Überstunden ohne Ende in einer japanischer Firma? - Interview mit @SenpaiinJapan

NihonGo
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31.10.2024
Herzlich willkommen zu einem neuen Video.
Ihr seht hier in der rechten Bildhälfte, ich habe euch einen Senpai mitgebracht.
Senpai aus Tokio. Wie geht's dir?
Ich begrüße Sie. Ja, mir geht's gut. Vielen Dank, dass ich heute dabei sein darf. Wie geht's dir?
Ja, mir geht's auch ganz gut. Ich meine, Wetter ist schön, wird wärmer.
Der Frühling, Sakura Kirschblütenzeit war auch gut. Hast du schöne Sakura gesehen in Tokio?
Oh ja, auf jeden Fall.
Was ist dein liebster Sakura-Spot in Tokio?
Oh, jetzt kommt's. Das ist eine gute Frage.
Ich meine, es gibt natürlich die Klassiker Nakameguruna am Fluss und Ueno.
Da habe ich ja, by the way, Livestreams gemacht.
Was ich auch sehr schön finde, so ein kleiner Geheimtipp, ist Shukugawara.
Das ist ein bisschen mehr so außerhalb, so am Tama-Fluss.
Da kann man mega gut chillen. Ja, aber genau, es gibt viele schöne Spots, auf jeden Fall.
Genau, ja, ich habe auch in einige Livestreams reingeguckt.
Senpai ist immer sehr aktiv zur Sakura-Zeit, haut immer ordentlich rein.
Warum wir aber heute zusammengefunden haben, oder warum ich den Senpai eingeladen habe,
zu so einem kleinen Interview-Podcast, könnte man sagen.
Ich wollte mit dem Senpai ein bisschen über das gute Leben in Japan reden
und den Senpai fragen, wie es ihm in Japan geht.
Aber bevor wir ihn fragen, wie es ihm in Japan geht, wie lange bist du eigentlich schon hier?
Genau, ich bin jetzt sieben Jahre hier zum Arbeiten.
Also seit sieben Jahren arbeite ich hier in Tokio und lebe hier.
Ich war aber vorher schon mal ein Jahr da zum Austauschen.
Wenn man das noch mit reinnimmt, sind es sogar acht Jahre.
Das ist eine lange Zeit, man. Acht Jahre ist echt eine Menge.
Oh ja, das vergeht aber wie ein Flug, muss ich sagen.
Also es sind schon acht Jahre.
Acht Jahre in Japan, gab es irgendwann, ich meine, es gibt ja mal viele,
die sprechen von diesen verschiedenen Phasen des Auswanderns.
Gab es eine Zeit bei dir, in der du dich richtig schlecht gefühlt hast,
in der du gesagt hast, okay, ich überlege nach Deutschland zurückzugehen
oder vielleicht irgendwo anders?
Ich hatte mal so ein Loch.
Ich hatte nicht irgendwie überlegt, zurück nach Deutschland zu ziehen oder so,
aber ich hatte mal so ein Loch.
Aber das war so ein bisschen meine eigene Schuld, sage ich mal.
Also wenn ich das mal einfach an der Stelle ein bisschen weiter ausführe.
Und zwar war das direkt im Jahr 2015, in dem ich gekommen bin.
Also ich bin Ende März 2015 hergekommen, um dann zum 1. April im Jahre 2015 anzufangen zu arbeiten.
Geht ja immer alles am 1. April, das ist in Japan, wisst ihr wahrscheinlich nicht.
Und ich war am Anfang, weil ich hab dann gedacht, okay, hier Senpai,
du bist jetzt in Japan, du bist jetzt in Tokio, du willst jetzt hier dich integrieren
und die Sprache noch besser lernen und willst japanische Freunde finden
und dich integrieren und Connections machen und so weiter.
Und ich hab mich dann quasi mit dieser Vorstellung, mit diesem Ziel
so sehr auf Japaner quasi fixiert, dass ich quasi, ja ich sag mal so,
so fast schon meine Identität legiert habe, wenn man so will.
Also ich hab halt quasi regelrecht Leute aus den Westen gebieten, wenn man so will.
Also ich wollte halt wirklich so, ja Japan, Japan, ich muss jetzt auf die Japaner zu.
Und da hab ich dann gemerkt, dass ich mich dazu sehr drauf versteift hatte
und dass das, ich mein, mir nicht gut getan hat.
Weil man ist ja auch als Europäer teilweise so eingestellt,
man trifft auch gerne mal so one-on-one, sich zu zweit mit einem Freund oder mit einer Freundin.
Aber auch in Japan ist das alles mehr so ein Gruppending.
Und natürlich ist dann auch die Sprachbarriere und Leute aus Europa oder Deutschland,
da hat man dann einen ähnlicheren kulturellen Hintergrund.
Und ja, deswegen hat das alles nicht so mega gut funktioniert, wie ich mir das vorgestellt hatte.
Und dann kam auch noch hinzu, ich hatte ja gerade erst angefangen zu arbeiten
und ich hatte quasi davor so mein Erspartes ein bisschen rausgehauen,
weil da hatte ich ja noch ein bisschen Zeit quasi, bevor der Job losgeht.
Und dann war ich auch in der Golden Week im Mai nochmal reisen
und dann kam so der Sommer 2015 und ich war noch nicht mal ein halbes Jahr in der Firma,
hatte natürlich jetzt noch nicht so viel verdient in dem halben Jahr in der Firma.
Das heißt, ich hatte quasi auch kein Geld.
Also ich hatte genug Geld so, um über jeden Monat zu kommen,
aber ich hatte jetzt nicht wirklich irgendwie Erspartes noch zurückliegen.
Das war so quasi alles erstmal weggeballert, weil ich hatte jetzt verdient.
So, das heißt, ich konnte in diesem Sommer auch nichts irgendwie Spannendes machen
und dann waren viele Freunde auch natürlich im Sommer dann in ihren Sommerferien
und sind verreist und ich saß hier irgendwie einsam in Tokio.
Und das war echt so eine Zeit, wo ich mich ein bisschen einsam gefühlt habe.
Aber dann habe ich halt auch drüber nachgedacht, ja Senpai, was ist los, wo ist eigentlich das Problem?
Und dann habe ich halt eben festgestellt, okay, zum einen habe ich natürlich gerade einfach nicht so viel Kohle,
das liegt einfach in der Natur der Sache, wie es gerade ist, da kann man nichts machen.
Das wurde dann auch später besser und dann kam irgendwann der erste Bonus
und dann habe ich auch ein bisschen gespart und so.
Also es war jetzt kein Drama, es war nur gerade zufällig zu dem Zeitpunkt.
Und dann habe ich halt auch so festgestellt, dass ich mich zu sehr auf die Japaner versteift habe
und habe dann mehr auch wieder mich sozusagen dem Westen geöffnet.
Also ich bin dann auch mehr auf Europäer, Amis weiß der Geier, andere Westler sozusagen zugegangen
und habe dann versucht, so ein bisschen mehr die Balance auch zu finden
und habe quasi da an den Stellschrauben gedreht, die mich quasi so ein bisschen unglücklich gemacht haben.
Und nachdem ich das alles so ein bisschen begriffen hatte, verstanden hatte, bemerkt hatte
und es dann auch wieder so ein bisschen in die rechte Bahn sozusagen gelenkt habe,
da ging es mir auch wieder deutlich besser.
Und nochmal ganz kurz zurück zum Thema,
hattest du irgendwie überlegt, irgendwie wieder zurück auszureisen nach Deutschland oder weg oder was anderes?
Das kam mir zu dem Zeitpunkt überhaupt nicht in den Sinn,
denn ich war ja noch nicht mal ein halbes Jahr da, das war erst ganz frisch
und auch finanziell wäre das nicht drin gewesen.
Kein Rückflug möglich.
Genau, was ist jetzt los, wie komme ich hier jetzt wieder raus?
Und dann war das aber auch wirklich nur ein kleines Loch.
Es klingt jetzt vielleicht dramatischer als es ist, aber genau.
Aber das war eigentlich so, ich glaube, fast die traurigste Phase oder die dunkelste Phase, wenn man so will.
Und wie gesagt, so schlimm war es letztendlich nicht.
Also ich formuliere das gerade nur sehr dramatisch.
Ansonsten nie eine Phase gehabt, in der du irgendwie gedacht hast,
so langsam habe ich keinen Bock mehr und das nervt mich so sehr an den Japanern.
Also es gibt natürlich auch Sachen, die mich in Japan teilweise stören,
aber es ist so, ich meine, es ist ja nirgendwo perfekt auf der Welt, ganz klar, auch in Japan nicht.
Aber es ist immer so, selbst wenn ich Sachen habe, die mich stören,
dann denke ich mir, die Vorteile in Japan überwiegen.
Und jetzt ist es so, ich glaube, in der jetzigen Wohnung hier, hier wohne ich jetzt glaube ich auch schon fünf Jahre oder so.
Also ich bin hier echt auch schon sehr lange und die Wohnung ist super, deswegen bin ich auch noch hier.
