190 Jahre Deutsches Archäologisches Institut - Festrede der Präsidentin

Deutsches Archäologisches Institut
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Am 17. Mai 2019 feierte das Deutsche Archäologische Institut sein 190-jähriges Bestehen mit einem Wissenschaftsfest in Berlin. Bei einem ganztägigen Forschungskolloquium präsentierten sich die weltweiten Standorte mit Kurzvorträgen. Die begleitende Forschungsmesse bot Einblicke in aktuellste Forschungen, neueste Technologien und zeigte Highlights wie die älteste Hose der Welt aus China, mit VR-Brillen begehbare Maya-Pyramiden oder Nachbauten antiker Musikinstrumente zum selbst Ausprobieren.
In ihrer Festrede fasste die Präsidentin des DAI, Prof. Dr. Dr. h.c. Friederike Fless den Tag und die Geschichte des Instituts zusammen.
Sehr geehrte Frau Staatssekretärin, liebe Frau Lehndert zur Exzellenzen,
geschätzte Mitglieder des Deutschen Bundestages,
verehrte Mitglieder der Zentraldirektion und natürlich auch meiner Vertreterin in der Zentraldirektion,
noch ist die Satzung gültig, liebe Franziska.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, meine sehr geehrten Damen und Herren,
in gewisser Weise werde ich nun eine Zusammenfassung des Tages bieten
und die elf Geschichten aus den Abteilungen und Kommissionen in einer zusammenfassen.
Am 21. April 1829, dies wurde heute häufig gesagt,
wurde auf dem Kapitol in Rom der Grundstein für das Deutsche Archäologische Institut gelegt.
Der Wunsch, mehr über die Antike zu erfahren,
führte damals eine Gruppe europäischer Gelehrter, Diplomaten und Künstler
in ihrer Begeisterung für die Antike zusammen.
Sie gründeten das Instituto di Corrispondenza Archäologica,
das die Idee, sich über die Antike auszutauschen und darüber zu korrespondieren,
bereits in seinem Namen trug.
Die Liste der Mitglieder der ersten Zentraldirektion
legt Zeugnis der internationalen Zusammensetzung ab.
Noch heute zeugt die Wahl korrespondierender Mitglieder des Deutschen Archäologischen Instituts
von der Tradition des Instituto di Corrispondenza.
Jedes Jahr werden Mitglieder aus der weltweiten altertungswissenschaftlichen Community gewählt,
die dem DRI in unterschiedlicher Weise als Kooperationspartner
herausragender Altertungswissenschaftler und Freunde verbunden sind.
Als das DRI Madrid im März an seine Gründung vor 75 Jahren erinnerte,
hat Dirce Mazzoli diese Besonderheit dadurch zum Ausdruck gebracht,
dass sie die aktuelle Liste der Mitglieder aufstellen ließ.
Die Korrespondenz sah im Instituto di Corrispondenza mit Brief und Siegel
natürlich noch ganz anders aus als in unserem digitalen Zeitalter.
Ihre Erforschung mit digitalen Werkzeugen zeugt aber gleichermaßen von auch heute noch aktuellen Themen,
einer Vernetzung mit den Geldgebern und zugleich von Internationalität.
Als 190-jähriges Forschungsinstitut hat das Deutsche Archäologische Institut natürlich viel erlebt
und war und ist Teil der wechselvollen Geschichte Deutschlands, Europas, aber auch der Welt.
Erlauben Sie mir daher, dass ich Sie ein wenig in unsere Geschichte entführe,
die wir anlässlich des Jubiläums als eine Geschichte der Liegenschaften in einem Bildband gefasst haben.
Der Gründungsakt für das DRI erfolgte auf dem Capitol im Palazzo Caffarelli.
Dort hatte der damalige preußische Botschaftssekretär Karl Josias von Bunsen Räume angemietet.
Die Nukleus des preußischen Ausbaus dieses Teils des Capitols wurden aber auch Gründungsort des DRI.
Die Nähe zu Preußen suchten die Gründer des Instituts auch,
indem sie sich um die Schirmherrschaft des preußischen Kronprinzen des späteren Friedrich Wilhelm IV. bemühten.
