Wie sicher ist Deutschlands Spitzenforschung vor chinesischer Spionage? Ein Fall in Saarbrücken und eine ungewöhnliche Warnung des britischen Geheimdienstes MI5 werfen brisante Fragen auf: Wer hat Zugang zu sensibler Forschung? Und wer steckt tatsächlich hinter der Finanzierung?
Im Zentrum steht das CISPA in Saarbrücken, ein staatlich finanziertes Forschungszentrum für Informationssicherheit. Recherchen des Handelsblatts über die Zusammenarbeit mit chinesischen Wissenschaftlern haben eine Sicherheitsprüfung ausgelöst. Gleichzeitig warnt der britische Geheimdienst MI5 vor einem chinesischen Institut, das Forschung finanziert haben soll, die der Spionage zugutekommt. Mehr als 100 Wissenschaftler mit Verbindung nach Großbritannien könnten betroffen sein – teilweise womöglich ohne Kenntnis der Hintergründe.
Zwei Fälle, eine zentrale Frage: Wie kann Europa seine technologische Spitzenforschung schützen, ohne internationale Wissenschaftler unter Generalverdacht zu stellen?
In diesem Video geht es um: - Die Vorwürfe und Untersuchung rund um das CISPA in Saarbrücken - Die Spionagewarnung des britischen Geheimdienstes MI5 - Chinesische Netzwerke, Forschungsfinanzierung und mögliche Einflussnahme - Die Rolle von Huawei und die Risiken internationaler Kooperationen - Die Frage, wie viel Offenheit sich Europas Forschung noch leisten kann
Wo endet wissenschaftliche Zusammenarbeit – und wo beginnt ein Sicherheitsrisiko?
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Stell dir vor, du lehrst Informatik an einer britischen Universität.
Seit drei Jahren arbeitest du mit Kollegen und Studenten zusammen.
Die Aufsätze sind erschienen, das Geld kam immer pünktlich.
Eine Organisation namens China General Technology Research Institute,
kennst du gar nicht, noch nie gehört.
Und dann erklärt der britische Geheimdienst ME5 öffentlich,
der Hauptzweck dieser Organisation sei es, Forschung zu finanzieren,
die der Spionage des chinesischen Ministeriums für Staatssicherheit
unmittelbar zugute kommt.
Dein Projekt könnte dazu gehören.
Genau das hat ME5 Ende September öffentlich gemacht.
Eine seltene Spionagewarnung, eine sogenannte Espionage Alert.
Mehr als 100 Wissenschaftler mit Verbindung nach Großbritannien
haben laut ME5 an Projekten mitgearbeitet,
die über diese Organisation finanziert wurden.
Und manche von ihnen wussten möglicherweise gar nicht,
wer tatsächlich hinter der Finanzierung
steckte. Ein englischer Fall beschäftigt auch Deutschland.
19 Menschen in einer Forschungsgruppe,
18 davon chinesischer Herkunft. So berichtet es das Handelsblatt.
Es ist die Forschungsgruppe des Gründers selbst,
Michael Backes, Chef des CISPA in Saarbrücken,
einem staatlich finanzierten Zentrum für Informationssicherheit.
Und es bleibt nicht bei dieser einen Gruppe.
Eine zweite Gruppe besteht laut Handelsblatt ausschließlich
aus chinesischen Wissenschaftlern.
Zwei Länder, zwei Fälle. Aber dieselbe Frage.
Wenn sensible Spitzenforschung
auf internationale Zusammenarbeit trifft,
wer entscheidet eigentlich, wer Zugang bekommt?
Untertitelung
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mit Hintergründen und Zusammenhängen,
des ZDF
die in den Tagesnachrichten oft zu kurz kommen.
90% der Finanzierung des CISPA kommen vom Bund,
für funk,
also von den Steuerzahlern, wie du und ich.
Die übrigen 10% kommen vom Saarland.
2017
Das Zentrum forscht an Informationssicherheit
und genau darin liegt die Brisanz.
Dieselbe Technik, die System schützt,
lässt sich auch nutzen, um sie anzugreifen.
Alles beginnt mit einem Artikel im Handelsblatt im Juni.
Nach den Recherchen der Zeitung hat das CISPA
mit chinesischen Wissenschaftlern zusammengearbeitet,
... zusammengearbeitet, die
die an Hochschulen im Umfeld des Militärs forschen.
Darunter befinden sich Hochschulen, die auf US-Sanktionslisten stehen.
Außerdem war das Zentrum laut Handelsblatt an Projekten beteiligt,
die aus chinesischen Staatsprogrammen finanziert wurden.
