Philosophieren: Falten mit Matthias Burchardt & Alexander Christ

Kontra Funk
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1 Videoaufrufe·21.05.2024
Source:
https://www.spreaker.com/episode/philosophieren-falten--59989400
Auf dem Tisch liegt ein gefaltetes Hemd. Papier faltet man häufig, manchmal werden daraus kunstvolle Papierflieger. Falten kann man vieles, dann verbirgt sich im Inneren häufig etwas, das man nicht mehr unmittelbar sehen kann. Um es wieder ans Tageslicht zu bringen, muss man die Gegenbewegung des Ent-Faltens vollziehen. In dieser Folge von „Philosophieren“ im Kontrafunk sprechen Matthias Burchardt und Alexander Christ über die Geheimnisse, die sich in Falten verbergen, über Geschicklichkeit und Kreativität, über das Schaffen und Auflösen von Ordnung und über einen Weltenfalter.
liebe Hörer diese Sendung können Sie
vollständig auf
kontrafunk.radio hören hier gibt es aus
lizenzrechtlichen Gründen nur eine
gekürzte
[Musik]
Version guten Tag liebe Hörer mein Name
ist Alexander Christ und Sie hören
philosophieren im kontrafunk das Botox
für die Sorgenfall der
Babyboomer gemeinsam mit Matthias
burcher diskutiere ich wöchentlich über
alltägliche und tiefgründige Themen
heute Falten und entfalten wir in dieser
Folge geht es um
Geschicklichkeit Kreativität und Ordnung
dann aber auch um das Auflösen von
Ordnung um das entblättern und um den
weltenfalter lassen sie sich einwickeln
in dieses verschachtelte Thema und legen
Sie schon mal Papier und Lineal zurecht
vielleicht können wir sie zu mitfalten
verführen
[Musik]
philosophieren im kontrafunk heute mit
Matthias Burchert und mit mir Alexander
Christ hallo lieber Matthias grüß dich
heute haben wir ein ganz besonderes
Thema ja da freue ich mich total drauf
wie hältst du es den mit dem Falten ja
die Frage habe ich ja fast erwartet dass
du mir diese Frage stellen wirst darum
habe ich mich natürlich vorbereitet ich
muss zugeben vor unserer Sendung habe
ich gar nicht so richtig wahrgenommen
was man so alles tagtäglich faltet also
wie Hal ich mit dem Falten ich habe
heute schon gefaltet ich habe heute
Wäsche gefaltet ich habe natürlich heute
auch Papier gefaltet also ich falte
unheimlich gerne ich mag das wenn die
Dinge ein bisschen kleiner werden und
dann irgendwo reinpassen ja das ist ja
das bemerkenswerte dass sowas wie ein
herrenoberhemd mit den ganzen komischen
flatterigen Ärmeln und dem unten
auslaufenden Saum und dem Kragen dass
man das in so eine rechteckige Form
bringen kann durch ein paar kleine
geschickte Faltungen das hat mich schon
als Kind fasziniert ja das ist auch eine
Kunst tatsächlich es gibt Leute die
können irgendwie nicht richtig Falten
also wenn wir jetzt bei der Wäsche
bleiben und gerade bei den Hemden oder
auch Blusen das ist schon eine gewisse
Kunst da braucht man ein geschickübung
es gibt Menschen da muss ich ein
bisschen lachen die schauen sich dann
Youtube Videos an also Tutorials oder
auf Instagram gibt's gute Hinweise wie
man schneller falten kann ich habe mir
sagen lassen man kann das auch mit einer
einzigen geradezu werfenden geschickten
Handbewegung machen und zack ist das
Hemd gefaltet das alles kann ich nicht
ich bin ein ganz herkömmlicher Falter
habe meine eigene Methode die eigentlich
immer gut klappt und dann sieht das Hemd
für mich wunderbar aus ich muss ja mal
nicht vielen ab Verkäuferinnen denken
die in den kaufhausabteilung als es die
noch gab die ganzen auseinander
gepflügten Pullover wieder in Form
bringen müssen um sie dann auf der
Präsentationsfläche einigermaßen
ansehnlich wirken zu lassen das ist
sicherlich auch ein harter harter Job
was ich selber gerne Falte und mir eine
Gewohnheit daraus gemacht habe sind auch
Blätter auf denen ich schreibe ich habe
ein dener vier Blatt dass ich immer in
der Mitte so Falte dass es so mitina F
Blatt wird und dann ist es immer so
doppelt und dann kann man das wunderbar
beschriften war man dann auch so eine
harte Kante auf der einen Seite hat und
der anderen Seite die kann man dann
aufklappen und kann ins Innere
reinschreiben das ist so wie die
Keimzelle eines Buches die da hsteht das
es hat für mich nur große Sinnlichkeit
und Schönheit ja das mache ich auch
tatsächlich falte ich Papier auch sehr
sehr häufig um es dann auseinander
zuschneiden dazu benutze ich ein
entsprechendes Taschenmesser und ich
brauche kleine Zettel die ich eigentlich
an jeden Ort um mich herum verteile und
deponiere für den Fall ich mal irgendwas
irgendwo notieren muss und das sind dann
meistens irgendwelche Zettel die
vielleicht schon einseitig benutzt sind
oder auch teilweise eben auf beiden
Seiten noch unbeschriebenes Papier dass
ich dann aber zu diesem Zweck kleien
Schneide und weil du gerade das Falten
erwähnt hast um auf dann ein Bina 4
Papier entsprechend Notizen zu machen
dabei habe ich mich erinnert dass ein
Lehrer den ich sehr geschätzt habe aus
meiner gymnasialen Schulzeit eine ganz
besondere Art hatte das Papier zu falten
ein dinavblatt das hat er nämlich nicht
so wie du wahrscheinlich einmal in der
Mitte gefaltet so dass es dann ein
quergelegtes Diner 5 Format hat sondern
er hat es hochkant gefaltet und dann
wurde da so ein langer Schlauch draus im
Prinzip wie man das manchmal in
Restaurants findet wenn da eine
Speisekarte auf dem Tisch liegt die sind
ja auch manchmal mehr hoch als breit und
er hat dann da innen reingeschrieben wie
in ein Büchlein also etwas größeres
Büchlein und das fand ich ganz
interessant diese besondere Art zu
falten stört ja meinen Ordnungssinn
ehrlich gesagt also das geht ja gar
nicht also es muss genauso gefaltet
werden wie ich das tue sonst ist es
falsch ja vielleicht auch übertreibe ich
jetzt bisschen ne also beim Falten kann
man Fehler machen aus deiner Sicht
selbst wenn man es richtig macht ist es
eine Störung der kosmischen Ordnung find
ich ja das erinnert mich jetzt wieder an
eine Geschichte tatsächlich hast du
recht wenn Menschen ganz unordentlich
Falten und mir selber passiert das
natürlich auch manchmal
wenn man also am Papier zusammenfaltet
und die Kanten dann nicht exakt
aufeinander liegen dann stört das auch
meinen Ordnungssinn passiert mir das
entfalte ich das Blatt wieder und mach
es noch mal gelegentlich schmeiße ich
dann auch schon mal weg wenn es gar
nicht mehr geht absolut das finde ich
nur angemessen hast du denn als Kind
auch papierflugzeuge gefaltet ja mit
zweifelhaftem Erfolg das hat eigentlich
nie geklappt auch dazu gibt es
inzwischen für diejenigen die das mal
ausprobieren wollen wunderbare erkl der
Videos ich verbinde sowas dann immer mit
chinesischen oder japanischen
faltkünstlern vielleicht können wir im
Laufe der Sendung noch auflösen warum
ich das mit Menschen aus diesem Teil der
