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Ich habe zu viel auf. Immer dasselbe. Den ganzen Sonntag soll ich zu Hause sitzen.
Julia darf immer raus. Und ich bekomme Hausarrest. Das ist gemein.
Er liest die Aufgabenstellung immer wieder durch. Schließt dann das Buch und das Heft und schaltet seinen Computer ein.
Die Musik nervt. Der kleine Prinz aus dem Computerspiel schaut Michael überrascht an.
Michael legt die Finger auf die Tastatur.
Los! Alles startbereit.
Klick! Er drückt auf die Maus.
Der Pfeil fängt an, sich zu bewegen.
Er muss die Prinzessin retten.
Ein langer Flur. Eine Tür. Ein Labyrinth.
Der kleine Prinz rennt.
Klick! Michael drückt wieder auf die linke Taste der Maus.
Der kleine Prinz ist vom Rennen erschöpft.
Er bleibt stehen, um wieder Luft zu holen.
Aber der ungeduldige Michael zwingt ihn weiterzulaufen.
Er drückt immer wieder auf die Taste.
Die Musik wird sehr laut.
Der kleine Prinz steht vor einem großen Wachtmeister.
Er hält ihn an.
Halt! sagt der Mann.
Wohin gehst du?
Ich will meine Prinzessin befreien, erwidert der kleine Prinz.
Du darfst nicht durch, schreit ihn der Wachtmeister an.
Ich will aber durch, antwortet der kleine Prinz.
Dann musst du mich umlegen, ruft der Mann aus.
Das will ich doch nicht, sagt der kleine Prinz.
So ist das Spiel, antwortet der andere.
Dann spiele ich eben nicht mehr, antwortet der kleine Prinz.
Michael, Hilfe! schreit der kleine Prinz.
Hör auf, zwinge mich bitte nicht, diesen Mann zu töten.
Aber Michael macht weiter.
Stopp endlich die Musik, Michael, schreit der kleine Prinz nochmals.
Michael hört nicht.
Der kleine Prinz ist müde.
Da greift der Wachtmeister nach seinem Schwert und fordert den kleinen Prinzen zum Kampf auf.
Na los!
Der kleine Prinz wird nochmals gezwungen, den Zweikampf anzunehmen.
Er greift nach seinem Messer, denn er hat kein Schwert.
Der kleine Prinz ist winzig, der Wachtmeister dagegen riesig.
Sie kämpfen gegeneinander.
Der kleine Prinz ist schnell.
Der Mann bewegt sich nur langsam und schwerfällig.
Der kleine Prinz wird verletzt.
Michael, hilf mir bitte, schreit der kleine Prinz.
Michael hört nicht.
Er ist wütend.
Ich verstehe nicht, was mit dem Spiel los ist.
Der Wachtmeister ist immer stärker.
Man muss den Trick herausfinden, wie man den kleinen Prinzen retten kann.
Michael drückt auf die Tasten.
Bitte, mach den Computer aus, fläht ihn der kleine Prinz an.
Michael hört nicht.
Er drückt weiter.
Er überlegt.
Es gibt keine Lösung.
Der kleine Prinz wird wieder sterben.
Beim nächsten Mal werde ich den Ausweg bestimmt finden, denkt er.
Er beendet das Spiel und schaltet den Computer aus.
Puh, sagt der kleine Prinz.
Ich bin gerettet.
Ich muss herausfinden, wie ich den Wachtmeister umgehen kann.
a plus b Quadrat ist gleich a Quadrat plus 2ab plus b Quadrat?
Was heißt denn das?
Ich kapiere nichts davon.
Michael schaut auf seine Matheübungen.
Auf seine Uhr.
Auf seinen Computer.
Dann...
Er kann nicht widerstehen.
Er betätigt wieder die Maus.
Plötzlich kann er die Maus nicht mehr steuern und...
Es kracht fürchterlich.
Hilfe!
Michael wird gefangen genommen.
Wo bin ich bloß?
Was mache ich eigentlich hier?
Aber...
Das ist doch der Irrgarten aus meinem Computerspiel.
Michael reibt sich die Augen.
Ich träume.
Das kann doch nicht wahr sein.
Michael ist besorgt.
Wie ist er da nur hineingeraten?
Was ist passiert?
Hat er vielleicht auf eine falsche Taste gedrückt?
Er träumt bestimmt bloß.
Er steht auf und fasst die Wände des Irrgartens an.
Er greift mit der Hand nach oben.
Nach unten.
Überall hin.
Doch...
Die Wände um ihn herum sind wirklich da.
Dann fängt er an, wie verrückt zu rennen.
Kein Ausweg.
Er ist müde und setzt sich hin.
