Der Wohlstand der Gesellschaft führt dazu, dass die Wertschätzung von Nahrungsmitteln in den vergangenen Jahrzehnten rapide gesunken ist. In deutschen Haushalten landen viele Lebensmittel, die noch genießbar wären, in der Mülltonne. Im Rahmen einer Restabfallanalyse ist Frances Vaak der Fragestellung nach den Mengen und Ursachen von Lebensmittelabfällen in Haushalten konkret nachgegangen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Biomasse im Restabfall überwiegend aus Lebensmittelabfällen besteht, welche essbar wären. Die Hintergründe für das Entsorgen von Lebensmitteln sind unterschiedlich. Ob Gemüse, Brot oder Wurst weggeworfen werden, ist beispielsweise abhängig von der Haltbarkeit, dem Aussehen oder dem erwarteten Geschmack der Lebensmittel. Aber auch der Lebensstil der Verbraucher hat nachweislich einen Einfluss auf die entsorgte Menge von Lebensmitteln.
Referentin: Dr. Frances Vaak, geb. 1985, studierte an der Justus-Liebig-Universität Gießen von 2005-2009 Ökotrophologie (B.Sc.) und anschließend bis 2011 Ernährungsökonomie (M.Sc.). 2016 promovierte sie ebendort zum Thema Indikatoren, Handlungsoptionen und Potenziale zum optimierten Umgang mit Lebensmittelabfällen in privaten Haushalten. Seit 2012 ist Frances Vaak Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Abfall- und Ressourcenmanagement der Justus-Liebig- Universität Gießen und seit 2013 Wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Fraunhofer-Projektgruppe für Wertstoffkreisläufe und Ressourcenstrategien.
Vielen Dank erstmal für die nette Einführung.
Und ich möchte Sie natürlich auch herzlich willkommen heißen.
Ich freue mich, dass Sie doch so zahlreich erschienen sind, um meinen Vortrag jetzt anzuhören.
Und ich hoffe, wir können nach dem Vortrag auch noch anregend darüber diskutieren.
Ich bin auch gespannt, Ihre Erfahrungen in dem Bereich zu hören.
Ich möchte Ihnen vorab eine kurze Agenda mal präsentieren.
Den Verlauf würde ich jetzt durchgehen.
Und zwar werde ich anfänglich nochmal kurz auf die Relevanz der Thematik eingehen.
Also warum sollen wir uns überhaupt erstmal mit dem Aufkommen von Lebensmittelabfällen,
mit der Vermeidung von Lebensmittelabfällen beschäftigen?
Warum ist das wichtig?
Im nächsten Punkt möchte ich dann erstmal auf die Begriffsbestimmung eingehen,
bevor ich dann erstmal Daten präsentiere.
Warum die Begrifflichkeiten definieren?
Hier unterscheiden wir in der Wissenschaft strikt.
Und deswegen sind die Studien unterschiedlich interpretierbar.
Nachdem ich dies erläutert habe, werde ich Ihnen einen kurzen Überblick
über die Wertschöpfungskette geben und welche Lebensmittelabfälle dort einfallen und warum.
Also an den unterschiedlichen Stellen.
Also angefangen von der Landwirtschaft bis hin zum Lebensmitteleinzelhandel.
Danach möchte ich näher auf meine wissenschaftlichen Tätigkeiten eingehen.
Ich habe mich seit ca. vier Jahren mit den Lebensmittelabfällen im Privathaushalt beschäftigt.
Wie viele fallen da an?
Ich habe dazu mehrere Untersuchungen durchgeführt.
Und hier möchte ich Ihnen einige Ergebnisse präsentieren.
Dabei werde ich erstmal kurz veranschaulichen, wie das denn eigentlich aussah.
Wie habe ich das überhaupt gemacht?
Wie kann man denn die Daten überhaupt erstmal erheben?
Ich werde dann im Anschluss auf die Ergebnisse nochmals eingehen.
Und auch hier schon erste mögliche Handlungsoptionen mal diskutieren.
Schließen werde ich mit einer kurzen Zusammenfassung oder Fazit.
Warum sollen wir uns eigentlich mit der Thematik auseinandersetzen?
Lebensmittelabfälle. Wir haben ja eigentlich genug Lebensmittel.
Warum sollen wir uns jetzt eigentlich damit auseinandersetzen?
Dafür ist der eine Grund natürlich die ökologischen Faktoren.
Wir verbrauchen momentan so viele Ressourcen auf der Erde, als hätten wir zwei Einhalb-Erden.
Das heißt, wenn wir zukünftig darüber nachdenken, dass unsere Nachfolger auch noch leben wollen,
im gleichen Lebensstandard, müssen wir schon ein bisschen bewusster handeln.
Und gerade der Lebensmittelsektor ist einer der ressourcenintensivsten Sektoren.
Wir verbrauchen hier sehr viel Boden, sehr viel Wasser.
Wir produzieren sehr viel Emissionen, die einfach für die Nutzung oder für die Produktion notwendig sind.
