In diesem kurzen Segment spricht Physiker Thomas Campbell über die Frage, ob wir Religion brauchen bzw ob sie uns schadet. Außerdem geht er auf die Frage einer Mutter ein, wie sie mit Fragen ihrer Kinder nach Gott am besten umgehen sollte.
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Sie fragen, wieso wir Religion brauchen.
Nun, ich bin mir da nicht so sicher, ob wir Religion wirklich brauchen.
Aber wir haben sie verdient.
Wir haben Religion verdient, weil sie eins unserer Ego-Bedürfnisse befriedigt.
Ich denke also nicht, dass wir Religion für unser spirituelles Wachstum brauchen.
Aber Religion kann unter gewissen Umständen eine gute Sache sein.
Religion kann hingegen auch ein Hindernis sein.
Was muss ich genau tun, um ein guter Mensch zu sein
und um in spiritueller Hinsicht erwachsen zu werden?
Ach, ich muss mich nur dazu bekennen, dies und jenes zu glauben und das war's?
Naja, das macht nicht wirklich Sinn und stellt auch keine Herausforderung dar.
Es gibt allerdings viele Menschen, die zwar einer Religion angehören,
aber irgendwann die dogmatischen Aspekte und die ganzen Regeln hinter sich lassen,
darüber hinaus wachsen und zu spirituellen Menschen werden.
Es gibt im Grunde keine Verbindung zwischen Religion und Spiritualität.
Oder besser gesagt, es gibt fast keine Verbindung zwischen beiden.
Deshalb können spirituelle Menschen auch religiös sein.
Allerdings funktioniert das nicht, wenn es sich um eine engstirnige Religiösität
mit einem Haufen an Dogmen handelt.
Nehmen wir Mutter Therese als Beispiel.
Sie war ein religiöser Mensch.
Ihr ging es jedoch nicht um Dogmen, sondern darum, anderen Menschen zu helfen.
Es ging ihr darum, was sie tun kann, um das Leid anderer Menschen zu lindern.
Sie wollte nicht irgendwelchen Nachplaperern kirchliche Lehrsätze einimpfen.
Es gibt also Menschen, die einer Religion angehören und trotzdem ein spirituelles Leben führen.
Religion kann es einem also ermöglichen, einen spirituellen Lebensweg zu beschreiten.
Normalerweise bedeutet dies einen Weg der Hingabe,
um sich selbst in den Dienst einer höheren Sache zu stellen.
Bei Religion benutzen wir ja oft den Begriff organisierter Religion.
Und diese Religionen basieren meist auf einem angstbasierten Glaubenssystem,
das manipulativ und dogmatisch sein kann.
Solche Systeme stellen meist eine Einschränkung dar.
Im Grunde stellt jedes Glaubenssystem eine Limitierung dar.
Religiöser Glaube unterscheidet sich da nicht von wissenschaftlichem Glauben.
Beide stellen eine Einschränkung des Individuums dar.
Von daher denke ich nicht, dass wir Religion brauchen.
Aber wir haben sie verdient, denn sie spiegelt uns den Zustand der Gesellschaft.
Religion ermöglicht die Bildung von Gemeinschaften.
Religion bietet uns ein Weltbild.
Aber Religion limitiert uns auch und wir befinden uns nun mal an einem Punkt unserer Entwicklung,
wo sich limitiert sein scheinbar gut anfühlt.
Wir sind noch nicht so weit, über diese Limitierung hinauszuwachsen.
Wir können noch keine größeren Zusammenhänge erfassen.
Deshalb kommen wir in Gruppen zusammen und arbeiten miteinander,
basierend auf unserem momentanen Entwicklungsstand.
Religion für sich genommen ist also nicht automatisch schlecht.
Sie stellt einen möglichen Entwicklungsweg dar.
Es gibt eine Frage, die mir meine Kinder stellen, seit sie ganz klein waren.
Und ich tue mich schwer damit, ihnen diese Frage zu beantworten.
Und eigentlich will ich ihnen gar keine definitive Antwort vorgeben.
Die Frage, um die es geht, ist, gibt es Gott?
Ich möchte meinen Kindern diese Frage eigentlich nicht beantworten,
denn ich will, dass sie selbst ihre eigene Antwort auf diese Frage finden.
Andererseits betrachten sie mich als Mutter als jemanden,
der vermeintlich auf jede Frage eine Antwort parat hat.
Und sie erwarten von mir irgendeine Antwort auf diese Frage.