Ich werde bald aufwachen.
Das ist bestimmt nur ein Traum.
Wiederholt er.
Mama!
Schreit er.
Hilfe!
Rette mich!
Niemand antwortet.
Er ist hungrig.
Er guckt auf die Uhr.
Seine Eltern sind inzwischen sicherlich wieder zu Hause.
Sie werden bestimmt merken, dass er dort im Computer ist.
Plötzlich wird es hell.
Er seufzt.
Man soll mich hier herausholen!
Er schaut nach links.
Ein riesiger, monströser Kopf erscheint auf dem Bildschirm.
Er macht die Augen zu und versteckt den Kopf in seinen Händen.
Dann schaut er vorsichtig wieder auf.
Er sieht seinen Schreibtisch.
Sein Zimmer.
Sein Bett.
Seine Flugzeuge und das Plakat von Bayern München.
Naja, denkt er erleichtert.
Das ist nur ein Traum.
Vielmehr ein Albtraum.
Bald wird alles vorbei sein.
Er dreht sich um.
Aber die Wände sind immer noch da, ruft er aus.
Man hält mich hier gefangen!
Ich hab's!
Klar!
Ich bin im Computer und sehe den Bildschirm von innen.
Ich bin total verrückt.
Das geht doch gar nicht!
Der Kopf nähert sich immer mehr und das Licht wird stärker.
Es kracht.
Mein Gott!
Was ist denn los?
Schreit Michael nochmals.
Der Kopf gehört dem kleinen Prinzen.
Er sitzt auf Michaels Stuhl vor dem Computer und amüsiert sich mit der Tastatur.
Er freut sich.
Michael hört, wie die Tür zu seinem Zimmer aufgeht.
Er sieht seine Mutter.
Er ist sicher, dass sie ihn befreien wird.
Also Michael, hast du deine Hausaufgaben gemacht?
Ja, Mama!
Auch deine Matheübungen?
Na klar!
Schau mal hier!
Zeig mir mal dein Heft.
Wie viele Übungen hast du denn gemacht?
Kontrolliere das mal!
Ich habe alle Aufgaben gemacht.
Hier!
Nummer 5, 6, 7, 8, 9, 12 und 15.
Auf Seite 113.
Ja richtig!
Die hast du alle gemacht.
Das ist seltsam.
So kenne ich dich ja gar nicht.
Siehst du, wenn du etwas willst, kannst du es auch schaffen.
Das Strafen hilft eben manchmal doch.
Ja, Mama!
Sagt eine ruhige, weise Stimme.
Mama!
Das ist doch nur ein Schwindler!
Das bin ich gar nicht!
Er hat meine Rolle übernommen.
Siehst du den Unterschied nicht?
Schreit Michael aus dem Computer.
Schön!
Ich bin sehr zufrieden mit dir.
Jetzt mach bitte deinen Computer aus und komm zu Tisch.
Vergiss nicht, dir die Hände zu waschen.
Mama!
Geh bitte nicht weg!
Schreit Michael hinter dem Bildschirm.
Das ist ein Betrüger!
Er hat meine Rolle übernommen!
Er ist nicht der wahre Michael!
Mama!
Schreit er lauter.
Seine Mutter merkt nichts.
Sie streichelt den Kopf des kleinen Prinzen und küsst ihn auf die Stirn.
Gut, komm schnell!
Ich werde deinem Vater die gute Nachricht mitteilen.
Mama!
Geh nicht weg!
Jammert Michael verzweifelt.
Aber seine Mutter hört ihn nicht.
Sie hat die Tür schon zugemacht.
Der kleine Prinz setzt sich wieder an den Computer.
Er ruft.
Michael!
Hallo Michael!
Michael stellt sich vor den Bildschirm.
Komm, lass mich jetzt gehen!
Dich gehen lassen?
Erwidert der kleine Prinz.
Das kannst du vergessen!
Endlich habe ich meine Ruhe!
Lass mich wieder heraus, ich bitte dich!
Nichts zu machen!
Ich gehe jetzt essen und außerdem habe ich genug von dir!
Er schaltet den Computer aus.
Nein, kleiner Prinz, das kannst du doch nicht tun!
Nein!
Michaels Stimme wird immer schwächer.
Dann ist sie nicht mehr zu hören.
Kapitel 3
In Michaels Haut
Mama, darf ich vom Tisch aufstehen?
fragt der kleine Prinz Frau Meier.
Im Fernsehen läuft ein Dokumentarfilm über Reinhold Messner.
Seit wann interessierst du dich denn für Dokumentarfilme?
Unser Erdkundelehrer hat uns empfohlen, diese Sendung anzuschauen.
antwortet der kleine Prinz altklug.