Das ist auch alles konform. Das kann man auch alles machen und alles ist auch in Ordnung,
unter der Berücksichtigung, dass diese Lebensmittel natürlich konsumiert werden
und eine ernährungsphysiologische Bedeutung haben.
Habe ich diese natürlichen Ressourcen verbraucht und entsorgt diese, das ist natürlich unnütze gewesen.
Ein anderer sehr wichtiger Aspekt ist natürlich der soziale oder ethische Faktor,
was die Lebensmittelabfälle betrifft.
Wir müssen immer im Hinterkopf behalten, dass wir ungefähr 900.000 Menschen auf der Welt haben, die an Hunger leiden.
Und wir könnten jetzt schon diese ohne Probleme mit den Lebensmittelabfällen, die auf der Welt bestehen, zusätzlich ernähren.
Ohne Probleme. Ausreichend.
Und wenn wir allein an Deutschland denken, wir haben in Deutschland 16.000 Leute, die an Hunger leiden.
Und auch hier werden gerade durch kurze Wege sehr möglich, dass wir diese auch noch ausreichend versorgen.
Die Thematik der Lebensmittelabfälle kam mir eigentlich erst so seit 2012 ungefähr in die Medien.
Allerdings ist es eigentlich schon immer ein Thema gewesen in der Wissenschaft.
Schon in den frühen 80er Jahren gab es erste Untersuchungen in dem Bereich,
aber hier bezog man sich immer nur auf die Nachernteverluste.
Und diese Studien wurden von der Food and Agriculture Organization seitdem verfolgt.
Erst im Jahr 2011, als die Studie Food Loses and Food Waste veröffentlicht wurde,
kamen erstmals die Lebensmittelabfälle in den Fokus.
Also auch der Konsument.
Wie viel entsorge ich?
Und wir sehen hier in der Grafik mal veranschaulicht,
was die Industrieländer entsorgen an Lebensmittelabfällen unter Verlusten
und aber auch entgegenübergestellt mal die Entwicklungsländer.
Wir sehen hier sehr eindeutig den hellgrünen Balken, das ist die Produktionsebene.
Also wirklich von der Landwirtschaft bis hin zur Produktion betrachtet,
dass wir zwar ein relativ konstantes Verhältnis haben,
jedoch die Konsumentenebene gerade bei uns, also in den Industrieländern,
einen erheblichen Anteil an dem Aufkommen ausmacht.
Jetzt ist das natürlich auch sehr interessant.
Wir sehen hier schon mal, es gibt Unterschiede nach Ländern,
aber wie sieht es denn eigentlich mal bildlich aus?
Und hier gab es eine sehr schöne Fotostrecke, ein Fotoband.
Es hat sich ein Herrn Menzel damit auseinandergesetzt und hat sich gefragt,
wie ist eine Familie eine Woche lang?
Und so ist er durch die Welt gezogen.
Und jetzt schauen wir mal hier beispielhaft vier Tische an von Familien.
Zwei davon in Deutschland und dann einmal USA und Frankreich.
Also wir haben hier wirklich die Entwicklungsländer.
Was wir auf dem Foto sehen, ist, dass der Tisch reichlich gefüllt ist
mit vielen Nahrungsmitteln, vielen verpackten Nahrungsmitteln auch,
also Fast-Food-Artikel auch.
Wir haben ausreichend zur Verfügung.
Vergleichen wir aber mal andere Gebiete in Deutschland,
und zwar Entwicklungsländern hingegen.
Zum Beispiel Mali oder Ecuador.
Hier sieht der Tisch der Lebensmittel ganz anders aus.
Wir haben ähnlich große Familien oder teilweise größere Familien sogar,
aber haben einen viel, viel kleineren Tisch an Lebensmitteln.
Und hier sieht man eigentlich schon, dass es sehr wichtig ist,
schon zu differenzieren.
Wo erhebe ich die Daten, wo schaue ich hin?
An jeder Region ist es unterschiedlich, warum, wieso,
weshalb die Lebensmittelabfälle bestehen oder entstehen.
Pro Jahr produzieren wir, das wurde ja auch eben schon mal kurz angesprochen,
Lebensmittel für zwölf Milliarden Menschen.
Wir haben aber aktuell sieben Milliarden Menschen auf der Welt.
Wir rechnen zukünftig mit 2050 mit neun Milliarden Menschen.
Also um diese noch zusätzlich zu versorgen,
müssen wir einfach schon bewusster mit den Nahrungsmitteln umgehen.
Rund ein Drittel der Lebensmittel,
der produzierten Lebensmittel werden entsorgt.
Das haben wir eben auch schon in der Einleitung gehört.
Problematisch ist hier immer noch,
dass die Datenlage wirklich sehr unzureichend ist.
Wir haben hier wenig wissenschaftliche Studien,
die wirklich fundierte Daten liefern,
auf denen wir dann auch wirklich mal Gegenmaßnahmen entwickeln können.
Deswegen ist wirklich noch Forschungsbedarf hier.
Bis zu dem Zeitpunkt gab es aber für Deutschland an sich noch gar keine Zahlen.