Welt verbinde jedenfalls in den Videos
die ich so vor Augen habe sind es dann
immer entweder Chinesen oder Japaner die
das ganz einfach machen die machen knapp
klapp klapp also drei vier Faltungen
dann sieht das aus wie ein Papierflieger
den ich als Kind auch gebaut habe mit
einem Unterschied die Fliegen wunderbar
und ganz weit und kommen sogar wieder
zurück während meine einfach zu Boden
gegangen
sind also ich hatte da ein bisschen mehr
Meisterschaft wir haben auch
papierwettfliegen gemacht als Kinder und
das war immer ein großer großer Spaß und
woran ich mich auch erinnere dass ich
weiß gar nicht wie das heißt ich weiß
nicht ob du das kennst das ist so ein
Objekt das wie so ein Orakel
funktioniert du steckst Daumen und
Zeigefinger beide Hände rein und hast so
ein spitzes Objekt dass du dann jeweils
öffnen kannst als ob ein Frosch einen
Mund aufreißt und kannst es dann hin und
her bewegen und dann ist im Inneren
steht dann eine Zahl wenn du die zählst
dann musst du noch mal hin und her
öffnen und schließen und dann enthüllst
du auf die Angabe einer weiteren Zahl
eine Botschaft die in diesem Ding
verborgen ist kennst du das auch ja also
wenn das das ist was ich vor Augen habe
dann hieß das in meiner Kindheit Himmel
und Hölle und man hat das dann gefaltet
und konnte dann damit eben entsprechend
auch ausspielen wer beispielsweise mit
irgendeinem anderen Spiel beginnen darf
oder wer eben häufiger Glück hat und
dann hat man die Punkte gezählt wer also
so und so of im Himmel war und so und so
auf in der Hölle war der hatte dann eben
gewonnen oder verloren so
Zufallsgenerator oder eine
Einbruchstelle der Fortuna in das Leben
des Menschen auf dem Wege des gefalteten
Papiers genau weil man sie auch immer
wieder gedreht hat und nicht gesehen hat
wie man gerade die Finger von unten
reingesteckt hat dann wusste wir nicht
was am Ende rauskommen wird die Hörer
kennen das ja schon von uns dass wir uns
über Alltagsbegebenheiten an den Begriff
annähern aber bevor wir jetzt zu sehr in
Anekdoten verfallen möchte ich dich doch
fragen Matthias warum ist das Falten
überhaupt ein Begriff mit dem wir uns
beschäftigen wollen was ist das
Besondere am Falten das dich und auch
mich so fasziniert also ich werde meine
Antwort gleich geben aber meine Frage
geht natürlich zuerst an Dich ja ich
will nicht zu viel verraten aber ich
habe natürlich einen Familienangehörigen
den papierkünstler Erwin habke der 35
Jahre seines Lebens damit verbracht hat
jeden Tag wie ein fleißiger Arbeiter
oder ein künst
ein gewaltiges Werk aus Papier zu
vollbringen dass er allein durch Falten
zustande gebracht hat dann interessiert
mich daran was sagt das über unseren
menschlichen Leib aus und wo ist
eigentlich die Verwandtschaft von Falten
zum Philosophieren besteht die und wenn
ja ist sie nicht sogar größer als man
auf den ersten Blick vermuten würde mhm
genau als du das Thema vorgeschlagen
hast fiel mir sofort der Gegenbegriff
des entfaltens ein und ich gebe zu dass
mich am entfalten fast noch mehr
fasziniert als am Falten selbst das
Falten hat ja eigentlich immer etwas
verbergendes in sich ich mache etwas zu
was ich dann nicht sofort erkennen kann
es ist aber noch da im Inneren sozusagen
und es wird auch manchmal ja dann etwas
kunstvoll Neues daraus darauf werden wir
gleich noch zu sprechen kommen wenn ich
das dann aber entfalte dann offenbart
sich mir wieder etwas manchmal auch eben
etwas anderes als das was ich glaube im
Inneren zu wissen vielleicht entdecke
ich dann auch eine neue Perspektive auf
das was sich da entfaltet und insofern
hat es entfalten für mich tatsächlich
etwas hochkreatives und befreiendes fast
noch mehr als das Zusammenfalten du
wirst mir wahrscheinlich wiedersprechen
und wirst sagen das Falten selbst ist
ein unglaublich kreativer Vorgang wir
haben es ja schon angedeutet man kann
beim Falten ziemlich viel falsch machen
aber dieses befreiende auflösende
öffnende am endfalten das gefällt mir
persönlich sehr gut zumal sich ja dann
auch Himmel und Hölle enthüllen indem
man es entfaltet das Verborgene wird an
den Tag gebracht und da zeigt sich ja
vielleicht auch schon direkt dass es
eine Verwandtschaft gibt zwischen dieser
Praxis die wir üben im Umgang mit
flächigen Objekten und unserer Art und
Weise über Dinge zu sprechen aber auch
über Politik zu sprechen ich habe mal
versucht zu sammeln was man alles
veralten kann ich glaube du hast auch
eine große Liste mir ist gar nicht so
viel eingefallen also es ist
offensichtlich zumindest im konkreten
Wortsinn es ist immer ein Material das
etwas flächiges an sich hat das dann
aber auch eine Flexibilität auf weisen
muss also wir können Steine relativ
schlecht Falten aber wir können
metallfalten z.B beim Klingenschmieden
den Teig beim Brotteig machen oder auch
beim Croissant dieser gerade dieser
Blätterteig ist ja häufig gefaltet die
Wäsche wir können die Stirnen Falten
legen und irgendwann faltet uns die
Natur dann auch zusammen ja genau mir
sind noch die Hände natürlich
eingefallen wir können die Hände falten
die Haut selber die hast du eigentlich
schon erwähnt indem du die Stirnfalten
genannt hast aber es gibt natürlich noch
andere bereicher menschlichen Haut die
sich in teilweise schöne oder unschöne
Falten legen können das hat dann auch
schnell etwas mit einem gewissen
Empfinden von Ästhetik zu tun manche
Falten empfinden wir eben als nicht so
schön ich glaube die Falten auf der
Stirn können allerdings ganz attraktiv
sein also da machen wir Einschränkungen
allerdings auch nicht zu viele Falten
wenn das Gesicht in viele Falten
geworfen ist dann ist jemand vielleicht
alt oder besonders sorgenvoll hat große
Sorgen im Leben gehabt und die haben die
Falten ins Gesicht gezeichnet das sind
so Verbindungen die man dann sehr
schnell zieht also es bringt auch oft
gleich so ein Werturteil mit sich ob das
gerechtfertigt ist oder nicht müssen wir
nicht
erörtern ja dann fahen wir noch die
Gesteinsschichten ein du hast gesagt
Steine kann man nicht Falten aber wenn
wir jetzt den Aufbau des Bodens
betrachten dann denkt man ja schon an
gefaltete
Gesteinsschichten und das ist es aber
glaube ich schon da gibt's natürlich
noch ein paar verball hornungen des
Faltens ja da müssen wir aufpassen
nämlich Zitronen kann man gar nicht
Falten ne Zitronen kann man nicht Falten
genau da gibt's einen schönen Spruch den
ich übrigens gerne abwandeln möchte wer
den Spruch mit anderen vergleichen kennt
der wird sich vielleicht jetzt den
merken den ich nenne der geht so wer
noch glaubt dass die Volksvertreter das
Volk vertreten glaubt auch dass
Zitronenfalter
zitronenfalten
herrlich ja ist natürlich der Falter der
Schmetterling schon auch ein Sinnbild
des zusammenführens von Flächen ne ein
der Verdopplung von Fläche insofern ist