Aber ich hätte schon auch Bock, so ein bisschen quasi meine Umgebung ein bisschen zu ändern.
Also sei es umzuziehen und so weiter, da können wir auch später gerne noch ein bisschen im Detail drüber reden.
Also irgendwie mal umziehen, vielleicht sogar auch raus aus Tokio.
Das sind alles so Sachen, die ich mir vorstellen kann, wo ich Interesse hätte.
Aber selbst wenn umziehen, dann wahrscheinlich doch eher irgendwo in Japan.
Also sei es in Tokio oder vielleicht auch in ganz Japan.
Aber so irgendwie raus aus Japan, das ist im Moment nicht geplant, ja.
Okay, was ich interessant fand, was du jetzt gesagt hattest, dass du am Anfang mit der Sprachbarriere und so vielleicht auch noch Probleme hattest, Japaner ein bisschen kennenzulernen.
Wie ist das jetzt nach acht Jahren?
Würdest du sagen, dass, also ich gehe mal davon aus, dass du in acht Jahren wahrscheinlich besser geworden bist im Japanisch.
Weiß ich nicht, aber gehe ich jetzt einfach mal davon aus.
Und würdest du sagen, dass es jetzt einfacher ist?
Und was denkst du, wie wichtig ist Japanisch, um in Japan ein gutes, glückliches Leben zu führen?
Das ist eine gute Frage. Also es gibt definitiv Sachen, die es jetzt einfacher gemacht haben, wo es jetzt einfacher ist.
Das ist natürlich zum einen, ich spreche die Sprache jetzt besser als damals.
Dann auch, ich bin quasi entspannter geworden.
Ich bin nicht mehr so fixiert auf Japaner und wenn ich dann denke, mit dem Japaner klappt es nicht, dann ist mir das auch egal.
Und mittlerweile habe ich ja auch ein paar Japaner und dann habe ich auch andere Freunde.
Aber es ist eine gute Frage.
Was natürlich definitiv am Anfang geholfen hat, was quasi so am Anfang ja in Anführungsstrichen besser war,
ist, dass ich als Shinsozu, als frischer Uni-Absolvent, zusammen mit den Fresh Graduates auf der japanischen Seite zusammen in die Firma gekommen bin.
Das heißt, da waren Haufen Japaner mit, die ich zusammen in die Firma bin, die ich dann natürlich alle kennenlernen konnte,
die in einer ähnlichen Situation waren wie ich im Sinne von frisch aus der Uni und jetzt in die Firma.
Also das nennt man Doki, da hat man wirklich so Klassenkameraden in der Firma.
Und auch wenn man mit denen gar nicht zusammen arbeitet, weil man vielleicht in einem anderen Department ist und so weiter,
man hat trotzdem irgendwie diese Doki-Connection, das ist irgendwie ziemlich cool.
Und das war natürlich mega gut am Anfang, um viele Japaner kennenzulernen,
weil da hatte ich halt einen Haufen Japaner um mich herum in einer ähnlichen Situation.
Das heißt, das war was, was sehr geholfen hat.
Und das ist ja generell so im Leben, wenn man irgendwie auf der Schule ist, wenn man in der Uni ist und so weiter,
das sind ja so diese frühen Phasen im Leben in der jungen Zeit quasi, wo man viele Leute kennenlernen kann.
Das nimmt natürlich ab einfach im Alter.
Und das hat jetzt natürlich nichts mit Japan zu tun.
Ich bin jetzt über 30.
Ein alter Ossa hier, genau.
Und da sind natürlich einfach weniger Gelegenheiten, so wie damals in der Uni, Leute kennenzulernen.
Das ist natürlich wiederum Sachen, die es schwerer machen.
Ja, aber dann kommt natürlich auch hinzu, man kennt halt schon einige Leute und hat etablierte Freundschaften.
Das heißt, man ist jetzt auch nicht mehr so drauf aus, so viele krasse Leute kennenzulernen.
Deswegen, ja, aber das ist auf jeden Fall ganz entspannt und mit der Sprache läuft es auf jeden Fall besser.
Und dann generell zum Thema Sprache in Japan.
Also generell sage ich natürlich immer, ja, Sprache in Japan hilft und macht alles besser.
Und ich frage mich da immer quasi auch selbst, wie wichtig die Sprache ist oder wie gut es einem auch gehen kann ohne die Sprache.
Und um jetzt quasi die einfache Antwort zu geben, auf jeden Fall, mit der Sprache macht es sich alles einfacher.
Das ist keine Frage mehr.
Ihr seid in Japan, ihr könnt alles alleine machen, wenn ihr Japanisch sprecht.
Ihr seid auf niemanden angewiesen.
Ihr seid auf keine englischen Services angewiesen.
Also es ist definitiv eine gute Idee, die Sprache zu lernen, gerade wenn man langfristig hier bleibt.
Also vielleicht ein kleines, ja.
Genau. Ja, ich glaube, es kommt so ein bisschen darauf an, wo man steht.
Also wenn man zum Beispiel herkommt und man ist ein Jahr hier.
Ich denke, dann kann man ein Jahr lang zum Beispiel, das heißt Auslandsjahr, Working Holiday, sowas.
Dann kann man, glaube ich, auch perfekt ohne japanische Kenntnisse ein Jahr in Kaori haben.
Ich glaube, das ist kein Problem.
Aber ich glaube, je länger man bleibt, desto wichtiger wird es, glaube ich.
Alleine auch schon, um die Selbstständigkeit quasi zu bewahren, dass du einfach mal allein ins Rathaus gehen kannst
oder kannst halt irgendwie allein in die Pampa reisen, wo keiner Englisch spricht und so weiter.
Das sind dann echt so Sachen, wo es dann auf lange Sicht definitiv mehr Spaß macht und dir auch mehr Türen eröffnet.
Ja, deswegen.
Ja, um es zusammenzufassen.
Ich glaube, da ist wirklich so der Zeitraum ein bisschen das, was den Unterschied macht.
Und quasi je länger ihr bleibt, desto mehr Japanisch solltet ihr wahrscheinlich können, empfehlenswerterweise.
Also ich, warum ich jetzt so eine lange Antwort gebe, der Punkt ist vor allem,
manchmal kommen so Kommentare von wegen, ja, ich spreche kein Japanisch und kann jetzt nach Japan reisen.
Also ich denke, wenn man kein Japanisch kann, kann man trotzdem auf jeden Fall nach Japan kommen.
Das sollte einen auf keinen Fall davon abhalten.
Aber es ist wirklich dieses, wenn ihr lange in Japan bleibt und ihr seht jetzt hier bei mir sieben, acht Jahre,
dann auf jeden Fall Japanisch, weil dann ist halt sonst, glaube ich, ein bisschen schade.
Ja, das ist also, warum ich das gefragt habe auch.
Und was mir immer auffällt ist, wenn ich mit jemandem unterwegs bin, der nach Japan kommt,
zum Beispiel jetzt meine Schwestern, die dann nach Japan kommen,
dann fällt mir erst mal wieder auf, wie hilflos man eigentlich ist, wenn man zum Beispiel keine Kanji lesen kann.
Wenn du in den Izakaya gehen möchtest, der keine Karte mit Bildchen hat, bist du ja komplett verloren.
Du kannst nichts verstehen.
Und ich wahrscheinlich, du ja auch, man hat sich mittlerweile so daran gewöhnt,
verschiedene Schilder auf Japanisch zu lesen, verschiedene Anweisungen auf Japanisch zu lesen,
dass es halt irgendwie komplett normal geworden ist.
Und so ein Problem wie im Rathaus eine Ummeldung von einer Adresse zum Beispiel,
wir würden uns nie darüber aufregen, dass das Formular nur auf Japanisch ist.
Weil wir würden schon gar nicht auf die Idee kommen, nach einem Englischen zu suchen,
weil warum auch, man kann das Japanisch ja auch verstehen.
Und deswegen ist so eine Theorie oder so eine Ansatzhypothese, die ich immer habe,
ist, weil ich teilweise auch Leute aus Japan kenne, die schon länger hier sind,
drei, vier, fünf Jahre zum Beispiel, die sich über gewisse Dinge in Bezug auf Japaner und Japan beschweren,
die aber nicht so gut Japanisch können.
Und ich habe manchmal so ein bisschen den Verdacht, dass das auch mit dem Japanischlevel zusammenhängt.
Denn wenn du ein hohes Japanischlevel hast, kannst du natürlich Japaner auch Fragen, Dinge fragen, mehr fragen.
Du weißt, dass man auch viel so indirekte Fragen stellt, um am Ende an das zu kommen, was man gerne haben möchte.
Und deswegen kann ich mir vorstellen, dass das Japanischlevel vielleicht auch ein bisschen zusammenhängt mit dem,
wie wohl man sich in Japan nach langer Zeit fühlt.
Das ist die Theorie.
Was denken die Herr Senpai?
Ja, ich stimme dir zu.
Und ich glaube, das ist natürlich zweierlei.
Klar, zum einen, man versteht mehr, man kann Sachen selbst machen, das ist so das Offensichtliche.
