"Das undurchdringliche Licht Gottes - Tholeyer Kirchenfenster von Weltrang" (von Gerhard Richter und Mahbuba Maqsoodi) Doku SR 2021 von Uwe Loebens. Aufnahme: SR 20.12.2021.
Die frühgotische Tholeyer Abteikirche Sankt Mauritius steigt auf in den Rang der Weltkunst. Der weltberühmte Maler Gerhard Richter leistete seinen Beitrag mit abstrakten Entwürfen für die drei Chorfenster. Sanierung der Tholeyer Abteikirche. Es war ein außergewöhnlicher Auftrag in einer Zeit, in der viele Sanierungen von Sakralbauten kaum finanzierbar scheinen. Das Kloster hatte sich zusätzlich zur Komplettrestaurierung des Baus insgesamt 32 neue, gegenständlich gestaltete Kirchenfenster gewünscht, die in einem Bilderzyklus auf leicht verständliche Weise die christliche Botschaft verkünden sollten. In einem Wettbewerb setzte sich die afghanische Künstlerin Mahbuba Maqsoodi mit Wohnsitz in München durch. Sie überzeugte mit ihren starkfarbigen erzählerischen Entwürfen zu Szenen und Gestalten des Alten und Neuen Testaments sowie zu Bildergeschichten über Ordensgründer und Heilige. Glasmalerei in Saarbrücken Um die etwas abseits gelegene Klosterkirche aufzuwerten, wurde auch der weltberühmte Maler Gerhard Richter angefragt. Überraschenderweise sagte Richter zu und entwickelte für die drei Chorfenster aus seinem Musterbuch Patterns kaleidoskopartige, abstrakte Entwürfe, in denen sich nach Lesart der Tholeyer Mönche das „undurchdringliche Licht Gottes“ widerspiegelt. Sowohl die Vorlagen von Mahbuba Maqsoodi als auch von Gerhard Richter stellten die Glasmalermeister in Saarbrücken Sankt Arnual und in München vor große Herausforderungen. Sie mussten auf höchstem Niveau das traditionsreiche Glasmalerhandwerk neu denken und um neue Techniken bereichern, um den gewünschten Gesamteindruck zu erzielen. Vom ersten Zuschneiden der Gläser bis zum Einbau der fertigen Fenster begaben sich die Glasmalerei Frese und die Bayerische Hofglasmalerei Gustav van Treeck auf eine große Abenteuerreise, die ein beglückendes Ende fand. Die fast fertig restaurierte Abteikirche erstrahlt nun in einem warmen Licht, in dem die neuen Kirchenfenster ein vielstimmiges Farbenspiel entwickeln und die Besucherinnen und Besucher der Kirche zum Meditieren einladen. Sie sind in kürzester Zeit eine touristische Attraktion der Region geworden. Inzwischen hat Gerhard Richter verkündet, dass seine Entwürfe für Tholey das Werkverzeichnis seiner großformatigen Arbeiten schließen. So setzen seine drei Chorfenster in Tholey den Schlusspunkt eines weltweit gefeierten künstlerischen Werkes und machen sie zu etwas ganz Besonderem.
Mystisch, feierlich, farbenprächtig.
Jetzt noch, das ist noch nicht so lange, bin ich manchmal sprachlos.
Es ist wirklich ein Geschenk.
Was für eine Chance für Glasmaler.
Erstmal pure Freude, also eine wahnsinnige Ehre, eine wahnsinnige Herausforderung.
Glaskunst, mehr als nur schöne Bilder.
Rückenbäume, Rückenbäume zwischen Kulturen, und zwar aus Glas.
Eine Kirche in ein neues Licht getaucht, vielleicht auch von einem neuen Geist beseelt.
Sie erzählt eine Geschichte von Kunst, die Grenzen überwindet.
Vom Geschick vieler kunstfertiger Hände und von einem überraschend großen Geschenk an ein Kloster.
Die Tolaier Abteikirche St. Mauritius am Fuß des Schaumbergs.
Sie ist das bedeutendste gotische Bauwerk im Saarland.
Im 13. Jahrhundert auf den Fundamenten eines römischen Bades errichtet,
hat sie die Zeit ohne gravierende Veränderungen überstanden.
Eine dreischiffige Basilika ohne Querhaus, 47 Meter lang, 20 breit und 31 hoch.
Ihr wuchtiger Westturm atmet noch den romanischen Geist eines Vorgängerbaus.
Drumherum drängt sich das Konvent aus späterer Zeit.
Das Kloster zur Abteikirche zählt zu den ältesten in Deutschland.
Seine Gründung geht auf eine Landschenkung und Kirchenstiftung im 7. Jahrhundert zurück.
Frühmesse. Elf Mönche und ihr Abt leben hier heute nach den Vorschriften des Heiligen Benedikts,
dem sich das Kloster bald darauf angeschlossen hatte.
Sein Patron, der wundertätige Heilige Mauritius, war ein dunkelhäutiger römischer Legionär und Christ,
der sich weigerte, sein Schwert gegen Glaubensbrüder zu erheben und deshalb den Opfertod starb.
Die Kirche hat viel erlebt. Plünderung, Vertreibung und Wiederbesiedlung des Klosters.
Nach der Französischen Revolution ging sie zunächst in den Besitz der katholischen Gemeinde von Thulei über.
Erst Ende 2017 konnten die Mönche das Kloster zurückkaufen. Ein großer Sanierungsfall.
Der saarländische Landeskonservator hat die Kirchenrestaurierung zur Chefsache erklärt.
Mit ihr übernahmen alle Beteiligten eine große Verantwortung.