Na gut, wenn dein Erdkundelehrer es dir empfohlen hat,
aber mach den Ton nicht zu laut, sonst beschweren sich die Nachbarn.
Klar, Mama, antwortet der kleine Prinz.
Er faltet seine Serviette und legt sie in die Schublade des Küchenschrankes.
Dann geht er ins Wohnzimmer.
Er schaltet den Fernseher an,
macht es sich im Sessel gemütlich
und schaut sich interessiert den Dokumentarfilm über Reinhold Messner an.
Es ist eine Sendung über die Schweizer Alpen.
Julia, seine Schwester, die ein Jahr älter ist als er, fragt.
Findet ihr nicht, dass er seltsam ist?
Er isst sein Fleisch und die Karotten auf ohne zu murren.
Ich träume wohl.
Wenn dein Bruder mal ruhig ist, lass ihn bitte zufrieden.
Ich glaube, dass die Bestrafung ihr Ziel erreicht hat.
Ihr seid nie zufrieden.
Wenn er unerträglich ist, schimpft ihr ihn aus.
Wenn er sich gut benimmt, findet ihr ihn komisch.
Lasst den Jungen doch in Ruhe, ruft Herr Meier ein wenig verärgert aus.
Frau Meier räumt den Tisch ab,
stellt die Weinflasche in den Kühlschrank und die Wasserflasche in den Schrank.
Sie faltet die Tischdecke, dann stellt sie die schmutzigen Teller in die Spülmaschine.
Julia hilft ihr dabei.
Nur weil er malartig ist, muss ich malochen. Immer dasselbe.
Schimpft sie.
Sei doch vernünftig, Julia.
Michael soll den Dokumentarfilm für den Erdkundeunterricht sehen.
antwortet Frau Meier.
Ja, ja, die Mädchen sind immer die Sklavinnen der Männer.
Auf jeden Fall werde ich ihn dafür bezahlen lassen.
Morgen geht er einkaufen.
Nun reicht's aber, Julia, findest du nicht?
Während Frau Meier in der Küche aufräumt,
liest ihr Mann die Zeitung und kommentiert die Nachrichten.
Schon wieder ein Skandal.
Der Innenminister ist in Geldgeschäfte verwickelt.
Julia, sagt Frau Meier,
gib mir den Besen und geh ruhig fernsehen, wenn du möchtest.
Vielen Dank, Mutti, wie lieb von dir.
Sie küsst sie auf die Wange.
Der Finanzminister will schon wieder die Steuern erhöhen, sagt Herr Meier.
Jakob, hör bitte auf mit deinen Nachrichtenkommentaren, die interessieren mich nicht.
Julia geht ins Wohnzimmer,
wo sie den kleinen Prinzen ordentlich in einem Sessel sitzen vorfindet.
Na, ist dein Dokumentarfilm interessant?
Ja, er ist spitze.
Ich habe sogar die Geburt eines kleinen Murmeltiers gesehen.
Ein paar Sekunden später...
Hör zu, Michael. Wollen wir nicht etwas anderes sehen?
Deine Sendung ist todlangweilig.
Nein, es ist noch nicht aus.
Ich will die Sendung bis zum Ende sehen.
Komm schon, im zweiten Programm läuft ein Film.
Lass das mit dem Theater, schalt jetzt um.
Du hast nicht verstanden.
antwortete der kleine Prinz sauer.
Okay, ärgere dich nicht.
Schau dir deinen Dokumentarfilm an, wenn dir so viel daran liegt.
Ich gehe sowieso gleich ins Bett.
Noch was, wenn du in dein Zimmer gehst,
mach nicht so viel Lärm wie üblich, verstanden?
Julia geht aus dem Zimmer und fragt sich,
was ihrem Bruder passiert sein könnte.
Er ist so komisch, denkt sie.
Der Ariadne-Faden.
In seinem Labyrinth fängt Michael leise an zu weinen.
Er ist sehr hungrig und sehr durstig.
Er ist müde und denkt an sein Bett,
an sein Zimmer, an die Eltern.
Ach, all die leckeren Sachen, die Mama kocht.
Er verspricht sich selbst,
dass er beim nächsten Mal alles aufessen wird,
auch die Karotten, die er eigentlich gar nicht mag,
wenn er doch nur wieder zu Hause wäre.
Er vermisst seine Eltern und auch seine Schwester.
Er nimmt sie immer auf den Arm,
ärgert sie und zieht ihr an den Haaren.
Er ist zwar jünger als sie, aber dafür stärker.
Er lacht sie immer aus, wegen ihren roten Haaren,
ihren dünnen Beinen und ihrer etwas zu dicken Nase.