Aber es ist dann auch das, du hast es gerade glaube ich auch schon ein bisschen durchscheinen lassen,
um es mal ein bisschen anders zu formulieren, Sprache ist ja auch Kultur.
Das heißt, wenn du die Sprache sprichst, dann lernst du ja gleichzeitig auch die kulturellen Hintergründe
und quasi Denkweisen und Denkmuster, die dahinter stecken.
Und gerade wenn man sowas anfängt zu verstehen, dann hilft es ja auch wieder,
quasi Japaner zu verstehen, wie die drauf sind, quasi unabhängig von der Sprache, wenn du verstehst, was ich meine.
Dann lernst du quasi durch die Sprache wiederum, wie die drauf sind.
Und ich meine, wenn man mal ein Beispiel nimmt, wo ich sowas relativ offensichtlich finde,
wenn man halt das Japanisch lernt, das ist zum Beispiel Keigo, diese ganze Wirklichkeit,
und dass man auch so Sachen sagt, selbst wenn du zum Beispiel irgendwie sagst,
zum Beispiel, ich nehme jetzt teil.
Du wirst eingeladen und dann sagst du, ja, ich nehme teil, ich komme, ich bin dabei.
Dann würde man ja zum Beispiel auf Japanisch sagen,
was jetzt sehr schwer zu übersetzen ist, aber quasi ich...
Ich lasse mich teilnehmen.
Ich erhalte...
Das Teilnehmen lassen.
Das Teilnehmen quasi...
Jetzt fällt mir das deutsche Wort nicht ein.
Das ist quasi so eine Art Passiv.
Durch ihre Gnade bin ich jetzt quasi dazu erlaubt, dass ich teilnehmen darf.
Obwohl man das quasi selbst macht, formuliert man es grammatikalisch so um,
als ob man quasi durch die Führung, durch die Gnade des Anderen zum Teilnehmen bewegt wird.
Passiv.
Das ist so diese komische Grammatik, die dahinter steht.
Was ja aus logischer Sicht eigentlich überhaupt keinen Sinn macht,
weil du nimmst teil, warum solltest du dann quasi das so formulieren,
dass der Gegenüber dich zur Teilnahme bringt quasi.
Aber das ist ja...
Formuliert ja einfach so diese Dankbarkeit, dass du dich so ein bisschen klein machst
und quasi dann dadurch dem Anderen den Dank ausdrückst und den Respekt.
Und du merkst schon, wir haben gerade auch Schwierigkeiten,
das ja auf Deutsch zu formulieren, weil es auf Deutsch nicht gut funktioniert.
Und das ist aber so was, das rafft man dann halt auch,
wo da so kulturelle Kleinigkeiten drinstehen, drinstecken im Verhalten
und wie man sich dann auch selbst vielleicht ein bisschen besser
quasi Japaner-kompatibel verhalten kann.
Ja, das sind so die Nuancen, die man dann quasi echt lernt.
Ja, das stimmt.
Ich finde auch, die Art und Weise, wie man behandelt wird,
ändert sich dadurch auch ein bisschen, finde ich.
Wenn die Japaner verstehen, okay, der kann die Sprache zum einen
und ich meine, damit zeigst du ja, wie du eben auch sagtest,
du zeigst nicht nur, dass du dich verständigen kannst,
sondern du zeigst auch ein kulturelles Verständnis natürlich dahinter.
Und ich glaube, das ist was, was auch immer gut ankommt.
Vielleicht da auch die Frage, fühlst du dich akzeptiert von den Japanern?
Das ist ja auch was, was viele, oder was ich oft mitbekomme,
was heißt eine Kritik ist, aber dass viele irgendwann sagen so,
ich fühle mich nicht Teil von der Gesellschaft irgendwie
und das finde ich blöd oder so.
Wie fühlst du dich?
Oder hast du da überhaupt schon mal drüber nachgedacht,
in dem, oder ist das was, wo du denkst,
das hat mich eigentlich nie drüber nachgedacht, nie gestört?
Doch, doch, da denkt man natürlich drüber nach.
Und klar, man ist halt der Ausländer, aber ich fühle mich akzeptiert,
auf jeden Fall.
Und ich habe gerade meinen Kopf quasi nach Beispielen gesucht,
ob ich das irgendwie ein bisschen besser erklären kann.
Und das ist halt zum einen, ich habe halt japanische Freunde,
mit denen ich abhängen kann.
Und dann halt auch auf Arbeit habe ich sehr viele japanische Kollegen
und ich arbeite aber ganz normal mit denen zusammen.
Also ich habe nicht das Gefühl, dass da quasi mein Ausländer-Dasein
irgendwie einen großen Unterschied macht.
Und ganz im Gegenteil, das ist manchmal sogar eine ganz schöne Symbiose,
sage ich mal.
Wenn ich zum Beispiel irgendwie Fragen habe,
wie sagt man das jetzt auf Japanisch,
dann könnte ich mir das erklären.
Das heißt, da kann ich natürlich extrem viel lernen,
einfach dadurch, dass ich unter Japanern bin.
Aber wenn die dann zum Beispiel irgendwie, was weiß ich,
auf der Homepage oder in der App oder so einen englischen Text haben,
dann kommen sie halt auch manchmal und sagen,
kannst du mal über das Englisch drüber gucken.
Und dann gucke ich halt auch gerne mal drüber und helfe denen da so ein bisschen.
Also so hilft man sich dann auch gegenseitig.
Und ich glaube, insgesamt ist es eine ganz normale, respektvolle,
fruchtbare Zusammenarbeit sozusagen.
Und ich fühle mich da auch gar nicht irgendwie, ja,
irgendwie minderwertig oder ausgegrenzt oder schlecht behandelt.
Also komplett gar nicht.
War auch jetzt zum Beispiel diese Woche lustigerweise so.
Also da kommen wir so ein bisschen aufs Thema Remote.
Ich weiß nicht, ob ich jetzt das Thema zu krass wechsle.
Nee, nee, das ist ein guter Wechsel.
Um es nur ganz kurz ein Beispiel zu nennen,
wo ich halt auch wieder merke, wie cool es ist.
Es ist einfach, also wir sind die meiste Zeit remote.
Ich habe auch nie quasi den Zwang oder die Notwendigkeit,
ins Office zu gehen.
Ich gehe aber manchmal ins Office, wenn sie es quasi irgendwie anbietet
oder wenn irgendwas ist.
So quasi aus freien Stücken, so einmal im Monat oder so,
ist auch mal ganz nett, ins Office zu gehen.
Wir hatten jetzt gerade die Woche,
da ist eine Kollegin ins Office gekommen und dann haben wir gesagt,
ja, okay, dann machen wir doch mit der Lunch,
treffen uns und machen zusammen Mittagessen.
Dann sind halt auch die anderen Kollegen gekommen.
Und dann halt, dass man einfach quasi zusammen lunchen gehen kann,
hat man sich dann einfach mal im Office getroffen
und ist halt zusammen zum Mittagessen gegangen.
Und auch da, das war jetzt, in dem Team war ich jetzt tatsächlich
der einzige Ausländer, der dabei war.
Also quasi einen Haufen Japaner und ich.
Also ich komme mit denen mega gut.
Klar, das ist halt mega entspannt.
Wir sind einfach ganz normal als Gruppe essen gegangen.
Und ich glaube, das Einzige, was an mir irgendwie anders ist,
ist, dass ich vielleicht anders aussehe.
Aber es war echt mega entspannt.
Und das ist dann auch wieder so ein Moment, wo ich merke,
ich bin halt ganz normal akzeptiert.
Ich bin halt ganz normal Teil des Teams.
Wir haben alle Spaß zusammen beim Lunch.
Und ich fühle mich überhaupt nicht anders behandelt.
Ganz im Gegenteil.
Und das ist dann auch wieder so ein Moment, wo ich dann auch quasi,
wenn ich so wie jetzt im Nachhinein darüber nachdenke,
wo ich denke, es ist halt schon irgendwie ganz geil.
Ich bin schon auch sehr dankbar, dass ich in so einer Situation sein darf
und dass das alles so gut klappt.
Und ja, das ist so einer dieser Momente, wo ich halt merke,
ja, deswegen geht es mir hier gut.
Du bist froh, hier zu sein sozusagen.
Ja, genau.
Aber das war ein guter Übergang zur Arbeit.
Du arbeitest full remote, hast du gesagt.
Das ist ja im Grunde nicht das, was man sich vorstellt von einer japanischen Firma.
Aber es ist, also ohne die Firma jetzt natürlich zu nennen,
aber es ist eine japanische Firma, oder?
Du arbeitest in einer japanisch geführten Firma mit vielen japanischen Kollegen.
Und das ist so ein Punkt, über den ich dich auch ein bisschen fragen wollte,
weil ich bekomme manchmal zu hören, ja, Kevin, du bist ja der Selbstständige und so.
Aber arbeite erst mal ein Jahr in einer japanischen Firma.
Dann wirst du schon sehen, dass du kündigen möchtest.
Hast du schon mal darüber nachgedacht, deinen Job zu kündigen,
weil du von Überstunden überhorcht bist und nicht mehr weißt, was du tun sollst?