Das Kloster, die Architekten, die Handwerker und auch die Denkmalpfleger.
Das bedeutet ja zunächst mal aus persönlicher Sicht ein großes Geschenk, so eine Maßnahme betreuen zu dürfen,
weil es ist natürlich ein ganz hochkarätiges Denkmal, was sehr viel Fingerspitzengefühl erfordert.
Und dementsprechend ist natürlich aus der Sicht der Denkmalpflege auch da höchste Vorsicht geboten, wenn man hier an das Bauwerk herangeht.
Die alten Kirchenfenster. Ein Problem in mehrerer Hinsicht.
Witterung und Schadstoffe schädigten die vor 60 Jahren entworfenen Fenster stark. Sie wurden ausgebaut.
Ihre abstrakten Kompositionen waren für Gläubige und Trostsuchende unverständlich geworden, meint Bruder Wendelinus.
Können wir diese Botschaften, wie sie diese Fenster aussagen und die ausgesagt werden,
passen die noch in eine Theologie des 21. Jahrhunderts?
Oder müssen wir heute nicht auch im Sinne der Nutzung als Sakralbau verständlicher Werten andere Akzente setzen?
Wendelinus, der für das Kloster die Bauleitung übernahm, lobt einen Wettbewerb aus.
Die Aufgabe, nach Klostervorgaben für mehr als 30 Kirchenfenster einen neuen erzählerischen Bilderzyklus zu entwerfen.
Mahbuba Makhsodi, afghanische Künstlerin mit Wohnsitz in München, gewinnt den Wettbewerb.
Für mich war es so wichtig, weil endlich habe ich gedacht, in meiner zweiten Heimat in Deutschland kann ich etwas schaffen,
was ich vielleicht nicht sogar träumen konnte in diesem Aufmarsch.
Weil hier kann man vielleicht ein Fenster, zwei Fenster neu gestalten,
aber das gesamte Komplex, also 34 Fenster, das war natürlich eine wunderbare, schöne Überraschung, gleichzeitig eine große Verantwortung.
Die Künstlerin zeigt in ihrem Atelier die Arbeit an einem Kirchenfenster.
Vom ersten Entwurf bis zur Vorlage für die Glasmaler.
Die 64-Jährige wuchs in Herat zu einer liberalen Muslima heran.
Als politische Aktivistin floh sie mit ihrem Mann vor dem Bürgerkrieg nach Leningrad, studierte an der dortigen Akademie.
18 Jahre später fand sie politisches Asyl in Deutschland.
Ihr Glaube – universell.
Religionen deutet sie als Facetten der einen göttlichen Wahrheit.
Ich denke, Künstler sind sowieso sehr freie Menschen.
Für Künstler entstehen oder bedeuten viel weniger solche Grenzen, die die anderen sich damit beschäftigen.
Sonst wäre Kunst nicht Kunst, wenn man sich so beschränkt fühlt.
2019. Während Mahbuba Maqsoudi an den ersten Fenstern arbeitet, präsentiert das Kloster eine faustdicke Sensation.
Der weltberühmte Maler Gerhard Richter hat sich bereit erklärt, die drei Fenster im Hauptchor zu gestalten.
Die stolzen Mönche hoffen so, die touristische Attraktivität des Klosters zu steigern und es als Ort der Kultur zu etablieren.
Der Leiter der Musikfestspiele Saar, der im guten Kontakt zu Gerhard Richter steht, hat den Coup eingefädelt.
Ich habe Herrn Richter einen sehr persönlichen, auch etwas emotionalen Brief geschrieben.
Ich habe geschrieben, das älteste Kloster Deutschlands sucht eine Daseinsberechtigung.
Können Sie uns helfen in dieser Notlage mit Ihrer höchsten Kunst?
Und ich hatte dann auf meinem Anrufbeantworter ein sehr beeindruckendes Ansagen von Gerhard Richter,
der zunächst ablehnend der Sache gegenüberstand und dann wie durch ein Wunder nach zehn Sekunden plötzlich gesagt hat,
aber interessieren würde es mich doch. Sie haben mir nicht einmal die Bilder geschickt, tun Sie das bitte.
Und dann nahm die ganze Sache ihren Lauf.
Gerhard Richter, der berühmteste Künstler Deutschlands, hier bei der Einweihung seines Kölner Domfensters.
Für immer eigentlich, das ist doch was anderes. Ja, das war ein bisschen erregend.
Der Meister mit Kultstatus, der inzwischen keine Interviews mehr gibt, hatte 2007 den Kölner Dom in ein Farbenmeer getaucht.
Damit weltweit Aufsehen erregt und die Kunstfans verzaubert.
Er macht sich auf der Grundlage von Fotos der Abteikirche an die Arbeit.
Für seine Entwürfe berechnet er zum Erstaunen aller nichts.
2021. Für Annette Jansen-Winkeln und ihren Mann stellen die neuen Fenster in Thulei einen Höhepunkt ihrer wissenschaftlichen Arbeit dar.
Das Ehepaar sichert seit Jahren das kulturelle Erbe der Kirchenfenster und hat eine Forschungsstelle zur Glasmalerei des 20. Jahrhunderts gegründet.
Es hat unzählige Kirchen vermessen und ihre Fenster, gleich ob große oder kleine Kunst, katalogisiert.
Auch im Saarland. Konzept und Qualität der Entwürfe für Thulei sowie die handwerkliche Ausführung beeindrucken die beiden.
Dass sich so eine Gelegenheit bietet wie hier, dass man plötzlich die ganze Kirche vollständig mit neuen Fenstern schließen kann, das ist eigentlich ein ganz einmaliger Vorgang.