Eduard Gerhardt als treibende Kraft der Gründung und des Ausbaus des Instituts gelang es 1829,
den Kronprinzen auf einer Reise nach Neapel auf dem Markt von Pozzuoli davon zu überzeugen,
die Schirmherrschaft zu übernehmen oder, wie es der Kronprinz sagte, die Schirmherrschaft abzuquetschen.
Auch dies ein eventuell noch heute bekanntes Phänomen.
Schon bald nach der Gründung wurde 1835 direkt beim Palazzo Caffarelli das erste Institutsgebäude, die Casa Tapea, errichtet.
Dessen Fassade ist bis heute auf dem Capitol bewahrt.
Die übrigen Teile hingegen werden in der Zeit, wie wir heute Morgen gesehen haben, vom DRI wieder ausgegraben.
Deutlich tritt dabei hervor, wie klein das erste Institut war und wie schnell der Platz dort nicht mehr ausweichte.
Zunächst verlagerte sich jedoch mit dem Weggang Eduard Gerhardts im Jahr 1832 die Zentraldirektion nach Berlin.
Hier hatte das Institut jedoch über Jahrzehnte hinweg keinen festen Ort, kein Institutsgebäude.
Man tagte wohl in Gerhards Wohnung unter den Linden oder in seinem Büro im Alten Museum.
Auch wenn das Institut für Archäologische Korrespondenz in Berlin und Rom die Unterstützung des Preußischen Königs behielt,
gab es doch schon keine 25 Jahre nach der Gründung ernsthafte Geldprobleme,
da die Mittel nicht unwesentlich aus dem Verkauf der Publikation des Institutes kamen.
Gerhardt arbeitete daher an einem Antrag für die Umwandlung des Instituts zu einer Staatsanstalt.
In der Antragsbegründung von 1857 klagte er wortreich über den Rückgang der Subskribenten und die pekunieren Verlegenheiten des Institutes.
Es dauerte jedoch noch fast 20 Jahre, bis Gerhardts Vision Realität wurde.
Die eigentliche Wende in der Geschichte der Institutionalisierung des Instituts ist in jener Inschrift dokumentiert,
die den Eingangsbereich des 1877 auf dem Kapitol in Rom neu errichteten römischen Instituts auch heute noch ziert,
auch wenn sich dort heute eine Behörde der Stadt Rom befindet.
Denn der preußische Besitz auf dem Kapitol wurde mit dem Ende des Ersten Weltkrieges enteignet.
1874 wurde, so die Inschrift, das Institut für Archäologische Korrespondenz auf Beschluss des Reichstags
und durch kaiserliche Genehmigung des Statuts zum kaiserlich-deutschen Archäologischen Institut wurde dann dem Auswärtigen Amt zugeordnet.
1874 war aber zugleich Anlass der nächsten Gründung, diesmal in Athen.
Das Gebäude, das Heinrich Schliemann 1887 innerhalb eines Jahres, eine heute wirklich unvorstellbare Bauzeit,
für die Abteilung in Athen errichten ließ, wird mit Umbauten bis heute vom DRI genutzt.
Solche besonderen Ereignisse wie im Jahr 1874 waren in der Geschichte des heutigen Instituts des DRI
auch in der Folgezeit Anlass zur Gründung von Zweigstellen.
Die nächste große Gründungswelle erfolgte nämlich zur 100-Jahr-Feier 1929.
Als Außenminister hob damals Gustav Stresemann in seiner Rede vor der Festgemeinde im Reichstag hervor,
dass das DRI-Sammelpunkt altertugswissenschaftlicher Tätigkeit fern von Politik und wirtschaftlichem Interesse sei.
Dass die 100-Jahr-Feier dann doch nicht ganz so politikfrei ablief, belegen die Korrespondenzen im Vorfeld der Feier.
Die Jubiläumsveranstaltung sollte nämlich in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg gezielt ein Zeichen der Völkerverständigung setzen.
Dass dies gelang, zeigt die Liste der Teilnehmer.
Diese zeigt aber auch, dass die internationalen archäologischen und altertugswissenschaftlichen Netzwerke
auch tiefgreifende Krisen überstehen können.
Heute nennt man dies wohl Resilienz, eine Fähigkeit, die unsere Arbeit immer noch ausmacht.
1929 war aber vor allem auch durch einen Paradigmenwechsel der Struktur des DRI geprägt.