Nein.
Nein?
Um auf den Punkt zurückzugehen.
Erst mal von wegen, ja, arbeite erst mal ein Jahr in so einer japanischen Firma.
Also ich glaube, ich bin fest davon überzeugt, es gibt sie, diese Firma,
wo du ein Jahr arbeiten würdest und dann quasi auf den Zahnfleisch kriechen würdest
und ich genauso.
Also es gibt sie, diese Firma.
Auf jeden Fall.
Das will ich gar nicht negieren oder verleugnen.
Es ist aber bei mir nicht so, deswegen arbeite ich halt immer noch in der Firma.
Genau, es ist eine japanische Firma, die aber auch ein bisschen international aufgestellt ist.
Das heißt, es ist natürlich ein Punkt, der das für mich als Ausländer natürlich auch angenehm macht,
weil die Firma gewöhnt ist an Ausländer.
Wir haben auch andere Ausländer in der Firma, hier und da einige,
also wie gesagt, jetzt in dem einen Team, da wo ich mit war beim Lunch,
da bin ich der einzige Ausländer, aber dann in dem anderen Team, wo ich mitarbeite,
da haben wir auch andere Ausländer.
Das heißt, das macht es natürlich einfacher und ich glaube, ein anderer Punkt ist halt auch einfach IT.
IT ist generell, ich bin Softwareentwickler, für die, die es nicht wissen, ich programmiere.
Ein Grund, warum Remote bei mir geht und halt auch in der Firma geht.
Und ich glaube, IT ist halt auch so ein Bereich, der weniger japanisch-traditionell durchzogen ist,
quasi im Arbeitsbereich, im Arbeitsleben.
Weswegen halt auch so Sachen gehen, dass du irgendwie Flextime hast,
du hast keine festen Arbeitszeiten, ich kann Remote arbeiten, all so Sachen.
Und da hilft natürlich einfach quasi die Jobbeschreibung, die Jobsparte.
Ja.
Genau, und das sind halt alles so Punkte und dann bei mir ist auch nicht so,
dass ich irgendwie groß Überstunden schieben müsste.
In der Regel mache ich eigentlich keine Überstunden.
Das kommt natürlich darauf an.
Ab und zu gibt es mal ein Projekt, was dann irgendwie fertig werden muss,
da arbeitet man dann auch ein paar Überstunden, ist auch okay.
Aber insgesamt ist es sehr entspannt, die Kollegen sind sehr cool und ja,
es ist wirklich sehr entspannt, gutes Arbeitsfeld auf jeden Fall.
Wie ist das bei dir mit Urlaub? Wie viele Tage hast du im Jahr?
Genau, ich weiß gar nicht, was jetzt der aktuelle Stand ist,
aber es ist in Japan so, dass du ein gesetzliches Minimum hast von 10 Urlaubstagen pro Jahr.
Also ich erkläre es jetzt mal falsch, weil es wahrscheinlich nicht alle wissen.
Es ist in der Regel auch so, dass du keine Krankheitstage hast,
das heißt, wenn du krank machst, dann ist es ein Urlaubstag
und es tut natürlich weh, wenn du nur 10 Tage hast.
Bei mir ist es auch so, dass ich keine extra Krankheitstage habe.
Ich meine, es gibt Ausnahmen, wenn es irgendwie Influenza ist
oder ich glaube jetzt auch, dass das C was noch weltweit und so.
Also da gibt es glaube ich schon auch dann bestimmte Fälle,
wo man sich einen Krankheitstag nehmen kann, also wo es dann auch funktioniert.
Auch für die Impfung gegen das C, da kannst du dann auch den nächsten Tag freinehmen,
weil das legt dich ja dann häufig einen Tag flach.
Aber wenn du jetzt einfach nur die Grippe hast oder so, dann ist es halt ein Urlaubstag.
So, jetzt zum Thema, wie viele Urlaubstage habe ich?
Das ist in Japan auch häufig so, du fängst irgendwie mit 10 Tagen an im ersten Jahr
und dann kriegst du im nächsten Jahr dann irgendwie 12 Tage
und dann irgendwie 14 bis du irgendwann bei 20 bist und dann kriegst du jedes Jahr 20.
Also es ist so ein japanisches Ding, dass das jedes Jahr ein bisschen mehr Urlaubstage werden,
bis du dann irgendwann bei so einem oberen Maximum angekommen bist.
Ich glaube, bei meiner Firma waren es ein bisschen mehr als 10 Tage
und ich glaube, es sind auch quasi dann im Endstadium mehr als 20 Tage.
Und ich bin... bin ich bei den 20 Tagen angekommen?
Ich weiß es gar nicht.
Also ich kriege um die 20 Tage, glaube ich, so jetzt mittlerweile im Jahr.
Wie gesagt, ich weiß gar nicht mehr, wie viele es genau sind, aber...
So um die 20.
Nimmst du die auch alle oder...?
Ja, genau.
Das ist auch kein Problem, oder?
Gar kein Problem.
Auch das ist perfektes Timing, um gerade drüber zu sprechen.
Und zwar...
Also im Prinzip irgendwie mal so einen Tag oder so nehmen, das geht eigentlich relativ spontan,
das ist relativ easy.
Wenn jetzt nicht irgendwie gerade das Projekt absolut deine Anwesenheit erfordert,
dann kannst du eigentlich mal sagen, oh, ich muss morgen einen Tag frei nehmen oder so,
wenn irgendwie plötzlich was reinkommt.
Ansonsten ist es generell so, dass ich die Urlaubstage, die ich habe, auch nehmen kann.
Und wenn ich halt länger Urlaub nehmen will, also länger am Stück,
dann ist es eine gute Idee vorher...
Also nicht nur eine gute Idee, es sollte man so machen,
dass man natürlich dem Chef rechtzeitig Bescheid sagt,
hier, da würde ich gerne so und so.
Und da kann man das arrangieren.
Und dann ist es im Prinzip auch kein Problem, wenn man halt früh genug Bescheid sagt
und dann auch natürlich die Arbeit so arrangiert,
dass da jetzt nicht irgendwie gerade das fette Release liegt,
wenn du gerade irgendwie weg bist.
Ich habe jetzt tatsächlich vor Ende diesen Monats, Mai,
aber das ist das Geheimnis, das darf man nicht verraten,
deswegen, das hört jetzt keiner her,
ich werde tatsächlich drei Wochen unterwegs sein
und habe da aber auch schon meinen Chefs rechtzeitig gesagt,
hier, ich habe da ein bisschen was Größeres vor,
kann ich da ein bisschen länger Urlaub nehmen?
Und dann haben die auch gemeint, ja, das kriegen wir schon hin.
Und da ist es ja natürlich zum einen deswegen möglich,
weil ich einfach früh Bescheid gesagt habe
und zum anderen, ich habe ja gesagt, dass ich jedes Jahr ein paar Urlaubstage kriege
und ich habe jetzt durch die C-Zeit,
da war jetzt nicht so viel mit Reisen,
insbesondere im Ausland war ich jetzt gar nicht,
da sammeln sich dann auch ein bisschen Urlaubstage an.
Also ich habe dann extra auch so ein bisschen Urlaubstage gespart,
falls ich dann eben mal wieder nach Deutschland oder woanders hin will.
Und so habe ich jetzt, glaube ich, über 20 Tage schon angesammelt,
die ich jetzt halt einfach mal am Stück verballern kann.
Also wenn ich jetzt drei Wochen unterwegs bin,
dann sind das ja 15 Werktage,
das heißt, von meinen paaren 20 Tagen nehme ich jetzt einfach 15 Tage,
dann habe ich immer noch ein bisschen was übrig.
Das heißt, ich habe genug Urlaub, ich habe früh genug Bescheid gesagt
und dann ist das auch kein Problem mehr.
Das ist easy. Aber drei Wochen ist schon nice.
Ja, auf jeden Fall.
Aber merkst du oder weißt du, ob deine japanischen Kollegen das ähnlich machen,
dass die auch ihre vollen Tage nehmen
oder kriegst du mit, dass da eher die Tendenz ist,
dass die welche verfallen lassen?
Ich glaube, es ist jetzt tatsächlich sogar so,
dass sie ihren Urlaub tatsächlich nehmen.
Also es war jetzt auch zum Beispiel zum Jahresende hin,
weil man hat ja den Nematsu Nenchi,
so diesen Jahresend quasi, die Feiertage.
Also meistens ist es ja so,
der 30. Dezember plus minus bis zum 4. Januar plus minus,
da sind ziemlich viele Firmen zu,
so über den Jahreswechsel,
dass man halt in Japan dann heimfahren kann zur Familie und so weiter.
Und das ist dann auch so eine der Zeitpunkte im Jahr,
wo dann viele Japaner auch noch ein bisschen Urlaub nehmen und dranhängen.
Und tatsächlich im Dezember haben, glaube ich, relativ viele Kollegen von mir
ihre verbleibenden Urlaubstage verbraucht
oder die, die zu verfallen drohten.