Eigentlich kam erst 2012 das Bundesministerium für Ernährung,
Landwirtschaft und Verbraucherschutz auf die Idee,
wir brauchen jetzt auch mal für Deutschland Werte.
Und sie initiierten eine Studie.
Und die daraus folgende Kampagne haben sie mittlerweile bestimmt schon alle einmal gehört,
einmal gesehen, die sind mit Sicherheit schon einmal begegnet.
Und zwar zu gut für die Tonne.
In dieser Studie wurde gesagt,
dass 82 Kilogramm an Lebensmitteln jeder von uns entsorgt,
wovon der Großteil vermeidbar ist.
Und genau da möchte ich jetzt noch mal näher darauf eingehen.
Was ist denn eigentlich vermeidbar?
Und ich habe vorhin ja schon erwähnt,
wir unterscheiden in der Wissenschaft die Terminologie.
Als allererstes unterscheiden wir oder differenzieren wir
zwischen Lebensmittelverlusten und Lebensmittelabfällen.
Bei den Lebensmittelverlusten betrachten wir die Landwirtschaft bis hin zur Produktion.
Dies hat meist Gründe aus technologisch bedingten Faktoren.
Also der Mensch an sich hat nicht so wirklich den Einfluss.
Also willentlich entsorgt er die Produkte nicht.
Sie sind beschädigt und deswegen sagen wir dazu Verluste.
Von dem Transport über den Einzelhandel bis zum Konsumenten hin
reden wir von Lebensmittelabfällen.
Warum diese Produkte sind konsumierbar?
Das Produkt an sich ist gut.
Es ist zu einem bestimmten Zeitpunkt
und es wird aus irgendeinem Grund heraus,
der noch erforscht werden muss, entsorgt.
Die Lebensmittelabfälle wiederum
differenzieren wir aber auch noch mal in drei verschiedene.
Und zwar einerseits die vermeidbaren Lebensmittelabfälle.
Das wäre der volle Joghurtbecher beispielsweise
oder der Apfel, den wir einfach so entsorgen.
Ich habe die Produkte beispielsweise gekauft
und genauso landen sie auch wieder im Abfall.
Dann gibt es auch noch teilweise Lebensmittelabfälle.
Die entstehen durch individuelles Vorlieben.
Beispielsweise mag jemand die Brotrinde am Brot nicht
oder die Gurke mit der Schale nicht.
Diese werden entsorgt,
wobei diese eigentlich aber auch essbar wären.
Und dann gibt es natürlich die unvermeidbaren Lebensmittelabfälle.
Das sind die typischen Putzabfälle,
die wir in der Küche haben,
wie die Kartoffelschalen, die Zwiebelschalen,
den Kaffeesatz, aber auch die Knochen.
Die fallen an.
Wir können dies auch nicht ändern.
Wir sollten diese nur optimal entsorgen,
und zwar über die Biotonne, wenn möglich.
Jetzt möchte ich mit den ersten Zahlen noch mal ins Detail begehen.
Aktuell sind es ungefähr 15 Millionen Tonnen pro Jahr,
die an Lebensmitteln oder Lebensmittelverlusten
und Lebensmittelabfällen entsorgt werden,
über die komplette Kette hinweg.
Nach neuen Erkenntnissen schreibt man 25 Prozent
ungefähr der Landwirtschaft zu,
aber immer noch ist der Konsument mit 45 Prozent
der Hauptauslöser für die entsorgten Lebensmittel.
Jetzt ist die Masse natürlich schwer vorstellbar,
und deswegen habe ich gedacht,
ich veranschauliche Ihnen das mal etwas anders.
Wenn wir diese komplette Masse nehmen,
können wir über eine Million an Müllfahrzeugen
füllen mit Lebensmittelabfällen.
Und das ist schon recht viel.
Und wenn wir diese mal aneinanderreihen,
dann können wir eine Strecke von Saarbrücken
bis ungefähr zum Kap der Guten Hoffnung haben.
Um mal so grob eine Vorstellung zu bekommen,
wie viel das überhaupt ist,
von was für einer Masse reden wir überhaupt.
Und tun möchte ich einfach beginnen mit der Landwirtschaft.
Ich habe eben schon erwähnt,
rund 25 Prozent der Lebensmittelverluste
werden der Landwirtschaft zugeschrieben.
Warum ist das so?
Wir haben hier natürlich saisonale Schwankungen,
die einfach dazu führen,
dass die Ernte nicht dementsprechend ist.
Wir haben hier schon Verluste.
Die Ernte wurde beschädigt,
deswegen wird sie entsorgt.
Auch Schädlinge führen dazu,
dass die Ernte beschädigt wird.
Aber auch gerade,
wenn wir an die Entwicklungsländer denken,
haben wir eine unzureichende Infrastruktur
hier und da vorhanden.
Das heißt, wir können nicht so schnell transportieren,
und dadurch können die Produkte auch wieder qualitativ
nicht mehr so hochwertig sein,
wie wir sie uns wünschen.