Leitete noch 1874 laut Statut die Zentraldirektion das Archäologische Institut,
war dies 1914 der Generalsekretar und dann zur 100-Jahr-Feier ein Präsident.
Die im Wiegandhaus aufgehängte Porträtgalerie der ehemaligen Präsidenten des DRI
beginnt nach einigen Sekretaren in der zweiten Reihe links mit Gerhard Rodenwald.
Nach der nächsten Wahl, so befürchte ich, brauchen wir dann aber wohl ein neues Passepartout.
Im Jahr 1929 kam dann auch die Abteilung Cairo zum Archäologischen Institut.
Ihre Geschichte fing jedoch früher an mit der Forschungsstelle im Deutschen Haus in Theben-West.
Das Deutsche Haus wird bis heute als Grabungshaus unter diesem Abendnamen genutzt.
Die Geschichte der Abteilung Istanbul begann ebenfalls 1929.
Erster Ort des Instituts war ein ungenutztes Seitengebäude des Deutschen Krankenhauses nahe des Taksimplatzes,
lange bevor die Abteilung Istanbul um die Ecke in das Deutsche Generalkonsulat zog.
In Folge der 100-Jahr-Feier bekam auch die Zentrale in Berlin erstmals einen größeren physischen Ort
in Form repräsentativer Räume in der Wilhelmsstraße 92-93.
Die Zentrale in Berlin hatte aber zunächst wirklich wenig Glück mit ihren Immobilien.
Das Gebäude musste genauso wie die nächste Unterkunft, Albrecht Speers Neugestaltung der Reichshauptstadt, weichen.
Der Umzug in die Mainstraße im April 1938 endete dann auch recht schnell
mit der teilweise Zerstörung und Beschädigung während eines Bombenangriffs.
Erst 1957 konnte die Zentrale dann in das ehemalige Wohnhaus des Archäologen Wigand in Dahlem einziehen.
Ein Denkmal, das wir bis heute als Institut nutzen.
Die Suche nach Fotografien der Liegenschaften für unseren Bildband
brachte dann für manchen Ort auch neue Einsichten zu Tage.
Die Abteilung Madrid war nach ihrer Gründung 1943 bis Kriegsende
im Deutschen Wissenschaftlichen Institut in Madrid untergebracht.
Das DWI in Madrid war aber damals nur eines von vielen,
die in der Zeit des Zweiten Weltkrieges eingerichtet wurden oder geplant waren.
Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte in den 50er Jahren eine Gründungs- und Wiedergründungswelle
von Instituten auch in dem Bestreben, Deutschland wieder in Kontakt mit der Welt zu bringen.
An vielen Orten traten neue Liegenschaften an die Stelle der Enteigneten.
Es wurden aber auch viele Immobilien und Bibliotheken restituiert,
was wesentlich auch mit der Wertschätzung der Arbeit des DWI zusammenhängt.
Nicht selten haben sich nämlich die Kolleginnen und Kollegen in unseren Gastländern
energisch für das DWI eingesetzt und die Wiedereröffnung erreicht.
In den 50er und 60er Jahren wurden dann aber auch neue Abteilungen wie im Irak und später im Iran gegründet.
Die Geschichte dieser beiden Abteilungen ist wiederum mit der Geschichte oder durch die Geschichte beider Länder
besonders durch den langen Krieg der 80er Jahre geprägt.
Die Abteilungen mussten teilweise evakuiert werden, wurden aber nie ganz geschlossen,
ebenso wenig wie unsere Abteilung oder Außenstellen in Damaskus und Sanaa.
1996 wurde dann die Orientabteilung in Berlin gegründet.
Die Abteilung in Bagdad trat dann als Teil der Orientabteilung den Außenstellen in Damaskus und Sanaa,
hier links im Bild an die Seite.
Die Abteilung im Iran hingegen wurde der 1994 neu gegründeten Eurasienabteilung als Außenstelle zugeordnet.
Ausgangspunkt der Gründung der Eurasienabteilung war der Fall der Mauer und des Eisernen Vorhangs,
aber auch die Verbindung von Teilen des Zentralinstituts für alte Geschichte und Archäologie,
der Akademie der Wissenschaften der DDR mit dem DRI.
An das DRI kamen damals nicht nur viele neue Kolleginnen und Kollegen mit herausragender wissenschaftlicher Expertise,
sondern auch ein naturwissenschaftliches Referat.