Aber jetzt verspricht er sogar,
sie mit seinem Computer spielen zu lassen.
Er selbst will aber in Zukunft lieber die Finger davonlassen.
Versprochen. Geschworen.
Es wird dunkel im Computer und im Labyrinth.
Michael hat Angst.
Er will der Geschichte ein Ende machen
und den Ausgang suchen.
Gut, denkt er sich.
Jetzt versuch mal logisch zu denken.
Also, überleg doch mal,
was der kleine Prinz macht,
wenn er im Labyrinth eingesperrt ist.
Geht er nach links oder rechts?
Ich weiß nicht mehr.
Schon wieder laufen ihm Tränen über die Wangen.
Er ist verzweifelt.
Lass dich nicht entmutigen.
Mein Deutschlehrer hat mir einmal von einem gewissen Theseus erzählt,
dem es gelungen ist, mit Hilfe eines Fadens
aus einem ähnlichen Ort auszubrechen.
Ich habe aber keinen Faden.
Der kleine Däumling hingegen
hat in seiner Geschichte Kieselsteine fallen lassen.
Aber was habe ich in meiner Hosentasche?
Nichts. Ich habe gar nichts.
Meine Taschen sind leer.
Ich habe eine Idee.
Ich könnte meinen Pulli auftrennen
und die Wolle zu einem Knäuel aufwickeln.
Na gut, ich versuche es mal.
Wenig später gibt Michael den Versuch auf.
Sein Pulli scheint unzerstörbar zu sein.
Trotzdem kann ich hier nicht bleiben.
Ich werde sonst verhungern und verdursten.
Auf einmal kommt ihm die Idee,
seine Kleider als Orientierungspunkte zu benutzen.
Er zieht seinen linken Turnschuh aus
und platziert ihn gut sichtbar in einer Ecke.
So, jetzt weiß ich, dass ich schon mal hier war.
Er läuft den langen Flur entlang
und hinterlässt bei jedem Kreuzweg
erst den rechten Turnschuh,
dann eine Socke, dann die andere,
seinen Pulli, sein Hemd, seinen Gürtel.
Seit zwei Stunden läuft er nun schon herum.
Ständig schaut er auf die Uhr.
Jetzt ist es Zeit, zu Bett zu gehen.
Was wird der kleine Prinz wohl machen?
Er hat ihm alles weggenommen,
sein Zuhause, seine Familie,
sein Zimmer, seinen Namen, alles.
Aber er verliert nicht den Mut.
Er läuft weiter.
Irgendwo wird er schon ankommen.
Endlich, ruft er erleichtert aus.
Dort ist ja der Ausgang.
Er passt gut auf,
denn er weiß, dass Gefahren auf ihn lauern.
Er kennt ja das Spiel.
Schön, der Weg ist frei.
Ich kann durch.
Plötzlich lässt ihn ein Geräusch zusammenfahren.
Ein riesiger Hund kommt ihm entgegen.
Er sieht bedrohlich aus
und bellt laut und furchterregend.
Zitternd nähert sich Michael dem Hund.
Seine Hauer blitzen im Dunkeln.
Ein echter Wolf.
Wow, wow, macht der Hund.
Bitte, lass mich durch.
Ich gehöre nicht zum Spiel.
Ich bin nur zufällig hier.
Bitte, beiß mich nicht.
Wow, wow.
Warum störst du mich?
fragt der Hund böse.
Entschuldige, entschuldige.
Du kannst ruhig weiterschlafen,
wenn du möchtest.
Ich werde ganz leise sein.
Ich verspreche es dir.
Der Hund scheint nur halb überzeugt zu sein.
Er neigt den Kopf nach rechts
und dann nach links.
Dann...
Na gut, dieses Mal verschone ich dich noch.
Aber störe mich nie wieder.
Sonst...
Okay.
Aber wo ist der Ausgang?
fragt Michael.
Der Ausgang?
Was für einen Ausgang?
Es gibt doch gar keinen.
Der kleine Prinz in der Schule.
Um sieben Uhr morgens
steht der kleine Prinz auf
und bereitet für die ganze Familie
das Frühstück vor.
Zuerst füllt er Kaffee und Wasser
in die Kaffeemaschine
und schaltet sie ein.
Dann deckt er den Frühstückstisch.
Er stellt die Teller,
die Tassen,
das Besteck,
den Zucker,
die Marmelade,
die Butter und das Brot
auf den Tisch
und denkt sogar an das Frühstücksei
für Frau Meier.
Das Frühstück ist fertig,
ruft er.
Julia kommt zuerst
und wundert sich.
Was ist denn los?
Ist etwas passiert?