Auch immer wieder die Erntetechnologie
wird infrage gestellt.
Gerade auch im Bereich der Entwicklungsländer,
weil diese nicht so fortgeschritten ist,
wie in den Industrieländern, wie bei uns vor der Haustür.
Und deswegen können auch Schäden entstehen.
Fehlendes Fachwesen
und natürlich Managementfähigkeiten
werden auch sehr gerne angeführt.
Das sind eher so die Punkte,
die sich primär bei den Entwicklungsländern so anhäufen,
warum die Verluste da anfallen.
Jetzt haben wir aber auch Landwirtschaft
bei uns ja zu Hause,
direkt vor der Haustür.
Aber auch hier gibt es Faktoren,
warum immer noch Lebensmittelabfälle
oder Lebensmittelverluste entstehen.
Und die sind meist ökonomisch an Natur.
Die Bauern wollen natürlich
ein maximales Produzieren
und eine maximale Abgabe haben.
Und deswegen gehen sie auch das Risiko ein,
einen Überschuss zu produzieren.
Wird dieser natürlich nicht abgesetzt,
entsorge ich die Produkte.
Schauen wir uns die Produktion an.
Warum entfallen hier
viele Lebensmittelabfälle?
Warum entstehen sie?
Je nachdem natürlich,
was für ein Bereich ich mir angucke,
ob das jetzt Obst- und Gemüseverarbeitung ist
oder auch eine Keksproduktion beispielsweise,
gibt es unterschiedliche Gründe.
Und unterschiedliche Massen auch,
die entstehen.
Hier ist sehr stark zu nennen,
dass es Putzverluste entstehen,
gerade bei der Kartoffelverarbeitung beispielsweise.
Wir stellen Kartoffelchips oder die Pommes her,
die sollen immer eine bestimmte Länge haben
und einen bestimmten Durchmesser.
Dadurch haben wir ziemlich viel Verlust von der Kartoffel an sich.
Verpackungsschäden
haben genauso einen Einfluss,
weil die Produkte nicht in den Handel gelangen,
wenn die Verpackung unzureichend ist.
Und natürlich,
Defekte von Maschinen führen auch dazu,
dass Lebensmittel entsorgt werden müssen,
weil sie eventuell den Qualitätsstandards
nicht mehr entsprechen können,
die wir ja bestimmt haben, die wir definiert haben.
Also beispielsweise ist das Kühlsystem
unterbrochen worden und damit wird
eine komplette Charge entsorgt.
Aber auch, was auch sehr wichtig zu nennen ist,
gerade aus ökonomischer Perspektive,
sind die Lagerkosten oder Lagerkapazitäten.
Viele Unternehmen
lagern Produkte
nicht mehr so stark ein,
weil es eigentlich mehr kostet,
diese Produkte zu lagern,
als dass ich diese nochmal neu produziere.
Also werden auch oftmals
viele Lebensmittel einfach entsorgt,
weil wir keinen derzeitigen Absatz finden.
Wenn wir uns das Tortendiagramm
nochmal genauer anschauen,
sehen wir, dass gerade technische Störungen
zu 29% der Grund sind,
warum wir Lebensmittelabfälle
in der Produktion haben.
Aber der Großteil macht immer noch die Qualitätssicherung aus.
Warum ist das so?
Weil wir einfach gerade speziell in Deutschland
viele Hygienestandards haben,
viele Qualitätsstandards,
die natürlich unsere Produkte einhalten müssen.
Und sobald eines davon
nicht mehr dem Produkt konform entspricht,
wird dieses entsorgt,
muss dieses auch entsorgt werden.
Das ist einfach eine rechtliche Regelung.
Ich habe Ihnen hier mal zwei Beispiele
mitgebracht.
Bei der Produktion müssen wir nämlich auch unterscheiden
zwischen Ernährungshandwerk
und der eigentlich industriellen Produktion.
Das wird meist immer vergessen.
Das Ernährungshandwerk
sind beispielsweise die Bäckereien
oder auch die Fleischereien,
also die direkt was produzieren
und auch an uns verkaufen.
Und hier gibt es eine interessante
Untersuchung aus Österreich.
Hier wurde eine Bäckerei mal überprüft
und geschaut, wie viel Altbackwaren
täglich entstehen.
Und wir sind hier bei einer Masse von
38 Kilogramm pro Bäckerei,
die entsorgt wurden.
Das ist natürlich eine erhebliche Anzahl.
Dies entspricht
ungefähr jährlich 12.000 Tonnen.
Und um das nochmal zu veranschaulichen,
wie viel das eigentlich wirklich ist,
das sind 240.000 Brötchen,
die wir jährlich entsorgen.
Nur eine Bäckerei wohlgemerkt.
Jetzt haben wir gleiche Probleme
natürlich in der industriellen Produktion.
Das habe ich auch erwähnt und auch hier habe ich
ein Beispiel mitgebracht.
