Chefarzt enthüllt heftige Wirkung der Spezial-Aminosäuren

Sören Schumann - Gesundheit Ganzheitlich
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283 Videoaufrufe·11.01.2025
Vom spannenden Thema her, weil es die meisten Leute kennen, ist Taurin interessant, weil
Taurin ist allen irgendwo mal wegen dieser Energy-Drinks mit den Flügeln so ein bisschen
über den Weg gelaufen und hat dadurch nämlich einen völlig unkorrekten, schlechten Ruf
bekommen.
Wobei da auch gar nicht so viel Taurin drin ist, oder?
Genau, eben nicht.
Aber es war halt mal Taurin-Drink und dann hat man den optimiert mit Zucker, Koffein
und so einem Kram.
Was nicht bedeutet, ist, dass Carnitin-Fett verbrennt.
Im Sinne von, dass Bauchfett durch Carnitin abgebaut wird, ich nichts tun muss und schlank
werde.
Weil so wurde es mal verkauft und das hat dem Carnitin ebenfalls einen ganz miserablen
Ruf eingebracht, weil natürlich passiert genau das nicht.
Das heißt, wenn ich jetzt einfach da rumsitze, Carnitin nehme, dann nehme ich genau nicht
ab.
In der Onkologie, bei den meisten klassischen Chemotherapeutika, die eingesetzt werden,
so für Brustkrebs, Lungenkrebs, da passiert genau das, dass im Abbau des Chemotherapeutikums
Carnitin benutzt wird, um den Müll heraus zu transportieren.
Und ich gebe ganz viel von dem Chemotherapeutikum in den Körper, was ja dann auch wieder raus
muss.
Indem es rausgeht, vernichtet es praktisch die gesamte Carnitinmenge des Körpers.
Dadurch entsteht unter solchen Chemotherapeutika ein massiver Carnitinmangel und dieser massive
Carnitinmangel kann schwere Herzschäden auslösen.
Im Sinne von dem, wo oft eigentlich benutzt wird, ist Tyrosin-Taurin die wesentlich intelligentere
Geschichte.
Herzlich Willkommen zum heutigen Interview.
Mein Name ist Sönke Schumann.
Spezielle, gezielte Aminosäuren-Therapien in höheren Dosierungen für verschiedenste
Indikationen.
Wir haben schon ein Video aufgenommen, generell zum Thema Aminosäuren, vielleicht ist es gut,
das vorher sich anzuschauen und jetzt gehen wir noch mehr in Speziellere rein.
Simon Feldhaus ist Chefarzt in der Paramed in der Schweiz und Präsident der Schweizer
Gesellschaft für Präventionsmedizin und Langlebigkeit.
Einzelner Schwerpunkt ist auch die Ortomolekulare Medizin, dementsprechend auch die Aminosäuren.
Ich würde sagen, wir tauchen direkt mal ein, lieber Simon, in die Welt der Aminosäuren
oder welche speziellen Aminosäuren du häufiger bei dir auch hochdosiert anwendest.
Vielleicht kannst du sie erst mal nennen und dann können wir gezielt reingehen.
Ja, genau.
Es gibt die Aminosäuren als Gruppe, die haben wir schon alle abgearbeitet, das ist alles
okay.
Und dann aber, sobald wir in Indikationen hineinkommen, bestimmte Krankheitsgebiete
oder Symptomgebiete, die dann einer Behandlung bedürfen, weil es für den Patienten ein
Thema, ein Problem ist, ab dann verlassen wir die Mischungs-Aminosäuren, weil sie da
nicht viel Sinn machen, sondern jetzt kann man gezielt mit einzelnen Aminosäuren angehen.
Theoretisch könnte man für jede Aminosäure jetzt einen bestimmten Grund sehen, Glutamin
haben wir auch schon mal erwähnt fürs LeakyGut, aber es gibt so ein paar Highlights, die wirklich
so in der Alltagspraxis extrem häufig vorkommen.
Das ist Carnitin, Taurin, Tyrosin, Tryptophan, respektive ich persönlich bin dafür Hydroxytryptophan
als das zentrale Aminosäuren-System, jeder kennt es dann wahrscheinlich für den Neurotransmitter-Stoffwechsel.
Und dann würde ich sagen, steigen wir doch direkt ein mit der Frage, welche Aminosäuren
du wann und auch in welche Dosierung du anwendest.
Womit wollen wir anfangen?
Ich sag jetzt mal, vom spannenden Thema her, weil es die meisten Leute kennen, ist Taurin
interessant.
Weil Taurin ist allen irgendwo mal wegen dieser Energydrinks mit den Flügeln so ein bisschen
über den Weg gelaufen und hat dadurch nämlich einen völlig unkorrekten, schlechten Ruf
bekommen.
Wobei da auch gar nicht so viel Taurin drin ist, oder?
Genau, eben nicht.
Aber es war mal Taurin-Drink und dann hat man den optimiert mit Zucker, Koffein und
so einem Kram und dabei ist die Taurin-Menge wieder runtergefallen.
Und deswegen ist eigentlich Taurin da zwar theoretisch drin, aber nicht mehr in einer
wirksamen Geschichte.
Und deswegen ist Taurin so ein bisschen in einen schlechten Ruf gekommen, den es überhaupt
nicht verdient.
Das ist nämlich eine supergeniale Aminosäure.
Es ist eigentlich eine Aminosulfonsäure, das ist dann schon so ein Thema.
Offiziell ist es keine klassische Aminosäure.
Es entsteht aus dem Cystein, es ist ein Derivat aus dem Cystein und hat eben ein sehr unglaublich
breites Wirkungsspektrum.
Soll sogar lebensverlängernd wirken auf Ihren Versuchen.
Deswegen ist genau bei uns in der Gesellschaft für Langlebigkeit Taurin auch ein wesentlicher
Punkt.
Natürlich nicht, ich nehme das jetzt und dann werde ich 100 Jahre alt, das wäre schön,
die Welt wäre so einfach.