Auch wenn Sie mit Blick auf das Bundesratsgebäude an meiner Bildauswahl zweifeln mögen, tun Sie es nicht.
Es war nämlich wirklich anfangs der Sitz der Eurasienabteilung.
Neben den Abteilungen wurde am Archäologischen Institut Anfang des 20. Jahrhunderts eine besondere Kommission gegründet.
Die römisch-germanische Kommission nahm 1902 ihre Arbeit auf.
Dabei handelte es sich jedoch nicht so gleich um ein Forschungsinstitut, sondern erst einmal um ein Gremium.
Erst sukzessive wurde die RGK in Frankfurt zu einem Forschungsinstitut mit bedeutender Forschungsinfrastruktur und bedeutenden Forschungsprojekten.
In der ersten Satzung war die RGK, wie es dort steht, das Gremium mit einem spezifischen, auch kommunikativen Auftrag in die deutsche Archäologie hinein,
die seine Arbeit auch heute noch prägt.
Dem späteren institutionellen Muster der RGK folgend, kamen dann 1967 die Kommissionen für alte Geschichte und Epigraphik in München
und 1979 die Kommission für allgemeine und vergleichende Archäologie CAVA in Bonn zum DRI hinzu.
Die Gründung der CAVA, der heutigen Kommission für Archäologie außereuropäischer Kulturen in Bonn,
traf zunächst in der auf die alte Welt fokussierten Zentraldirektion auf vehementen Widerstand.
Der damalige Präsident Werner Krämer sah beim Thema der Archäologie außerhalb der alten Welt vor allem die Ethnologie in der Pflicht
und wollte die Aufgabe an ein ethnologisches Institut abgeben.
Dennoch fasste man 1978 nach langem Ringen in der ZD einen Beschluss und der Bundestag genehmigte,
wenn auch mit deutlichen Kürzungen, die Gründung der Kommission in Bonn.
Dem Fremden der Community mit dem neuen Institut begegnete Krämers Nachfolger im Amt Edmund Buchner
mit einer Serie von Vorträgen zum Thema Wozu Weltarchäologie.
2015 empfahl der vom Auswärtigen Amt mit der Evaluation des DRI beauftragte Wissenschaftsrat,
dass das DRI seinen damals begonnenen Weg in Richtung Globalarchäologie weiter beschreiten solle.
Und so ist es heute selbstverständlich, dass unterschiedliche Zweigstellen des DRI im Trans-Area-Network Afrika zusammenarbeiten
und Jörg Lindstedter an der CAAG das DFG-Schwerpunktprogramm Entangled Africa koordiniert.
Während ein weltweiter Blick für das DRI heute kein echter Anlass mehr für kontroverse Diskussionen zu sein scheint,
haben die Empfehlungen des Wissenschaftsrates jedoch in ganz anderer Richtung
für ziemliche Unruhe und Aufregung in der wissenschaftlichen Community und im DRI mit seinen Gremien gesorgt.
Es ging um die Aufforderungen des Wissenschaftsrates, die Gremienstruktur des DRI zu ändern,
unter anderem indem Beratung und Entscheidungen durch die Gremien voneinander getrennt werden.
Das Archäologische Institut hat seit seiner Gründung über viele politische Umbrüche hinweg seine Rechtsform mehrfach geändert.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs fand sich das DRI in der Gesellschaft jener Gruppe alter Forschungseinrichtungen im Westen wieder,
für die nach der Gründung der Bundesrepublik eine Rechtsform zu finden war.
Es wurde damals für das DRI nach sehr lange um ein neues Statut gerungen.
Viele deutsche Forschungseinrichtungen wurden dann in der Nachkriegszeit zu dem,
was wir heute eine Ressortforschungseinrichtung nennen.
Das DRI hingegen wurde mit einem Nachkriegszwischenstopp beim Innenministerium zu einer Bundesanstalt im Geschäftsbereich des Auswärtigen Amts.
Um 2000 herum war die Wissenschaftspolitik dann geprägt von der Idee,
dass die Rechtsstruktur einer Ressortforschungseinrichtung oder einer Bundesanstalt nicht geeignet sei für ein Forschungsinstitut wie das DRI.
Es wurde 2002 im Bundestag die Idee eines Ressortwechsels an das BMBF und die Integration in die Max-Weber-Stiftung
und damit ein erneuter Wechsel der Rechtsform diskutiert.
