des
weites Aufführungsverbot des Hörspiels
durchzusetzen aber Staatsbegräbnis wurde
land auf Land ab zum
literarischpolitischen Störfall im
öffentlichrechtlichen Rundfunk ein
Schlagabtausch den Harig allerdings alal
long gewinnen sollte trotz versuchter
Zensur eine weitere Innovation auf
technischem Gebiet war mit Hörspielen in
kunstkopftechnologie ermöglicht worden
das warf der 70er Jahre dabei ist der
Studio Kunstkopf zunächst im
menschlichen Kopf nachgebildet und an
Stelle der beiden Gehörgänge mit
Mikrofonen
bestückt beim Abhören mit guten
Kopfhören kann ein Höreindruck entstehen
der fast vollständig demjenigen gleicht
den der Hörer beim stillgehaltenen Kopf
am Ort des kunstkopfes gewinnen kann
eine neue Räumlichkeit konnte Ehen
die nicht nur rechts und links als
Hörraum aufspielt sondern auch ein vorne
und hinten plastisch vorspiegeln kann
das war absolut neu und überzeugte
1976 auch die Jury des hörspielpreises
der Kriegsblinden durch die Prämierung
von Walter Adlers
kunstkopfhörspiel centropolis
Westdeutscher Rundfunk
2.12175 ein nahezu
dreidimensionaler Tonraum war durch die
akustische 3D Fiktion möglich geworden
allerdings nur für den Hörer
realisierbar der sich auch den
physischen zängen eines Kopfhörers zu
unterwerfen bereit war und genau an
diesem technischen Diktat der
zwangsbestückten Ohren scheiterte
letztlich ein genereller Durchbruch der
KK
hörspielkunst diese technische
Bevormundung durch kopfhörerstrippen
oder auch Bluetooth Kopfhörer war es
letztlich die die KK Stereophonie im
öffentlichrechtlichen Rundfunk zum
Stillstand brachte gewiss sehr zum
Verdruss der
Unterhaltungsindustrie aber immerhin
alles war jetzt möglich und alles
erlaubt sodass Wolf wondrek seinen
Lkwfahrer Paul in einem H bemerken
lassen konnte ein Hörspiel muss nicht
unbedingt ein Hörspiel sein das heißt es
muss nicht den Vorstellungen entsprechen
die ein hörspielhörer von einem Hörspiel
hat ein Hörspiel kann ein Beispiel dafür
sein dass ein Hörspiel nicht mehr das
ist was lange ein Hörspiel genannt wurde
deshalb ist ein
hörspieltext nicht unbedingt ein
hörspieltext soweit wundercheck das
hörgeschehen im Hörspiel hat sich in den
vergangenen 20 Jahren nochmals
diversifiziert allerdings ohne
neuerliche hörspielschulen und
dogmatische
radioatelliers vor allem durch
Implementierung tonaler und
musikalischer
hörlandschaften das deutsche Hörspiel
ist also weiter auf den Weg und trotz
institutioneller Querschläger nicht tot
zuriegen dabei muss kritisch erwähnt
werden dass die allmähliche usurpierung
des hörspielpreises der Kriegsblinden ab
1994 durch die Film und medienstiftung
NRW einer freien demokratischen und
künstlerischen Entwicklung des Hörspiels
im
öffentlichrechtlichen Raum nicht gut
getan hat zwar sicherte die Filmstiftung
den Hörspielpreis zunächst finanziell ab
doch das wurde hinsichtlich der
Unabhängigkeit des Preises teuer
erkauft seit dem Jahr 2000 wurden auch
vier eigene
hausjuroren aus dem Kulturbereich
benannt nun wurde prämiert was in
herausragender Weise die Möglichkeiten
der Kunstform realisiert und
erweitert rund 100.000 € standen der
hörspielförderung jährlich zur Verfügung
davon wurden dann auffällig oft
hörspielvorhaben gefördert die unter dem
persönlichen Interesse oder der Obhut
der Juroren standen eine markante
verquittung von Jury und Hörspielpreis
hatte sich
eingespielt zwischen
2001 und
2009 ging der Hörspielpreis allein
sieben Mal nach Köln die neue gewandelte
medienheimat des Preises für radiokunst
kriegsblinde die es naturgemäß nicht
mehr geben kann mussten sich ohnehin
verabschieden und dann doch sehr
überraschend und sensationell im
radiojahr
2024 wurde der Radiopreis in seiner
72-Jährigen Geschichte erstmals
ausgesetzt und eine Zwangspause verfügt
der Preis solle ohne weitere Angaben neu
ausgerichtet werden hieß es jetzt
ungeach des lauten Protest von weit über
1000 hörspielchaffenden und Künstlern
den sich die klammheimliche Aussetzung
des hörspielpreises bislang nicht
erschließen kann mag sein dass das
Moratorium für den Preis ein
freiwilliger und ungefragter Beitrag der
Film und medienstiftung NRW zur
Sanierung des öffentlichrechtlichen
rundfuns in Deutschland signalisieren
soll denn erstmals beträgt das
Gesamtbudget des öffentlichrechtlichen
rundfuns mehr als 10 Milliarden Euro pro
anum das alles wirf natürlich aus
künstlerischer Sicht viele Fragen auf
das öffentlichrechtliche Hörspiel
Kollektiv betrachtet scheint
augenblicklich eingeschnürt durch
fremdgelenkte Sachwalter der radiokunst
die das Hörspiel in seinen
freiheitsräumen zu strangulieren drohen
Geld und selbstregulierte preisflüsse
haben die Spielräume der Radio Kunst
gewaltig beschnitten und regieren
augenblicklich ziemlich rücksichtslos
über das Spiel der Töne Pausen und
stimmen das Hörspiel ist wieder zu einer
verwalteten Kunst degeneriert wie es
schon sehr eindringlich Klaus Schöning
angedeutet hat und steht im Verdacht
sich mehr und mehr merkantiler
Verfügbarkeit zu beugen und doch rund
zwei Dutzend hörspielpreise die jährlich
in Stille und schnuckeligen Ateliers
oder im Rampenlicht von medientempeln zu
vergeben waren Zeugen gegen alle
Wiederstände von dem medialen
Überlebenskampf der
radiokunst feinnervige
hörspielregisseurinnen und Regisseure
sind weiterhin der künstlerische Anwalt
dieser radiokunst Namen wie Walter filzt
Robert schön Ulrike Hage Norbert
Scheffer Leonard Koppelmann Christop
schlingensie Iris drögekamp Kai Gren und
viele andere haben die Studios oft mit
genialen hörspielorschlägen betreten und
dort ihre Handschriften hinterlassen
oder die radiokunst auch wieder
aufgegeben das Hörspiel ist weiter in
Bewegung auch nach 100 Jahren und
Ingeborg Bachmann kannte den Auftrag und
wusste um was es geht im Radio und auch
im Hörspiel wenn sie forderte die wheit
ist Menschen
zumutbar in diesem Sinne ist zu hoffen
dass das Hörspiel sich aus den
gegenwärtig medialen Octopus Umarmungen
der öffentlichrechtlichen
Kulturindustrie nach und nach wier
befreien
kann sie hörten einen Beitrag des
medienwissenschaftlers und
hörspielexperten Christian hörbger zum
Thema Zauberei auf dem Sender 100 Jahre
deutsches Hörspiel