Sondern es hat viele verschiedene Wirkungen drin.
Vorweg muss man allerdings immer sagen, das hast du am Anfang schon erwähnt, aber dass
ich es auch nochmal wiederholt habe, wenn man mit solchen Aminosäuren arbeitet und
will wirklich eine Wirkung haben, muss man die korrekte Dosis nehmen.
Und jetzt kann man sich so eine Mini-Eselsbrücke bilden, außer für Hydroxytryptophan, für
alles andere gilt, will ich was haben, muss ich 1000 Milligramm haben.
Also eine Tagesdosierung von unter 1000 ist in der Regel als unwirksam zu betrachten.
Und gibt es eine Maximaldosis?
Ja, es gibt diese berühmten Upper Intake Levels, wenn das Zeug irgendwie giftig wird,
die liegen dann irgendwie bei 20 Gramm, mit dem therapiert ja keiner.
Sag jetzt mal, eine sinnvolle Tages-Oberdosis liegt so zwischen 2 und 3 Gramm, danach bringt
es einfach nichts mehr, es schadet nichts, aber erstens kann gar nicht so viel aufgenommen
werden und zweitens ist dann der Effekt überschaubar.
Also 1000 bis 2000 Milligramm ist für solche Aminosäuren eine vernünftige Dosierung.
Carnitin, kommen wir nachher zu, ist eine Ausnahme, wo in bestimmten Konstellationen
mal 5 Gramm gegeben wird, aber 1000 bis 2000 Milligramm sind so die Dosierung.
Und Taurin hat unglaublich viele verschiedene Fähigkeiten, das beginnt schon im Thema der
konjugierten Gallensalze, also es hat was mit der Gallenschlüssigkeit zu tun, mit der Aktivierung,
mit dem Nutzen der Gallenschlüssigkeit, es ist ein tolles Mittel auf der Ebene der
mitochondrialen Medizin, es unterstützt die Energiegewinnung im Mitochondrien und dann
kommt was ganz Besonderes, es ist auch, wie viele andere, ein schwefelhaltiger Aminosäur,
da ist also Schwefel dran und dadurch ist es in der Lage, Dinge zu binden und was es
binden kann sind Schwermetalle und zwar sehr unspektakulär praktisch alle, vom Quecksilber
angefangen über alle anderen, plus aber auch radioaktive Elemente, das heißt ich kann damit
eben auch radioaktive Belastungen ausleiten, was nach Bestrahlungen oder nach Radiotherapien in
der Onkologie durchaus spannender Ansatz ist. Es bindet auch andere Fremdstoffe, es ist damit
man sagt dem heute Xenobiotika, also es sind nicht Antibiotika, sondern Fremdstoffe, die in den
Körper hineinkommen, sprich Medikamente, ich kann damit auch einfach Müll ausleiten, es ist ein ganz
tolles Ausleitungsmittel, es ist ein sehr moderates Mittel des vegetativen Systems, es ist zwar auf
der einen Seite energieliefernd, aber eben nicht wie Kokain aufputschend, das ist genau der
Unterschied. Im positiven Sinne dämpfen bei gleichzeitig Energie, genau das Gegenteil was
Koffein macht, beim Taurin war ich zwar in der Energie hoch, aber ich bin in so einer ruhigen
Energielage und es hat sehr interessante Wirkungen im Bereich Gehirn, Epilepsie, also es schützt vor
Epilepsie und auch im Bereich Herz, Rhythmusstörung, also es ist eine unglaublich tolle, breit wirksame
Substanz, die für mich so eine der wichtigsten Funktionen überhaupt darstellt. Und für die Augen
scheint es auch positiv. Ja, es ist ein tolles Antioxidant, schützt also vor freien Radikalen
und natürlich in der Netzhaut ist es im Prinzip dem immer wieder bekannten Lutein C-Axanthin,
das sind so die Carotinoid-Farbstoffe oder Tomateninhaltsstoffe, wenn man so Makulaprobleme
hat. Die sind gut, weiterhin richtig gut, aber ich würde unbedingt auch Taurin dazugeben. Und
diejenigen, die Katzen haben, die wissen, dass Taurin für die Katze überlebensnotwendig ist.
Wenn ich die Katze nicht mit Taurin füttere, wird sie sterben, außer sie ist reiner Fleischfresser.
Also das Problem bei Katzen, die nicht nur Fleisch fressen, sondern so unser Dosenfutter
kriegen, da ist zu wenig Taurin drin, deswegen ist praktisch in jedem Katzenfutter Taurin zugeführt,
weil das für die Katze eine essentielle Aminosäure ist und sie nur durch reine
Fleischfresserei draußen in der Natur sie bekäme. Und Dosierung hast du gehört, so ein bis drei Gramm?
Genau, also 1000 Milligramm ist eine schöne Dosis, wenn es mehr ist 2000 und in bestimmten
Konstellationen sogar mal bis 3000 Milligramm. Richtig, ja. Und das kann ich auch, ich sag mal so,
wenn ich jetzt kein, wie soll ich sagen, kein spezielles gesundheitliches Problem habe,
könnte ich trotzdem wahrscheinlich davon profitieren, immer mal wieder so eine Taurin-Phase
einzulegen, oder? Absolut, weil es eben so, wie soll ich sagen, so breit im Körper vernetzt ist.
Man hat Daten, und jetzt muss man halt nicht immer sagen, wenn ich sage, man hat Daten,
dann ist nicht gemeint Doppelbindstudien mit randomisiert und bla bla bla, aber gute
Erfahrungsdaten, dass es sehr positiv auf den Blutzuckerspiegel wirkt, die Insulinempfindlichkeit
wieder verbessert, also gegen die Insulinresistenz wirkt, Hirnentwicklung fördert oder umgedreht,
Hirnabbau bremst, also beim jungen Menschen fördert es die Entwicklung, beim älteren Menschen bremst
es den Abbau, Fettverdauung, Muskelaktivität und und und und. Und ja, das ist dieses Longevity-Ding,
ich lebe nicht einfach länger mit Taurin, aber Funktionen in meinem Körper, freie Radikale
reduzieren, Hirnstoffwechsel und und und, werden so optimiert, dass ich in der Regel
gesunder lebe, definitiv. Eine Aminosäure, die wir noch nicht angesprochen haben, die mir
spontan einfällt und ich schätze die auch als sehr potent ein, ist NAC, also Cysteine bzw.