In diesem Diskussionszusammenhang hat das DRI ein Gutachten zu seinem Rechtsstatus in Auftrag gegeben
und zur Grundlage der Satzungsänderung von 2005 gemacht.
Betrachtet man jedoch zusammenfassend das Ringen um Strukturen und Rechtsformen seit der Gründung 1829,
dann wird deutlich, dass die Rechtsform eigentlich nicht die zentrale Frage sein sollte,
sondern die Frage, was die Stabilität, Stärke und Exzellenz des DRI eigentlich ausmacht.
Was ist Teil der DNA des Deutschen Archäologischen Instituts?
Zunächst ist es die von Anfang an gegebene Internationalität,
die im Moment der Institutionalisierung 1874 eine Anbindung an das Auswärtige Amt natürlich erscheinen ließ
und auch heute noch erscheinen lässt und für uns konstituierend ist.
Zu den Grundbausteinen gehört die Präsenz über Forschungsinfrastrukturen
wie Abteilungen außen und Forschungsstellen im Ausland
sowie das langfristige Engagement an einzelnen Grabungsplätzen
sowie die Flexibilität in der Entwicklung neuer Forschung weltweit.
Zur DNA des Deutschen Archäologischen Instituts gehört seit 1829 aber auch der satzungsgemäße Auftrag,
Wissen über die Vergangenheit systematisch zu erschließen, zu veröffentlichen
und auch der Fachcommunity bereitzustellen, also Infrastrukturen nicht allein für die eigene Forschung zu unterhalten.
Daher die großen fachspezifischen Bibliotheken und Fototheken weltweit,
daher die Redaktionen mit ihren facettenreichen regionalen und disziplinären Profilen,
daher aber auch der Aufbau einer umfassenden und vernetzten digitalen Informationsinfrastruktur.
Zur DNA des DRI gehört zudem das Recht auf wissenschaftliche Selbstverwaltung,
die auch für das Auswärtige Amt ein unverrückbarer Bestandteil unserer Satzung ist.
Für diese Selbstverwaltung brauchte Strukturen, die der Vielfalt und der spezifischen Struktur des DRI Rechnung tragen.
Denn die Exzellenz des DRI liegt nicht unwesentlich in seiner komplexen Struktur begründet,
das heißt in der Mischung starker und wissenschaftlich selbstständiger Abteilungen und Kommissionen,
die aber zugleich über gemeinsame Forschungsfragen und die Zusammenarbeit in zentralen Infrastrukturbereichen eng vernetzt sind.
Zur DNA des DRI gehört auch die Vernetzung mit der deutschen Community.
Diese geschieht durch Formate wie das seit 1859 vergebene Reisestipendium oder natürlich durch die Gremien,
also wir kämpfen seit 2012 für eine Anhebung der Stipendiensätze, also nur um es einzuschieben,
und wir kämpfen weiter, also ich bin optimistisch.
In die wissenschaftliche Selbstverwaltung waren daher auch von Anfang an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler,
vor allem aus Universitäten, aber auch aus Museen, außeruniversitären Forschungseinrichtungen und Ämtern in unterschiedlichen Funktionen eingebunden.
Mit der Bezeichnung Zentraldirektion für das zentrale Gremium des DRI wird diese Steuerungsfunktion in einer sehr spezifischen Form tradiert,
auch wenn die Leitungsaufgaben des Institutes seit mehr als 100 Jahren auf einen Generalsekretar oder dann Präsidenten übertragen sind.
Alle genannten Elemente sind auch zukünftig in der Satzung festgeschrieben.
Es wird jedoch, so hat es die Generalversammlung gestern beschlossen, nur noch eine Satzung an der Stelle von bislang vier Satzungen geben
und es wird eine klare Trennung von Beratung und Entscheidung eingeführt.
Zukünftig sind in Anknüpfung an einen früheren Zustand allen Abteilungen und Kommissionen kleine, für das Aufgabenprofil jeweils fachspezifische wissenschaftliche Beiräte zugeordnet.
Eine ihrer Kernaufgaben ist es, die Entwicklung des Forschungsplans inklusive Budgetierung und die Umsetzung durch Projekte kritisch zu begleiten und mit einem Votum zu versehen.