Die Zeitung weist auch auf ein chinesisches Gesetz hin.
Seit 2017 sind Bürger verpflichtet,
bei Bedarf mit Nachrichtendiensten zusammenzuarbeiten.
Vier Tage später fällt die Entscheidung.
Die beiden Gesellschaften, also der Bund und das Saarland,
Beauftragen die Prüfgesellschaft...
Mit einer umfassenden Untersuchung des Zentrums.
Backes wurde vorläufig freigestellt.
Sämtliche Kooperationen
mit chinesischen Einrichtungen wurden ausgesetzt.
Als Begründung nennt der Beschluss eine abstrakte Gefahr.
Das bedeutet, man schützt sich vor etwas, das passieren könnte.
Ob es bereits passiert ist, wusste zu diesem Zeitpunkt niemand.
Im September stellt Forschungsministerin Dorothea Beer
die Zwischenergebnisse im Bundestag vor.
Bei der Forschungssicherheit, erklärte sie,
hätte Tür und Tor speerangelweit offen gestanden.
Sind Daten abgeflossen? Dafür gibt es keinen Beleg.
Ausgeschlossen ist es allerdings auch nicht.
Der Bericht selbst bleibt unter Verschluss.
Kurz darauf trennen sich die Gesellschaft und Bacchus einvernehmlich.
Dabei verweisen sie ausdrücklich auf die Ergebnisse der Prüfung.
Vargas erklärt,
seit 2020 sei kein Cent aus China an das Zentrum überwiesen worden.
Festhalten lässt sich also.
Ein Datenabfluss ist nicht belegt.
Sicherheitslücken hingegen gelten als festgestellt.
Jetzt also nach Großbritannien.
Am 30. September schlägt ME5 Alarm.
Der Geheimdienst veröffentlichte eine sogenannte S-Spionage-Alert,
eine Spionagewarnung.
Solche öffentliche Warnungen sind ziemlich selten.
Im Mittelpunkt steht
das China General Technology Research Institute, kurz CGTRI.
Laut ME5 unterhält diese Organisation sehr enge Verbindungen
zum chinesischen Ministerium für Staatssicherheit.
Das ist Chinas Geheimdienst,
der sowohl im Inland als auch im Ausland für Spionage zuständig ist.
Der Hauptzweck des Instituts, so MI5,
akademische Forschung zu finanzieren,
die der Spionage dieses Ministeriums unmittelbar zugutekommt.
Die BBC berichtet noch deutlicher.
Demnach hält MI5 das Institut für eine Tarnfirma,
auf Englisch Front Company.
Die für den chinesischen Geheimnis arbeitet.
In der Warnung werden auch Forschungsthemen genannt.
Künstliche Intelligenz, Cybersicherheit,
verdeckte Kommunikationssysteme
und ein Begriff, den du vielleicht noch nicht kennst.
Stechnographie. Was bedeutet das? Eine geheime Nachricht wird
in einem ganz normalen Bild oder einer gewöhnlichen Datei versteckt.
Von außen ist nicht zu erkennen,
dass sich darin überhaupt eine Botschaft befindet.
Und jetzt die Zahl. Mehr als 100 Wissenschaftler mit Verbindung
nach Großbritannien haben an Projekten mitgearbeitet,
die über dieses Institut finanziert wurden.
Das klingt nach sehr vielen.
Doch ME5 betont selbst,
in manchen Fällen wussten die Wissenschaftler möglicherweise gar nicht,
welche Rolle diese Organisation
bei der Finanzierung ihres Projektes gespielt hatte.
Nach Angaben der BBC erklärt ME5 außerdem,
wer die Zusammenarbeit nicht beendet,
muss unter Umständen mit einem Strafverfahren rechnen.
Weil er einem fremden Staat geholfen hat.
Wie reagieren die Universitäten?
Die Queen's University Belfast
in Nordirland hat bereits Konsequenzen gezogen.
Sie fordert ihre Mitarbeiter nachdrücklich auf,
sämtliche bestehende oder geplante Kooperationen
mit diesem Institut zu überprüfen.
In dieser E-Mail steht ein Satz, der besonders hängen bleibt.
Sinngemäß heißt es, eine solche Verbindung ist
in dem vorhandenen System
möglicherweise überhaupt nicht erkennbar.
Deshalb sollen die Wissenschaftler selbst herausfinden,
woher das Geld letztlich kommt.
Mit anderen Worten, die Universität räumt selbst ein,
dass ihre eigenen Systeme solche
Verbindungen nicht zuverlässig sichtbar machen.