N-Acetylcysteine, vielleicht kannst du dazu noch ein bisschen was sagen, der Herbst und Winter steht
ja bald wieder vor der Tür. N-Acetylcysteine ist die veränderte Form von Cysteine, Cysteine ist eine
wichtige Aminosäure, Cysteine und Methionin stehen übrigens im sehr engen Zusammenhang,
deswegen spricht man meist von beiden in der Orthomolekularmedizin. Da draußen in der Apotheke
findet man N-Acetylcysteine als Schleimlöser, das sind diese Beutele, die man für praktisch
nichts bekommt, Glas Wasser auflösen, trinken, wenn man Husten und Schleim hat und das stimmt,
weil N-Acetylcysteine wirklich primär Schleim löst, die den Schleim weicher macht, trotzdem
ist es Cysteine, das ist immer noch ein Cysteine. Cysteine ist auch so eine schwefelhaltige Aminosäure,
da sind wir wieder bei Antioxidantien, da sind wir wieder bei Ausleitung, wir sind wieder binden
von Schadstoffen. Cysteine und Taurin sind so ein bisschen verwandt in der Grundwirkung her,
Taurin allerdings sicher drei, vier Stufen wirksamer, aber auch Cysteine hat eine schöne
Basiswirkung, also gerade auch in der Ausleitung von Schadstoffen ist Cysteine auch eine sehr schöne
Geschichte, sodass auch das faktisch im Sinne der Gesundheitsprävention eine Option ist und da
reden wir natürlich von ganz anderen Preisen. Wie sind deine Erfahrungen im Bereich von diesem
S-Protein, was durch diese gentherapeutischen Injektionen auch gemäß gebildet wird, da wird
ja auch häufig gesagt, hey, N-Ac könnte das ein bisschen abpuffern, also man sollte natürlich
noch weitere Maßnahmen treffen, aber hast du da auch schon Erfahrungen gemacht?
Es wird immer wieder beschrieben, ich stelle mir so ein bisschen die Frage, wer das dann
jemals bewiesen hat, also es hört sich sehr interessant an, ich glaube das noch nicht so
ganz. Was man aber weiß, ist, dass bei dem Virus, um den es eigentlich ging, bevor die Spritzen
kamen, dass tatsächlich das N-Ac als sehr billige Substanz ausgesprochen wirksam war,
zu verhindern, dass das Ding aus den Schleimhäuten in den Körper kam. Das heißt, es hat was,
das steht außer Frage. Ob es wirklich dieses S-100-Protein und Hirnschranke,
bin ich mir nicht so sicher, aber N-Ac-Tylcystin hat ausgesprochen interessante
bindende Eigenschaften, gerade bei diesen Königsviren, von denen wir da immer reden.
Also speziell bei denen oder auch generell bei Viren?
Bei anderen auch, aber es hat bei dem Königsvirus offensichtlich eine ganz andere Wirkung noch mal
dazu. Also wir hatten damals bei uns in der Praxis, war das unser zentrales Prophylaxe-Mittel.
Dann steht auf der Liste zum Beispiel Carnitin. Oder vielleicht kannst du aber noch gerne sagen,
was bedeutet dieses L davor? Also L-Carnitin zum Beispiel.
Ja, das ist so ein biochemischer Definitionsfaktor. Es gibt L und R, das ist die rechts- oder linksdrehende,
wenn man die Molekülformel aufschreibt, ob es auf der linken oder auf der rechten Seite hängt,
übertrieben gesagt. Und die biologische Nutzbarkeit ist in der Regel eben die L-Form. Und der Punkt
ist, es gibt gar keine R-Präparate. Also man könnte es auch weglassen. Es wäre so,
dass man eigentlich mit den L-Formen arbeiten müsste. Und alle Formen sind L-Formen. Es gab
mal ganz billige Versionen von irgendwas. Aber heutzutage mit der heutigen modernen Geschichte
spielt eigentlich diese L- oder R-Unterscheidung keine große Rolle mehr. Aber es ist biochemisch
eine Art von Spiegelung. Und die eine Form wirkt bei weitem nicht oder nur minimal gegenüber der
L-Form. Carnitin hast du angesprochen, z.B. für die Methicontin interessant. Kannst du dazu noch
was sagen? Carnitin ist auch wieder so ein Punkt. Offiziell keine Aminosäure, sondern eine
sogenannte quaternäre Ammoniumverbindung. Also es ist aus Aminosäuren entstanden,
nämlich aus Lysin und Methionin. Und faktisch-theoretisch eben wieder was Eigenes. Chemisch
ist es was Eigenes. Real ist es eine Aminosäure. Die nutzt eben wieder verschiedene Funktionen.
Und eine der wichtigsten Funktionen von Carnitin ist, und das eben wichtig,
dass man es auch so liest und hört, Carnitin transportiert Fettsäuren, nicht Fette, Fettsäuren
zur Oxidation. Das kann man jetzt von mir aus sagen, zur Verbrennung. Was nicht bedeutet,
ist, dass Carnitin Fett verbrennt. Im Sinne von, dass Bauchfett durch Carnitin abgebaut wird,
ich nichts tun muss und schlank werde. Also wurde es mal verkauft. Und das hat dem Carnitin
ebenfalls einen ganz miserablen Ruf eingebracht, weil natürlich passiert genau das nicht. Das heißt,
wenn ich jetzt einfach da rumsitze, Carnitin nehme, dann nehme ich genau nicht ab. Wenn ich
aber Carnitin nehme, damit den Energiestoffwechsel der Fettsäuren hochfahre, und dem kann man sagen,
Fettverbrennung, und jetzt mit Sport und Aktivität diese Fettverbrennung dann auch nutze und damit
kurbele, jetzt wiederum kann mir Carnitin definitiv helfen, mehr Gewicht zu verlieren.