Die endgültige Entscheidung über den gesamten Forschungsplan trifft hingegen die Zentraldirektion.
Die Auswahl zur Besetzung von Leitungspositionen wird zukünftig durch Berufungskommissionen erfolgen, in denen alle Gremien des DRI auch das Direktorium vertreten sind.
Faktisch ist die Verantwortung für die Gremien somit größer und nicht kleiner geworden.
Nun aber zurück zum 190. Geburtstag des DRI. Jubiläen waren für das DRI nicht nur Anlass für die Prägung von Münzen und Medaillen.
Es kamen in der Regel neue Organisationseinheiten wie Abteilungen in Athen, Istanbul und Kairo oder auch die KAG in Bonn hinzu.
Diese Feststellung provoziert geradezu die Frage, was eigentlich zum 190-jährigen Bestehen des DRI geschehen ist oder sind 190 Jahre doch kein wirklich hunder Geburtstag.
Ich kann Sie beruhigen, Sie sind nicht umsonst hier. 2019 ist für das DRI in der Tat ein besonderes Jahr.
Nachdem das DRI zwischen 1994 und 2012 kegelgerechte Stellenkürzungen und bis 2006 extreme Kürzungen seines Etats bei wachsenden Aufgaben erlebte,
sind dem DRI nach einzelnen kleineren Aufwüchsungen nun deutliche Stellenaufwüchse zugekommen.
Dies betrifft alle Arbeitsbereiche, sodass in Kombination mit Finanzaufwüchsen eine strukturelle Konsolidierung und eine Ausweitung des Arbeitsprofils an den Abteilungen und Kommissionen umgesetzt werden kann.
Wir haben die früheren Stellenkürzungen dabei mehr als auffangen können.
Stärken können wir ab diesem Jahr dadurch unter anderem die Archäologie Afrikas und Chinas, die Papyrologie, Islamarchäologie, die Grabungstechnik und viele weitere wissenschaftliche Bereiche.
Stärken können wir aber auch die administrativen und wissenschaftsunterstützenden Grundlagen des Instituts an der Zentrale, den Abteilungen und Kommissionen.
Grundlage hierfür waren das positive Votum des Wissenschaftsrates zur wissenschaftlichen Exzellenz des DRI, eine, das ist formal notwendig, Personalbedarfsermittlung,
aber auch die Übernahme neuer Aufgaben, aber vor allem auch Visionen.
So wurde durch das Archaeological Heritage Network das Projekt Stunde Null initiiert und im Bereich der Erforschung des Schutzes und des Erhaltes und der Vermittlung des kulturellen Erbes wesentliche neue Akzente gesetzt.
Diese Akzente wurden und werden vom Auswärtigen Amt umfassend unterstützt.
Viele werden sich ja an die Gründung des ARCANET vor drei Jahren mit der Rede des damaligen Bundesministers des Auswärtigen und heutigen Bundespräsidenten an diesen Ort erinnern.
Wie sollen wir uns nun aber dafür bedanken, dass wir die Möglichkeit bekommen haben und darin unterstützt wurden, für den Schutz und Erhalt jener Kulturen etwas tun zu können, an denen auch unser wissenschaftliches Herz hängt.
Am leichtesten wäre es nun, unsere Kolleginnen und Kollegen aus dem Irak, dem Jemen, Syrien und aus vielen anderen Ländern zu Wort kommen zu lassen,
mit denen wir gemeinsam in den vergangenen vier Jahren versucht haben, an der Zukunft für eine Zeit nach der Krise zu arbeiten, aber auch Unterstützung in der Krise zu leisten.
Unser Dank an das Auswärtige Amt und den Deutschen Bundestag, aber auch an private Stiftungen wie die Gerda Henkel Stiftung, lässt sich vielleicht aber am besten durch die Ergebnisse dieser Co-Produktion in und für Krisenregionen fassen.
So könnten Sie zum Beispiel der Syrerin Lamis Kaddach in ihrem YouTube-Video folgen.
Sie hat ihre Zeit als Stipendiatin in dem von der Gerda Henkel Stiftung und dem Auswärtigen Amt geförderten Projekt an der Abteilung Istanbul dafür genutzt, ein Kinderbuch zu verfassen.
Sie erklärte in dem Video ihren Weg zu ihrem im wahrsten Sinne ersten Kinderbuch, da sie nie eines als Kind besessen hat, und in die Geschichte ihres Landes.