Und dass man sich so viel Mühe gemacht hat, die richtigen Künstler zu finden, die auch die Vorstellungen des Klosters entsprechend umsetzen können, auch das ist ganz großartig.
Zwei Glasmalereien stellen die Fenster her. In München und in Saarbrücken. Ende 2019. Die Glasmalereifräse in St. Arnual arbeitet auf Hochtouren.
In der Traditionsfirma werden 14 Maxodi-Fenster für den Obergarten gefertigt. Das erhöhte Mittelschrift der Abteikirche.
Der gemalte Entwurf muss in die richtigen farbigen Gläser übersetzt werden.
Da haben wir das, ja, aber nur das Figürliche für die Adern. Genau, für die Schlange holen wir grünen Opal.
Außen das dunkle Blau und in der Mitte das helle Rot, also das mittlere.
Und das eine Stück noch. Ja, ja.
Und dann wird das ganze Gegenständliche mit diesem Doppelopal gemacht.
Okay, also haben wir grünen Opal für die Schlange, violetten Opal für den Adern.
Für den Adern und die Eva wird auch grün. Genau.
Und dann kommt das Blau, das massive Blau praktisch in den Hintergrund.
Wir verarbeiten hier im Prinzip ja nur komplette, mundgeblasene, echt antike Gläser.
Und die Frau Maxodi hat ja sich ausgesucht, dass wir überall Überfanggläser haben.
Und das Besondere bei ihr ist, dass sie Überfanggläser heißt, wir haben ein weißes Grundglas
und darüber eine ganz dünne Farbschicht in Blau, in Rot. Das hat sie praktisch ausgesucht.
Das ermöglicht im Prinzip, dass man die Gläser ätzen kann.
Dass man eine Schicht wegnehmen kann mit Säure, kann man eine Schicht wegnehmen.
Und die zweite Schicht hinten dran ist die Trägerschicht.
Und bei den Figuren, bei den körperlichen Geschichten, da geht sie noch einen Schritt weiter.
Wir haben ein Spezialglas anfertigen lassen. Das sind drei Schichten.
Ein klares Glas, darüber bläst der Glasbläser ein milchiges Glas und darüber nochmal ein Farbglas.
Das heißt, das Ganze bläst er als Kugel und dann schneidet er, dann bläst er das auseinander,
dann schneidet er das auf, klappt das auseinander und so entsteht mundgeblasenes Glas.
Man kann noch durchsehen, aber es hat so einen milchigen Überfang, ist das im Prinzip.
Und das gibt der Figur, das ist auch das, was sie erreichen will, einfach ein bisschen mehr Halt.
Dass die ein bisschen mehr stehen bleibt im Vergleich zu dem Hintergrund.
Im nächsten Schritt werden die Formen des Entwurfs auf Papierschablonen übertragen und mit ihrer Hilfe auf das Glas.
Aus diesen Formen setzt sie später ein Fenster zusammen.
Das Zuschneiden erfordert höchste Konzentration, denn die Einzelteile müssen, wie bei einem Puzzle, zueinander passen.
Glas ist ein ungeheuer sensibler Werkstoff, über dessen Eigenschaften die Glasmaler genau Bescheid wissen.
Ein falscher Schnitt und die ganze Arbeit war umsonst.
Ich suche erst den Schnitt praktisch laufen zu lassen, weiß ich das.
Was allerdings bei diesen Gläsern und diesen Schnitten nicht immer funktioniert.
Da muss man halt eben durch gezieltes Klopfen etwas nachhelfen.
Danach werden die Motive auf das Glas aufgebracht.
Das ist Chefinnensache.
Jedes Kirchenfenster ist durch horizontale und vertikale Streben in mehrere sogenannte Felder unterteilt.
Sie sind etwa 60 mal 80 Zentimeter groß und ergeben zusammengesetzt das ganze Bild.
Aber zuerst muss noch gemalt, behandelt, geätzt, verbleit und mit Messing gerahmt werden.
Ich trage da jetzt einen Asphaltblock auf und im Prinzip ist überall dort, wo ich jetzt male, bleibt das Glas in der Farbe stehen, die es jetzt hat.
Das Glas wird anschließend geätzt und ich nehme dann quasi Schichten aus dem Glas weg und das Glas wird dementsprechend heller.
Das Ganze passiert mehrere Male.
Das heißt, ich male das Glas einmal an und so kann ich verschiedene Stufen in das Glas reinätzen.
Die Motive bekommen durch die ins Glas geätzten Helligkeitsstufen ihre plastische Wirkung.
Die Glasmalerin muss dabei die Handschrift der Künstlerin nachempfinden.
Das ist auch so ein Prozess, so ein Lernprozess.
Man muss sich da erst ein bisschen rantasten, weil das ist eine Art und Weise zu ätzen, die ist so anders.
Das ist nicht die klassische Ätzerei, wie wir es gelernt haben.
Und dann ist natürlich die Künstlerin auch selbst vom Fach.
Also sie weiß wirklich, was sie tut.
Und dann den Stil von jemand anderem möglichst nah zu imitieren, was da gewünscht ist, das muss man erst mal verstehen.
München. Die traditionsreiche Hofglasmalerei Gustav van Treek.
Hier entstehen die Maxodi-Fenster für die Seitenschiffe und die Richterfenster für den Chor.
Die Geschäftsführerinnen analysieren zuerst seine Entwürfe.
Zwischen Hintergrund und Vordergrund, dass diese Lichtkanten rauskommen.
Einfach, dass der Schattenwurf hier noch klarer wird.
Hier brauchen wir quasi das Rot wieder leicht gerastert und das Blau aber dazu auch, damit genau dieser Verlauf entsteht.
