Die Holsterburg bei Warburg: Von der Entdeckung bis zum 3-D-Modell

LWL-Archäologie für Westfalen
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156 Videoaufrufe·01.11.2024
Die in Westfalen einzigartige Holsterburg gehört zu den wenigen achteckigen Burganlagen des hochmittelalterlichen Europas. Von 2010 bis 2017 grub die LWL-Archäologie für Westfalen die stauferzeitliche Wehranlage nahe Warburg vollständig aus. Nachdem die Burg im Jahr 1294 komplett zerstört wurde, geriet sie in Vergessenheit. Jetzt zeigt ein 3-D-Modell ihr einstiges Aussehen.
Ich hab das mit meinem kleinen Troja verglichen hier. Das ist wie Troja. Wenn man in Troja ist, dann ist das ja auch so ein Hügel.
Und wenn man hier ist, dann denkt man immer, das ist Troja in klein.
Und wenn man dann noch so ein Objekt wie die Holsterburg hat, das ist quasi die Krönung eines Archäologenlebens.
Schwierig, komplex, aber genial und macht unglaublich Spaß.
Die Holsterburg bei Warburg.
Seit 2010 geht die LWL-Archäologie für Westfalen mit einer umfassenden Forschungsgrabung den Geheimnissen der Anlage aus dem 12. Jahrhundert auf den Grund.
So sah die Burg vor Beginn der Grabungen aus. Gewaltige Mengen aufgeschütteter Erde bedeckten damals ihre Mauern.
Eine Entdeckung von Dr. Hans-Werner Peine, Leiter der LWL Mittelalter- und Neuzeitarchäologie, brachte die Ausgrabungen damals in Gang.
2010 wurde die Burg im Zuge der Landesaufnahme vermessen. Sie war bekannt als Turmhügelburg.
Beim Besuch des Vermessungstrupps sah ich einen mächtigen Eckquader.
Und dieser Stein war schließlich Stein des Anstoßes für die nachfolgenden Sondagen und Ausgrabungen.
Bei den Untersuchungen stellt sich heraus, die Burg hat einen oktogonalen, also achteckigen Grundriss.
Für die Forscher eine archäologische Sensation, denn nur sehr wenige Anlagen dieser Bauart existieren in Europa.
Die Holsterburg ist die am nördlichsten gelegene.
Die historischen Quellen verraten nicht viel. Um 1191 wird die Burg zum ersten Mal urkundlich erwähnt.
Hundert Jahre später liegt sie schon wieder in Schutt und Asche.
Auch im Brunnen der Burg stößt das Team von Grabungsleiter Kim Wegener auf deutliche Spuren der Zerstörung der Anlage.
Bei der Zerstörung der Burg ist auch der Brunnenschacht der Holsterburg mit Abbruchschutt und geschwärztem Steinmaterial verfüllt worden.
Das ist ein Indikator für das Schadereignis, das 1294 hier stattgefunden hat.
Ständige Konflikte der Besitzer der Herren von Bercoula mit der benachbarten Stadt Warburg führten letztendlich zur Zerstörung der Anlage durch ein Städtebündnis.
Die Burg gibt ihre Geheimnisse nur langsam preis. Dinge, die vorher als gesichert galten, wurden von den Ergebnissen der Ausgrabungen teilweise widerlegt.
So wurde die Anlage lange als Wasserburg eingeordnet.
Boden- und Pollenuntersuchungen der Geoarchäologie und Archeobotanik der Uni Köln haben dies mittlerweile eindeutig widerlegt. Es gab keinen Burggraben.
Das Wappen der Bercoulis. Zwei Morgensterne und eine Rose bezeugen die Streitbarkeit der Familie, die auch sehr reich gewesen sein muss.
Denn beim Bau der Burg scheuten sie keine Kosten. Das zeigen auch die noch erhaltenen Teile der Außenfassade.
Hier sehen wir die aufwendig verarbeiteten Glattquader der Schaufassade der Holsterburg, die mit einem feinen Fugenmörtel mit Fugenstrich von den Steinmetzen und Mauern versetzt wurden.
Dieses war ein sehr teures Unterfangen, was sich nicht jeder Burgherr leisten konnte.
Besuch an der Fakultät für Architektur und Bauwesen der Hochschule Karlsruhe.
Archäologe Kim Wegner hat Mörtel und Steinproben der Außenfassade der Holsterburg für Prof. Dr. Erwin Schwing im Gepäck.