Wenn in der Industrie 1000 Tonnen
Kekse produziert werden,
entstehen rund 6 Tonnen
an Abfall. Bruchstücke,
die beispielsweise auch aus irgendeinem Grund
nicht verkauft werden können, nicht mehr die Qualitätsstandards
entsprechen und deswegen auch entsorgt werden.
Dann kommen wir schon zu den eigentlichen
Lebensmittelabfällen und hier
sind wir eben bei dem Transport und
beim Lebensmitteleinzelhandel angelangt.
Warum entstehen hier
Lebensmittelabfälle? Die Produkte sind an sich
gut, sie sind auch verpackt,
wir könnten sie konsumieren.
Qualitätsstandards haben sie auch alle entsprochen.
Tja, da fängt es schon an, dass die Kühlung
in dem LKW defekt sein könnte
und deswegen kommt alles, was im LKW
ist, in den Abfall.
Aber auch die Transportverpackungen
führen dazu,
dass die Produkte
entsorgt werden. Wir haben einerseits
wenn wir an Obst und Gemüse denken, typische
Druckstellen, deswegen werden die
Waren entsorgt. Aber
wenn wir an Dosen denken, sobald eine
Delle durch den Transport in der Dose
ist, wird diese auch entsorgt und landet
nicht mehr im Einzelhandel.
Wobei hier wieder zu beachten ist, die Lebensmittel
an sich sind gut, sind konsumierbar.
Es ist nur die Verpackung.
Jetzt ist es aber auch so, wissenschaftlich
betrachtet, dass der Lebensmitteleinzelhandel
nicht ganz so kooperativ ist, was die Datenlage
betrifft oder die Untersuchungen betrifft.
Deswegen schwanken hier
die Werte sehr stark. Also wir haben
zwischen 8 und
600 Tonnen pro Jahr,
die pro Filiale anfallen.
Das ist natürlich eine sehr starke
Schwankung. Deswegen habe ich mal eine
Studie noch zusätzlich mitgebracht, die ich persönlich
sehr interessant finde.
Ebenfalls Österreicher haben
untersucht den Lebensmittel-Discounter
oder zwei Filialen
und haben feststellen können, dass jährlich
13,5 Tonnen an Lebensmitteln dort
entsorgt werden, die konsumierbar wären.
Das klingt erstmal recht viel
und wir werden zwar
von den Angaben her auch im unteren
Bereich, allerdings muss man hier auch noch
anmerken, dass keine Getränke
miterfasst wurden, dass auch
beispielsweise Produkte, deren Mindesthaltbarkeitsdatum
abgelaufen ist,
auch nicht miterfasst wurden.
Das heißt, eigentlich ist die Masse erheblich höher.
Dann kommen wir schon zu der
Verpflegung, aber zu der
Gemeinschaftsverpflegung, zu dem
Außerhausverzehr.
Der Außerhausverzehr wird in zwei
Bereiche gegliedert. Die Gemeinschaftsverpflegung,
die haben wir alle schon mal gehabt,
Mensen, Kantinen,
Seniorenwohnheim, Krankenhäuser,
wo viel Masse
quasi produziert wird, also auf Masse
produziert wird, an viele Leute.
Auch hier haben wir
eine Untersuchung durchgeführt in einem
Seniorenwohnheim und konnten feststellen,
dass pro Tag, pro Person
420 Gramm entsorgt werden.
Gramm ist natürlich
nicht so viel, aber wenn wir überlegen,
was wir alles am Tag essen,
dann macht das schon erheblich was aus.
Aber diese Abfälle
entstehen auch bei der Individualverpflegung.
Die Individualverpflegung sind
beispielsweise Restaurants oder Cafés,
also wo ich direkt hingehe und sage,
ich möchte genau dieses Gericht
für mich haben. Und hier kann man
sagen, dass im Schnitt 100 Gramm
auf dem Teller verbleiben und
entsorgt werden. Und warum
ist das so? Das ist natürlich auch eine gute
Frage. Gerade bei den Mensen,
also bei den Gemeinschaftsverpflegungen
leidet der Geschmack oft
unter den Produkten
und nicht jedem schmeckt das, was er
gerade vorgesetzt kriegt und dadurch
bleibt halt mehr auf dem Teller.
Auch die Zeit spielt oft eine Rolle, gerade
in Schulen beispielsweise, wenn wir nur eine halbe
Stunde Zeit haben, Mittag zu essen,
dann kann das manchmal nicht ausreichen.
Und die Portionsgrößen
ist immer wieder ein wichtiges Thema, auch
in Restaurants, dass die einfach nicht
entsprechend den Leuten sind.
Also es wird zu viel auf den Teller aufgeladen.
Und jetzt
möchte ich mal zu meinen Untersuchungen
kommen. Ich habe ja schon angeführt,
dass ich mich eigentlich mit dem Privathaushaltbereich
beschäftige oder
beschäftigt habe. Und ich habe mir
immer die Frage gestellt, wie viele Lebensmittelabfälle
fallen denn wirklich an? Gerade im
Privathaushaltbereich. Also wie viel entsorge
ich, wie viel entsorgt jeder von Ihnen?