Aber nur in diesem Setting. Einfach nur Carnitin schlucken, da passiert überhaupt gar nichts.
Faktisch beschleunigt es also die Energiegewinnung aus Fettsäuren. Das ist das eine Thema. Indem es
die Fettsäuren durch Membranen hindurch transportieren kann. Ich versuche es dem Patienten
immer so wie ein Bild zu haben. Wir haben so eine Wand davor aus Wasser. Dann ist da ein Schiff und
das ist Carnitin. Die Fettsäuren können ja nicht schwimmen. Also kommen die Fettsäuren auf das
Schiff, das fährt darüber und bringt es auf die andere Seite. Das ist es, was es tut in der einen
Seite. Und jetzt kommt der Punkt. Jetzt ist das Schiff leer und fährt wieder zurück. Und damit
es nicht leer zurückfährt, bindet es und nimmt Müll wieder zurück. Und dann heißt das Ding
Acetylcarnitin. Also es entgiftet das Innere, greift es wieder und fährt wieder raus. Also
es bringt Gutes rein und holt Schlechtes rauf. Das ist eben eine coole Sache und das ist eine
ganz besondere Eigenschaft von Carnitin. Ich wollte dich gerade fragen, es gibt ja auch schon
ein fertiges Acetyl-L-Carnitin. Ist das sinnvoll oder reicht ein normales L-Carnitin? Das ist so
ein bisschen wie dieser Hype mit diesen aktivierten Vitaminen. Biochemisch hat es eine
etwas andere Funktion. Bis sich die im Körper bemerksam macht, das macht überhaupt gar keinen
Sinn. Am Ende kommt es aufs Gleiche raus. Ich kann vom Acetylcarnitin ein bisschen weniger
dosiert nehmen, aber am Ende kommt der Effekt gleich raus. Und da es aber teurer ist, ist das
weniger nehmen gerade durch die Teuerung. Das bringt nichts. Man kann die gleichen Effekte
mit Carnitin erreichen. Okay, selbst bei Leuten, wo körpereigene Umwandlungsprozesse nicht mehr
gut laufen. Ja, eine Acetylierungsschwäche und so, da könnte man jetzt anfangen zu diskutieren.
Vielleicht ist da ein Hauch schneller. Aber trifft so gut wie nicht zu, sagst du? Genau. Erstens das,
und da wir in der Regel beim Carnitin ja von einer Langzeiteinnahme reden, also ich will den
Effekt nicht jetzt in zehn Minuten und dann nicht mehr, sondern den will ich haben und der soll die
nächsten vier Wochen bleiben. Ob der jetzt zwei Stunden früher eintritt oder später, spielt am
Ende keine wirklich relevante Rolle. Also deswegen spielt es therapeutisch gesehen nicht wirklich eine Rolle.
In den beiden Gesprächen, die wir zu den Aminosäuren geführt haben, haben wir immer nur über die orale
Einnahme gesprochen. Macht es in irgendeiner Form auch Sinn, das so auch als Infusion zu geben?
Absolut. Das ist bei uns im Zentrum mit das am häufigsten verwendete Infusionsmittel überhaupt.
Carnitin wird überall gebraucht. Wir haben einen Tagesbedarf. Karne kommt von Muskeln,
wo natürlich mit der Muskulatur sehr viel zu tun hat. Es wird dann benutzt, aber auch über den
Urin wieder ausgeschieden und jetzt haben wir eben bestimmte Krankheiten oder Situationen,
wo der Bedarf an Carnitin viel höher ist oder der Verlust von Carnitin viel höher ist. Das ist
Zuckerkrankheit, schwere Leberkrankheiten, Dialyse. Dialyse ist ein ganz brutales Thema.
Durch die Blutwäsche dieser Dialyse, dieser künstlichen Niere, wird praktisch das gesamte
Carnitin ausgeschwemmt. Hier muss man sogar Carnitin supplementieren. Und dann kommt eben
eine ganz besondere Geschichte dazu. Im Carnitinmangel, habe ich zu wenig Carnitin,
ist Herz, Leber und Niere massiv beeinträchtigt und es kann sogar zu Herzmuskelschäden kommen.
Deswegen ist Carnitinmangel alles andere als harmlos. Und jetzt gibt es eine ganz besondere
Situation. Deswegen ist mir das sehr wichtig, dass wir das ganz kurz sehr deutlich gesagt
haben. In der Onkologie, bei den meisten klassischen Chemotherapeutika, die eingesetzt
werden für Brustkrebs, Lungenkrebs oder so, diese Chemotherapeutika, da passiert genau das,
dass im Abbau des Chemotherapeutikums Carnitin benutzt wird, um den Müll heraus zu transportieren.
Wenn ich also ganz viel Chemotherapeutikum habe, Iposamid ist so ein typisches,
und ich gebe ganz viel von dem Chemotherapeutikum in den Körper, was ja dann auch wieder raus muss.