Speziell für meine inzwischen neun Jahre alte Tochter
scheint diese Frage nach Gott ungemein wichtig zu sein.
Und ich weiß nicht, wie ich ihr darauf antworten soll.
Diese Frage beantwortet man am besten ähnlich,
wie man die Frage eines Fünfjährigen, ob es den Weihnachtsmarkt möglich gibt, beantwortet.
Einerseits möchte man nicht die Gefühle des Kindes verletzen.
Andererseits will man sein Kind ja auch nicht belügen.
Das Problem ist also ähnlich gelagert, wie einem Drei-, Vier- oder Fünfjährigen
zu erklären, ob es den Weihnachtsmarkt möglich gibt.
Deshalb gibt man die Frage eines Kindes nach Gott am besten ähnlich an,
wie die Frage nach dem Weihnachtsmarkt.
Man könnte zum Beispiel sagen, dass es darauf ankommt,
was wir mit dem Wort Gott meinen.
Mit dem Wort Gott verbindet jeder Mensch etwas anderes.
Es gibt viele Glaubenssätze und Dogmen und Rituale, die Menschen durchlaufen
und die ihre Beziehung zu diesem Wort beeinflussen.
Das sind aber ihre persönlichen Überzeugungen.
Und irgendwann wirst du selbst alt genug sein,
deine eigenen Glaubenssätze zu diesem Thema zu entwickeln.
Einfach zu sagen, nein, es gibt keinen Gott, wäre verwirrend für die Kinder.
Denn all ihre Freunde und die Eltern ihrer Freunde sagen vielleicht etwas Gegenteiliges,
und damit können sie in diesem Alter nicht gut umgehen.
Einfach zu sagen, ja, es gibt Gott, wäre irreführend.
Denn was genau bedeutet so eine Aussage für ein kleines Kind?
Die Vorstellungen, die das Kind auf diese Antwort hin entwickeln würde,
wären vermutlich falsch.
Mit neun Jahren würde sich ein Kind Gott als alten Mann
mit langem weißen Bart vorstellen, der auf einer Wolke sitzt
und mit seinen Menschen spielt, genauso wie wir mit unseren Haustieren spielen.
Dabei schreibt er sich alles genau auf
und stellt sicher, dass ihm dabei keine Fehler unterlaufen sind.
Zu so einer Vorstellung ja zu sagen, wäre irreführend.
Deshalb muss man versuchen, einen Kompromiss zu finden
und sowas zu sagen wie, man kann über das Thema Gott ganz unterschiedliche Ansichten haben.
Und einige der Ideen über Gott, die du im Moment hast,
also der alte Mann auf der Wolke, der sich alles aufschreibt,
sind falsch.
Trotzdem bedeutet das keineswegs, dass es im Leben nicht mehr gibt
als den Aspekt, den wir hier gerade wahrnehmen.
Wenn du älter wirst, wirst du mehr Erfahrungen sammeln
und lernen, dir dazu deine eigene Meinung zu bilden.
Irgendwas in dieser Richtung halte ich für den besten Ansatz,
diese Frage ihrer Kinder zu beantworten.
Ein einfaches Ja oder Nein ist irreführend,
und mit so einer direkten Antwort können Kinder in dem Alter nicht umgehen.
Sie sind noch nicht so weit, so eine Antwort zu verarbeiten.
Deshalb sollte man die Antwort auf eine Weise formulieren,
die sie verstehen und anheben können.
Sie werden dann auch merken, dass Kinder sich über jede Form von Antwort freuen,
die auf eine Weise formuliert ist, dass sie damit etwas anfangen können.
Wenn die Antwort zu hoch für sie ist, dann geht das ins linke Ohr rein
und rechts wieder raus.
Man muss sich darüber bewusst sein, wo die Kinder in ihrem Entwicklungsprozess stehen,
und dann gibt man ihnen ein klein wenig mehr Wissen,
das für sie eine Herausforderung darstellt, mit der sie umgehen können.
Man kann Kindern also sagen, es gibt da mehr als nur diese physische Realität.
Aber das Ganze funktioniert nicht notwendigerweise so,
wie andere behaupten.
Wenn du älter wirst, findest du deine eigenen Antworten auf diese Fragen.
Das lässt für das Kind die Türe einen Spalt offen.
Man sollte auf keinen Fall die Türe durch eine definitive Antwort einfach zuschlagen,
denn sonst intertoniert man die Kinder so zu denken, wie man selbst denkt.
Kinder sollten aber stets aufgeschlossen bleiben.