das ja nicht aus der Luft gegriffen dass
es eben um die Farbe geht und nicht um
die saure Frucht die da gefaltet wird ja
mir ist noch was eingefallen man kann no
die Serviette Falten wenn man im
Restaurant ist oder wenn man im
Restaurant ankommt dann sieht man ja
manchmal kunstvoll gefaltete Servietten
auf dem Platz bereits vorbereitet da
gibt's übrigens auch eine gewisse Kunst
des serviettenfaltens während des ens
wenn man die falsch rum faltet und es
ist was drauf gekleckert dann schlägt
man sie zur falschen Seite nämlich zur
hemdseite auf wie ich gelernt habe und
führt dann erst recht den Fleck auf dem
Hemd herbei anstatt sich davor zu
schützen also Achtung auch da muss
richtig rumgefaltet werden und dann kann
man natürlich auch an gewisse
Musikinstrumente denken also eine
Ziehharmonika ist ja auch gefaltet und
kann dadurch erst durch die Faltungen
die entsprechende Luft erzeugen die dann
in Musik umgesetzt wird oh wie schön wo
wir uns heute so besonders viel Mühe mit
der Musikauswahl auch gegeben haben
passt das ja fantastisch ich will da mal
einen kleinen Spannungsbogen eröffnen in
dieser Hinsicht wollen wir mal auf das
Händefalten zu sprechen kommen weil das
wirkt ja erstmal wie eine ja
metaphorische Verwendung dieses
faltbegriffs ich glaube aber dass es die
fundamentalbedeutung ist dass wir
eigentlich nur falten können dass wir
etwas in der Welt falten können weil wir
unsere Hände falten können denn das ist
ja eine ganz komische Geschichte mit dem
händefhalten ich habe das mal versucht
auf den Punkt zu bringen wenn wir die
Hände Falten dann entraten wir dem
werkenden fühlenden oder mitteilenden
weltzugang mit unseren Händen wir lassen
sozusagen die Hände dann von den Dingen
oder aus der Kommunikation oder stellen
auch die Wahrnehmung ein und schließen
Sie zusammen in einer Geste der Einkehr
der Sammlung oder der Kontemplation wer
seine Hände faltet ist nicht mehr bei
den Dingen sondern bei sich und dem
christlichen Verständnis im Besonderen
Kontakt mit Gott und lässt man mal diese
religiösen oder theologischen
Implikationen beiseite dann wiederholt
sich im halten ein anthropologisches
urmoment das wir beim merloponti schon
mal hatten als es um das Berühren ging
nämlich die komische Überkreuzung des
spürenden und gespürten selbst dass sich
selbst begegnet im Chiasmus wie melonti
das nennt also es entsteht ein X
gewissermaßen dass die Verschränkung von
Wahrnehmung und wahrgenommen sein so
ausmacht dass ein Funke überspringt der
uns vor Augen führt dass unsere Hände
ganz besondere Organe sind die nicht nur
das selbst sondern auch die Welt in der
ganz besonderen Weise zugänglich machen
und dessen werden wir inne wenn wir die
Hände falten zum Gebet und ich glaube
jedes Mal danken wir auch implizit dem
Gott mit und zwar implizit wie wir
gleich hören werden in der ganz
besonderen Wortbedeutung dafür dass wir
so wunderbar geschaffen sind dass unsere
Hände uns die Welt schenken aber auch
uns selbst und dem anderen einen Zugang
ermöglichen das ist sehr schön und das
erinnert mich an ein Bild weiß nicht ob
du das auch kennst meine Großeltern
hatten an der Wand ein Holzbild hängen
und das war dreidimensional es war im
Prinzip ein Holzbrett etwas kunstvoll
gestaltet und darauf zwei ineinander
verschränkte gefaltete Hände und das ist
glaube ich auch ein relativ bekanntes
Bild die gefalteten Hände das für mich
als Kind immer sehr faszinierend war
weil man die beiden Hände anfassen
konnte wenn man auf den Stuhl gestiegen
ist konnte man die berühren und von dem
Bild ging eine große Ruhe aus dieses
Bild ist mir dann später noch mehrfach
begegnet die gefalteten Hände und und
ich konnte immer wieder dieses Gefühl
der Ruhe und der Einkehr abrufen und
wusste jetzt passiert erstmal im Moment
nichts jetzt ist ein Moment der
Überlegung und des in sich gekehrt Seins
des Nachdenkens jetzt muss nicht
gehandelt werden die Hände sind
ineinander gelegt gefaltet und zeichnen
sich nicht durch gehetzte Aktivität aus
sondern genau durch das Gegenteil Ruhe
sorgsames nachdenken überlegen wie geht
es weiter vielleicht auch erst er mal
nur in sich reinfühlen das alles steckte
für mich in diesem Bild und es begleitet
mich eigentlich seit meiner Kindheit
immer wieder das ist eine wunderschöne
Überlegung die mich jetzt noch auf
weiterführende Gedanken bringt
offensichtlich ist es ja so dass wir
überhaupt als Menschen ein besonderen
Zugang zur Welt haben durch unseren
aufrechten Gang da legt der Herder
großen Wert darauf dass wir die Hände
nicht mehr für fortbewegungsaufgaben
brauchen sondern dass wir sie zur
Erschließung der Welt nutzen können aber
auch da haben sie ja erstmal nur eine
biologische Funktion und ich so richtig
zu uns selbst als Menschen kommen wir
wenn wir die Hände sinnhaft nutzen
einerseits in dieser Geste und
andererseits auch in dieser
Selbstvergewisserung und
gottesvergewisserung des händefhaltens
und ich glaube dass da dann auch der
Zusammenhang besteht dass wir aus dieser
entlehrung der Hände von weltlichen
Funktionen und weltlichen gehalten
heraus die Freiheit gewinnen so auf die
Welt zuzugreifen dass wir sie mit Sinn
versehen und in Schönheit und Ordnung
versetzen können ich glaube da ist ein
ganz tiefer Zusammenhang der sich zu
bedenken weiter lohnen würde mhm wir
können also etwas Falten weil wir freie
Hände haben weil wir Hände haben die wir
dazu nutzen können und jetzt sind wir
eigentlich schon bei dem Punkt angelangt
den ich in der Begrüßung genannt hatte
es geht ja heute auch um
Geschicklichkeit und um Kreativität um
mit den Händen etwas zu falten braucht
es eine gewisse geschickte ruhige Hand
man darf also nicht zu hektisch und
schnell vorgehen sondern man muss
überlegt beispielsweise Papier oder
andere Dinge so falten dass dann daraus
etwas Neues entsteht dazu braucht es
aber auch Kreativität wenn ich jetzt an
das Papier falten denke du hast vorher
auch die Frage nach den Papierfliegern
gestellt ich kenne auch Kinder die ganz
schnell mit flinken Bewegungen geschickt
einen Drachen oder einen Vogel falten
können vielleicht kannst du das auch das
erfordert ja eine gewisse Kreativität
weil man ja in dem Moment wo man faltet
noch nicht sieht was am Ende entstehen
soll man muss sich aber schon überlegen
welche faltbewegung man macht damit eben
am Ende ein bestimmtes Ergebnis entsteht
also beides muss zusammen kommmen
Geschicklichkeit und Voraussicht
Kreativität ein guter Blick auf das
Werkstück das man vor sich hat mich
überfordert das komplett ich habe
größten Respekt von Menschen die das
vorwegnehmen können weil also so eine
simple operation wie ein dinfierblatt zu
halbieren das kriege ich noch hin und
kann mir auch vorstellen wie das endet
aber es geht ja um einen Aufbau von