Sie gähnt.
Ich bin so müde,
sagt sie.
Hier hast du einen warmen Kaffee,
sagt der kleine Prinz.
Du weißt doch,
dass ich am Morgen immer Kakao trinke.
Was ist los mit dir?
Bist du vielleicht aus dem Bett gefallen?
Guten Morgen, Michael.
Du bist aber nett heute Morgen,
sagt Frau Meier.
Sie holt die Milch aus dem Kühlschrank.
Möchtest du ein bisschen Kakao
in deine Milch?
Ja, Mama.
Bitte.
Wie viele Löffel?
Gib mir bitte zwei,
sagt Julia.
Endlich ist der kleine Prinz fertig
für seinen ersten Schultag.
Er hat oft Michael von seinen Lehrern,
von seinen Mitschülern und Mitschülerinnen
sprechen hören.
Er ist ein wenig unsicher.
Nachdem er seinen Schulranzen gepackt hat,
umarmt er Frau Meier.
Michael,
treib dich nicht mit deinen Freunden
auf der Straße herum
und komm nach der Schule gleich nach Hause.
Hier ist dein Pausenbrot,
vergiss es nicht.
Nun beeil dich,
sonst verpasst du deinen Bus.
Tschüss.
An der Bushaltestelle
sprechen ihn drei Mädchen an.
Schnell, Michael,
der Bus kommt.
Der kleine Prinz rennt
und erreicht den Bus
gerade als die Türen schließen.
Da hast du aber noch mal Glück gehabt,
sagt die Älteste.
Du hast ihn um ein Haar noch erwischt.
Wisst ihr,
dass Herr Bacher heute Michael befragen will?
Er kriegt bestimmt wieder eine Fünf.
Sie fängt an zu lachen.
Wenn du willst, Michael,
sagen wir dir vor.
Aber dafür
musst du am Samstag
mit uns ins Kino gehen.
Okay?
sagt die Dritte.
In Ordnung,
antwortet der kleine Prinz.
Der Bus hält.
Die vier Kinder steigen aus,
gehen durch das Schultor
und überqueren den großen Hof.
Sie betreten das Schulgebäude
und laufen die Treppen
bis zur zweiten Etage hinauf.
Dort, in Raum 205,
findet der Matheunterricht statt.
Einige andere Kinder
warten schon vor der Tür
und wollen noch nicht
so richtig rein.
Es klingelt.
Als der Mathelehrer
in die Klasse kommt,
stehen alle Schüler auf.
Alles ist still.
Gut, setzt euch, Kinder.
Ich werde jetzt die Namen aufrufen.
Mal sehen, wer heute fehlt.
Nanu?
Michael?
Du bist ja doch da.
Das ist ganz schön mutig von dir,
heute zu kommen,
sagt er ironisch.
Na gut,
dann komm mal an die Tafel.
Also,
was kannst du mir
über den Lehrsatz
des Pythagoras erzählen?
Der kleine Prinz
fängt an zu reden.
Herr Bacher sagt überrascht,
ich stelle mit Befriedigung fest,
dass du deine Lektion gelernt hast.
Schön.
Beweise mir diese Regel.
Der kleine Prinz
nimmt ein Stück Kreide
und macht die ganze Beweisführung
an der Tafel.
Der Mathelehrer
schaut ihn an.
Sehr gut, Michael.
Setz dich wieder auf deinen Platz.
Als er sich hingesetzt hat,
fragt ihn sein Schulfreund.
Was ist denn mit dir los, Michael?
Fühlst du dich nicht wohl?
Klar fühle ich mich wohl.
Wieso denn?
Ich weiß nicht.
Du bist so anders als sonst.
Sag mal, Michael,
fragt das Mädchen
mit den langen braunen Haaren,
die er im Bus getroffen hat.
Hilfst du mir bei der Mathearbeit
und kommst du am Samstag mit ins Kino?
Okay.
Schön.
Dann treffen wir uns,
wo wir uns immer treffen.
Und wo ist das?
fragt der kleine Prinz.
Na, hör mal.
Wie kannst du das vergessen?
Natürlich gegenüber der Cafeteria.
Ich fange langsam an zu glauben,
du bist gar nicht Michael,
sagt das Mädchen
mit den langen braunen Haaren
und lacht.
Michael im Minensperrgebiet.
Was?
Es gibt keinen Ausgang?
fragt Michael entsetzt den Hund.
Genau.
Hier kommt man nicht raus.
Man wartet darauf,
dass jemand den Computer anmacht
und man gehorcht.
Das ist alles.
Und was ist dort drüben?
fragt Michael und zeigt auf ein Brachland.
Dort?