Gleichzeitig hat diese Universität
in den vergangenen zehn Jahren mehr als 10 Millionen
Dollar in China-bezogene Forschung investiert.
Dabei ging es um nachhaltige Energie, Informationstechnologie,
Ernährungssicherheit und Krebsforschung.
Jetzt legen wir die beiden Fälle nebeneinander.
Sie haben etwas gemeinsam, den Magneteffekt der Spitzenforschung.
Ein Forschungszentrum,
das international ganz vorne mitspielt, zieht kluge Köpfe an.
Fachkollegen und Unternehmen in Saarbrücken sitzt neben
dem CISPA zum Beispiel Google,
das mit dem Max-Planck-Institut für Informatik kooperiert.
Und seit November 2021 ist dort auch Huawei vertreten
mit einem Digital-Kompetenzzentrum.
Google ist ein privates Technologieunternehmen.
Daran gibt es keinen Zweifel.
Bei Huawei ist die Sache viel komplizierter.
Das Unternehmen bezeichnet sich selbst als privat
und im Besitz seiner Beschäftigten.
Allerdings muss in China jedes größere Unternehmen laut Gesetz
einer Parteiorganisation in Betrieb haben.
Die letzte veröffentlichte Zahl von Huawei stammt aus dem Jahr 2007.
Damals gab es schon mehr als 300 Parteizellen,
so heißen die kleinen Parteigruppen innerhalb eines Unternehmens,
und über 12.000 Parteimitglieder.
Und der Gründer, Zheng Zhongfei, diente in jüngeren Jahren
in den Ingenieurtruppen der chinesischen Armee.
So viel zur Frage, wie privat Huawei tatsächlich ist.
Jetzt der Blick auf die amerikanische Seite.
In Brooklyn, New York, steht Huawei vor einem Bundesgericht.
Nach acht Jahren Vorlauf hat die Verhandlung Anfang September begonnen.
Die US-Staatsanwaltschaft wirft Huawei vor
über einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren.
Geschäftsgeheimnisse amerikanischer Unternehmen gestohlen zu haben.
Hinzu kommen Vorwürfe des Bankbetrugs und Verstöße gegen Sanktionen.
Zwei Details aus der Anklage sind
für unser Thema besonders interessant.
Die Staatsanwälte behaupten, Huawei habe ein Premium-System eingeführt.
mit dem Mitarbeiter dafür belohnt werden, vertrauliche Informationen
von ausländischen Konkurrenten zu beschaffen.
Außerdem soll Huawei Professoren
an Forschungseinrichtungen als Mittelsleute eingesetzt haben.
Huawei bestreitet die Vorwürfe.
Für Saarbrücken gibt es keinen Hinweis dafür,
dass Huawei dort etwas rechtswidriges getan hat.
Für unser Thema ist vor allem der zweite Vorwurf interessant.
Professoren als Mittelsleute.
Mehr als eine Behauptung der Staatsanwaltschaft ist es bislang nicht.
Das ist die erste Ebene des Magnet-Effekts.
Talente und Kapital sammeln sich am selben Ort.
Die zweite Ebene, wo Spitzentechnologie entsteht,
interessieren sich auch Geheimdienste dafür.
Das ist eine allgemeine Regel,
Und meine Einschätzung.
Aber es gibt Hinweise aus Großbritannien.
Die britische Regierung hat im vergangenen November
davor gewarnt, dass Universitäten zum Ziel
chinesischer Versuche werden,
Einfluss auf Forschung und Campusleben zu nehmen.
Für das CISPA gibt es keinen Beleg,
dass etwas Konkretes passiert ist.
Aber ein Zentrum, das Informationssicherheit erforscht,
passt logisch genau in dieses Muster.
Der Magneteffekt wirkt also.
Die Frage ist nur, durch welche Tür kommt das Risiko herein?
Die beiden Fälle zeigen zwei unterschiedliche Zugänge.
Beim CISPA lautet die Frage, wer sitzt am Tisch?
Beim CGTRI lautet sie, wer bezahlt die Forschung?
Der eine Fall richtet den Blick auf die Menschen,
der andere auf das Geld.
Zuerst zu den Menschen.
Michael Backers hat einmal betont,
dass am CISPA Menschen aus 25 Nationen arbeiten.
In seiner eigenen Forschungsgruppe aber kommen laut Handelsblatt 18
von 19 Personen aus demselben Land, China.
Und eine zweite Gruppe besteht dem Bericht zufolge ausschließlich
aus chinesischen Wissenschaftlern.
Was diese Zahlen zeigen, ist eine Konzentration.
Gleiche Finanzierung, gleiche Netzwerke, gleicher äußerer Druck.