Komplexit
aus einer relativ simplen Struktur aber
die Komplexität entsteht nicht dadurch
dass ich etwas hinzufüge etwa wie wenn
ich mit Ton arbeite oder etwas entferne
wenn ich mit dem Meißel am Stein etwas
abschlage sondern sozusagen die Substanz
bleibt erhalten und das Quantum bleibt
erhalten aber es wird übersetzt von
einer flächigen Struktur in eine
Dreidimensionalität und das ist etwas
was mich intellektuell wirklich an den
Rand meiner Leistungsvermögen bringt ja
also mich auch das eint uns ich probi es
zwar immer wieder meine Kinder fragen
mich natürlich immer wieder kannst du
das falten kannst du jenes Falten und
dann probiere ich das wir haben das auch
mal auf einem Kindergeburtstag
ausprobiert das gehört ja so in den
Kanon der beliebten Spiele die man mit
Kindern macht Papier buntes Papier das
dann gefaltet wird und ich war
tatsächlich verblüfft es sind oft ganz
ruhige in sich gekehrte Kinder die das
dann ganz professionell machen können
die das offensichtlich still geübt haben
und dann ein faltablauf abspulen der
traumwandlerisch zu einem gewünschten
Ergebnis führt so kommt es mir vor oder
eben mit viel Kreativität das Blatt
betrachten und dann was Wunderbares
hervorbringen jetzt möchte ich mal ein
bisschen aus dem Nähkästchen plaudern
wir hatten im Vorgespräch über eine
Rätselfrage gesprochen die ich dir
gestellt habe und ich bedauure fast dass
ich das nicht in der Sendung selbst erst
getan habe aber vielleicht können wir
das noch mal rekapitulieren nämlich die
Frage wie oft muss man ein Blatt Papier
falten damit es die Entfernung von der
Erde bis zum Mond überbrückt also wie
sehr dehnt sich das ganze dann sozusagen
im Raum aus und gewinnt an Höhe und du
warst ziemlich beeindruckt von der Frage
und hast mir meine Antwort erstmal auch
gar nicht geglaubt ich glaube dir die
immer noch nicht also da lass ich gerne
auch unsere Hörer dran teilhaben es gibt
ja so Momente wo man nicht genau weiß ob
der andere einen jetzt gerade hoch nimmt
oder ob das ernst gemeint ist also die
Frage habe ich natürlich nicht
beantworten können weil man natürlich
unmöglich mit einem einzigen Blatt
Papier bis zum Mond kommen kann wie soll
das denn bitte gehen Matthias das geht
relativ einfach denn die Operation die
man dabei vollzieht ist ja in die
Halbierung der Grundfläche und die
Verdopplung der Höhe ne oder
nachvollziehbar ja ja mathematisch bin
ich noch bei Dir ja so und dann ist das
verrückte ja dass dich bei jeder Faltung
die Höhe verdoppelt das heißt die
Entfernung bis zum Mond sind ca 38 000
km und das heißt mit der letzten Faltung
verdoppel ich mal gerade so 19 000 km
glaube ich und danach halbiert sich das
sozusagen mit jedem f Schritt und wer
mag kann sich mal ein Video meines
Kollegen Jörn lischach angucken der
mathematisch exakt nachweist dass es
tatsächlich gar nicht so viele Faltungen
sind die man bräuchte um ein Blattpapier
von der Erde bis zum Mond reichen zu
lassen sind nämlich nur 42
Faltungen ja also dieses Video werde ich
mir nach der Sendung auf jeden Fall
anschauen weil ich dir das immer noch
nicht glaube Papier ist dünn und wie
soll das bitte gehen selbst wenn es sich
verdoppelt also manchmal weiß ich nicht
ob du mich nicht veralberst Matthias
nein ne ne das mE gut das würde dann
relativ dünn sein in der Grundfläche
aber es würde relativ lang sein ich
glaube DIN vi Papier geht es rechnerisch
schon nur pragmatisch wird es ja
irendwann so gnubelig dass man nicht
mehr fallen kann man bräuchte ein
relativ großes Blatt das ist damit
gedacht sozusagen ja also liebe Hörer
vielleicht basteln sie das nach sind
herzlich eingeladen und schicken Sie uns
auch gerne Fotos von den Ergebnissen wir
sind gespannt was wir bekommen werden
das ist exponentielles Wachstum es ist
das was bei der Pandemie niemals
passiert ist dass ich sozusagen mit
jedem jeweiligen Schritt das ganze
verdoppelt die Opferzahlen der Pandemie
blieben interessanterweise im Rahmen in
der Mathematik und beim papierverhalten
geht das aber jetzt mal kurz den Spaß
beiseite was wir auf jeden Fall sehen an
diesem Beispiel wenn ich etwas Falte
kann ich wirklich etwas mit dem Material
machen was absolut kein zusätzliches
Material erfordert du hast ja vorher
drauf hingewiesen ich füge nichts hinzu
und das ist mir auch tatsächlich erst
beim Nachdenken über unser Thema heute
noch mal so richtig klar geworden dass
man beim Falten ja tatsächlich bei dem
Material bleibt dass man vor sich hat
und es ist eigentlich eine wunderschöne
Geschichte ich kann damit etwas neues
bauen gerade zu ich kann damit eben
Räume schaffen in die man nicht einfach
hineinblicken kann denken wir
beispielsweise an täller die durch
aufgeschichtete Gestein Schichten
entstanden sind da entstehen natürlich
Berge aber da entstehen eben auch Täler
und ich kann eben von der einen Seite
nicht mehr auf die andere Seite schauen
es bleibt also etwas im Verborgenen aber
ich hatte es Eingang schon gesagt es ist
eben trotzdem da und das ist für mich
ein sehr faszinierendes Moment und
deshalb ist die Metapher der bergfalte
und der talfalte ja auch übergegangen in
das Papierfalten oder in die anderen
Falttechniken die wir auch aus der
Industrie und so weiter kennen dass da
plötzlich verschiedene Strukturen
entstehen die aber auch die
lageverhältnisse des Materials verändern
also das ist im hohen Maß interessant
wir sollten vielleicht der
Vollständigkeit halber sagen dass jilde
sich auch mit diesem Thema beschäftigt
hat aber wir haben ihn nicht zur
Kenntnis genommen und wenn sich da etwas
erändern sollte handelt es sich dabei
nicht um ein Plagiat sondern um eine
Konvergenz die aus der Natur der Sache
herrührt weil wir solche Autoren
natürlich geflissentlich
ignorieren ja vielleicht können wir mal
eine Liste der Autoren in eine
Falttasche eines litzbuchs legen die wir
geflissentlich nicht behandeln und
ignorieren und irgendwann in ein paar
Jahren stoßen wir dann zufällig auf
diese falltasche in diesem Notizbuch und
finden unseren Zettel mit den Namen
dieser Philosophen und sind ganz
erstaunt oh da fällt mir eine ganz
großelige Geschichte an die passt nur so
halb aber in den Falten etwas finden das
ist eine sehr biographisch aufgeladene
Konstellation für mich weil in der
rücksitzfalte des Mercedes meines Papas
habe ich auf der Heimfahrt von Freunden
auch einmal etwas gefunden nämlich ein
Pillendöschen mit Perlmut Besatz dass
ich einfach gefunden habe und dann in
meine Tasche gesteckt habe und meine
Eltern haben das dann gesehen und haben
mich dann gefragt wo hast du das her und
haben gedacht ja ich hätte das dann den
Gastgebern unseres Aufenthaltes
gestohlen als Kind weil ich das so schön
gefunden habe ich war völlig schuldlos
schuldig geworden und hinter kam raus es