Indem es rausgeht, vernichtet es praktisch die gesamte Carnitinmenge des Körpers. Dadurch
entsteht unter solchen Chemotherapeutika ein massiver Carnitinmangel. Und dieser massive
Carnitinmangel kann schwere Herzschäden auslösen. Und was steht im Beipackzettel
von dem Chemotherapeutikum? Du wirst es ahnen. Kein Herzschäden auslösen. Aber da steht nicht,
wegen Carnitin nehmen Sie Carnitin. Weil wenn ich das nehme, kann ich das verhindern. Das ist der
große Witz an der Geschichte. Und jetzt da braucht es Mengen, die mit dem Essen schwierig sind. Wir
hatten das in dem allgemeinen Gespräch schon mal diskutiert. Aminosäuren schlucken ist einfach,
Aminosäuren resorbieren durchaus nicht. Und wenn ich jetzt wirklich hohen Bedarf an Carnitin habe,
dann komme ich mit dem Essen nicht auf die Reihe. Dann muss ich es intravenös geben. Das kann auch
im Sport interessant sein, für bestimmte Müdigkeitsphänomene bei Erschöpfungen,
diesen Post-Viral- oder Post-Spritzen-Müdigkeiten. Überall wo das ein Thema ist, ist es oft so,
dass die reine Zufuhr von 1000 bis 2000 Milligramm, auch das gehört in diese gleiche
Dosierungsgruppe hinein, nicht wirklich adäquat langt, um die Menge aufzufüllen. Oder in der
Onkologie es nie möglich ist, diesen rasanten Abfall auszugleichen. Wir messen Carnitin im
Blut extrem oft. Das ist eine der Sachen, die ich häufig messe. Ich habe gesagt,
Aminogramm, alle Aminosäuren muss man nicht so oft messen. Carnitin machen wir fast bei jedem
Patienten. Und wir sehen teilweise dramatische Carnitin-Mängel. Und wenn ich den auffüllen will,
bis ich den mit oralen Mitteln durch Einnahme aufgefüllt habe, vergehen vier Wochen. Und
da macht man drei, vier Infusionen, dann ist der Wert oben. Das ist tatsächlich etwas,
wo extrem profitiert von einer Infusion. Das ist aber das Einzige. Gibt es noch andere
Aminosäuren als Infusionen? Taurin hat eine ähnliche Geschichte, vor allem in der Müdigkeit
oder bei diesen schweren Erschöpfungszuständen. Chronic Fatigue, heute heißt das myalgische
Encephalitis. Bei diesen CFS-Patienten, wo einfach diese extreme körperliche Schlappheit
und Müdigkeit ist, dann spielt Taurin eine interessante Rolle. Und die dritte Aminosäure
ist das Tyrosin. Das sind die drei Aminosäuren, mit denen wir gerne Einzelinfusionen machen. Und
die vierte Gruppe sind dann solche Aminosäuren-Kombinationen, weil sie dann einfach,
dann umgehe ich das Problem der Resorption. Oder wenn ich es intravenös gebe, ist es da. Punkt.
Sobald ich es schlucke, muss das erstmal an diesen ganzen Darmgeschichten vorbei. Und dann
verliere ich immer an Resorptionsfläche. Und Kombinationen können auch essentiell
Aminosäuren sein. So eine wirkliche Aminosäurenmischung. Das macht dann tatsächlich
Sinn bei Situationen, wo gröbere Störungen vorliegen in der Onkologie, bei schweren
konsumierenden Krankheiten, schweren Entzündungskrankheiten und Proteinzerfall oder
ähnlichen. Und was ist so zum Beispiel in so einer Taurin-Infusion? Wie viel Gramm sind da so drin?
2000 Milligramm.
Ah, okay. Also die Menge ist quasi ähnlich wie bei der anderen, aber es kommt viel mehr an.
Etwa gleich. Der Unterschied ist dann 2000 Milligramm in der Vene. Wenn ich 2000 Milligramm
schlucke, kommen vielleicht, wenn ich Glück habe, 400 Milligramm in die Vene.
Okay. Aber wie du auch schon gesagt hast, selbst bei mehr Schlucken kommt nicht unbedingt mehr an.
Nein. Im Gegenteil. Irgendwann ist es fertig. Dann wird das einfach ausgeschieden oder es
gibt Durchfall oder ähnliches. Weil diese Aminosäuren, vor allem Carnitin, Taurin,
die haben so eine gewisse wasserbindende Eigenschaft. Wenn ich zu viel von dem nehme,
dann bindet es zu viel Wasser und dann gibt es Durchfall und schwemmt raus und da wird gar nichts
mehr aufgenommen. Apropos Carnitin, mir ist gerade noch eingefallen, ich habe letztens mal so ein
Aminokar machen lassen. Es sah relativ gut aus. Ich hatte sogar beim Carnitin zu viel,
aber ich hatte es halt auch ein paar Monate vorher regelmäßig eingenommen. Also es war etwas
too much, aber das würdest du ja wahrscheinlich auch, wenn man einfach, dann sollte man pausieren
und dann pendelt sich das. Genau. Also es ist nicht giftig dann, aber es bringt einem dann auch
nichts mehr und dann kann man das Geld für was anderes günstiger benutzen. Ja. Dann hast du
gerade Tyrosin angesprochen, dass du das auch nutzt. Da denke ich als erstes so an so Themen
wie chronische Müdigkeit, Schilddrüse, eventuell auch, ich weiß nicht, Nebennieren. In dem
Zusammenhang habe ich es auch schon mal gehört. Tyrosin gilt so als unter den Aminosäuren. Also
eigentlich das, was man so ein bisschen vermeintlich dem Taurin zuschreibt, so dieses
Aufputsch-Hallo-Wach-Energie-Drink wäre eigentlich Tyrosin. Tyrosin hat einen viel stärkeren
wachmachenden Effekt als jetzt zum Beispiel Taurin. Taurin hat diese Basisenergie aber
eher gedämpft. Tyrosin hat so eine Denkleistung, Konzentrationsfähigkeit, geistige Fitness-Gene
gehen richtig rauf. Also das ist tatsächlich auch ein Mittel, wo man so vor Prüfungen oder
so wunderbar benutzen kann, weil es auch nicht wieder den Puls erhöht. Also es ist immer noch
kein Koffein, aber Tyrosin hat viel stärker diese Leistungsaktivierung vor allem auf der
mentalen Ebene. Ist eine nicht-essentielle Aminosäure. Das ist jetzt wirklich eine Aminosäure
faktisch. Und eben, es wird benötigt für das Tyroxin, für das Schilddrüsenhormon. Tyrosin
ist die Vorstufe dazu. Es ist ganz wichtig im Stoffwechsel vom Dopamin. Aus dem Tyrosin entsteht
das Dopamin. Und auch das ist sicher irgendwo ein Thema für diese Hirnleistungsgeschichte,
weil die Dopaminbildung gepusht wird. Leider nicht so extrem, dass man es dann auch bei
Parkinson einfach so einsetzen kann. Aber trotzdem macht es bei Parkinson mit einem
Dopaminmangel sehr wohl Sinn, auch mit Taurin zu arbeiten. Das machen wir auch. Aber es ist
nicht so, dass man nur mit Tyrosin die gleiche Wirkung erzielen kann wie ein klassisches
Parkinson-Medikament. Weil halt dummerweise ja die Zellen, die Dopamin herstellen,
ja geschwächt sind. Das ist ja nicht der Prozess geschwächt, sondern es hat einfach
weniger Zellen. Und selbst, wenn ich dann viel Tyrosin gebe, habe ich immer noch weniger Zellen.