Über die einzelnen Menschen sagt sich zunächst nichts aus.
In der IT-Sicherheit nennt man so etwas einen Single Point of Failure,
einen einzelnen Punkt, von dem alles abhängt.
Genau darin liegt das Risiko einer solchen Konzentration.
Natürlich gibt es einen naheliegenden Einwand.
Schließlich studieren besonders viele Chinesen Informatik.
Weltweit stimmt das.
In Deutschland allerdings stellt Indien seit
dem Wintersemester 2022 und 2023
die größte Gruppe internationale Studenten.
Und im Wintersemester 2024 und 2025 war es rund 59.000
aus Indien und rund 38.600 aus China.
Wichtig dabei, das sind Zahlen für ganz Deutschland.
Für den Bereich IT-Sicherheit allein habe ich keine gefunden.
Die Tatsache, dass viele Chinesen Informatik studieren,
erklärt die Zusammensetzung dieser Gruppe also nicht.
Was könnte dahinter stecken?
Erstens Geld.
Der China Scholarship Council, ein staatliches Stipendiumprogramm,
Das ist ein Pendium-Programm.
übernimmt meines Wissens für viele chinesische Studenten
im Ausland die Lebenshaltungskosten.
Für ein Labor sind solche Doktoranden damit günstiger.
Die Grünen haben im Bundestag gefragt,
wie viele Forschenden am CISPA ein solches Stipendium erhalten.
Die Bundesregierung hat darauf nicht geantwortet.
Zweiter Grund, Netzwerke.
Studenten empfehle andere Studenten.
Drittens, die Forschungsthemen könnte
bestimmte Bewerber besonders interessieren.
Und viertens, vielleicht wurde gezielt so ausgewählt.
Auch das lässt sich nicht ganz ausschließen.
Einen Beleg dafür gibt es allerdings nicht.
Eine Antwort könnte alle Bewerbungs- und Auswahlunterlagen geben,
doch die sind nicht öffentlich.
Und jetzt zum Geld.
Hier ergänzt der britische Fall die andere Hälfte des Bildes.
Du kannst von jedem Wissenschaftler den Namen,
die Staatsangehörigkeit und den Lebenslauf prüfen.
Und trotzdem erkennst du möglicherweise nicht,
woher das Geld am Anfang der Finanzierungskette kommt.
MI5 sagt, manche Wissenschaftler wussten es nicht.
Wenn die Wissenschaftler tatsächlich
nichts davon wussten, bedeutet das,
gute Absichten und persönliche Ehrlichkeit reichen nicht aus,
um solche Strukturen zu erkennen.
Beide Fälle zeigen dieselbe Lücke.
Nach allem, was bisher bekannt ist,
ergab es in Deutschland kein klares Verfahren dafür,
wer an der sensibelsten Forschung mitarbeiten darf.
Und britischen Hochschulen fehlt offenbar das Instrument,
um Geld bis zu seiner ursprünglichen Quelle zurückzuverfolgen.
Vertrauen unter Kollegen war lange die Grundeinstellung.
Heute reicht das offenbar nicht mehr aus.
Wissenschaft kennt keine Grenzen
und Sicherheit beruht seit jeher auf Grenzen.
Beide Sätze stimmen, doch wie bringt man sie zusammen?
Meine Antwort, Grenzen ja, aber nicht entlang des Reisepasses.
In der Sicherheit geht es um funktionale Grenzen.
Wer darf auf welche Daten zugreifen?
Wer darf an welchem Projekt arbeiten?
Und woher kommt das Geld?
Eine Grenze entlang der Staatsangehörigkeit ist diskriminierend
und sie bietet keinen verlässlichen Schutz,
denn auch Menschen aus eigenem Land können erpresst
oder angeworben werden.
Aber dahinter steckt noch eine tiefere Ebene.
Und das ist wichtiger als jedes einzelne Verfahren.
Regeln und Kontrollen hängen davon ab, wie gut man das Risiko versteht.
Wer mit dem chinesischen Parteistadt umgehen will,
muss meiner Meinung nach zunächst eins begreifen.
China ist heute ein Parteistadt.
Die Kommunistische Partei Chinas hat im Land die absolute Führung.
Sie steht über dem Staat, über der Armee,
über den Gerichten und über den Unternehmen.
Um zu verstehen, wie die Partei handelt,
muss man verstehen, wie sie denkt.
Und dafür muss man ihre Geschichte kennen.
Das hat unmittelbar mit unserem Thema zu tun.