war ein Werbegeschenk dass mein Vater
mal erhalten hatte und komplett
vergessen hatte also in Falten des
Gedächtnisses in den Falten der
Polstermöbel verbergen sich Dinge und
wer da reingreift muss damit rechnen
Krümel zu finden oder sich
möglicherweise auch die Finger zu
verbrennen ja ich habe eine wunderschöne
Geschichte die nicht gruselig ist oder
nicht tiefer blicken lässt in Antwort
vielleicht doch als mein Vater gestorben
ist hat mir meine Mutter ein Bild
gegeben und das war natürlich gerahmt
und ich habe den Rahmen einfach mal
geöffnet um die Glasscheibe putzen zu
können und mache das Bild hinten auf und
sehe dass hinter dem Bild ein gefaltetes
dinf Papier liegt das so ein bisschen
den Hintergrund verdeckt hat damit
dieses Bild eben auch auf einem schönen
Hintergrund liegen konnte und in dieser
Faltung dieses Papiers fand ich einen
Brief meines Großvaters den mein Vater
entweder dort vergessen hat oder
absichtlich dort hineingelegt hat
vielleicht hat er sogar dran gedacht
dass ich das mal irgendwann finden würde
und in diesem Brief richtet sich mein
Großvater an meinen Vater schreibt ihn
an und ist ein wunderschöner Brief auf
den Inhalt muss ich jetzt nicht eingehen
aber diese Moment des Findens in der
Falte des paspatous war etwas ganz
besonderes für mich wir haben ja
begonnen mit dem Verhältnis des Faltens
zum Raum das Erklimmen des Raumes aus
der zweiten Dimension in die dritte
Dimension bis hin zum Mond und was wir
jetzt feststellen dass das Falten auch
etwas mit Zeit zu tun hat es vollzieht
sich in der Zeit und es vermag auch ein
Speicher zu bilden der Dinge vor dem
Verschwinden in der Zeit schützt indem
es sozusagen aus der Oberfläche heraus
eine Tiefe erzeugt auch eine wunderbare
poetische Variante mit dem Falten
umzugehen ich möchte jetzt noch mal
Eingehen auf den Zusammenhang zum Denken
zur Philosophie denn der ist sehr viel
näher als man eigentlich denken meinen
würde es gibt nämlich eine parallele
wenn wir uns noch mal das Blatt Papier
vorstellen dass wir einfach übereinander
legen und in der Mitte falten dann
passiert da etwas was das Denken als
grundoperation nämlich auch immer kann
und immer macht nämlich Reflexion
reflektieren heißt sich zurückbeugen auf
sich selbst das Denken kann etwas denken
und es kann daran denken dass es et was
denkt und wie es etwas denkt das heißt
es macht nicht nur etwas zum Thema
sondern es macht sich selbst zum Thema
und dieses zurückbeugen auf sich selbst
ist die Operation des Geistes und es ist
eben auch das was das Papier erleiden
muss wenn es gefaltet wird nur dass es
eben dabei nicht philosophisch in die
Tiefe kommt sondern eben in eine
Struktur übersetzt wird die figuralen
Charakter annehmen kann mhm ich glaube
das ist ein guter Moment um eine kleine
Pause einzulegen Matthias
[Musik]
[Musik]
[Applaus]
[Musik]
[Applaus]
[Musik]
[Musik]
[Musik]
philosophieren im kontrafunk heute mit
Matthias Burchert und mit mir Alexander
Christ wir sprechen über das Falten und
du lieber Matthias hast eben vor der
musikalischen Pause den ganz richtigen
Hinweis auf die Philosophie und auf das
Denken in unsere Überlegungen
eingebracht und hast dort auch von einer
Art Faltung
gesprochen genau so wie das denken sich
auf sich selbst zurückbeugt in der
Reflexion so wird das Papier auf sich
selbst zurückgeworfen in der Faltung und
das führt dazu dass wir bestimmte
Begriffe der intellektuellen Operationen
auch mit der Analogie des Verhaltens
immer noch bedienen und besprechen auch
wenn das durch die griechische
Wortherkunft oder die lateinischen
Übersetzungen ein bisschen in
Verborgenheit geraten ist das
griechische plecolechten oder das
Lateinische plikare für Falten findet
sich wieder in den Begriffen implizit
kompliziert explizieren auch die
Komplizen oder die Komplexität all das
sind gewissermaßen Variationen dieser
äußerlichen Operation des Menschen in
Übertragung auf intellektuelle
Sachverhalt insofern ist da auch eine
fortführende Gemeinschaft oder eine
Gemeinsamkeit auszumach machen das würde
dann bedeuten dass etwas das sehr
komplex ist und sehr kompliziert
erscheint viele Faltungen aufweist die
wir erst entblättern entflechten
entfalten müssen ist das der richtige
Gedankengang ganz genau und die
Komplizen sind halt miteinander
verflochten verfaltet in ihren
Zielsetzungen und verheimlichen auch
etwas in dieser Falte also das ist eine
wunderbare poetische Ausdeutung dieser
metaer möglich die aber völlig in
Vergessenheit geraten ist ich mag es
immer wenn man diese Worte wieder zum
Sprechen bringt kann weil man dann auch
ganz anders von ihnen Gebrauch macht
wenn man sie wieder verwenden möchte ja
du hast eben das verheimlichen
angesprochen vor
einigen Monaten hatte ich ein sehr
schönes Erlebnis mit dir du hast mich
teilhaben lassen an deiner
Familiengeschichte du hast einen Onkel
der ein sehr geheimnisvolles Hobby Zeit
Lebens hatte Hobby kann man gar nicht
sagen ist der falsche Ausdruck du wirst
es gleich selbst erklären das ist
eigentlich eine
Lebensbeschäftigung eine Lebens Weise
vielleicht sogar gewesen und ihn umgibt
deshalb etwas Geheimnisvolles aus meiner
Sicht weil ich in dem Moment als du mir
gestattet hast das Haus zu betreten und
mir anzusehen was dort zu besichtigen
war so viel Geheimnis um diese Person
entstanden ist dass ich mich gefragt
habe was war das für ein Mensch was hat
ihn bewegt aber erzähl selbst ja es
handelt sich um den papierkünstler Erwin
Hapke mein Onkel der 35 Jahre in einer
Falte verschwunden ist um zu falten was
heißt das wenn wir es jetzt ein bisschen
biographisch übertragen also ich muss
ein bisschen ausholen und die
Lebensgeschichte erzählen meine Familie
stammte aus Ostpreußen und musste
infolge des Krieges die Heimat verlassen
das war Gumbinnen Nemmersdorf woher die
kam und dort war die Rote Armee als
erstes und hat dort wirklich auch brutal
gewütet meine Familie war zum Glück
nicht unmittelbar betroffen sondern war
auf der Flucht hat dann neu begonnen im
Kreis uner und irgendwann hat dort mein
Großvater eine alte Schule an Dorfschule
erworben und hat dort gelebt der Sohn
Erwin Hapke der Älteste von vier Kindern
aus der Generation meiner Mutter hat
zunächst mit einer Schlosserlehre
begonnen hat dann auf dem zweiten
Bildungsweg sein Abitur nachgeholt hat
ein Studium begonnen und hat dort auch
promoviert über Mäuse Hirne die ja auch
gefaltet sind wie alle Gehirne und hatte
eigentlich eine aussichtsreiche Karriere
als Akademiker vor sich mit einer
Beschäftigung am Max Planck Institut für
Meeresbiologie in willlhelmshafen und
als es Institut dann geschlossen wurde
wurde er nicht übernommen sondern stand
auf der Straße vor dem Nichts und ist
dann zunächst aus Gründen des Stolzes
nicht zurückgekehrt zu meinen Großeltern