Die haben dann gemeint, ja, ich nehme mich da dann nochmal an Tage
und wahrscheinlich nehme ich mich da nochmal an Tage.
Also haben tatsächlich einige gestern Urlaub auch genommen.
Jetzt war auch gerade die Golden Week hier,
die 1. Mai-Woche,
wo du so einen Haufen Feiertage hast,
aber so ein paar Werktage dazwischen.
Da haben dann auch viele Kollegen ihre Urlaubstage quasi
um die Feiertage drum herum gelegt,
sodass sie ein bisschen mehr am Stück hatten.
Das haben durchaus auch einige gemacht.
Und wir haben in der Firma so ein System,
dass du, war es nach 5, 4 Jahren?
Ich weiß es gar nicht.
Da gibt es so ein Refresh-Juker.
Also wenn du die ein paar Jahre in der Firma angesammelt hast,
dann kriegst du quasi so ein paar extra Refresh-Urlaubstage so obendrauf.
Irgend 5 oder 10 Tage.
Ich weiß gar nicht, wie viel das ist.
Auch nicht schlecht.
Also ich muss echt mal, ich merke halt,
ich sollte die genauen Details von meiner Firma...
Keine Ahnung.
Also man kriegt irgendwann nach ein paar Jahren halt ein paar extra Urlaubstage.
Und ich glaube, mein Chef war auch letztes Jahr,
weil er die Refresh-Juker hatte,
war 2 Wochen nach Okinawa.
Der meinte so, ja Leute, ich habe hier meinen Refresh-Urlaub,
ich bin mal 2 Wochen nach Okinawa.
Mein Kumpel ist da hingezogen, ich chill mal bei dem.
Und mein Chef war 2 Wochen weg.
Und der ist Japaner, ja.
Wie gut, man.
Ich glaube, das beantwortet die Frage.
Ja, also ich denke, man kann an deiner Firma ganz gut sehen,
dass es auch Firmen in Japan gibt,
in denen das halt nicht so ist, wie man es immer im Kopf hat.
Mit Überstunden ohne Ende.
Und die Japaner laufen da auf dem Zahnfleisch und alles.
Und ich denke, es tut sich auch eine ganze Menge in Japan.
Gerade jetzt, du bist ja im IT-Ingenieur-mäßig da unterwegs.
Das ist natürlich auch eine Sparte, würde ich sagen,
die immer größer wird, immer wichtiger wird.
Und ich denke, dass sich da eine ganze Menge auch tut.
Selbst wenn man ein Jahr in einer japanischen Firma arbeitet,
heißt das nicht zwangsläufig,
dass man dann wieder zurück nach Deutschland will und halb kaputt ist.
Ich denke, das hängt aber auch immer so ein bisschen vom Skill ab,
den man hat wahrscheinlich.
Also ich meine, IT ist jetzt wahrscheinlich auch nicht immer ganz so einfach.
Und wenn man einen hohen Skill hat,
dann kann man sich natürlich auch ein bisschen
wahrscheinlich die Arbeitsumgebung dann aussuchen.
Und man muss natürlich dazu sagen,
nicht jeder Japaner arbeitet so, wie man sich das oft vorstellt.
Sondern es gibt auch in Japan Leute,
die, ich sag jetzt mal in Anführungszeichen, chillen.
Die einen etwas einfacheren Job,
aber lockereren Job haben.
Die vielleicht auch nur viermal die Woche arbeiten oder was weiß ich was.
Ja, ich habe auch gerade noch ein bisschen drüber nachgedacht,
über quasi meine etwas komfortablere Situation im Arbeitsleben hier in Japan.
Und wie du sagst, zum Thema Skill und IT und so weiter.
Und das sind definitiv Sachen, die das begünstigen.
Denn ich glaube, bei IT,
da habe ich einfach das Glück, jetzt quasi in der Sparte unterwegs zu sein,
wo IT-Engineers, also Programmierer gesucht werden.
Und klar, wenn natürlich mehr Nachfrage da ist,
als der Markt an Arbeitskraft zu bieten hat,
dann kannst du dir den Arbeitsplatz aussuchen.
Dann haben natürlich die Firmen auch einen Ansporn,
die Arbeitsbedingungen zu verbessern, damit sie eben Leute anstellen können.
Und das heißt, da bin ich jetzt in der glücklichen Lage,
dass natürlich IT die Firmen gucken, wie sie ihr Talent behalten können.
Und dann verbessern sich entsprechend natürlich Gehalt und Arbeitsbedingungen.
Das ist natürlich was, was auch teilweise dann aus dem Westen, USA und so weiter,
so ein bisschen auch rüberschwappt,
dass da Engineers mittlerweile natürlich sehr gut bezahlt sind und gefragt sind.
Ich habe jetzt hier in Japan keine Bezahlung,
wie ich sie irgendwie in Silicon Valley in den USA hätte.
Aber man, es ist halt schon so weltweit natürlich eine Branche,
wo es ganz gut aussieht.
Ja.
Und ja, das ist natürlich sehr angenehm gerade.
Hast du Freunde, denen es anders geht?
Also bei denen du siehst, dass die irgendwie halb verzweifeln
und Überstunden ohne Ende machen?
Also ausländische Freunde, meine ich jetzt vor allem.
Ja, ja.
Also ich glaube, ich kenne keinen, der wirklich auf dem Zahnfleisch geht.
Aber also man hört immer mal wieder so Storys,
dass da irgendwie auch mal Stress auf Arbeit ist oder zu viel los
oder dass es den Leuten nicht so gut geht.
Das passiert schon auch alles.
Aber ich glaube, meistens lässt es sich irgendwie arrangieren.
Also teilweise entweder durch quasi Diskussionen mit der Firma
oder dann Absprache mit dem Chef, dass es irgendwie ein bisschen wieder eingeringt wird,
dass es nicht so krass wird.
Oder dann wahrscheinlich durch einen Jobwechsel,
wenn man irgendwann keinen Bock mehr hat.
Ich glaube, das ist jetzt nirgendwo so,
dass es die Leute halt echt komplett kaputt macht.
Ich glaube, wenn es halt wirklich schlimm ist,
dann wechseln die Leute halt irgendwann den Job und gut ist.
Und die meisten Ausländer, die ich hier kenne, die hier arbeiten,
das sind sowohl Leute aus dem Westen, sag ich mal,
als sowohl dann zum Beispiel auch irgendwie Leute aus Taiwan, Korea oder so,
also asiatische Ausländer, wenn man so will,
aus dem näheren asiatischen Umfeld quasi.
Aber das ist eigentlich bei allen so, dass die,
ja, ich würde einfach sagen, die arbeiten ganz normal
und ab und zu wechseln sie mal den Job,
wenn die irgendwie Bock haben auf was Neues und so.
Aber das ist bei den Japanern, die ich kenne, eigentlich auch so,
dass die dann irgendwann vielleicht den Job auch wechseln oder so.
Ja, das kenne ich auch.
Ich glaube, ich habe in meinem Umfeld jetzt wirklich nicht so ein Beispiel,
wo ich sagen würde, ja, da läuft es total krass
oder der oder die läuft komplett auf dem Zahnfleisch.
Das ist alles so ja normal.
Man arbeitet halt ab und zu, wechselt mal den Job,
man läuft es gut, man läuft es nicht so gut,
man hat mal Glück, man hat mal Pech.
Also es ist so, ich habe da jetzt wirklich,
ich habe das Gefühl, ich kann da nicht so viel zu sagen,
weil es läuft halt irgendwie.
Das ist eine langweilige Antwort, aber ja.
Ne, das ist aber auch, wenn ich, also,
es gibt hier in der Familie auch einige,
bei der Familie meiner Frau Mitglieder,
die zum Beispiel im Service arbeiten.
Und ich meine, wenn man sich so die Statistiken anguckt,
ist der Service einer der Bereiche in Japan,
die am meisten Überstunden machen.
Und da hört man auch immer mal wieder davon,
dass wenn irgendwie zum Beispiel jetzt ein Angebot ist
während der Golden Week oder während Neujahr,
dass dann eben besonders mal
eins, zwei, drei Überstunden gemacht werden.
Aber so im Großen und Ganzen muss ich auch sagen,
klar, die arbeiten fünfmal die Woche,
aber ich meine, das ist ja der Standard eigentlich,
fünfmal die Woche zu arbeiten mindestens.
Die haben aber auch meistens zwei freie Tage in der Woche.
Und das, was ich da auch so mitkriege,
ist jetzt nicht dieses Bild,
dass man ausgebeutet wird, weißt du.
Klar, diese Firmen gibt es mit Sicherheit in Japan.
Davon bin ich überzeugt, dass es die gibt,
die ihre Leute ausbeuten und heftig Überstunden machen lassen.
Aber ich habe auch manchmal so ein bisschen das Gefühl,
dass dieses Image,
was man vielleicht in Deutschland oft auch noch hat,
dass das ein bisschen aus den 1960er, 70er, 80er,
als wirklich so diese Salaryman-Kultur
so richtig nach vorne kam,
dass das da noch so ein bisschen herkommt.