Und mal das Rot und mal das Blau.
Da muss man halt beim Ätzen dann schauen, ob man das einmal reinlegt und damit gut ist oder ob man nochmal ein weiteres Mal mit dem Pinsel drüber geht.
Also wichtig ist hier zum Beispiel, dass man das Grün schon noch sieht, aber ob da jetzt wie viele rote Streifen da sind.
Und das sieht man ja eben auch, wenn man jetzt mal hinschaut, auf die Fernsicht sieht man ja exakt, wie das Motiv aussieht.
Die Gerhard-Richter-Entwürfe fordern den Erfindergeist der Glasmalerinnen.
Die Herausforderung, wie kann man den Eindruck von spontaner Malerei und freien Formen der Vorlage im Glas bewahren.
Und wie gleichzeitig die horizontal und vertikal gespiegelten Motive identisch reproduzieren.
Das Team in München setzt dabei auch auf digitale Technik.
Die Lösung, eine Art Sandwich aus drei Gläsern und ein Herstellungsmix aus Ätzung, Siebdruck, Malerei und Klebetechnik.
Am Computer trennt der Grafiker die großen Farbformen, die herausgeätzt werden, von jenen, die per Siebdruck auf das Glas gedruckt werden.
Wir haben bei den Bildern einen Vordergrund und einen Hintergrund.
Der Hintergrund, der ist gestrichen und gemalt und das kann man nicht als Glas darstellen.
Und man muss halt am Computer eben immer entscheiden, was kann man als Glas darstellen und was muss man auf die Trägerscheibe noch nachträglich malen.
Da geht man halt immer ganz nah rein zum Arbeiten für die Auswahl und dann wieder zurück und schaut, ob das übereinstimmt, also ob das hinausgeht mit dem Glas.
Ein hochkompliziertes Verfahren. Nichtsdestotrotz müssen auch für die Richterfenster zuerst farbige Gläser zugeschnitten werden.
Hier wird rotes und blaues Antikglas eingesetzt.
Wir haben jetzt hier uns an ein paar markanten Linien orientiert und da dann die Schablonen angefertigt.
Das würde jetzt zum Beispiel hierhin gehören und aufgrund der Schablonen schneiden wir dann später die Gläser zu.
Traditionell fügen die Glasmalerinnen die einzelnen Elemente über Bleistege zusammen.
So wird man es später auch sehr kunstvoll bei den Maxodi-Fenstern machen.
Bei den Entwürfen von Gerhard Richter haben die Glasmaler in enger Abstimmung mit dem Künstler beschlossen, auf Bleistege zu verzichten, um den Gesamteindruck nicht zu stören.
Stattdessen werden die Glaselemente zum Schluss miteinander verklebt werden.
Wir haben jetzt hier unser farbliches Muster zum Siebdruck und haben die Folien jetzt bekommen und werden das jetzt auf das Glas mal aufziehen, um zu checken, ob die Farbe passt.
Wenn alles korrekt ist, kann die Siebdruckerei loslegen.
Das geschieht außerhalb der Werkstatt Vanträg.
Mit Siebdruck kann man den Eindruck von feinen Pinselstrichen in Glas nachempfinden.
Die Übersetzung von freier Malerei in Glas ist ein Beispiel dafür, wie zeitgenössische Künstler wie Gerhard Richter die alte Handwerkskunst auf die Probe stellen.
Den früheren Chef der Münchner Glasmalerei, Peter Vanträg, wundert es nicht, dass berühmte Künstler wie Henri Matisse, Neo Rauch oder eben Gerhard Richter für Kirchen arbeiten.
Es ist nicht eine Frage des Glaubens, auch nicht eine Frage der Konfession,
sondern ich glaube, einen Künstler interessiert und vielleicht kann man auch salopp sagen, reizt sehr dieser Bau der Kirche, wenn es ein entsprechender Bau ist, gerade die historischen Bauten.
Die haben einfach eine gewisse Ausstrahlung, die von sich aus schon sehr viel mitbringt und das reizt diese Künstler, da in Wettstreit zu treten.
Die kleinen Kirchen und großen Kathedralen der Gotik sind eine Art steingewordener Gottesdienst.
Ihre Baumeister hatten das Ziel, bis ins kleinste Detail ein Spiegelbild der Vollkommenheit von Gottes Schöpfung zu erschaffen.
Die ganze Gesellschaft war durch und durch gottesfürchtig und der Kirchenbau war das Abbild des himmlischen Jerusalem.
Da war alles durch und durch gestaltet, alles unterlag der großen Idee des Gottesbezugs.
Die Wände waren mit Wandmalereien überdeckt, die Glasmalereien waren gestaltet.
Es gab ein inhaltliches Programm, wie man eben biblische Begebenheiten wiedergeben wollte.
Es gab natürlich darüber hinaus Proportionsprogramme, Theorien, Maßstäbe, Zahlen, Symbolik.
Alles das fließt eben in diesen großen Kosmos der Kirche von damals ein.
Auch das himmlische Jerusalem auf Erden altert. Deshalb hatte die Abteikirche immer wieder ein Facelifting nötig.
Bei der letzten großen Restaurierung vor 60 Jahren bekam die Kirche ein komplett neues Fundament.
Das Wasser, das vom Schaumberg abfloss, hatte das alte unterspült und aufgeweicht. Auch schadhaftes Mauerwerk wurde ersetzt.
Nach heutigen denkmalpflegerischen Grundsätzen manchmal auf sehr rustikale Weise, sodass man diese Maßnahmen jetzt vorsichtig korrigieren muss.