Und ich habe mir auch die Frage
gestellt, gibt es eventuell schon allein
Unterschiede nach Region,
also eher ländlich geprägt und
eher städtisch geprägt, oder
aber auch nach einer Wohnstruktur. Also
eher die Einfamilienhäuser, sind die vielleicht
bewusster im Umgang mit Lebensmitteln,
als die Mehrfamilienhäuser oder Wohnblöcke.
Und
ein nächster Punkt sind auch soziodemografische
Faktoren. Sind
eventuell Migrantenhaushalte
bewusster im Umgang mit Lebensmitteln,
als der durchschnittliche Deutsche?
Oder haben wir Brennpunktgebiete,
die weniger entsorgen?
Alles sind so Fragestellungen, die ich in meiner Arbeit nachgegangen
bin. Und natürlich
abschließend möchte ich ja auch
Vermeidungsstrategien anreißen
beziehungsweise thematisieren.
Wie habe ich denn das gemacht?
Wie habe ich erstmal die Daten erhoben?
Mein Untersuchungsgebiet war
die Stadt und der Landkreis Gießen.
Das ist ziemlich mittig in Hessen.
Ich habe dort
Restabfall direkt sortiert.
Warum Restabfall?
Restabfall wird in der Wissenschaft als
der Abfallbereich
gesehen, wo die meisten Lebensmittel
entsorgt werden. Auch wenn wir
davon ausgehen, wir hätten eine Biotonne.
Und insgesamt
habe ich dort eine Masse von 5,4
Tonnen an Restabfall sortiert.
Und zwar händisch.
Mit einem Team.
Das insgesamt zweimal.
Und die Privathaushalte
wussten nicht, dass ihr Abfall sortiert
wurde von mir.
Und deswegen
konnte man auch sagen, dass die Daten recht sicher
und valide sind.
Was habe ich mir dann genauer angeschaut?
Was sind eigentlich für Produkte drin?
Also ist es Obst, Gemüse, Fleisch oder
die Backwaren? Habe ich mir natürlich angeschaut,
wie sehen auch die Produkte aus?
Sind sie angebrochen? Wie der Joghurt?
Ist der offen oder ist der geschlossen entsorgt?
Gibt es da schon Daten
noch drauf, wie das Mindesthaltbarkeitsdatum?
Was wiegt
überhaupt das Lebensmittel? All das sind Punkte,
die ich mir angeschaut habe, die ich dokumentiert
habe und nachträglich ausgewertet.
Und jetzt möchte ich Ihnen erstmal ein bisschen
zeigen, wie das denn so aussieht. Ich habe Ihnen mal
ein paar Bilder von der Sortierung direkt mitgebracht.
Also ich habe, wie gesagt,
mit einem Team den Restabfall sortiert.
Wir haben immer eine Vorsortierung
durchgeführt, also Papier beispielsweise
oder den gelben Sack raus sortiert
und nur die Organikmasse gehabt.
Die Organikmasse haben wir dann
auf den Tischen ausgebreitet
und haben wir dann
in einzelne Bestandteile sortiert.
Das haben wir alles
in einem Vollschutz natürlich durchgeführt,
mit Mundschutz.
Das muss natürlich alles auch hygienisch richtig sein.
Aber was haben wir denn eigentlich
auch gefunden? Wie sieht es denn
so aus? Und dafür habe ich einfach mal ein paar
Bilder mitgebracht, weil ich glaube, das
sehen sehr wenige Menschen, wie das denn
wirklich aussieht. Sie können auch froh sein,
dass ich nur Bilder mitgebracht habe.
Der Geruch war so eine andere Sache.
Und jetzt
schauen wir mal hier. Wir haben unsere Sortierung
angefangen, kurz nach
Ostern. Und hier sehen wir
schon ein Bild kurz nach Ostern.
Und erstaunlich ist schon, dass viele gefärbte Eier,
die es auch teilweise zu verschenkt
bekommen, entsorgt
werden.
Obwohl es auch kurz nach Ostern ist. Also man kann auch
nicht wirklich sagen, dass diese schlecht waren.
Es wurde ja auch nicht probiert.
Sie sind einfach nur
über den Abfall entsorgt worden,
weil sie nicht gemocht wurden.
Hier ein kleiner
Brothaufen, eine kleine
Stichprobe sozusagen von dem Brot,
was wir gefunden haben. Wir sehen hier oben
mehrere Baguettes beispielsweise.
Die waren alle in einem Beutel.
Tendenziell kann man hier schon
darauf schließen, der Grillabend
ist ins Wasser gefallen, im wahrsten Sinne des
Wortes. Die Gäste
kamen nicht.
Ich kann Ihnen auch gleich
dazu noch das passende Fleisch präsentieren,
dass wir da auch dazu gefunden haben,
was die Theorie einfach stützt.
Und wenn wir weiter schauen, sehen wir hier
viele unterschiedliche Produkte
und allein dieser Apfelberg
macht 7,5 Kilo geradeaus.