Aber trotzdem hat es einen positiven Aspekt. Man hat interessante Untersuchungen gemacht und das
weiß man noch nicht, wie das geht. Das muss aber auch mit diesen Neurotransmittern zu tun haben.
Es verbessert die Kreativität. Also man könnte so Sportler machen, so Tests machen an so Künstlern.
Die konnten auf einmal ganz andere Dinge zusammenhängen, als sie vorher konnten.
Das sind wirklich spannende Sachen. Reaktionsfähigkeit wird schneller. Das hat man
an so Tests gemacht, wenn ich so auf Farbe klicken muss und der Bildschirm das zeigt.
Also es ist wirklich so die Aminosäure, die Energie bringt. Gleichzeitig aber im Körper
die Stressreaktion dämpft. Und das ist wieder das Gleiche, weil das macht Dopamin. Also das
ist das Schöne. Tyrosin ist Dopamin und Tyrosin ist auch Adrenalin. Und deswegen habe ich diese
Energie auf der einen Seite, gleichzeitig aber das Modulieren auf der anderen Seite.
Und das ist Stressresistenz, Resilenz sagt man dem ja heute, Energie, Leistungsfähigkeit Gehirn.
Wir sind auch da so ein bisschen in der Longevity-Beta-Aging-Szene, weil es das
Gehirn länger leistungsfähig hält. Es ist super. Es gibt auch interessante Untersuchungen bei
Schichtarbeitern, Nachtschicht, Tagschichtwechsel, wenn ich dann so müde werde durch das, dass
tatsächlich in der Nachtschicht das Tyrosin hilft, besser durch die Nacht zu kommen. Also es hat sehr,
sehr viele interessante Untersuchungen. Es gibt Hinweise, dass es bei Stress Blutdruck senkend
wirken könnte. Also diesen stressbedingten Blutdruckanstieg etwas abmindern könnte.
Und dass wir es nicht vergessen, entstehen tut es aus dem Phenylalanin. Also Tyrosin wird gebildet
aus Phenylalanin. Manche benutzen Phenylalanin und die Wirkung, die dem Phenylalanin immer
zugeschrieben wird, genau dieses alles, Leistungssport, ist nicht die Wirkung von
Phenylalanin das Unsinn, sondern ist die Wirkung vom Tyrosin, wo aus dem Phenylalanin entsteht.
Da muss man sich fragen, warum gebe ich dann die Vorstufe? Das macht eigentlich überhaupt
gar keinen Sinn. Weil wenn ich die Vorstufe gebe, muss der Körper das Tyrosin erst mal
selber bauen. Deswegen benutzen wir eigentlich überhaupt kein Phenylalanin. Wir benutzen
direkt das Tyrosin, weil es dann entsprechend hochgeht. Also statt Kaffee trinken lieber
Tyrosin und vielleicht noch ein bisschen Taurin? Im Sinne des Wachwerdens, ja. Kaffee als Genussmittel
und Bitterstoff ist dann noch was anderes. Aber im Sinne von dem, wo oft eigentlich benutzt wird,
ist Tyrosin und Taurin die wesentlich intelligentere Geschichte, um Klivacher zu werden.
Weil danach nicht dieser Down kommt sozusagen. Genau. Passiert eben nicht genau das. Sondern
mit den Aminosäuren bin ich immer voll dabei. Ich hatte manchmal das Gefühl, ich muss aber sagen,
ich reagiere extrem sensibel auf Substanzen wie Koffein oder Teein zum Beispiel. Also wenn ich
grünen Tee trinke, habe ich auch das Gefühl, ich bin so überaktiviert. Und ich hatte das Gefühl
auch beim Tyrosin. Kann es sein, bei Leuten, die generell da sehr sensibel sind, dass sie
da ein bisschen aufpassen müssen? Absolut. Also das Zeugs ist effizient und es verbessert unter
anderem auch Adrenalin. Und wenn man in eine Gruppe von Menschen gehört, die völlig wertfrei,
etwas einfühliger, empfindsamer sind, mag das absolut passieren, bin ich felsenfest überzeugt.