Aber im modernen Japan
sich, wie du ja eben auch sagtest jetzt,
du arbeitest full remote
und gerade während den letzten zwei Jahren
gab es ja schon Firmen,
bei denen man das machen konnte.
Ich meine, im Service, remote arbeiten,
funktioniert halt schlecht.
Du kannst nicht irgendwie Kleidung von zu Hause aus verkaufen
und die Kasse machen, das geht halt nicht.
Aber ich denke schon,
ich habe von so vielen auch Salarymans
irgendwie aus der Wirtschaft gehört,
dass die remote Arbeit hatten oder machen konnten.
Ich glaube, da tut sich halt auch einfach einiges.
Ich habe so zumindest den Eindruck
von diesem Bild, was du gerade beschrieben hast,
dass sich das da schon
gebessert hat oder bessert
oder nicht mehr in der breiten Fläche
so übel ist, wie es vielleicht mal war.
Das ist schon auch so mein Eindruck.
Du hast es gerade angesprochen,
mit der Pandemie ist halt remote
auch natürlich stark verbreitet jetzt in Japan,
was vorher auch nicht so der Fall war.
Das sind alles so Sachen.
Es gibt aber, ich erinnere mich gerade,
ich habe doch so ein paar Beispiele
auch im Freundeskreis,
wobei das ist jetzt bei Japanern,
dass die sehr viel Überstunden
teilweise auch machen mussten
oder machen müssen.
Aber das ist dann auch häufig so,
dass du irgendwie, was weiß ich,
der eine Kollege, der kann gerade nicht mehr
oder der wechselt den Job,
weil er nicht mehr kann
oder der macht irgendwie Pause,
weil er irgendwie fertig ist
und dann muss der Rest vom Team
die Arbeit übernehmen
und man kann erst wieder zum 1. April mal Neues dazuholen.
Bis dahin muss man irgendwie auf dem Zahnfleisch kriechen
oder es läuft mit dem Boss nicht so gut
und dann hat man da Stress mit dem Boss
und so. Gibt es schon auch alles,
aber...
Ich denke, die Moral von der Geschichte ist einfach,
es gibt, also es ist in Japan
durchaus möglich, auch ohne Überstunden
zu arbeiten und das auch
für ein vernünftiges Gehalt.
Und zum Beispiel Karoshi ist auch was,
was Leute immer ansprechen,
dieser Tod durch Überarbeitung.
Das ist halt auch eine Sache, die gibt es in Deutschland
ja genauso, nur dass
das nicht so thematisiert wird.
Das heißt dann Burnout oder das heißt dann
was weiß ich wie.
Aber ich meine, ich kenne zum Beispiel jemanden in Deutschland
auch, der arbeitet bei einer großen Firma,
die machen groß angelegte Produkte
mit Millionen Dollar, die involviert sind
und der Junge,
der ist halt auch am Wochenende in der Firma.
Also der arbeitet halt
ohne Ende, so dass man sagen könnte,
die Arbeit ist eigentlich sein Leben
und das in Deutschland,
in einer jetzt keiner deutschen Firma,
aber einer internationalen Firma,
wo du halt auch sagst, okay, in Deutschland
kann man sich halt auch tot arbeiten,
wenn man in einer entsprechenden Firma irgendwie
unterkommt, sage ich jetzt mal.
Das ist halt überall.
Ja, dann
wechseln wir vielleicht, machen wir einen kleinen Sprung
und zwar würde mich interessieren,
was würdest du sagen, was ist der Unterschied
zwischen jetzt einem Ausländer, der
in Japan glücklich
ist, so wie du, würde ich jetzt einfach mal
sagen, also du bist glücklich, oder in Japan?
Auf jeden Fall.
Und einem Ausländer, der vielleicht nach 1-2
Jahren unglücklich ist und
wieder zurück nach Deutschland geht?
Uff, da können so viele
Faktoren mit reinspielen.
Aber ich denke,
die einfachste Antwort ist wahrscheinlich so ein bisschen
das Mindset.
Also ich versuche einfach
gerade quasi im Kopf zusammen zu sammeln,
was sind so Punkte,
wo ich denke,
die mir geholfen
haben, oder die mir helfen quasi hier,
glücklich zu sein. Und ich glaube,
man muss einfach,
ja was heißt einfach,
solange man irgendwas an Japan hat,
was man gut findet, solange man quasi
denkt, boah, ich bin hier, das ist geil, ich bin dankbar,
dass ich hier bin, aber das ist was, was ich schätze.
Solange man irgendwas an Japan
schätzen kann,
und dafür dankbar sein kann, ich glaube,
diese Einstellung, dieses Gefühl, wenn man
sowas hat, dann ist es schon mal
eine gute Voraussetzung.
Und das ist,
das sind so viele Kleinigkeiten im Alltag,
dass du freundlich behandelt wirst, dass es sauber
ist, dass die Züge fahren,
dass du keinen Stress hast,
wenn du irgendwie durchs Land reist,
dass alles so gechillt ist, also diese
Wolken hier abfahren, das sind alles so Sachen,
die ich relativ angenehm finde hier.
Dann ein Punkt, ich meine klar,
Sprache hilft natürlich auch, wie gesagt,
je besser du die Sprache sprichst,
desto mehr verstehst du hoffentlich
auch wie die Japaner denken.
Und ich glaube, es ist auch so ein bisschen,
was ich sehr wichtig finde, ist
Anpassungsfähigkeit
beziehungsweise Offenheit.
Ich hatte mal irgendwann, ich glaube,
wir haben in der alten Firma, also ich war vorhin in einer anderen Firma,
da hatten wir mal
so einen
Persönlichkeitstest oder Strengthfinder
oder irgendwie so, wie das heißt,
das hast du da gemacht und da hast du dann
am Ende, also du hast dann dieses 5-Eck oder was
weiß ich wie viel Eck, also diese
5-Personality-Aspects
und wo dann irgendwie, wo dann bei dir
aussticht und so weiter und ich glaube,
mein
höchster Wert oder meine größte Stärke
war, glaube ich,
also Anpassungsfähigkeit
und da hatte ich
vorher nie so krass drüber nachgedacht,
aber dann kam dieses Ergebnis, ich habe gedacht,
stimmt eigentlich und
was das konkret bedeutet,
wenn du in Japan bist,
ist, dass du halt, glaube ich,
Sachen einfach akzeptierst
oder übernimmst, so wie sie hier sind,
weil es gibt so ein paar Kleinigkeiten, die man
immer wieder hört, was weiß ich, in Japan sind
ja die Häuser doof, weil die Wände sind
viel zu dünn und dein Lieblingsthema
die Leute waschen mit kaltem Wasser,
das geht ja gar nicht und so weiter
und da hat man natürlich so gewisse
Einstellungen
übernommen oder ja angenommen
aus seiner Zeit zum Beispiel in Deutschland,
die dann so ein bisschen über den Haufen
geworfen werden, wenn man hier herkommt,
weil manche Sachen in Japan einfach anders funktionieren
und da ist dann die Frage,
ob man dann sagt, ja ne, bei Deutschland ist das
so, das kann ja nicht sein, dass die das in Japan hier so
machen oder ob du sagst, ja, die machen
das hier so, ok, dann probiere ich das halt auch,
das wird schon entklappen, ne, einfach da quasi
ist man dafür offen oder will man
ein Seitenloader, der mit
warmem Wasser wäscht, ja, also es ist halt
und ich meine,
ganz ehrlich, ich hätte auch
lieber zum Beispiel, um die beiden Beispiele hier zu
nehmen, ich hätte auch lieber dickere Wände in Japan
und eine gescheite Waschmaschine, die
mit warmem Wasser wäscht, aber es ist jetzt
irgendwie kein Dealbreaker, ich meine, es
funktioniert auch so irgendwie, ich meine, gut, bei meiner
Wohnung sind auch zum Glück die Wände relativ
dick für Punch-Verhältnisse und
da einfach diese Offenheit
zu haben, quasi so
go with the flow, ne, do as the Romans
do, ne, mach halt so, ne, go
in die Heit, aber go nicht, egal, also, ne,
mach es halt so, wie die Leute um dich herum
und wenn man da einfach so ein bisschen
versucht, quasi so mitzuschwimmen, wie
es halt in Japan funktioniert, dann
ist man da, glaube ich, auf einem guten Weg und eine
Sache, die du, glaube ich, auch schon häufig angesprochen hast
in deinen Videos, ist einfach
im Zweifelsfall, guck was
die Japaner um dich herum machen
und mach es irgendwie so mit oder mach es irgendwie
auch so und ich glaube, wenn man da einfach
auch da diese Offenheit oder diese
diesen Willen zur ein Stück
weit Anpassung hat, dass man einfach guckt, ne,
wie machen die Japaner, kann ich das auch
so machen, das sind, glaube ich,
so Sachen, die es einem
extrem angenehmer
machen, wenn man hier ist,
ja, und dann, ich meine, generell
noch eine Sache, das jetzt bei mir persönlich einfach
ein Thema ist,
ich bin, glaube ich, schon
von früher von Natur aus quasi ein
Konfliktscheuer
Mensch, also ich lasse halt
gerne andere in Ruhe und werde gerne in Ruhe gelassen
und das ist halt so ein Ding in Japan, ja,
du wirst halt einfach in Ruhe gelassen
und du lässt andere in Ruhe und man
lebt so friedlich miteinander