Damals wurde die Ausstattung neuen liturgischen Regeln angepasst, die das Zweite Vatikanische Konzil wenig später verkünden würde.
Die Kirchenfenster des Mitbruders Bonifatius Köpp ersetzten die Notbefensterung der Nachkriegszeit.
Seitdem setzten Umwelteinflüsse der Kirche stark zu. Das Dach wurde schadhaft, der Innenraum wartete schon eine Ewigkeit auf eine Grundreinigung.
2018 wird das Problem angegangen.
Jeder, der die Tolaierkirche kennt, weiß, wenn man hineingekommen ist, war es ein etwas düsterer Raum.
Das lag einfach daran, dass der Stein über die Jahrzehnte, Jahrhunderte verschmutzt war und die Oberfläche gereinigt werden musste.
Aber gleichzeitig gab es auch noch einige sehr wichtige technische Details, die zu berücksichtigen waren.
Die Fenster waren undicht, sie mussten dadurch, dass man zum Teil den Stein dort ausgetauscht hat, wieder dicht machen bzw. für eine neue Konstruktion herrichten.
Ein Dauerproblem der Abteikirche ist der verwitterungsanfällige Stein, aus dem sie gemauert ist.
Ein relativ weicher Sandstein aus der Region.
Bruder Wendelinus begutachtet auf dem Turm Verwitterungsschäden und bereits ausgebesserte Stellen.
Die neuen Steine stammen, soweit möglich, aus denselben Steinbrüchen wie die alten.
Der Innenraum.
Ihn einfach zu Sand strahlen, wie man das in früheren Zeiten gemacht hat, wäre aus heutiger, konservatorischer Sicht schlichtweg unverantwortlich.
Aber dass die Wände gereinigt werden müssen, steht außer Frage.
Wir haben verschiedene Reinigungsverfahren getestet, mit Reinigungsschwimmen, mit verschiedenem Strahlgut.
Und wir haben auch mit einem besonderen Produkt gearbeitet.
Das wird quasi als Paste aufgetragen, hartet dann aus und dann wird das so wie eine Haut abgezogen.
Man sieht dann die ganze Verunreinigung. Das ist ein schneeweißes Produkt.
Und so sieht man dann auch einen Negativabdruck vom Fugenbild.
Und es führt zu sehr guten Reinigungsergebnissen, gerade in den hinterschnittenen Teilen, also Säulen, Kapitellen usw.
Und ist halt eben auch sehr schonend gegenüber dem historischen Steinmaterial.
Ursprünglich war die Kirche in ein Rotbraun getaucht, mit weiß aufgemalten, regelmäßigen Fugen.
Drei weitere Farbfassungen der Kirche folgten.
Welche davon soll man wiederherstellen?
Das Kloster will die Wände mit einem Creme Weiß streichen.
Die Entscheidung fällt aber für den unbemalten Innenraum, wie man ihn seit über 100 Jahren kennt.
Wir wollen nicht eine Farbfassung, die wir vielleicht auch nicht im Detail prüfen können, weil sie nicht mehr vorhanden ist, rekonstruieren.
Sondern wir wollen das Bauwerk so, wie es uns heute überkommen ist, auch erhalten.
Und deswegen war meines Erachtens der richtige Weg, auch die steinsichtige Kirche hier ohne farbige Wandfassung wieder zu erhalten.
Eine weitere Problemzone, das Tympanon über dem Nordportal, dem Eingang der Abteikirche.
Die dargestellte Auferstehung im Bogenfeld lässt sich noch erkennen.
Die Schar der Heiligen und Kirchenväter über ihm ist dagegen stark verwittert.
Es ist eines der frühesten erhaltenen Beispiele in Deutschland.
Kann man, ja, muss man es nicht an Ort und Stelle bewahren? Oder soll man es durch eine Rekonstruktion ersetzen?
Die Mönche ließen den Tympanonbogen inzwischen abnehmen.
Kann man ihn überhaupt dauerhaft retten?
Dieses Nordportal liegt in einem Bereich der Kirche, wo auch eine sehr starke Windlast bzw. eine Winderosion stattfindet.
Es sind Fallwände, die sich dort auch sammeln. Und dadurch kann auch zusätzliche Erosion an einem Sandstein entstehen.
Und man wird sicherlich überlegen müssen, dort wieder einen Schutzbau, ein Entreegebäude zu errichten.
Derzeit verdeckt noch eine Sichtblende die Problemzone, für die sich bislang keine zufriedenstellende Lösung abzeichnet.
Saarbrücken, Glasmalerei-Fräse.
Machbube Maxodi ist eingetroffen, um letzte Hand an das Adam-und-Eva-Fenster zu legen.
Die Gläser sind fertig geätzt. Jetzt gibt sie den Figuren tiefe und zusätzlichen Ausdruck.
Das ist wie Malerei im eigentlichen Sinn, nur dass die Künstlerin zerriebenes Antikglas statt Öl oder Aquarellfarbe aufträgt.
Ich probiere jetzt ein bisschen da komplett wegnehmen, aber das vielleicht schaffe ich so. Und wenn nicht, dann…
Später werden ihre Fenster aus viel größerem Abstand betrachtet werden.
Deshalb verschafft sie sich beim Arbeiten immer wieder einen Eindruck davon durch ein umgedrehtes Fernglas.
Wir sehen jetzt die Arbeit sehr nah. Es ist mir wichtig, dass dieser ganze Detail hier bearbeitet wird.
Weil am Ende dadurch entsteht auch die Wirkung, die ich jetzt brauche.
Aber trotzdem, man muss diese Wahrnehmung mit dem Abstand auch betrachten.