Keine Ahnung.
Ich bin noch nie dort gewesen.
Ich muss hier bleiben,
in diesem Sektor.
Vielleicht findest du dort den Ausgang.
Wer weiß.
Michael bedankt sich bei dem Hund
und geht weiter.
Ihm ist ein wenig kalt
in seinem T-Shirt.
Er erreicht das Feld.
Die Steine verletzten seine nackten Füße,
aber er geht weiter.
Das Land ist dunkel
und auf dem Feld gibt es nichts.
Kein Gras, keinen Baum, keine Blume.
Gar nichts.
Es weht ein starker Wind.
Michael wird es immer kälter.
Der Sand fliegt in seine Augen,
in den Mund.
Niemand ist zu sehen.
Es ist eine Wüstenlandschaft.
Dort gibt es keine Sonne
und keine Sterne.
Der Himmel ist grau
und die Temperatur eisig.
Es sieht aus wie auf dem Mond.
Um weiterzukommen,
muss Michael gegen den starken Wind ankämpfen.
Plötzlich kommt von links ein Flugzeug.
Ein feindliches Flugzeug.
Er schmeißt sich auf den Boden,
um nicht getroffen zu werden.
Puh, es hat mich nicht erwischt.
Er will über eine Brücke,
muss sich aber beeilen,
weil die Brücke vermint ist.
Er hat nur 30 Sekunden Zeit.
Eins.
Er rennt.
Zwei.
Drei.
Vier.
Fünf.
Er rennt schneller.
Sechs.
Sieben.
Acht.
Neun.
Er ist erschöpft.
Zehn.
Zwanzig.
Ihm bleibt nicht mehr viel Zeit übrig.
Neunundzwanzig.
Schnell!
Jetzt explodiert alles.
Hurra!
Ich habe es geschafft!
Geschafft!
Michael ist wohlbehalten über die Brücke gekommen.
Jetzt muss er mit einem U-Boot den Ozean überqueren.
Er beeilt sich, denn sein U-Boot fährt bald aus.
Auch diesmal hat er Glück.
Er ist an Bord.
Schön, denkt er.
Jetzt kann ich mich ausholen.
Alle Mann auf Gefechtstation!
Oh nein, ruft Michael aus.
Ich bin so fertig.
Feind in Sicht.
Raketen zum Abschuss frei.
Eine Explosion erschüttert den Maschinenraum.
Mannschaft in Kampfbereitschaft.
Hebel ziehen.
Roten Knopf drehen.
Grüne Taste drücken.
Feuer!
Auftrag ausgeführt.
U-Boot verlassen.
Michael steigt schnell aus.
Ein Geländewagen erwartet ihn.
Ein Schild befiehlt ihm, einzusteigen.
Er gehorcht.
Der Geländewagen fährt ab.
Er fährt sehr schnell.
Hilfe, ich kann doch gar nicht fahren,
schreit Michael.
Hält aber trotzdem das Steuerrad fest.
Plötzlich fällt ein Baum auf die Straße.
Er weiß nicht, wie er den Wagen stoppen kann.
Er sieht rechts einen Hebel.
Den zieht er.
Hurra, das ist die Bremse,
ruft Michael aus.
Aber der Geländewagen rammt dem Baum.
Überschlägt sich einmal, zweimal.
Zum Glück ist er angeschnallt.
Er macht die Augen auf und steigt aus dem Wagen.
Ein Reifen ist kaputt.
Aber ein Reservereifen ist nicht dabei.
Es bleibt ihm nichts anderes übrig.
Er muss zu Fuß weiter.
Diesmal muss er durch den Dschungel.
Die Bäume versperren ihm den Weg.
Die Schreie der Tiere sind grässlich.
Hört er hinter sich.
Das ist ein Löwe, denkt sich Michael.
Dann überlegt er.
Im Dschungel gibt es doch gar keine Löwen.
Diese Spieler sind total idiotisch.
Einige Affen versperren ihm den Weg.
Ein riesiger Gorilla, der wie King Kong aussieht, steht vor ihm.
Na Kleiner, hast du dich im Dschungel verlaufen?
Fragt er ihn mit einem seltsamen Grinsen.
Ich will nach Hause, sagt Michael.
Wo ist denn dein Freund, der kleine Prinz?
Fragt ihn King Kong.
Er nimmt meinen Platz in meiner Familie ein.
Herr Gorilla, können Sie mir nicht helfen?
Was gibst du mir dafür?
Antwortet der Affe.
Ich werde mein Computerspiel manipulieren und sie noch kräftiger machen.
Ich werde es mir überlegen.
Nach einigen Minuten antwortet der Affe.
Gut, ich werde dir helfen.