oder hat auch nichts anderes gefunden
hat sehr arm und bescheiden gelebt und
hat dann entschieden sich seiner großen
Passion zu widmen nämlich dem
Papierfalten als Kunstform und ist dann
1981 in den Kreis una zurückgekehrt in
diese alte Dorfschule hat dort zunächst
nur zwei drei Räume bewohnt und dort mit
seiner Faltarbeit begonnen und hat dann
aber im Laufe der Zeit auch nach dem Tod
meiner Großeltern einen Kosmos entstehen
lassen ein geheimes Museum von dem ich
gleich noch berichten werde und ist dann
im Jahr 2016 einsam gestorben
unterstützt wurde er von meiner Mutter
die ihn mit Lebensmitteln versorgt hat
dann am Ende weil er das Haus niemals
verlassen hat undusagen in seiner Falte
sicher geborgen zu sein und dort
schöpfere stätig werden zu können jetzt
muss man vielleicht an der Stelle dazu
sagen für unsere Hörer die
wahrscheinlich staunend zugehört haben
was du eben erzählt hast wie kann so
etwas sein liebe Hörer ich prophezeie
dass sie sich nicht vorstellen können
was es in diesem Haus zu sehen gab
leider existiert das Haus so nicht mehr
du wirst vielleicht auch gleich erwähnen
warum jedenfalls als ich in dieses Haus
gehen durfte mit dir zusammen sah ich
folgendes Bild vor mir in jedem Raum des
Hauses gefaltetes Papier auf den Tischen
an den Wänden an allen Wänden in den
Schubladen in Papiertüten in
Plastiktüten in Kartons Faltungen
überall die unglaublichsten Formen auch
ganz oft eine Form zickfach unzählige
Male immer wieder und wieder gefaltet
immer kunstvoller aber auch eigentlich
ganz oft als reine Reproduktion
tausendfach und dann da muss ich
wiedersprechen das war Variationen ich
komme gleich drauf das war keine reprod
es gab keine zwei Modelle die sich
glichen also korrigierere mich da gerne
das zeigt aber eigentlich schon dass der
Besucher völlig überfordert war man hat
das eigentlich alles gar nicht mit einem
Blick oder mit vielen rundblicken
erfassen können sondern ich fühlte mich
vollständig überfordert dass alles in
den Blick zu nehmen was ich dort an
Faltungen sah und manchmal stand auf den
Zettelchen auch noch etwas drauf ganz
geheimnisvolle Bemerkungen die sich ja
auch für dich glaube ich nicht aufgelöst
haben dann auch Dörfer
Gebäudeformen architektonische
Kunstwerke aus Papier also ich war hoch
beeindruckt und bin eigentlich wie aus
einer Wunderwelt wieder aus dem Haus
getreten und das wirkt in mir bis heute
nach ich bin dir sehr dankbar dass ich
das noch sehen durfte ja ich glaube das
ist was einzigartiges auf der Welt was
auch festgehalten wurde unter dem
Begriff weltenfalter findet man dazu
einiges im Internet und gleich wohl
vermittelt sich dieser Eindruck in
Medien eigentlich nicht das Haus ist
unübersetzbar in irgendetwas anderes der
erste Eindruck ist tatsächlich der der
totalen Überforderung als ob ein
Heuschreckenschwarm mit biblischen
Ausmaßen über ein Haus hergefallen ist
und man ist wirklich überfordert das zu
durchschauen wenn man sich ein bisschen
länger aufhält dann erschließen sich die
Strukturen und die Komposition ein
bisschen mehr ich möchte das mal ein
bisschen schildern denn ich habe mich
gefragt worin besteht eigentlich dieses
Werk das er hinterlassen hat es besteht
ja nicht in den einzelnen Objekten oder
in den Arrangements sondern in einem
Museum das dadurch entstanden ist also
es beginnt mit einem entreebereich das
wie ein Foyer gestaltet ist wo er auch
kleine Broschüren hingelegt hatte die er
dann der Öffentlichkeit zum Kauf
anbieten wollte dann hat er
demonstrationsmuster wo er gezeigt hat
wie er aus einer quadratischen Fläche
Rundungen erzeugt also fächerformen die
dadurch entstehen hat dann verschiedene
Präsentationsformen auch gesucht ob er
die Figuren dann mit teserfilm was
natürlich restauratorisch eine
Katastrophe ist auf Pappe festklebt oder
ob er sie in kleine Kunststoffhüllen
bringt ob er sie in die Fläche
projiziert ob er sie irgendwie fliegen
lässt also er hat alles mögliche da
ausprobiert und er hat dann von
motivreichen gesprochen also die
Strukturierung des Museums folgt einer
gewissen Logik also er hat erstmal mit
anorganischen Strukturen begonnen er hat
dann Insekten Säugetiere Menschen
kulturelle Objekte Symbole Architektur
also im Grunde den ganzen Kosmos
nachgebildet ich habe mich erinnert
gefühlt an einen Gedanken den ich von
leibnit her kenne nämlich die Monade das
ist die Vorstellung dass wir eigentlich
kleine Kraftzentren sind die mittels
intellektueller Operationen die Welt
repräsentieren ohne sie selbst selst
durchschauen oder betreten zu können die
Monade hat keine Fenster heißt es bei
leibnis und so hatte dieses Haus zwar
Fenster aber das was da entstanden ist
das ist gewissermaßen nachgeschaffen
worden aus der Produktivität oder der
Kreativität des künstlerischen Schaffens
ich habe auch das Gefühl dass er
versucht hat gewissermaßen einen
Wettbewerb mit der Natur oder dem
Göttlichen Schöpfer anzutreten um zu
zeigen dass sein System des
papierverhaltens genauso
leistungskräftig ist wie die Evolution
selber indem er mit den Gedanken der
Mutation und Variation eine Vielzahl von
ähnlichen aber eben niemals identischen
Objekten hervorbringt um zu zeigen ja
hier das menschliche schaffen ist in der
Lage ja dem Gott in gewissermaßen zu
gleichen allerdings und das ist jetzt
der Unterschied ist er mit einem
endlichkeitssignum geschlagen gewesen
das heißt er musste befürchten dass
dieses Material das ja sehr vergänglich
ist dann irgendwann auch zerfällt und
deshalb ist er dann kann ich mir
vorstellen abends immer wieder
rumgelaufen und hat dann was von den
Wänden gefallen ist wieder dran geklebt
und muss natürlich in ständiger Sorge
sein dass da was Schaden nimmt um dein
Eindruck auch noch mal aufzunehmen ich
hole jetzt ganz weit aus warum ist das
so besonders hier ist ein Leben geführt
worden in der Falte zwischen dem
öffentlichen Leben in einer sehr
privaten Konstellation also ohne Medien
ohne Internet ohne die betriebsamkeiten
der modernen Kulturindustrie und hat
sich jemand wie einen Prophet
eingeschlossen und hat seine Stille und
Einsamkeit und seine Zeit dem Papier
anvertraut also es ist gewissermaßen
gefaltete Zeit und insofern verändert
sich auch unsere Wahrnehmung von Raum
und Zeit wenn wir dieses Haus betreten
wir sehen plötzlich irgendwie die Zeit
sehr langsam fließen als sei sie wie
flüssiges Harz das zu Bernstein
zusammenfließt irgendwie verändert sich
dort einiges und ich weiß auch von
Menschen die es gesehen haben dass sie
seltsame Träume nachher hatten weil es
offensichtlich so viele Lebensthemen
berührt auf sinnliche Art dass man es
gar nicht in Worte fassen kann ich finde
ein Begriff vom Leben in der Falte ganz
interessant und sehr treffend genauso
kam es mir vor es ist im Grunde eine