Und das ist nicht alles, was
wir komplett gefunden haben. Das ist wirklich nur
eine Stichprobe. Also gerade
Äpfel sind so Produkte, die gerne auch
entsorgt werden. Die haben wir ausreichend zur Verfügung.
Äpfel wachsen vielleicht auch hier.
Deswegen ist der Bezug zu dem Produkt
nicht ganz so da.
Nicht nur
feste Speisen haben wir. Wir haben auch Getränke.
Ein Bierfestchen war beispielsweise auch dabei.
Und man könnte
jetzt auf die Theorie eingehen,
Bio-Produkte werden bestimmt nicht so
oft entsorgt. Deswegen habe ich Ihnen mal
die Kartoffelsäcke mitgebracht.
Hier sieht man schön, es sind
Bio-Kartoffeln und der Sack ist voll.
Also auch das ist kein Grund
dafür zu sagen, okay, wir entsorgen
die Ware nicht.
Und im letzten Bild sieht man viele
Joghurts, Quark,
die geschlossen sind.
Also einfach gekauft wurden und direkt entsorgt.
Ja, dann haben wir in einer
Charge auch mehrere Eierpackungen
beispielsweise gefunden. Sehen auch so aus, würde
ich jetzt persönlich sagen, wie im Lebensmitteleinzelhandel
nichts dran zu finden.
Aber auch das teure
Dr. Oetker
Bakin war
mehrfach zu finden.
Also wir sind auch hier
über Suppentüten beispielsweise gestolpert
ohne Ende.
Mein Lieblingsbild, muss ich ganz ehrlich sagen,
ist das Nutella-Glas.
Man sieht
eindeutig in diesem Bild, es ist
geschlossen. Es ist wirklich geschlossen.
Es war ein halbes Jahr abgelaufen.
Muss man dazu sagen.
Jetzt sieht das jeder etwas anders.
Die Thematik schneide ich nachher auch nochmal an.
Allerdings hat sich hier
auch der Haushalt nicht die Mühe gemacht, mal zu schauen,
ist wirklich was an dem Nutella.
Und hier,
wie versprochen, die Steaks
zu den Brötchen eben.
Wir haben natürlich aber auch
Süßwaren gefunden, ohne Ende.
Gerade in dem Bereich der jungen Familien.
Aber auch
ganze Teepackungen
beispielsweise.
Man sieht, es ist wirklich eine komplette Bandbreite,
die wir finden können.
Wie viele habe ich aber eigentlich gefunden?
Also wenn wir den Restabfall
an sich betrachten, können wir sagen, dass
30 Gewichtsprozent ungefähr Biomasse ist.
Also eigentlich alles, was
in die Biotonne soll, wenn sie zur Verfügung
steht. Das sind
ungefähr pro Person 46 Kilogramm
pro Jahr.
Wenn wir dann sagen, naja gut,
es könnten Garten- und Grünabfälle mit enthalten
sein, oder der Blumenstrauß beispielsweise,
dann ziehen wir den noch ab, sind wir aber bei
92 Prozent an Speise- und Küchenabfällen.
Also das eigentlich, was ich untersucht habe, direkt.
Und hier ist dann
interessant zu sagen, okay, wie viel
von denen ist vermeidbar?
Und das sehen wir hier.
Wir haben gut
ein Viertel der ganzen Waren, die ich gefunden habe,
sind Produkte, die direkt
gekauft wurden und auch so wieder
entsorgt werden. Also sie lediglich
nach Hause transportiert.
Es wurde nicht danach geschaut oder mal
reingebissen und probiert, ob das vielleicht nicht
mein Geschmack ist.
Es wurde genau so wieder entsorgt.
Die angebrochenen Produkte
machen auch 20 Prozent aus.
Typischerweise sind hier
dann Sahnepackungen beispielsweise
zu nennen, die immer zur Hälfte gefüllt waren.
Und dann haben wir natürlich
einen gewissen Anteil an Speiseresten, der glaube
ich auch in jedem Haushalt anfällt.
Das ist auch nicht vermeidbar.
Die finden wir aber auch direkt im
Restabfall. Wenn
ich wirklich sage, ja vermeidbare Abfälle, dann möchte
ich natürlich wissen, wie viel könnten wir
jeder von uns vermeiden?
Und das sind ungefähr 22 Kilogramm
pro Einwohner und Jahr, die allein,
das möchte ich nochmal dazu sagen, über den Restabfall
entsorgt werden.
Wir hätten immer noch die Biotonne, über die auch noch
gewisse Prozentsätze kommen und eventuell ja auch
ein Kompost, den der ein oder
andere zu Hause hat.
Was sind das aber für Waren? Was wird überhaupt
weggeworfen? Ein paar Bilder habe ich gezeigt.
Aber wenn wir uns das jetzt genauer anschauen,
sehen wir, dass 20 Prozent Backwaren sind.
Das ist auch der größte Anteil.
Wir werfen wirklich viel Brot und Brötchen weg.
Und noch nicht mal die
typischen Supermarktbrot
und Brötchen, sage ich mal, sondern
wirklich die Bäckerei-Waren.