Und wie funktioniert dieser Kontrast, Schatten und Licht, trotz der feinen Bearbeitung.
Ein zweites bemaltes Glas hinter das Motiv tragende gesetzt, soll die Farben zum Flirren bringen.
Diese Methode hat nach Buba Maxodi selbst entwickelt. Sie hat sich intensiv mit Glasmalerei beschäftigt.
Das Motiv der Eva. Es ist alles genauso angelegt, wie die Künstlerin im Entwurf vorgegeben hat.
Jetzt färbt sie die Fläche ein. Die ihre Bearbeitung der Figur zusätzlichen Ausdruck und Intensität verleihen wird, zeigt der Vergleich mit dem fertigen Adern.
Dann nehme ich im Grunde genommen das wieder weg. Und dann sehen Sie, was für eine Struktur hier rauskommt, wie in einem Baum.
Und wenn Licht durchgeht, was im Glas passiert, dann sieht man diese kleinen Flächen, die mal als Linie sind, die mal wie kleine Blasen sind oder Schlieren.
Die sieht man noch besser. Und wenn das Licht durchgeht, dann kann man so reflexieren, dass das Glas lebt.
Mit jedem Pinselstrich gibt sie der Eva mehr Kontur und Tiefe. Die biblische Gestalt scheint langsam aus dem Glas herauszuwachsen, erwacht gleichsam zum Leben.
Ein Wechselspiel zwischen Detailgenauigkeit und Fernwirkung.
Herbst 2019. Alle 14 Obergartenfenster aus der St. Arnoaler Glasmalerei sind fertig. Jetzt werden sie eingebaut. Ein spannender Augenblick.
Wie wirken die Fenster hier?
Ich denke, so, wie ich es mir vorgestellt habe. Von diesem Beleg sind natürlich die Gerüste, die verhindern. Aber es sieht so aus, wie ich es mir vorgestellt habe.
Alle? Alle sieben? Jetzt gehen wir so weiter. Ich bin wirklich gespannt, wie es da vorne ist.
Gerade passen die Glasmaler das letzte Obergartenfenster ein. Der Bleikranz, der es umfasst, soll es lichtdicht zum Mauerwerk abschließen, verstreulicht schützen.
Zum letzten Mal sieht Maxodi dieses Werk aus der Nähe.
Sicher, wir können nicht alle diese Details schon von unten sehen. Wir haben mindestens zwölf Meter Abstand. Es ist mir auch sehr bewusst gewesen.
Aber durch diese Qualität, die diese Fenster auch in Feinheiten haben, schafft man, die Tiefe zu vermitteln.
Mir war völlig egal, ob diese gesehen wird oder nicht. Wichtig ist, dass diese Empfindung von der Farbe, von der Tiefe, von der flüssigen Form in eine andere, auch hier in der Obergartenfenster entsteht.
Es ist gut gelungen.
Frühjahr 2020. Auch bei Vanträg in München wird mit Pinsel und Schmelzfarbe gearbeitet.
Der Glasmaler überträgt die feinen Details des Richterentwurfs auf das Trägerglas, die sich weder durch Ätzung noch durch den Siebdruck darstellen lassen.
Nebenan arbeitet Mahbuba Maxodi am Fenster Heiliger Theobald für das nördliche Seitenschiff.
Dabei handelt es sich um einen Tolleier Ortsheiligen und Mönch des Benediktinerklosters.
Hat die Künstlerin die Obergartenfenster herausragenden biblischen Gestalten, Propheten und Evangelisten gewidmet,
so erzählen die Fenster der Seitenschiffe von heiligen Äbten des Klosters, von Märtyrern und Ordensgründern.
So eindeutig geht es auf den Gerhard-Richter-Fenstern nicht zu.
Die Glasmalerin entfernt das überschüssige Spezialsilikon von einem der Fensterfelder, aus denen sich die Chorfenster später zusammensetzen.
Das Silikon verbindet die drei bearbeiteten Glasebenen.
Danach geht es zum letzten Arbeitsschritt in den Keller der Münchner Werkstatt.
Zum Sandstrahlen. Dafür muss das Fensterfeld in eine abgeschlossene Box gehoben werden.
Was sich im ersten Augenblick vielleicht rabiat anhört, erlaubt den Glasmalerinnen letzte feine Korrekturen an der Farbintensität.
Aber vor allem lässt sich so das Hintergrundweiß des Richterentwurfs erzeugen.
Das freistehende Klarglas um die Farbgestaltungen ist durchsichtig.
Durch die punktgenaue Bearbeitung mit dem feinen Sandstrahler wird es milchig,
filtert damit das von außen einfallende Sonnenlicht und simuliert so das Weiß der Vorlage.
Die Arbeit an einem so ungewöhnlichen Projekt ist trotz aller Erfahrung und Handwerkskunst auch ein Lernen beim Machen.
Der Arbeitsprozess war auf jeden Fall sehr spannend und Prozess sagt es eigentlich sehr gut,
weil wir die Dinge immer weiterentwickeln und immer versuchen das Optimum rauszuholen aus den Dingen
und natürlich am Anfang gemerkt haben vielleicht, dass unsere Vorstellungen hier und da noch sogar kleine Verbesserungen würdig sind.
Und das haben wir gemacht und umgesetzt und der Prozess war auf jeden Fall immer stetig ein Prozess.
Endkontrolle, bevor die Felder für den Transport nach Tholai eingeparkt werden.
Genügt die Umsetzung des Entwurfs den eigenen Qualitätsansprüchen?
Sind die vier horizontal und vertikal gespiegelten Motive identisch?