Sollte man die Dosis deutlich niedriger halten. Also ist eher positiv, da brauche ich gar nicht
so viel nehmen, habe trotzdem eine Wirkung. Aber dann könnte auch mal ein bisschen zu viel des
Guten sein. Und dann wollte ich dich noch fragen. Generell, wir haben ja jetzt ein paar einzelne
Aminosäuren angesprochen. Macht es Sinn, trotzdem zum Beispiel essentielle Aminosäuren einzunehmen
in der Standarddosierung und getrennt davon nochmal diese ein oder zwei Mono-Aminosäuren
einzunehmen? Am Ende ist das eigentlich auch das, was wir nachher tun. Wir geben so eine Art
Basisversorgung und dann individualisiert punktuell erhöhen wir einzelne Aminosäuren
durch eine zusätzliche Gabe, weil das in einer Mischung gar nicht möglich ist. Ich kann in
einer Mischung nicht diese therapeutischen Dosierungen von zwei Gramm Carnitin in irgendeiner
Form sinnvoll einbauen. Das funktioniert überhaupt gar nicht. Sondern die Mischung ist schön breit,
gar nicht so hoch dosiert, hoch genug, aber nicht diese Höhe. Und dann spezifisch die
Aminosäuren, die einen bestimmten Wirkeffekt haben für diesen Patienten, separat dazugeben. Das ist
eigentlich genau der Weg. Muss man da unbedingt Abstand lassen oder kann ich das auch beidens
zum Beispiel am Morgen einnehmen? Könnte man schon. Es kommt dann trotzdem irgendwann das
Problem, dass dann recht viele Aminosäuren auf einmal halt im System sind. Ich persönlich
bevorzuge daher die getrennte Geschichte. Die Mischung am Morgen und das andere am Mittag zum
Beispiel. Okay, dann hattest du noch gesagt Tryptophan bzw. Hydroxytryptophan. Warum nicht
normales Tryptophan bzw. was hat es mit dem Hydroxy auf sich? Also das ist tatsächlich
jetzt nochmal ein wichtiger Punkt. Tryptophan ist ebenfalls, haben wir schon erwähnt, eine
essentielle Aminosäure. Das heißt, die ist wichtig, die brauche ich. Und Tryptophan,
das wissen, glaube ich, mittlerweile alle, ist der Ausgangsstoff für die Serotonin- und
nachher Melatonin-Synthese. Natürlich nicht nur, aber der Hauptweg ist Tryptophan, Serotonin,
Melatonin. Und jetzt ist es eben so, es stimmt nicht ganz. Der Weg ist nämlich Tryptophan,
Hydroxytryptophan, Serotonin, Melatonin. Das heißt, wir haben ein ähnliches Thema wie gerade
eben Phenylalanin und Tyrosin. Aus dem Tryptophan muss zuerst Hydroxytryptophan entstehen, weil
das ist hirnschrankengängig. Das geht dann ins Gehirn und kann dort zu Serotonin und
letztendlich Melatonin umgebaut werden. Tryptophan selber kommt nicht ins Gehirn. Das ist schon das
Erste. Also muss es umgebaut werden. Und jetzt ist es eben so, genau dieser Umbau ist der
Knackpunkt. Der Umbau von Tryptophan in Hydroxytryptophan, das ist ein Enzym, der das
macht. Jetzt kann aber Tryptophan eben noch in einen anderen Mechanismus gehen. Ich habe gesagt,
der Hauptmechanismus, den alle kennen, ist Tryptophan, Serotonin. Es gibt noch einen
zweiten. Das ist Tryptophan-Kynurenin. Kynurenin ist eine ganz eigene Verstoffwechselung von
Tryptophan, die etwas mit Entzündungen zu tun hat. Und wenn in einem Körper eine Entzündungsreaktion
ist, auch eine Silent Inflammation, eine stille Entzündung, dann wird der Körper bis zu 90
Prozent des Tryptophans wegnehmen in diesen Kynurenin-Stoffwechsel. Und es passiert gar
nichts auf der Serotonin-Ebene. Und je mehr Tryptophan ich gebe, desto mehr rutscht immer
weiter in diesen Entzündungsstoffwechsel hinein, aber nicht mehr geht ins Gehirn. So dass bei
vielen Menschen, weil Entzündungen ist nun mal ein großes Thema unserer Gesellschaft,
die Weiterverstoffwechselung von Tryptophan gar nicht stattfindet. Das heißt, ich nehme das,
ich nehme das, ich nehme das. Es passiert aber gar nichts, weil es nicht weiterverstoffwechselt
wird. Das ist der erste Punkt. Und der zweite Punkt ist mindestens genauso wichtig. Wenn wir
Tryptophan einnehmen, schlucken und wir haben Fruchtzucker gleichzeitig im Verdauungstag und
Tryptophan trifft auf Fructose, die beiden verbinden sich in ein Großmolekül und dieses
Molekül kann nicht mehr aufgenommen werden, wird einfach ausgeschwemmt. Das heißt, sobald ich
Fruchtzucker im Darm habe, was leider relativ oft passiert, weil alle Fruchtsmoothies, Fruchtsäfte,
Früchte ist gesund und dann in Joghurts ist Fruchtzucker drin, in allem ist mit natürlichem
Fruchtzucker gesüßt. In den ganzen Fertigprodukten. In den Fertigprodukten, überall Fruchtzucker drin.
Also wir haben unglaublich viele Mengen Fruchtzucker im Darm und dann Tryptophan drauf,
es passiert nichts mehr. Hydroxytryptophan, einzeln genommen, ist ja schon verstoffwechselt,
bindet sich nicht an Fruchtzucker. Hydroxytryptophan, nehme ich ein, geht ins Gehirn,
wirkt. Das ist auch der Grund, warum man von dem maximal nur 300 Milligramm nehmen darf. Dass
genau diese eine Aminosäure, wo die Regel 1000, niemals stimmt, sondern hier muss ich viel tiefer
bleiben und ich muss beim Hydroxytryptophan auch viel, viel niedriger anfangen. Man beginnt nur
mit 50 Milligramm, mit einer mini, mini, mini Dosis, weil es unglaublich effizient im Gehirn ist.
Und dann steigert man, nur wenn nötig, ganz langsam bis maximal 300 Milligramm.
Ich habe gerade mal Hydroxytryptophan gegoogelt und ich wusste es vorher nicht,
das ist ja quasi 5-HTP, oder? Ja, man nennt es 5-HTP, ja.
ATP sozusagen, Hydroxytryptophan und ist quasi, also die Substanz, von der wir sprechen,
ist quasi 5-HTP, oder? Ja, genau.
Okay, was ja... Manchmal auch 5-OH-Tryptophan,
das wird auch manchmal als Gleiches beschrieben, ja.