Ein Exemplar des Buches ist übrigens auf unserer Forschungsmesse zu finden und wir hoffen, dass es bald in den Druck gehen kann.
Dass all dies in den vergangenen Jahren möglich wurde, verdanken wir zunächst natürlich der Arbeit der Mitglieder des ACERNET, die auf der Konferenz im Oktober im Auswärtigen Amt neue Ideen und Ansätze entwickelten.
Wir verdanken dies aber in ganz besonderem Maße der Unterstützung durch das Auswärtige Amt.
Und so bitte ich Sie, sehr geehrte Frau Staatssekretärin, unseren Dank in das AA zu tragen und dem Bundesminister des Auswärtigen zu übermitteln.
Unser Dank geht aber natürlich in ebenso großem Maße auch an die Mitglieder des Deutschen Bundestages.
Ohne Ihre Unterstützung und Entscheidung gäbe es nicht die Sondermittel im AA, aber auch nicht die Personal- und Etataufwüchse.
Das DRI stünde ohne alle diese Unterstützung nicht dort, wo es heute steht. Auch Ihnen sehr herzlich gedankt.
Wo befindet sich das DRI aber heute und wo will es bei der 200-Jahr-Feier 2029 eigentlich stehen?
Da bin ich noch nicht pensioniert, also keine Angst. Ich rede dann nochmal. Welchen Weg schlagen wir ein?
Unserem satzungsgemäßen Auftrag entsprechend sind wir zum einen damit befasst, unsere Informationsinfrastrukturen weiter auszubauen.
Wir haben ein Portal eingerichtet, in dem unsere mittlerweile komplex vernetzten digitalen Angebote erschlossen werden.
Wir wollen mit den neuen digitalen Möglichkeiten natürlich auch die Erschließung und Publikation älterer Grabungen so genannter Altlasten vorantreiben.
Die neue Grabungsdatenbank IDL Field eignet sich nämlich nicht nur dafür, Grabungen hinsichtlich ihrer Funde und B-Funde zu dokumentieren, sondern auch alte Grabungen zu rekonstruieren und zu publizieren.
Dies wird in einem Musterprojekt zwischen der Abteilung in Athen, Rom und dem Präsidialbereich für die Schatzhausterrasse in Olympia getestet.
Auch in der digitalen Version unseres auch weiterhin analog erscheinenden archäologischen Anzeigers wird man zukünftig die Forschungsdaten mit publizieren können.
Dies bedeutet für uns alle aber auch, dass eines der großen Themen der nächsten Jahre die Datenqualität sein wird.
Dieser Herausforderung steht das DRI aber nicht allein gegenüber, sondern jede digital arbeitende Wissenschaft.
Daher engagiert sich der Generalsekretär des Deutschen Archäologischen Institutes, Philipp von Rummel, zusammen mit vielen Partnern bei der Entwicklung einer nationalen Forschungsdateninfrastruktur,
einer NFDI und dann kommt dieses Vier, also Four Archaeology, Material, Culture and Objects.
Unter anderem arbeiten wir mit dem römisch-germanischen Zentralmuseum in Mainz und meiner Kollegin Alexandra Busch zusammen.
Die Digitalisierung unserer Archive eröffnet uns in der internationalen Zusammenarbeit ganz neue Möglichkeiten.
So konnten die von Friedrich Hinkel zum Sudan gesammelten Informationen nun in digitalisierter Form mit Server und Software an den Sudan übergeben werden.
Dort können die Kolleginnen und Kollegen nun erstmals in ihrer Geschichte ein Denkmalregister ihres Landes aufbauen.
Kollegen aus Afghanistan steht nun ein virtueller Server des DRI zur Verfügung, damit sie die Daten in einem digitalen Safe Haven spiegeln und sichern können.
In internationaler Koproduktion entstehen aber auch digitale Schulungsmaterialien und Übersetzungen wichtiger Dokumente.
Jörg Lindstädter engagiert sich hier ebenso wie Iris Gerlach für Schulungsmaterial zur Archäologie und Denkmalpflege in Afrika.
Das IT-Referat erarbeitet hingegen Schulungsmaterial zu zentralen digitalen Themen und sorgt auch für die Übersetzungen ins Arabische.