Zeitkapsel gewesen die betreten hat wenn
man in dieses Haus hineinging ich
spreche in der Vergangenheit du hast es
angedeutet aber glaube ich noch nicht
ausdrücklich gesagt das Haus existiert
so nicht mehr es wurde irgendwann
geräumt und die gefalteten Kunstwerke
sind natürlich soweit möglich von dir
bewahrt worden von der Familie bewahrt
worden und du wirst sicherlich gleich
was dazu sagen wo sie zu sehen sind wenn
man sie sich anschauen möchte aber
jedenfalls dieses Haus so in dieser Form
existiert jetzt nicht mehr und das
bedauere ich ein wenig weil ich genau
die diesen Eindruck dieses Eintritts in
eine Falte hatte als ich in dieses Haus
eingetreten bin passend dazu weiß ich
auch noch dass du die Tür nur ein Stück
weit geöffnet hast und ich gerade zuu
wie in eine Falte Hineinschlüpfen musste
so als ich war mir nicht ganz sicher ob
die Tür nicht weiter aufgeht oder ob Du
genau das unbewusst verdeutlichen
wolltest also jedenfalls bin ich
hineineschlüpft in diese Falte und
irgendwann dann aus ihr wieder
herausgepurzelt wie aus einem Stück
Papier das man dann umdreht und
schütteln und sieht was da an Krümeln
rausfällt und das war wirklich so
geronnene Zeit Stillstand und so muss er
sich vielleicht auch gefühlt haben ja da
war ganz viel Geistesgeschichte
plötzlich irgendwie Manifest geworden
Lebensgeschichte wenn man mal sieht dass
das 20 Jahrhundert gewissermaßen in dem
Haus sich auch bricht wir haben
eigentlich diese ganze fluchtthematik er
hat seinen Heimatort nachgefaltet in
ostpreuen er hat
Flüchtlingszüge gewissermaßen wieder vor
den sinnlichen Augen entstehen lassen
also das ist vieles vieles mitbedacht
und was ich auch sagen muss seine
biologische Leidenschaft hat den Kosmos
auch in mateller Hinsicht reproduziert
also wir hatten dort eine große
Mineraliensammlung gefunden wir haben
präparierte Schädel von Nagern und
größeren Tieren gefunden oder wir haben
noch gefunden aufgespießte
Schmetterlinge die auf Nadeln steckten
die dann in pralinenkästen gesammelt
waren natürlich auch von der Zeit ein
bisschen beschädigt also ein gewaltiges
Werk was als Repräsentation des Kosmos
in der Falte des Hirns des Künstlers
wenn man so möchte oder in der Falte
dieses Hauses zum Ausdruck bringt also
ganz ganz bemerkenswert ja warum haben
wir es aufgelöst es bestand keine
Möglichkeit es auf Dauer zu konservieren
ein Traum wäre gewesen das eins zu eins
abzubauen und auf der dokumenter z.B
wieder aufzubauen in Kassel das wäre
eine Möglichkeit der Konservierung
gewesen aber dazu braucht man natürlich
Leute die das unterstützen auch
finanziell das war uns als Familie nicht
möglich und irgendwann hatten wir keine
andere Gelegenheit mehr als es dann zu
verpacken und zu konservieren und zu
archivieren mit ein bisschen
Unterstützung von lieben Freunden aber
nicht nach Maßgabe von kunsthistorischen
Erfordernissen was das schön ist Erwin
hapg hat es in die Museen geschafft er
war in der Kunsthalle in Nürnberg er
hatte eine große Ausstellung im
Landesmuseum in kevela er war in Zürich
und ist jetzt ganz aktuell zu sehen noch
bis zum 23.06 bei der Gesellschaft für
Kunst und Gestaltung in Bonn da werde
ich auch noch mal einen Vortrag dazu
halten also da ist die Geschichte Erwin
hapkes noch nicht zu Ende aber das Haus
ist unwiderbringlich verloren bloß
festgehalten in einem schönen Bildband
den Thomas Köster fotografiert hat ja
ich würde dich gerne fragen wie du
deinen Onkel und dieses Lebensthema des
Faltens siehst und in dem Zusammenhang
auch noch mal an die Wortbedeutung des
Wortes Falten erinnern wollen das kommt
ja vom althochdeutschen faldan krümmen
zusammenlegen und jetzt meine Frage hast
du das Gefühl dass dein Onkel sich
dadurch gekrümmt und geflüchtet hat aus
der Komplexität der Welt oder ging es
ihm um diesen kreativen Schaffensprozess
was überwegt ich glaube es geht um
beides er hatte ja keine
Sozialversicherung keine
Krankenversicherung er war
zurückgeworfen auf sich selbst und hat
gewissermaßen eine äußere biographische
Erfüllung im bürgerlichen Leben niemals
erreichen können aber was er halt
geschafft hat und das ist eben auch
Ausdruck von größter Unabhängigkeit und
Freiheit er ist wirklich ungebunden
allein seiner künstlerischen
Leidenschaft nachgegangen und sofern hat
er vielleicht eher Rückgrad bewiesen
wenn man so
möchte das Stichwort Komplexität der
Welt ist gefallen an mehreren Stellen
schon Laufe unserer heutigen Sendung
vielleicht gehen wir mal in die etwas
abstraktere Art des Faltens über wir
haben es vorher schon angedeutet wenn
etwas komplex erscheint und uns sehr
verfaltet und verdeckt zu sein scheint
dann reagieren wir darauf erstmal sehr
unterschiedlich also einerseits kann
diese Komplexität verneint werden da ist
gar keine Falte das ist nur das was ich
sehe das ist vor mir und da versteckt
sich nicht dahinter es gibt aber auch
die entsprechend andere Reaktionsweise
dass man sich auf die Suche begibt und
eben sehen will was sich in der Falte
verbirgt also ich kehre quasi die
eingefaltete Stoffschicht eine
Hosentasche nach außen und schüttle aus
was da drin ist an Krümeln aber
vielleicht auch an Schmuckstückchen die
sich dort verbergen das kann man ja ganz
unterschiedlich
angehen ja die Komplexität ist ja der
Gegenbegriff zur Simplizität und wir
neigen ja dazu die Komplexität entweder
zu überhöhen und in ihrer
Undurchdringlichkeit als Rätsel
wahrzunehmen vor dem wir kapitulieren
oder der Begriff der
Komplexitätsreduktion durch
Vereinfachung das ist ja of der Vorwurf
dass man sagt ja das ist ja alles so
kompliziert und wenn ihr da jetzt sagt
das liegt nur daran oder daran oder die
hatten nur ökonomische Interessen dann
reduziert man Komplexität und macht es
zu einfach ich glaube die Wahrheit liegt
dann in der Mitte dass man also zum
einen überhaupt mehr inne wird dass man
merkt wie verflochten die Dinge
überhaupt sind insofern ist es glaube
ich ganz gut zu wissen dass es
Komplexität gibt dass man aber nicht
darauf angewiesen ist diese Verflechtung
hinzunehmen sondern dass man auch in die
Falten gucken kann und guckt wer ist
eigentlich mit wem verflochten und was
verbirgt sich eigentlich hinter den
Falten was ist der implizit mitgesagt
also insofern ist es eine schöne
Operation wenn Du vorschlägst das
Entfalten ein bisschen zu würdigen und
wenn wir das Entfalten jetzt genauer
unter die Lupe nehmen wollen dann gibt's
ja auch da wieder mehrere Methoden also
einmal kann man die Falten die
geschlagen wurden nutzen um etwas zu
entfalten also ich orientiere mich genau
an den Knickstellen und falte auf oder
ich gehe radikal und brutal vor und reie
auf also ich ziehe eine Schneise bei
Papier beispielsweise kann ich das auf
reißen aber ich kann natürlich auch
ansonsten unter absolute Missachtung der