Wer dieses System nicht kennt,
Sieht in den Begriffen wie Forschungsinstitut,
Stiftung oder Universität
zunächst ganz normale wissenschaftliche Einrichtungen.
Auf der Visitenkarte stehen schließlich dieselben Wörter.
Doch in einem Parteistadt verrät der Name allein nicht,
wer tatsächlich dahinter steht.
Genau das ist das Problem,
das auch in der E-Mail von der Queen's University Belfast anklingt.
Die vorhandenen Systeme erkennen solche Verbindungen nicht.
Auch in Deutschland spricht man seit Jahren
von fehlender China-Kompetenz.
Fangt zu wenig Fachwissen über die Politik
und das politische System Chinas.
Der Fall CISPA führte uns dieses Problem noch einmal vor Augen.
Das bedeutet nicht, dass man jeden chinesischen
Wissenschaftler verdächtigen sollte.
Im Gegenteil, wer das System wirklich versteht,
kann besser unterscheiden,
wo Vorsicht geboten ist und wo nicht.
Politiker fordern bereits einen China-Check
für alle Forschungseinrichtungen.
Ob sich das in der Praxis umsetzen lässt, weiß bislang niemand.
Die Zeit der bedingungslosen Offenheit ist vermutlich vorbei.
Was danach kommt, weiß Europa noch nicht.
Als die Berliner Mauer fiel, sagen alle, der Kalte Krieg ist vorbei.
Wenn ich mir die Weltlage heute anschaue,
frage ich mich, war er das wirklich?
Und dann sind da noch die Menschen.
In Großbritannien könnten Wissenschaftler unwissentlich...
Teil einer Finanzierungskette gewesen sein,
an deren Ende der chinesische Geheimdienst stand.
In Deutschland können chinesische Wissenschaftler aufgrund
ihrer Herkunft schnell als Sicherheitsrisiko gelten.
Und auch der chinesische Staat begegnet ihnen
mit einem anderen Misstrauen.
In China gilt seit dem 15. September eine neue Ausreiseverordnung.
Eine der Regelungen besagt,
dass Bürger an der Ausreise gehindert werden dürfen,
wenn sie gegen Exportkontrollen verstoßen
und dadurch die technologische Sicherheit gefährden könnten.
Bloomberg berichtet unter Berufung auf anonymen Quellen außerdem,
dass bei manchen führenden KI-Talenten sogar Familienangehörige
eine Sondergenehmigung für Auslandsreise benötigen.
Das betrifft KI-Fachleute in China.
Und was ist mit den chinesischen Wissenschaftlern,
die in Deutschland oder Großbritannien arbeiten?
Wenn Sie zurückgehen, könnte es darauf ankommen,
ob Sie über Spitzenwissen im Bereich KI verfügen.
Wenn ja, könnten Sie
und Ihre Familie möglicherweise für längere Zeit nicht mehr ausreisen.
Und hier liegt der Unterschied zwischen Verdacht und Risiko.
Ob ein einzelner Mensch loyal ist, kann man von außen nicht beurteilen.
Aber in einem Staat, in dem die Nachrichtendienste
jeden zur Mitarbeit verpflichten können,
hängt das Risiko nicht allein vom Charakter eines Menschen ab.
Es hängt auch davon ab, wie viel Druck auf ihn ausgeübt werden kann.
Über die Familie, die Karriere und die Möglichkeit,
das Land zu verlassen.
Die Lage der Betroffenen ist leicht nachzuvollziehen.
Auf der einen Seite kann ihre Herkunft sie verdächtig machen.
Auf der anderen Seite kann ihnen ihre Zeit
im Ausland zum Nachteil in China werden.
Zwei Systeme stecken dieselben Menschen in unterschiedliche Schubladen.
Beim CISPA gab es Verantwortliche,
aber offenbar keine ausreichenden Verfahren, um Sicherheitsrisiken
rechtzeitig zu erkennen.
Britische Universitäten haben Prüfverfahren,
doch möglicherweise können sie damit nicht
bis zur Quelle des Geldes zurückverfolgen,
wer tatsächlich dahinter steht.
Die entscheidende Frage ist deshalb nicht nur,
wer Zugang zur sensibelsten Forschung bekommt,
sondern nach welchen Kriterien wird entschieden,
wem man vertrauen kann.
Und wie lässt sich dieses Vertrauen überprüfen, ohne Menschen
allein aufgrund ihrer Herkunft unter Generalverdacht zu stellen?
Wenn du selbst in der Forschung arbeitest
oder die Regel dort kennst, schreib mir gerne
in die Kommentare.
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Vielen Dank fürs Zuschauen, bis zum nächsten Mal.
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