und das finde ich halt mega gechillt
und das ist halt
noch so mit einen Punkt, quasi so
der ursprüngliche
Charakter, ich glaube, ich habe einfach
schon von Anfang an ein paar
Charakterzüge, die quasi ganz
gut Japan-kompatibel sind, das
hilft natürlich auch
und ja, deswegen, um das nochmal irgendwie zusammenzufassen
ein bisschen, quasi Charakter, dann
die Grundeinstellung, ist man offen, hat man
was, was man hier schätzt, dann natürlich
halt auch die Sprache, wir haben lang und breit
darüber geredet
und ja, ich glaube, wenn man das alles ein bisschen
mitbringt, genau
ein Grund zum Thema, man lässt sich in Ruhe
das ist, glaube ich, auch
ein
quasi Rezept
um sich hier unüblich zu machen, ist wenn man
quasi so seine, was man
in Deutschland teilweise hat, diese Brachialität
wenn man das halt mitbringt, ja, warum habt ihr denn
hier so dünne Wände und warum wäscht ihr denn
Kalt und so weiter, wenn du halt so was
zum Ersten denkst und dann zum Zweiten so was
den Japanern um die Ohren haust
dann wirst du dich auch nicht wundern müssen, wenn die Japaner
dich in Ruhe lassen, also sich von
dir entfernen und du keine japanischen Freunde
findest, ne, also wenn du halt hierher kommst
und dann mit Japanern komplett auf Konfrontationskurs
gehst, dann kann's halt
auch nicht funktionieren
deswegen, da so ein bisschen den Ball flach halten
ein bisschen gucken, ah ja, ihr macht das so
okay, cool, ich glaube, dann
geht das schon alles, ja
Ja, das stimmt, vor allem, was mir gerade
auch eingefallen ist, weil du ja sagtest so
dass die Japaner ein bisschen konfliktscheu
sind und einen in Ruhe lassen
das ist, finde ich, eigentlich auch
ein guter Punkt oder ein
Punkt, der für mich das Leben
relativ einfach hier macht
weil im Grunde kannst du ja machen, was du willst
also es gibt so ein paar öffentliche Regeln, an die
man sich halten sollte, aber im Grunde
lassen dich die Leute ja in Ruhe, sag ich mal
und ich finde
man hat sehr viel Freiheit hier auch
also klar, es gibt theoretisch
viele Regeln und
aber ich empfinde das irgendwie nicht als Zwang, sondern
ich finde, die Japaner lassen einen schon das
machen, was man machen möchte
es gibt so eine, wie soll ich das beschreiben
so eine Art gesellschaftlicher
Zwang, der vor allem für Japaner natürlich
greift, also um ein ganz einfaches Beispiel
zu machen, diese Gakurekishakai
zu sagen, ja, du musst auf eine gute Oberschule
du musst auf eine gute Uni gehen
das ist natürlich ein Zwang, den viele Japaner
spüren, die in Japan aufwachsen
aber im Grunde ist das ja kein Muss
du kannst theoretisch ja sagen, ich
mache mich frei von dem gesellschaftlichen Zwang
oder der Idee, die da steht und ich
gehe meinen eigenen Weg, was ja auch
Japaner machen durchaus, die dann irgendwie ihr kleines
Café eröffnen oder die sich als
Friseur selbstständig machen oder als Handwerker oder
sonst irgendwas, das sind ja meist nicht die, die
dann auf der Uni waren und
irgendwie diesen Weg gegangen sind
und ich finde, klar, es gibt gesellschaftliche Bilder
auch, die einen werden besser angesehen als die anderen
aber am Ende des Tages lassen dich
Japaner eigentlich machen
das finde ich ganz nett eigentlich
das finde ich ganz gut
ja, es ist zum einen
es ist ein guter Punkt
das, wo fange ich am besten an
zum ersten Punkt
gesellschaftlichen Regeln
es gibt natürlich mehr so gesellschaftliche Regeln in Japan
und auch mehr so ungeschriebene Regeln
und die
schränken es theoretisch natürlich
krasser ein, als jetzt was weiß ich, zum Beispiel
in Deutschland oder woanders
und auch da als Ausländer
man muss sich vielleicht nicht so dran halten
und auch da als Ausländer vielleicht eher
weniger als Japaner
aber das finde ich ist schon so ein Ding
diese gesellschaftliche Regeln
die finde ich sollte man auf jeden Fall versuchen
so gut es geht
zu befolgen
und nicht zu sehr irgendwie dafür
sein zu lassen, denn es ist ja auch
so quasi
als Ausländer wird es von dir vielleicht
nicht so sehr erwartet, aber wenn du es dann nicht
machst, dann heißt es ja vielleicht trotzdem
dann hinter deinen Gründen
der Ausländer
und das will ich halt auch vermeiden
dass ich quasi
dieses
schlechte Bild eines Ausländers
das will ich halt nicht weiter befeuern
deswegen versuche ich halt schon auch mich weitestgehend
eher ganz gut
anzupassen oder gesellschaftliche
Regeln zu befolgen
damit ich eben nicht der Ausländer bin
der da irgendwie quasi dann das Bild
von Ausländern
schlecht macht und dann damit auch wieder quasi
anderen Ausländern indirekt
das Leben schwer macht
was aber im Umkehrschluss
extrem
angenehm ist
dass du
eher relativ in Ruhe
gelassen wirst im Sinne von
dir wird halt einfach nicht so viel
Meinung und Kritik
um die Ohren gehauen
das ist halt wirklich ein krasser Unterschied
und also
ich finde in Deutschland
ist man so schnell
in einer Situation
in einem Gespräch
oder so
in der man sich irgendwie
rechtfertigen muss oder
meine eigene Meinung kundtun muss
oder gegen die Meinung des Anderen
oder gegen die Kritik des Anderen
argumentieren muss
und sowas passiert in Japan halt einfach nicht
und das ist wirklich ein Punkt den ich hier so
mega entspannt
finde. Mir fällt gerade ein Beispiel ein
ich glaube der Hauke, ein cooler Streamer auf Twitch
der hat das mal erwähnt
also das Beispiel ist einfach so geil
und ich finde das beschreibt es einfach perfekt
deswegen leichte ich das Beispiel mir gerade mal aus
stellt euch vor, stell dir vor lieber Kevin
lieber Kevin du kaufst jetzt, du bist ja der König von Osaka
und du kaufst jetzt ein richtig geiles Haus am See
dein Palast, ein Haus am See
richtig cool, so gechillt in der Natur
da hast du den See vor der Tür
und jetzt gehst du zu deinem
japanischen Freund und sagst deinem japanischen
Freund, jo hier ich hab mir dein Haus am See gekauft
dann wird der japanische Freund wahrscheinlich sagen
oh ist ja mega schön, ist ja Natur, ist ja See
und lass mal Barbecue machen, ich komm vorbei
die wird das wahrscheinlich feiern
ist so eine Reaktion die man wahrscheinlich häufig
von einem Japaner kriegen würde. Jetzt gehst du
zu deinem deutschen Freund, jetzt kommst du zum Senpai
und sagst, jo Senpai
du gehst zu deinem deutschen Freund
der böse Senpai
ich hab jetzt ein Haus am See gekauft
dann sagt jetzt vielleicht der Deutsche
ja aber ist schon ganz schön teuer
am See und ist ja auch ganz schön weit weg
ist jetzt ein bisschen unpraktisch
und da hast du bestimmt auch mega viele Mücken
und so ja und im Winter ist es
wahrscheinlich mega kalt
da kriegst du halt so viel
Kritikpunkte oder Zweifel
oder was weiß ich um die
Ohren gehauen, wo du dann erstmal sagen müsst
ja ne da gibt es aber keine Mücken
im Winter ist es auch nicht so schlimm
aber ich will doch gerade weit weg, weil da ist das so schön ruhig
und ich will ja aus der Stadt raus, deswegen kauf ich mir das
und du musst dann dich
für so viele Sachen so schnell so
rechtfertigen, obwohl du einfach nur eine schöne
Geschichte erzählst, also ich hab ein Haus am See gekauft
das ist auch ein anderes
Beispiel zu nennen, ich sag jo hier Kevin
das Wetter ist schön und dann kommst du
als Deutscher, jetzt so richtig Deutscher
aber das war ne Wolke und gestern hat es geregnet
was erzählst du hier, also es sind einfach so
Situationen, die einem
in Deutschland immer wieder so random
passieren können, sodass
man einfach so random, ich nenne es immer
attackiert, dass man so random verbal
quasi attackiert wird
in Anführungsstrichen und dann direkt
quasi auf Barrikade gehen müssen, ja ne
aber da ist doch nur eine Wolke, das ist doch schönes Wetter
ja ne aber der See ist doch schön, verstehst du
und das ist, ich finde das so mega ermüdend
also du merkst es gerade schon, ich finde das so
mega ermüdend einfach und das hast du halt
hier in Japan gar nicht und das finde ich so
mega entspannt, ich kann da einfach sagen
ja das Wetter ist schön, dann sagt der Japaner, ja das Wetter ist schön, fertig
Ja, ja, ja
Du hast recht, das ist glaube ich
dieses Nachfragen
dieses Warum
Warum machst du das so?