Die Untersuchungen des Mörtels bestätigen die hohe Qualität der verwendeten Materialien.
Es ist so, dass wir hier einen besonders guten Mörtel haben, mit sehr hoher Güte, vergleichsweise sehr hohem Kahlgehalt.
Umgangssprachlich könnte man sagen, hier wurde nicht gekleckert, hier wurde richtig geklotzt, was die Mörtelqualität angeht.
Aber wie hat die Burg damals ausgesehen?
Übrig geblieben sind nur die Reste von Fundamenten und Teile des aufgehenden Mauerwerks.
Um eine Antwort auf diese Frage zu bekommen, führen die Forscher einen 3D-Laserscan durch.
A wird einmal die Lage gescannt und B aber auch die Farbinformation zum Beispiel der Steine.
Und später werden diese Millionen von Punkten, die dieser Scanner erfasst, in einer Software ausgewertet,
sodass am Ende ein wirklich realistisches 3D-Modell der Burganlage entsteht.
Das 3D-Modell wird den Forschern helfen, die Burg zu rekonstruieren.
Auch zweidimensionale Techniken wie Fotogrammetrie werden eingesetzt, um die Außenmauern entzerrungsfrei zu dokumentieren.
Die Wohnqualität innerhalb der Mauern war auf einem hohen Niveau, darauf lassen die Reste einer modern anmutenden Heizungsanlage schließen.
Die verläuft über vier Oktogon-Segmente auf einer Gesamtlänge von 36 Metern.
Und hier neben mir haben wir halt eben einen Abschnitt dieses Heißluftkanals noch einmal im Profil,
wo man eben sehr gut reinsehen kann, wie man sich das ursprünglich in seiner Ausgestaltung vorstellen muss.
Eine mittelalterliche Wandheizung? Damals keineswegs Standard beim Burgenbau und deswegen ein ganz besonderer Fund.
Auch zahlreiche Tierknochen gehören zu den Funden. Es sind die Essensreste der Burgbewohner.
Um festzustellen, was damals vorwiegend auf ihrem Speisezettel stand, bringt Kim Wegner Proben des Materials zum Fachbereich Archäozoologie der Universität Köln.
Dr. Nadine Nolde braucht nur wenige Knochenfragmente, um die zugehörige Tierart bestimmen zu können.
Sie stellt fest, dass Schweine den Hauptanteil der Fleischversorgung ausmachten.
Aber auch Rind und Geflügel dienten als Nahrungsquelle.
Ein ganz bedeutender Fund wird in der Klimakammer der LWL-Archäologie in Münster verwahrt.
Es ist ein kunstvoll gearbeiteter Elfenbeinkamm mit einer Jagdszene, der wohl in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts verloren ging.
Eine absolute Rarität.
Die Situation innerhalb der Burg ist außerordentlich komplex.
Während Laien beim Blick auf ein Grabungsprofil höchstens Brandreste sehen, kann Kim Wegner darin lesen wie in einem Geschichtsbuch.
Die Holsterburg war im Prinzip über 120 Jahre mehr oder weniger eine permanente Baustelle.
Diese einzelnen Bauabschnitte und unterbrechenden Brände, Zerstörungen, Abbrüche usw.
spiegeln sich in Schichtungen wieder, die man in den Profilen halt eben aufnimmt.
Und das daraus gewonnene keramische Material, das datiert uns sozusagen diese einzelnen Schichten.
Und in diesem Falle hier haben wir beispielsweise mal einen Brandhorizont, den wir über das keramische Material tatsächlich in die Zeit um 1200 datieren können.
Das heißt also in diesem Bereich der Burg hat es um 1200 mal gebrannt.
Trotz kleinerer Katastrophen wurde an der Burg also immer wieder weitergebaut, bis sie 1294 endgültig zerstört wird.
Die Holsterburg zählt sicherlich zu den bedeutendsten Burganlagen, die wir in ganz Westfalen haben.
Niemand hätte gedacht, als wir 2010 mit den Ausgrabungen begonnen haben, dass tatsächlich ein derart guter Erhaltungszustand von Funden und Befunden
uns eine Rekonstruktion einer stauferzeitlichen Burganlage erlaubt, die europäischen Rang hat.
Mithilfe der aus dem 3D-Scan gewonnenen Daten und anderem Vergleichsmaterial haben die Experten das ursprüngliche Aussehen der Burg rekonstruiert.