Aber ich will etwas anderes von dir haben.
Und zwar den kleinen Prinzen.
Okay? Bist du einverstanden?
Aber wie werden Sie mir helfen?
Der kleine Prinz geht aus.
Es ist drei Uhr nachmittags.
Der kleine Prinz schaut in Michaels Schrank.
Die Jeanshose ist perfekt.
Ich werde sie zu diesem Hemd und mit dieser Krawatte anziehen.
Au ja!
Er geht ins Badezimmer, er duscht und wäscht sich die Haare.
Er freut sich auf den Nachmittag.
Er wird mit Susanne, dem Mädchen mit den langen braunen Haaren,
die er am ersten Tag getroffen hat,
und mit Heike ins Kino gehen.
Sie haben vor, einen lustigen Film zu sehen.
König der Löwen.
Anschließend wollen sie ein Eis und vielleicht eine Pizza essen gehen.
Er ist fertig.
Zieh mal an, sagt Frau Meyer.
Du bist aber hübsch angezogen.
Was ist nur los mit dir?
Sonst willst du dir nie eine Krawatte umbinden.
Gehst du etwa mit einem Mädchen aus?
Nein, mit zwei Mädchen.
Komm nicht zu spät nach Hause.
Um acht musst du wieder da sein.
Natürlich, Mutti. Bis heute Abend. Tschüss.
Auf der Straße schaut der kleine Prinz vergnügt in all die Schaufenster der Geschäfte.
Der Bäcker hat eine schöne rosa Torte in sein Schaufenster gestellt.
Der Metzger hat seines mit Würsten und Schinken geschmückt.
Der Feinkosthändler ist darüber verärgert,
weil man einen Supermarkt ganz in seiner Nähe aufgemacht hat
und er dadurch viele Kunden verloren hat.
Der Fischhändler singt immer noch alte Schlager
und der kleine Prinz betrachtet neugierig die modischen Jeans und Pullis im Schaufenster der Boutiquen.
Wie schön ist es doch, in Michaels Haut zu stecken.
Keine Maus, die unerwünscht klickt.
Kein Wachtmeister. Kein Schwert.
Einfach paradiesisch.
Am Ort der Verabredung sieht er Susanne und Heike.
Hallo Michael.
Der kleine Prinz winkt und geht über die Straße zu ihnen.
Mach schnell, sonst verpassen wir den Filmanfang, sagt Susanne.
Am Kinoeingang stehen sie am Schalter Schlange.
Der Eintritt ist schon wieder teurer geworden.
Die Kinokarte kostet jetzt 8 Mark, sagt Heike.
Tja, was soll man machen? Alles wird teurer, antwortet der Mann an der Kasse.
Drei Eintrittskarten für König der Löwen bitte.
Das macht 24 Mark.
Gehen Sie dann links in den grünen Saal.
Der Film beginnt in zwei Minuten.
Vielen Dank, sagt Heike.
Du, Michael, kaufst du mir ein paar Bonbons?
fragt Susanne.
Okay. Wo kann man welche kaufen?
Dort, dir gegenüber. Wir gehen schon mal hinein und halten einen Platz für dich frei.
antwortet Heike.
Der kleine Prinz geht los.
Findest du nicht auch, dass er komisch ist in letzter Zeit?
fragt Susanne.
Doch, du hast recht.
Er benimmt sich seltsam.
Er ist zum Streber geworden.
Sieht sich wie ein Spießer an und sagt nie nein.
Ist er vielleicht in dich verliebt?
Das glaube ich nicht, aber er ist zum Langweiler geworden.
Er macht keine Späße mehr.
Ich mochte ihn früher lieber.
Nächstes Mal gehen wir mit Christoph ins Kino.
Der ist viel lustiger.
Ja, in Michael kann ich auch nicht mehr ausstehen.
Der sagt inzwischen immer okay, einverstanden, okay, einverstanden.
Pst, sei still. Er kommt gerade.
Dann sagt Heike ziemlich unfreundlich zum kleinen Prinzen.
Na, hast du endlich die Bonbons?
Ja, hier sind sie. Sie sind für dich, Susanne.
Ah, der Film beginnt.
Haltet jetzt bitte den Mund.
Meine Güte, der kann einem aber auf die Nerven gehen.
Stöhnt Susanne.
Also mir reicht's, sagt Heike.
Mir ist der Spaß vergangen.
Ich gehe doch nicht nur ins Kino, um mir den Film anzuschauen,
sondern auch, um mich zu amüsieren.
Was meinst du, Susanne? Sollen wir gehen?
In Ordnung, gehen wir.
Aber was macht ihr denn? Wohin geht ihr?