Warum hast du dir das gekauft?
Wie, sowas? Also zum Beispiel, ich glaube wenn du
in Deutschland dir ein Futon kaufst
und sagst, ich mache jetzt einen auf japanischen
Stil, ich habe mein Bett rausgeworfen, ich habe mir ein Futon
geholt und du lädst Leute zu dir
nach Hause ein, das wäre auf jeden Fall
würdest du gefragt werden, wo ist dein Bett?
Wie, ein Futon?
Du schläfst ja fast auf dem Boden, ist das nicht viel
zu hart? Bekommst du nicht Rückenschmerzen?
Geh mal zum Japaner
und sag, ich habe mein Futon weggeschmissen
ich habe mir jetzt irgendwie so ein Boxspringenbett von
Ikea geholt. Boah nice, schläft
sich bestimmt gut, so, weißt du?
Fertig, ja. Das ist halt so ein bisschen der Unterschied
du hast recht, man muss sich oft rechtfertigen
und das, ich glaube das ist auch das
was ich eben meinte, so ein bisschen mit
die Japaner lassen dich leben, also
egal was du machst, wenn du dir
eine Waschmaschine kaufst, die seitlich wäscht
ist den Japanern egal, wenn du dir eine kaufst
die diagonal wäscht, ist den Japanern egal
wenn die heiß, kalt, Verbrenner
wäscht, was auch immer, ist der Japaner
egal, so. Niemand würde
mit dir versuchen, eine Diskussion
darüber anzufangen, warum die eine
Waschmaschine viel besser ist als die andere
Stimmt, ja
das ist echt, das ist ziemlich angenehm
Das finde ich mega angenehm
auch dieses
lassen dich in Ruhe, das kann halt auch
also in dem Aspekt, den wir gerade besprochen haben
finde ich das halt mega angenehm
aber es ist halt trotzdem
ich habe so das Gefühl und dann
kommen wir wieder ein bisschen zurück auf diese gesellschaftlichen
Regeln, ich habe schon das Gefühl, dass
man sich
gegenseitig in Ruhe lässt
unter der Voraussetzung, dass man
quasi so, dass das Grundlevel an
gesellschaftlichen Regeln erfolgt
weil wenn du zum Beispiel irgendwie
deinem Nachbar gegen
Pfand machst und so weiter, dann
dann
ist nicht mehr okay
und dann also wenn du quasi
Stress
provozierst oder dich quasi
kompatibel mit der
Gesellschaft verhältst, dann passiert
was interessantes und dann wirst du zwar auch
in Ruhe gelassen, aber dann im Sinne von
alle entfernen sich von dir
und du bist am Ende alleine da, das ist ja quasi
das, was in Japan passiert
das sagt dir vielleicht keiner ins Gesicht, aber du stehst halt
einfach am Ende alleine da, weil keiner
Bock hat, mit dem verrückten Ausländer abzuhängen
Ja, es ist, wenn du das Grundlevel
wenn du die Basics
bewahrst, dann on top
alles was on top kommt, kannst du machen, was du willst
im Grunde, solange du dieses
Basislevel hast
Genau, das würde ich schon sagen, deswegen
es ist auf jeden Fall wichtig, nur dass man drauf
achtet und dann kann man
glaube ich, wenn man das quasi
überfolgt, dann ist der Rest sehr entspannt
Ja
Das denke ich auch, ja
Ja, dann, lieber Senpai, zum Schluss habe ich noch
eine Frage an Sie
Yes, Sir
Was sind Ihre Zukunftspläne?
Weitere acht Jahre in Japan
die Eijyuken, also die
wie nennt man das auf Deutsch?
Die unbeschränkte Aufenthaltsgenehmigung
Ja, die Dauerwiesen, genau
Möchten Sie Japaner werden?
Oder überlegen Sie vielleicht
keine Ahnung, in den
Südtropen, ins südtropische Afrika zu ziehen
und dort ein neues Leben zu beginnen
Keine Ahnung, was
sind Ihre Pläne?
Ja, genau, du hast vieles schon erwähnt
was ich im Prinzip bei Jahren kann, also das mit
Japaner werden und nach Afrika ziehen, das vielleicht
nicht, aber
also erstmal die Eijyuken, genau das
Dauerwiesen, das steht eigentlich schon
eine Weile auf dem Plan
Das will ich aber dieses Jahr unbedingt machen
Ja, dann habe ich nämlich
erstmal visumstechnisch, bin ich quasi
komplett in trockenen Tüchern, hier, dann muss ich
kein Visum mehr erneuern, beantragen
Das habe ich von mir her geschoben, weil
das so viel Arbeit ist, aber das will ich dieses
Jahr auf jeden Fall machen und dann
wäre erstmal meine Visumsituation
quasi endgültig geklärt
hier in Japan und dann brauche ich auch
keinen Japaner werden, weil kann ich ja trotzdem in Japan
bleiben, zum Thema
weitere 8 Jahre bleiben
Also ich habe auf jeden Fall vor, noch länger in Japan
zu bleiben, auf jeden Fall, mindestens mal bis ich die
Eijyuken habe, ja
Ich habe aber darüber hinaus
noch keine konkreten
Pläne, also ich wäre dem
auch nicht abgeneigt, nochmal irgendwo anders
auf der Welt zu leben, wobei ich das im Moment
eher nicht komme, sehe
aber sag niemals nie
Deswegen ist es sehr wahrscheinlich
dass ich noch weitere 8 Jahre
und vielleicht auch noch länger in Japan bleibe
Ich hätte, wie vorhin schon mal angesprochen
auch Interesse, mal woanders
in Japan zu leben
aber das ist halt so ein Punkt
da muss ich so ein bisschen gucken, auch quasi
wie es sich anbietet
ich könnte jetzt natürlich einfach sagen, ich ziehe nach Okinawa
aber dann bin ich auf Okinawa
und habe da keine Freunde, dann bin ich online
in Okinawa und meine Freunde sind alle in Tokio
also es sind halt alles so Sachen
und dann auch quasi Kosten-Nutzen
lohnen sich die Kosten
irgendwo hinzuziehen und habe ich dann genug Nutzen davon
und deswegen im Moment
bin ich halt einfach noch hier in Tokio
hier sind auch meine Kumpels und Kollegen
und hier läuft die Kiste
und das ist im Prinzip alles
was ich dazu sagen kann
eine Sache noch zum Thema
Visum und um hier
das Thema YouTube auch nochmal anzusprechen
schamloser Eigenwerbung
ich habe ja meinen eigenen Kanal
Senpai in Japan gestartet
und jetzt dann auch den Podcast
zweieinhalb Geilsten Podcast mit MrNippon
und Stefan, auch da Kevin
wir würden dich natürlich gerne irgendwann mal als Gast
dann muss ich mal vorbeikommen bei euch in Tokio
das müssen wir auf jeden Fall irgendwann mal realisieren
aber genau, also lange Rede kurzer Sinn
ich habe ja hier so ein bisschen YouTube-Zeugs am Laufen
und da wäre
natürlich auch interessant
ob man das nicht in Zukunft vielleicht noch
weiter ausbauen kann
im Sinne auch von quasi
weniger normal arbeiten in meinem Hauptjob
und dann mehr YouTube machen oder so
was ja dann möglich wäre, wenn ich das Dauervisum habe
weil da kann ich quasi jobmäßig machen
was ich will, das heißt es ist so
ein Gedanke, den ich schon lange so im Hinterkopf
irgendwie habe
der sich aber im Moment noch nicht anbietet
denn erstens mal ist mein YouTube weit davon weg
dass ich davon irgendwie leben könnte
als auch die Visum-Situation muss ich natürlich
erstmal quasi klar kriegen
aber ja
deswegen, man darf gespannt sein
was die Zukunft bringt, aber erstmal
angel can und ja, dann schauen wir weiter
ja, wenn ihr verfolgen wollt
wenn ihr Senpais Zukunft sehen wollt
dann schaut auf jeden Fall bei Senpai in Japan vorbei
ich denke da wirst du ja Videos
drüber machen, wenn du auf einmal
in den afrikanischen Buschwald ziehst
oder wohin auch immer
also ja, wenn es
wir können auch den Nordpol nehmen, ist auch okay
nee, das ist zu kalt
ist zu kalt, sagt er
aber genau, schaut auf jeden Fall bei Senpai in Japan vorbei
vielen Dank, dass du Lust hattest
heute ein bisschen über dein Leben hier in Japan zu reden
über deine Arbeit und
wie das alles so läuft
da würde ich einfach sagen, bis zum nächsten Mal
schaut bei Senpai vorbei
und vielen Dank fürs Zusehen
Byebye
