Nie getragen: Zwei Legionärshelme aus dem Römerlager von Haltern

LWL-Archäologie für Westfalen
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92 Videoaufrufe·01.11.2024
Im Jahr 2017 entdeckte ein Team der LWL-Archäologie für Westfalen einen seltenen Fund im Römerlager von Haltern am See: Zwei ineinander steckende Helme von römische Legionären. Die eisernen Helme waren stark korrodiert und wurden daher aufwendig restauriert. Das überraschende Ergebnis der Untersuchung: Die beiden Helme kamen offenbar nie zum Einsatz. Sie sind nicht fertig gestellt und dazu noch schadhaft. Vermutlich handelt es sich um eine Fehlproduktion, die hier entsorgt wurde.
Das Römerlager von Haltern.
Im März 2017 stoßen hier Ausgräber der LWL-Archäologie auf einen außergewöhnlichen Fund.
Was zuerst aussieht wie ein Stein oder eine Kanonenkugel, entpuppt sich schließlich als römischer Helm.
In der ersten Untersuchung wird schnell klar, der ca. 2000 Jahre alte Fund ist komplexer, als es zunächst scheint.
Ja, guck mal hier. Hier haben wir eine Bruchkante und hier, das könnten echt zwei ineinander gesteckte Helme sein.
Auch hier mit dem Nackenschutz haben wir auch gedoppelt.
Das sollten wir im Röntgen mal überprüfen, ob sich das da auch zeigt.
Mit Röntgenstrahlen wollen die Restauratoren herausfinden, ob sich vielleicht sogar zwei Helme in dem zusammengebackenen Klumpen befinden.
Doch das Ergebnis bleibt unklar. 2000 Jahre Korrosion, Sand und Erde machen es schwer, ein klares Bild zu gewinnen.
Ja, bei dir wird es jetzt wieder so schwammig, grisselig, das kriegen wir nicht mehr hinzupacken.
Einige Tage später in Dortmund.
Industrielle Computertomographie soll das Unsichtbare sichtbar machen.
Das moderne Untersuchungsverfahren bietet eine höhere Kontrastschärfe.
Dadurch sind mehr Details zu erkennen.
Auch ob sich anderes Material wie Leder zwischen dem Eisen befindet, wird mit dieser Methode sichtbar.
Nach Abschluss der Aufnahme ist es möglich, den Fund in 3D-Ansicht zu untersuchen.
Jetzt wird endlich klar werden, was damals vor ca. 2000 Jahren im Halterner Militärlager in die Erde gelangte.
Hier kommt jetzt langsam der erste Anschnitt von dem Helm.
Schön sieht man auch hier schon die unterschiedlichen Absorptionskoeffizienten.
Hier sieht man schon angedeutet, hier ist der erste Helm, da ist der zweite Helm hier oben.
Also es sind definitiv zwei, das lässt sich anhand der Bilder schon sagen.
Es sind tatsächlich zwei ineinander steckende Helme.
Auch die mitaufgefundenen Bruchstücke, hier farbig dargestellt, passen genau in die Bruchkanten.
Eindeutig lassen sich auch zwei verschiedene Nackenschütze erkennen.
Auch die Fundumgebung und der Fundort geben den Archäologen wertvolle Hinweise.
In den letzten Jahren haben wir sehr viele Schmiedeschlacken entdeckt hier am Westtor.
Auch Esserreste, das heißt wir können hier einen römischen Schmied nachweisen.
Hier muss eine römische Schmiederwerkstatt gelegen haben, die in Massen Baunägel herstellte, Schuhnägel herstellte oder auch Helme herstellte.
Das Eisen selber hatte zwar einen gewissen materiellen Wert, nur bei den einzelnen Helmen war der Wert entsprechend gering.
Und der finanzielle Verlust war nicht besonders groß, wenn diese Helme dort verloren gegangen sind.
In einem Truppenlager mit mehreren tausend Mann gab es ständig Bedarf an Schmiedearbeiten.
Waffen und Rüstungsteile mussten ersetzt und repariert werden.
Irgendwo im Lager muss also eine Schmiede existiert haben.
Dunja Ankner-Dörr weiß nach der Computertomographie genau, um was es sich bei ihrem Fund handelt.
Hochpräzises Arbeiten ist nun gefordert.
Es gilt, die Helme von Sand und korrodierten Teilen zu befreien.
Besonders die chloridabhängige Nachkorrosion führt bei Eisenteilen oft zu einem enorm vergrößerten Volumen.
Bei diesem Nagel ist gut zu sehen, wie groß die schwammartigen Korrosionsstrukturen werden können.
In Millimeterarbeit werden diese Strukturen nun entfernt.
Nach einigen Wochen ist es soweit. Die noch erhaltenen Metallteile sind frei präpariert.
Jetzt beginnt ein weiterer schwieriger Prozess, der Fingerspitzengefühl und viel Erfahrung erfordert.
Die zum Helm gehörigen Bruchstücke müssen befestigt werden.
Dafür wird ein spezieller Epoxidharzkleber verwendet.
Solange der Kleber aushärtet, werden die Bruchstücke mit Knetmasse fixiert.
Nachdem die Bruchstücke fest verbunden sind, werden die Helme mit einem Schutzlack überzogen, der weitere Korrosion verhindert.
Auffällig bei den Funden ist, dass sie im Gegensatz zu Vergleichsstücken kleinere Maße aufweisen.
Fertig gestellt wurden diese Helme nie.
Wichtige Merkmale wie Helmbuschhalterungen, Zierscheiben und Niedlöcher fehlen.
Auch Risse im oberen Bereich der Helme lassen den Schluss zu, dass sie als Ausschuss entsorgt wurden.
Für die Forschung im Römerlager von Haltern hat dieser Fund trotzdem einen ganz besonderen Stellenwert.
Der neue Fund der römischen Eisenhelme von Haltern ist deshalb von uns von großer Bedeutung,
weil man viele Jahrzehnte nichts Vergleichbares entdecken konnte.
Der älteste Helm stammt aus der Lippe bei Olfen, ist vor über 100 Jahren gefunden worden.
Etwa 40 Jahre später hat man in Haltern einen bronzenen Helm und auch einen Rohling eines Eisenhelms gefunden.
Und jetzt haben wir zwei Rohlinge von Eisenhelmen entdeckt in einer Grube, also in einem Kontext,
der für uns sehr wichtig ist und der uns zeigt, dass tatsächlich eine Schmiedewerkstatt
vor dem Westtor am Hauptlager in Haltern Schutzbewaffnung für die römischen Legionäre hergestellt hat.
Die zwei Helme von Haltern sind ein weiterer beeindruckender Fund aus einer Zeit,
in der das Imperium Romanum bis nach Westfalen reichte.