Die beiden Geschäftsführerinnen der Münchner Glasmalerei überprüfen jede Stelle genau.
Ganz aus der Nähe kann man das Zusammenspiel von Ätzung, Siebdruck und Malerei, das den Gesamteindruck erzeugt, sehr gut beobachten.
Jeder Ausschnitt fast ein eigenes Kunstwerk.
Das ist nun ein absolut modernes, aktuelles Werk, das sicher jetzt in die Kirche reinpasst,
allein schon durch die Fensterformen und durch den ganzen Rahmen, der drumherum ist.
Aber es ist jetzt meiner Meinung nach nicht ein speziell kirchliches Projekt.
Das ist eigentlich freie Kunst, hochkarätige Kunst, die eben dann von der Kirche adaptiert wird.
Während in Saarbrücken und München mit Hochdruck gearbeitet wird, steigen die Erwartungen in der Abtei und im Rathaus.
Die Kirche soll künftig sowohl als Kulturort als auch als Tourismusmagnet weithin ausstrahlen.
Man rechnet mit bis zu 100.000 Besuchern jährlich.
Deshalb nimmt der Tholaier Bürgermeister Infrastrukturmaßnahmen wie neue Parkplätze in der Gemeinde in Angriff.
Wir haben geplant, zusammen mit der Abtei, Gästeführungen.
Wir haben geplant Flyer, wir haben geplant Veranstaltungen.
Wir haben geplant, auch hier Ordnungskräfte auszubilden, die sich um den ruhenden Verkehr kümmern.
Wir sind im Gespräch mit Omnibusunternehmen für den Shuttle und vieles anderem.
Es ist eigentlich ein gutes Miteinander mit der Abtei,
dass wir uns gemeinsam hier auf die Wiedereröffnung der Abteikirche vorbereitet haben.
Frühsommer 2020. Ein großer Augenblick.
Die Glasmaler und Glasmalerinnen bauen das mit Spannung erwartete erste Gerhard-Richter-Fenster ein.
Um die neuen Kunstfenster vor Witterungseinflüssen zu schützen, hat man zuerst einen Schutz aus Klarglas eingebaut.
Davor werden mit einigen Zentimetern Abstand die insgesamt 17 Felder eingesetzt.
Ein Ereignis, das sich Abt Mauritius und Bruder Wendelinus nicht entgehen lassen.
Das letzte Feld. Jetzt darf nichts mehr schiefgehen.
Für die Glasmalerin aus München heißt es, Abschied zu nehmen von einer intensiven Zeit.
Das ist immer so ein ganz besonderer Moment, weil ich habe gestern Abend noch gedacht,
als ich das Ortsschild Thulei gesehen habe, war so ein bisschen so das Gefühl,
okay, es ist jetzt ein Loslassen. Die Felder gehören hierhin.
Sie sind jetzt an ihrem Ort und halt nicht mehr in München bei uns.
Und wenn man vom Gerüst runtergeht, wenn man die Sachen eingebaut hat,
also ich mache es zum Beispiel so, ich drehe mich nicht direkt um,
sondern ich nehme erst mal diese Distanz und habe dann wirklich mal einen Moment,
wo man es das erste Mal sieht, weil man hat immer so eine Vorstellung, wie es mal ausschaut.
Aber eine Werkstatt ist kein sakraler Raum.
Und hier ist einfach der Ort, wo die Fenster hingehören und man ist gespannt, wie es dann ausschaut.
Bis das dritte Richterfenster eingebaut wird, vergehen weitere Wochen.
Wegen der Corona-Pandemie hat sich die Herstellung der Fenster um mehr als ein Jahr verzögert.
Der Einbau des Fensters zum Genießen im Zeitraffer.
Was hier kaum eine Minute dauert und wie ein Ballett wirkt,
ist eine hochkonzentrierte, schweißtreibende Arbeit und nimmt mehrere Stunden in Anspruch.
Die rund zehn Meter hohen und zwei Meter breiten Fenster bestehen aus zwei Lanzetten
und werden von einem kreisrunden Dreipass bekrönt.
Im Mittleren spielt die Farbe Gelb eine große Rolle. Ein Sonnenfenster.
Die Mäzenatenfamilie Meiser ist unter den ersten Bewunderern.
Über Geld redet die Abtei nicht, aber die Kirchenrestaurierung muss weit über fünf Millionen Euro verschlungen haben.
Zu viel für eine kleine Abtei.
Familie Meiser, Inhaber des gleichnamigen Unternehmens im saarländischen Schmelz, unterstützt sie seit Jahren.
Sie hat auch hier ihren Geldbeutel weit geöffnet und insbesondere die Herstellung der Richterfenster finanziert.
Geschafft. Für alle Beteiligten ein Moment des Staunens.
Sie können sich an der Stelle, an der ich jetzt sitze, hinsetzen und drei Wochen lang gucken.
Sie werden immer wieder was Neues entdecken.
Das große Interesse an den Gerhard-Richter-Fenstern rückt die Mönche ins Rampenlicht.
Die Aufmerksamkeit von Medien, von verschiedenen Zeitschriften und so ist so groß,
dass wir langsam auch spüren, wie wichtig das, was wir hier bekommen haben, wertvoll ist.
Und das prägt uns natürlich auch in unserem Leben, in unserem ganz normalen Leben.
Wir haben eine Historie, das ist dieser Kirche als solches.
Aber jetzt noch dazu diese Superkunst, das macht uns ein bisschen,
unsere Verantwortung spüren wir natürlich wesentlich mehr als vorher.
Die einst düstere Abteikirche strahlt jetzt frisch restauriert im warmen Ockerfarbton des Gesteins.