vielleicht kunstvollen Faltung in das
Innere eindringen und mir Zugang
verschaffen da gibt's ja
unterschiedliche Methoden ich bin eher
derjenige der dem kunstvollen gefalteten
nachgeht und Schicht für Schicht langsam
öffnet um auch vielleicht mit
nachvollziehen zu können wie jemand
gedacht hat der etwas eingefaltet hat
das ist genau der Gedanke der da
maßgeblich ist denn wenn wir etwas
entfalten dann machen wir eine Bewegung
rückgängig die zum Aufbau von
Komplexität bemüht wurde und wir
rekonstruieren und entzaubern damit die
Dinge aber wir kommen ihn auch auf den
Grund das Verrückte ist wenn man das das
jetzt noch mal zurückbezogen auf das
Werk meines Onkels macht kann man dort
eine Box finden wo er ganz viele
quadratische Papierformen einfach
nebeneinander gestehen hat die alle mit
einem Faltenmuster überzogen sind und
man ahnt dass die vorgefaltet hat und
dass die auch eine Komplexität schon
hatten aber man kann auf der Basis des
linienbildes das sich durch die Falten
ergibt nicht mehr erschließen wovon das
jetzt sozusagen das entfaltete Papier
ist das heißt man verliert auch etwas
durch das entfalten und gewinnt
natürlich einen Einblick insofern ist es
eine ambivalente kellation von der man
da Gebrauch macht mhm Komplexität ist ja
etwas was viele Menschen als feinselig
ansehen da gibt's auch ein Zitat ich
weiß nicht genau wer es gesagt hat aber
ich hat es mir hier notiert Komplexität
ist ein Feind komplizierter und
komplexer kann jeder etwas machen aber
es ist schwer etwas einfacheres zu
machen oder etwas einfaches zu machen
und das ist glaube ich auch genau der
Punkt wenn man also etwas komplex macht
dann macht man es natürlich auch für
andere undurchschaubar
und nicht so leicht erkennbar etwas
kunstvoll sehr einfach nur zu falten und
etwas im Inneren zu verbergen was andere
aber dann auch durch eine Entfaltung
wieder nachvollziehen können das ist
glaube ich eine hohe Kunst und sollte
gewürdigt werden zumal jetzt aus der
faltperspektive konkret gesprochen
natürlich der Aufbau von Komplexität
auch immer Verbrauch von Fläche nach
sich zieht und wenn man jetzt als
papierkünstler versucht ein
Insektenflügel z.B zu schaffen und zu
viel Papier in die die Beine oder den
Kopf des Tieres steckt dann bleibt da
nicht mehr viel über das heißt die
Komplexität hatmer einen Preis und
insofern ist es glaube ich auch der
Gedanke vieler Ingenieure aber auch
Schriftsteller und Philosophen die Dinge
nicht komplizierter zu machen als es
nötig ist sondern nur so wie es
erforderlich ist um der Sache gerecht zu
werden ja und um sie tragfähig zu machen
ne also oft geht ja bei gefalteten
Materialien auch darum dass etwas
tragfähig ist stabil ist also wenn man
bei beispielsweise uns vorstellen du
hast vorher genannt also ich könnte
jetzt nicht Metall Falten aber es gibt
ja Menschen die Metall falten können
dein Onkel hat glaube ich auch
Metallobjekte gefaltet und die sind ja
dann doch sehr tragfähig wenn man das
Metall auf eine gewisse Art und Weise
kunstvoll faltet dann kann es eben auch
große Lasten tragen ja wenn ich an das
Damastmesser in meiner Frau denke z.B
ist es hundertfach gefalteter Stahl der
dann durch eine bestimmte Behandlung
dann so eine Art Blumenmuster bekommen
hat und eine unglaubliche Härte und eine
Schärfe auch geworden hat also auch das
ist eine tolle Operation Dinge
tragfähiger widerstandsfähiger und
härter zu machen also insofern ist da
auch kulturelles Wissen mit eingeflossen
in die Technik des Faltens lass uns
bitte das implizieren noch mal
diskutieren weil es ist ja eine
sprachliche Operation wenn wir implizit
etwas sagen es ist auch eine politische
Operation die oft auch den Charakter der
Täuschung oder der vorteilsverschaffung
in sich trägt wie hältst du es mit dem
implizieren ja im Grunde ist in eine
Aussage etwas verpackt also eingefaltet
in diese Aussage das ist eigentlich
jetzt schon mal klar nach allem was wir
in dieser Sendung besprochen haben wenn
du mich jetzt fragst wie ich es damit
halte und auch gleich den Hinweis gibst
dass wir uns damit möglicherweise im
politischen Raum aufhalten dann steckt
ja schon auch die Überlegung dahinter
dass ich etwas so geschickt verberge
dass es eben nicht jedem sofort
verständlich wird also ich verpacke
etwas in eine Art und Weise die
zumindest nachdenken erfordert aber
vielleicht auch ein gewisses Vorwissen
und damit liegt in dieser Aktion
natürlich auch möglicherweise ein
Ausschluss anderer von dieser
Kommunikation zugrunde und dann könnte
man es kritisch sehen ich persönlich
impliziere trotzdem gerne weil ich
natürlich möchte dass meine
Gesprächspartner im Gespräch bei mir
sind mitdenken mitüberlegen und auch
Freude daran haben dass in einer Aussage
noch eine andere eingefaltet ist genau
das kann ja auch sehr kunstvoll sein und
ästhetisch intellektuellen Gewinn nach
sich ziehen aber eben auch betrügerisch
und auf politische Vorteilsnahme
ausgerichtet sehr ambivalent aber es ist
eine schöne Operation die uns möglich
ist weil wir eben nicht nur Dinge
einflechten und einfalten können sondern
auch mit der Ebene des Denkens und des
Sprechens von diesen Operationen
Gebrauch machen ja das heißt du siehst
es am Ende positiv und nutzt das selbst
auch gerne ja ich mag das auf der Ebene
der Andeutung unterwegs zu sein
andererseits finde ich es auch reizvoll
die Implikationen von bestimmten
Begriffen herauszuarbeiten also dieses
hat ja was von geistigem striptis wenn
man die Vorhänge und die Schleier
beiseite zieht und die Implikationen
aufdeckt auch das hat ein Element des
eroberns einer intellektuellen Erotik
die dabei zum Tragen kommt ja also in
jedem Fall können wir uns glaube ich
drauf einigen dass in gefalteten
Aussagen auch ein bisschen Geheimnis
steckt und das womöglich ganz schön ist
wenn man dann merkt dass der
Gesprächspartner etwas erkannt hat was
man dort absichtsvoll eingefaltet hatte
das geht mir jedenfalls manchmal so dass
ich mich dann freue wenn bestimmte
Gedankengänge wieder entfaltet werden
die ich vorher eingefaltet habe ja wir
sind schon wieder am Ende oder wir sind
schon wieder am Ende und können
tatsächlich an dieser Stelle unseren
Hörern nur einmal fehlen die Entfernung
zum Mond mit einem Stück Papier selbst
zu überwinden zu versuchen und zum
anderen aber natürlich auch empfehlen
die Ausstellung in Bonn zu besuchen das
heißt das ist eine mitmachsendung dieses
Mal geworden wir freuen uns auf
Zuschriften jedweder Art und wie ich ja
schon sagte auch gerne auf Bilder von
Papier kunstvoll gefaltet das bis Z Mond
reicht sie hörten philosophieren im
kontrafunk mit Matthias Burchard und mit
Alexander Christ heute zum Thema
Falten wir versorgen Sie täglich mit
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