Seid endlich still, zischen die anderen Zuschauer.
Es sind doch immer dieselben Pflege, die samstags im Kino stören.
Das ist doch kein Zirkus hier.
Seid ruhig, oder wir schmeißen euch raus.
Alles ist nur ein Spiel.
Wie ich dir helfen kann, wiederholt der Gorilla.
Es ist ganz einfach.
Du musst nur die Augen fest schließen und alles wird wieder wie vorher sein.
Wollen wir es versuchen?
Einverstanden. Ich bin bereit.
Michael befolgt die Anweisungen des Affen und drückt die Augen fest zu.
Aber nichts passiert.
Ich bin ja immer noch hier, ruft Michael enttäuscht aus.
Es hat nicht geklappt.
Probier es noch einmal und konzentriere dich.
Dann schaffst du es bestimmt.
Michael versucht es ein zweites Mal, aber wieder ohne Erfolg.
Pech gehabt, sagt der Affe.
Vielleicht klappt es beim nächsten Mal.
Aber ich will sofort weg.
Ich bin hungrig, durstig, mir ist kalt.
Hör zu. Siehst du den Weg dort links?
Nimm ihn und geh geradeaus.
Dann wirst du ein windschiefes Haus sehen.
Gehe hinein. Dort wird dir jemand helfen.
Michael befolgt die Anweisungen des Affen.
Endlich ist er da. Er klopft an die Tür.
Wer ist da?
fragt eine fürchterliche Stimme.
Hier ist Michael.
Was willst du, Michael?
Ich habe mich verlaufen und will nach Hause.
Ein furchterregender Riese erscheint auf der Schwelle.
Ach du bist es. Der Junge aus dem Land jenseits des Computers.
Was suchst du hier?
fragt der Riese.
Keine Ahnung. Der kleine Prinz hat meinen Platz eingenommen.
Ich war plötzlich hier und jetzt komme ich nicht mehr heraus.
antwortet Michael völlig verzweifelt und fängt an zu weinen.
Ich habe verstanden.
Du bist in einer schwierigen Lage.
Wenn der kleine Prinz den Computer anmacht und spielen will,
musst du an seiner Stelle kämpfen.
Ich bitte Sie, Herr Riese, befreien Sie mich.
Gut. Komm herein. Mal sehen, was wir tun können.
Michael folgt dem Riesen.
In dem Haus gibt es Bücher jeder Art,
hohe Regale und einen großen Schreibtisch,
auf dem eine Sanduhr steht.
Nun gut, sagt der Riese.
Setz dich hierhin und hör gut zu.
Du musst mir jetzt diese Formel nachsprechen.
Dann dreht er die Sanduhr um.
Man muss alles innerhalb von fünf Minuten schaffen,
in der Zeit, in der der Sand durchläuft.
Michael tut, was der Riese ihm befiehlt.
So ist es gut.
Aber jetzt musst du es so schnell wie möglich machen,
und zwar auf einem Fuß stehend, mit hochgehobenem Kopf.
Michael tut es.
Wiederholt er, auf einem Fuß stehend.
Jetzt musst du dabei springen.
Michael springt und murmelt den Zauberspruch.
Und jetzt schneller springen, schneller, noch schneller.
Michael springt.
Er ist ganz außer Atem, immer schneller.
Dann auf einmal fällt er.
Er fällt in einen bodenlosen Tunnel
und verschwindet darin mit rasender Geschwindigkeit.
Plötzlich hört er jemanden laut rufen.
Michael, Michael, wach auf!
Michael macht die Augen auf, schaut sich um.
Es hat funktioniert.
Er ist in seinem Zimmer, an seinem Schreibtisch.
Frau Meier schüttelt ihn kräftig.
Man kann dir einfach nicht vertrauen.
Du bist eingeschlafen.
Anstatt Mathe zu lernen, schläfst du,
schreit seine Mutter verärgert.
Michael lächelt sie an.
Er freut sich so sehr, wieder zu Hause zu sein.
Ach, du bist es, Mutti.
Ich bin so glücklich, dich wiederzusehen.
Jetzt nimmst du mich auch noch auf den Arm.
Das werde ich deinem Vater erzählen.
Er wird dich dafür bestrafen.
Hast du deine Matheübung gemacht?
fragt seine Mutter sauer.
Äh, na ja.
Du weißt doch, dass Herr Bacher dich morgen abfragen will.
Weißt du, Mutti, ich fühle mich nicht wohl.
Michael lächelt weiter und ist glücklich.
Das schreckliche Abenteuer war nur ein Traum.
Sag mal, was machst du eigentlich ohne Schuhe und mit T-Shirt?
War es dir zu warm?
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