Was ja zum Beispiel aus dieser afrikanischen Schwarzbohne Gryphonia simplicifolia extrahiert
werden kann. Genau, also es gibt auch Gryphonia-Extrakte,
die am Ende des Tages 5-HTP-Extrakte sind. Wobei bei der Pflanze immer das kleine Problem ist,
ist die Pflanze, aus der diese Tablette besteht, wie viel HTP war in deren Blättern? Wie gut war
die Pflanze? Deswegen bin ich nicht so eine große Fan von Gryphonia-Extrakten, weil ich nie weiß,
wie viel real HTP ist auch wirklich da drin. Wird es nicht standardisiert gemessen?
Ja, schön wäre es natürlich nicht. Und sag mal, kann es sein,
dass es da Probleme gab, es zu bekommen? Also... Nicht nur gab.
Immer noch gibt. 5-HTP war das erste zugelassene Antidepressivum
der Schulmedizin. Und das Problem ist eben eine Pflanze, oder? Kann man nicht patentieren,
schweinebillig und war der Industrie nicht unbedingt damit sehr positiv im Kopf. Weil
wenn ich dann ein chemisches Antidepressivum erfunden habe, wo ich patentieren kann,
zulassen, schützen kann, zum achtfachen Preis verkaufen kann, wo aber genau gleich wirksam ist.
5-HTP wirkt identisch gleich wie alle Antidepressiva. Es ist systematisch fertig
gemacht worden. Und es hat keine Nebenwirkungen?
Nein. Die gleichen wie auch. Wenn ich es falsch mache und zu viel gebe, kann Serotonin zu hoch
gehen. Aber faktisch hat es keine Nebenwirkungen. Ja, aber die Antidepressiva selbst...
Die sind viel schlimmer von der Nebenwirkung her, ja.
Genau. Also im Endeffekt, wenn ich damit richtig umgehe, hat es keine Nebenwirkungen.
Wenn ich mit einem Antidepressivum, sagen wir mal, richtig umgehe, hat es trotzdem Nebenwirkungen.
Trotzdem, genau.
Okay. Und 50 Milligramm, hast du gesagt, als Anfangsdosis und dann vielleicht langsam...
50 mehr alle 2-3 Wochen, bis ich eine Wirkung habe oder bis 300 erreicht ist. Wenn man zu
schnell steigert, kann das richtig übel Schwindel machen, weil dann sehr schnell Serotonin entsteht.
Und macht das auch Sinn, das direkt vom Schlafen gehen zu nehmen, um Serotonin und dadurch auch Melatonin zu fördern?
Genau, weil dann der nächste Schritt noch kommt. Aus Serotonin wird Melatonin. Damit habe ich noch
eine schöne Nachtruhe unter der Voraussetzung, dass es dunkel ist. Wenn ich bis nachts um 1 vor
dem Computer hänge mit dem blauen Bildschirm, also LED-Bildschirme sind alle mit Blaulicht,
und ich bin zu lange vor dem Computer, wird kein Melatonin gebildet. Blaufilter.
Auf dieser Ebene auch gut, auch für die Schlafqualität, für die nächtliche Regeneration.
Fantastisch, ja. Absolut.
Okay, gut. Ich glaube, dann haben wir alle Aminosäuren besprochen, oder?
Ich sage jetzt mal, momentan so die zentralen, wichtigen.
Nicht alle, ist klar.
Wir könnten jetzt über jede einzelne Aminosäure ein Pamphlet machen, aber das sind jetzt so die wichtigsten von allem.
Dann noch was, was man zu diesen Aminosäuren wissen sollte, oder können wir Feierabend machen für heute?
Es ist 21 Uhr 7 hier.
Ich glaube, wir sind gut. Wir haben alles. Wirklich dran denken,
therapeutische Dosierungen sind in der Regel vierstellig, also 1000 Milligramm.
Mit zweistelligen Dosierungen kann man nichts erreichen. Die eine Ausnahme ist Hydroxytryptophan.
Bei allen anderen Aminosäuren, wenn man ein Präparat hat, wo 60 Milligramm von irgendeiner Aminosäure drin ist,
ist es absolut lächerlich. Es kann nichts bringen.
Wenn eine Mischung, aber nicht zu viel auf einmal.
Wenn man zu viel nimmt, lieber auseinandernehmen auf zwei Einzelportionen.
Dann haben wir eine bessere Bioverfügbarkeit und dann ist es ein toller Teil der Orthomolekularmedizin.
Das bringt mich auf eine allerletzte Frage noch.
Du hast ja, glaube ich, gesagt, dass Tryptophan an sich häufig nicht so gut aufgenommen wird.
Aber es ist ja quasi immer in diesen essentiellen Aminosäuren drin.
Ich sehe es aber hier auch, also bei dem Komplex, den ich gerne nehme, ist es die Aminosäure, die am niedrigsten.
Ja, eben. Es hat zwei Gründe.
Genau, es hat einen absichtlichen Grund von der Regierungsbehörden.
Also zum Beispiel hier in der Schweiz ist die Tagesdosis auf 200 Milligramm begrenzt, gesetzlich.
Man will also eine Dosis haben, die definitiv nicht wirkt.
Das ist so. In der Regel darf ich gar nicht mehr nehmen, weil es sonst keine Nahrungsergänzung mehr ist.
Und eben, wenn ich es zu hoch dosiere, ich müsste um die 1000 geben, damit es nachher wirklich irgendwo auch einen Effekt hat,
dann kann ich die anderen halt nicht, weil es essentiell ist.
Für eine Therapie ist es wirklich, wenn Tryptophan oder Hydroxytryptophan separat geben.
Tryptophan ist nichts, wo ich in einer Mischung geben würde.
Und das bisschen, was in so einer essentiellen Aminosäurenmischung drin ist, das stört.
Ist einfach dann dabei, sozusagen.
Ist halt dabei.
Ja, genau.
Okay, gut. Dann hätten wir das auch geklärt.
Vielen Dank, Simon. Und bis zum nächsten Mal.
Du kannst jetzt endlich Feierabend machen.
Ja, gern geschehen. Danke. Ciao, ciao.
Bis dann. Ciao.