Dies alles in neue Formen unser Wissen der weltweiten Community zur Verfügung zu stellen.
Aufgrund der rasanten Entwicklung digitaler Dokumentationstechnologien werden wir zukünftig den Austausch in diesem Feld weiter intensivieren müssen.
Die Qualität der Dokumentation bestimmt, wie jeder von uns weiß, die Qualität der späteren Publikation.
Und hier stellt das digitale Zeitalter uns vor ganz besondere Herausforderungen, aber auch vor faszinierende Möglichkeiten, die Sie in unserer Forschungsmesse besuchen können.
Die Qualität von Daten beeinflusst aber auch die Qualität der Modellierung und Simulation von Daten oder der Formerkennung.
Hier spielt die Beteiligung des DRI am Berliner Exzellenzcluster für angewandte Mathematik eine wichtige Rolle.
Dort geht es in unterschiedlichen Emerging Fields um die Entwicklung digitaler Archäologie durch neue mathematische Modelle und Algorithmen und ich bin definitiv da nicht als Mathematikerin drin.
Wir sind aber natürlich auch dabei, neue Forschungsthemen zu entwickeln und neue Forschungsfelder zu erschließen.
Derzeit sind alle Abteilungen und Kommissionen dabei, Forschungspläne mittel- und langfristiger Perspektive zu entwickeln.
Dazu gehören natürlich auch naturwissenschaftliche Themen, wie die Erforschung seltener Krankheiten in ihrem ersten Auftreten und ihrer Verbreitung.
Dazu gehört natürlich aber auch, das aktuelle Thema historische Klimaevents in ihren lokalen und regionalen Folgen zu erforschen und damit auch zu aktuellen Klimasimulationen und Modellen beizutragen.
Es geht darum, den Impact globaler Veränderungen auf das kulturelle Erbe in den Kulturlandschaften zu analysieren und nachhaltige Lösungen zu entwickeln.
Denn auch Kulturdenkmäler sind von den Folgen des Klimawandels wie steigende Meeresspiegeln und tauende Permafrostböden bedroht.
Natürlich werden wir für die 200-Jahr-Feier auch Konzepte für neue Strukturen und Standorte entwickelt haben, die sich im historischen Rückblick ja gerne zu runden Geburtstagen materialisierten.
Manche Abteilung wie Rom wünscht sich derzeit jedoch zu Recht, dass sie nicht andauernd neue Liegenschaften materialisieren würden.
Es gab nun den dritten Umzug in den letzten zehn Jahren in einer noch weitaus längeren Geschichte der Sanierung des eigentlichen Institutsgebäudes in der Via Sardegna, die jedoch, so hoffen wir, bald abgeschlossen sein wird.
Konkret anzupacken und mit ungeheurem Elan auch schwierige Aufgaben lösen zu können, gehört zu den wohl wichtigsten Fähigkeiten, die in der DNA des DAI festgeschrieben sind.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des DAI weltweit sind die Garanten auf dem Weg in eine Zukunft wissenschaftlicher Exzellenz und zur 200-Jahr-Feier.
Ohne die Kolleginnen und Kollegen des DAI wäre aber auch das heutige Event nicht möglich geworden.
Ihnen allen sei ganz herzlich für die tollen Ideen und die Umsetzung in unserer Feier gedankt, besonders aber auch dem Architekturreferat mit Jörg Denkinger und der Öffentlichkeitsarbeit mit Nicole Kehrer.
Ich erlaube mir heute aber auch einer Person in ganz besonderem Maße und stellvertretend für viele andere namentlich zu danken, nämlich der Leiterin des Präsidialbüros, Andrea Eschke, ohne die wir heute wirklich nicht hier wären.
Und damit kommen wir zu dem bei Archäologen besonders beliebten kommunikativen Teil des Abends.
Und damit Sie nun noch die Forschungsmesse und die Gespräche über die Arbeit des DAI, über die ja seit heute Morgen hier berichtet wird, genießen können,
lade ich Sie herzlich zum eigentlichen Jahresempfang ein und der befindet sich dort, wo wir heute auch schon die ganze Zeit getratscht und gequatscht haben,
unser Familientreffen, was es auch ist, durchgeführt haben, also da oben wieder durch die Tür hindurch und an der Forschungsmesse vorbei. Herzlichen Dank.