Der frühgotische Geist ihrer Architektur lässt sich wieder ungestört bewundern.
Und die neuen Kirchenfenster setzen dazu reich bewegte Farbakzente.
Die expressiven Bildererzählungen von Mahbuba Maqsodi treffen auf die eher meditativen Fenster von Gerhard Richter im Chor.
In deren reichen Ornamenten spiegelt sich das undurchdringliche Licht,
in dem Gott unerkennbar, doch voller Erleuchtung für die Menschen wohnt.
So deuten es die Mönche.
Bei den weltlichen Besuchern wecken diese Fenster vielfältige Assoziationen.
Für seine Thuleier-Entwürfe wählte Gerhard Richter Elemente aus seinem Buch Patterns aus, zu deutsch Muster.
Darin zerteilte er eines seiner Gemälde digital in immer kleinere Einheiten,
spiegelte sie horizontal und vertikal, reihte sie aneinander.
Seinen Entwurf entwickelte er ähnlich.
Er erinnert an die Muster frühgotischer Fenster, die in der Reihung gleicher Elemente die göttliche Harmonie feierten.
Was reizte Gerhard Richter?
Ich persönlich glaube nicht, dass Gerhard Richter jetzt diese Gelddinge in irgendeiner Form interessieren,
sondern ich glaube, er wollte hier ein Zeichen setzen für die Menschen, dass sie etwas erkennen in seinen Werken.
Ich habe ja auch mit ihm öfter mal am Telefon über Gott und die Welt gesprochen, wenn man so will, über die letzten Dinge.
Da hat er mir schon gesagt, dass auch er auf der Suche ist nach der Tiefe, nach der Sinnfrage, wenn man so will.
Und vielleicht ist das eine sehr persönliche Antwort von ihm selbst auf diese Frage, Schönheit vergeht nicht.
Schönheit, Sünde, Grausamkeit, Vergänglichkeit, Erlösung.
Nicht nur im Obergarten lässt Nachbuber Maxodi Widersprüche aufeinanderprallen.
Selbst in der Passion Christi im nördlichen Seitenchor, in der Heilsbotschaft des Christentums,
scheint die Welt in ihren Grundgewissheiten zutiefst erschüttert.
Es ist eine Geste der Abwehr, mit der der heilige Kuno, einer der Tholeier Klostergründer, die Bischofswürde empfängt.
Fürchtet er, sich mit ihr zu sehr von der Schar der Gläubigen zu entfernen?
Oder die Last, die ihm mit dem Amt aufgebürdet wird?
Der Preis der Heiligkeit ist hoch, vielleicht zu hoch?
Ist dies ein selbstgewisser Heiliger oder einer, der den Zweifel nur zu gut kennt?
Fragen über Fragen.
Wie skeptisch schaut Kuno zusammen mit Paul von Verdun, dem zweiten Gründer der Abtei, aus einem zweiten Fenster auf die Welt.
Nach Buba Max Sodhi hat sich lange mit den biblischen und den heiligen Geschichten beschäftigt
und aus ihnen, auch jenseits eines theologischen Kanons, die menschlichen Aspekte entwickelt.
Symbolgeladen und gestenreich rühren ihre Fenster an existenzielle Fragen,
die alle Menschen ohne oder gleich welcher Religionszugehörigkeit umtreiben.
Nur Antworten wird man auf diesen Fenstern vermutlich vergebens suchen.
Die will die Künstlerin auch nicht vorgeben.
Ich möchte niemandem hier durch meine Arbeit sagen,
wie soll man denken oder empfinden.
Das ist die freie Interpretation von jeder Person und jedem Betrachter.
Und ich wünsche mir, dass die Menschen, die hier sind,
wirklich Fragen für sich stellen und auch selber in die Suche gehen.
Und ich bin sehr gespannt auf die Rückmeldungen.
Alle ihre Figuren sind im Glauben gezeichnet und scheinen müde von der Zerrissenheit der Welt.
Auch Mauritius, der Patron der Tolaier Abtei,
muss während der Christenverfolgungen für seine Menschlichkeit einstehen.
Vielleicht gibt das monumentale Westfenster hinter der Orgelempore Hinweise.
Der Satanssturz, der das Böse in die Welt gebracht hat.
Und ohne den sich das Gute nicht erkennen lässt.
Wohnt dieser Widerspruch nicht in jedem?
Die lange, anstrengende Zeit der Kirchenrestaurierung hat sich gelohnt.
Ich kannte diese Kirche, wo ich immer gern gebetet habe.
Aber dunkel, düster und jetzt die ganze neue Atmosphäre.
Selbe Kirche, aber es ist trotzdem wie eine neue Kirche für mich.
Das ist jetzt so fantastisch.
Diese Helligkeit, die für mich auch größer geworden ist.
Und die wunderbaren Fenster von Richter.
Es erfreut das Herz und ich kann nur dankbar sein.
In der Ausstattung der Tolaier Abteikirche mit den beiden neuen Fensterzyklen
von Nachbuber Maxodi und Gerhard Richter
haben theologischer Überzeugungswille, künstlerische Kreativität
und große Handwerkskunst ein Werk geschaffen,
wie es nur noch ganz selten entsteht.
Die frisch restaurierte Kirche erinnert jetzt wieder an das Gesamtkunstwerk,
als das sie in der Frühgotik errichtet worden war.
Sie ist zu einem weithin ausstrahlenden Ort geworden.
Ob das ehrwürdige Gemäuer auch vom undurchdringlichen Licht Gottes erhellt wirkt,
das muss in Tolai in der Abteikirche jeder für sich selbst herausfinden.
Untertitel der Amara.org-Community