Die nächste
größere Fraktion sind dann
Gemüse und Obst.
Die machen natürlich auch erheblich was aus.
Und wenn wir diese drei Fraktionen
allein zusammen nehmen, dann haben wir 50 Prozent
der ganzen Lebensmittelabfälle.
Warum schmeißen wir die so viel weg?
Sie sind schnell verderbbar,
im Vergleich zu anderen Waren natürlich.
Und das spielt auch eine Rolle. Also hier
kann man schon mal ansetzen und sagen,
ein besserer Umgang, ein bewussterer Umgang
ist wünschenswert.
Jetzt hatte ich gesagt, ich habe mich dafür interessiert,
ob es Unterschiede gibt zwischen ländlichen
Gebieten und dem Abfallaufkommen
und Mehrfamilienhäuser und Einfamilienhäuser.
Und das sehen wir jetzt mal in dieser Grafik.
Diese Grafik zeigt uns
sehr deutlich, dass die Einfamilienhäuser
ob in Stadt oder in Land
sowie die Mehrfamilienhäuser
eher auf dem Land doch ein relativ
gleiches Abfallaufkommen haben.
Sehr stark unterscheiden
tun sich die
Mehrfamilienhäuser oder die Wohnblöcke in der Stadt.
Die haben natürlich extrem
viele Lebensmittelabfälle.
Warum ist das auch so?
Das Sortierverhalten ist nicht so gut
in Mehrfamilienblöcke.
Der Nachbar schaut mir nicht in die Tonne
rein und guckt, ich habe was falsch sortiert.
Das ist so ein typischer Effekt, gerade
in der Stadt oder im städtischen Raum.
Und daher schließen wir
darauf, dass hier viele Abfälle entstehen.
Allerdings muss hier auch angeführt werden,
dass der Umgang nicht ganz
so gut ist wie in den Einfamilienhäusern.
Lagerbedingungen beispielsweise
auch schon ein Grund sein können.
Die Wohnungen sind meist kleiner als in
Einfamilienhäusern.
Des Weiteren habe ich mir die Frage gestellt,
gibt es Unterschiede im Abfallaufkommen
zwischen Altersstrukturen?
Ich habe jetzt mal hier Stichproben
genommen, die gleich groß sind,
im gleichen Wohngegend sind
und mal ihr Abfallaufkommen
gegenübergestellt.
Bei der jungen Familie handelt es sich wirklich um eine Familie,
die ein Säugling und noch ein Kleingeld hat.
Mittlere Familie sind dann eher so zwei
pubertierende Kinder, sage ich mal, dabei.
Und die reife Familie ist der
typische Seniorenhaushalt.
Und wenn wir
uns mal die Zahlen im Gesamten anschauen,
sehen wir, so stark unterscheiden die
sich eigentlich nicht. Also wir liegen hier
immer zwischen 15 bis 19
Kilogramm pro Einwohnernjahr, die entsorgt werden.
Interessant
ist es dann, wenn wir uns wirklich mal anschauen,
wie sehen denn die Produkte aus?
Welchen Zustand hatten die?
Und dann schauen wir mal zu der jungen Familie
und da sehen wir, dass die junge Familie über
50 Prozent der Lebensmittel
wirklich original entsorgt. Das heißt,
gekauft und genauso
verpackt wieder wegwirft.
Da habe ich mir natürlich auch die Frage
gestellt, wie kommt das? Das sind ja alles
Kosten. Und
wir haben mir die Produkte ein bisschen näher angeschaut
und hier konnte man wirklich sehen, dass viele
Joghurt beispielsweise dabei
waren, aber auch viele Süßwarenprodukte
und die typische Produkte für Kinder
waren. Also hier
vielleicht einfach schon der Gedanke ist,
der Joghurt ist abgelaufen, ich habe
Sorge, dass mein Kind das nicht bekommt.
Ich entsorge ihn lieber. Oder er läuft bald
ab. Oder die Süßwaren soll mein Kind
doch nicht so viele verzehren.
Dann entsorge ich sie lieber. Wäre eine
Theorie. Weiterhin
ein interessantes Ergebnis
zeigt sich bei dem Seniorenhaushalt.
Der Seniorenhaushalt
entsorgt zu 80% angebrochene
Produkte. Das ist extrem
hoher Wert im Vergleich zu allen anderen
Stichproben, die ich hatte.
Auch hier habe ich mir das natürlich näher angeschaut,
was es ist, was für die Produkte sind.
Und es ist natürlich toll zu sehen,
dass viele
Geschenkartikel da dabei waren.
Also Pralinenkästen, aber
auch Kuchen.
Also darauf kann man schließen,
es werden viele Produkte zwar probiert,
aber vielleicht sind die Verpackungsgrößen einfach
zu groß für die zwei
Personen. Das wäre eine Theorie.
Diese Grafik
zeigt uns mal, was wirklich auch entsorgt
wurde nach den Familien.
Und die jungen Familien, die wir hier sehen,
entsorgen
primär Milchprodukte und Eier,
wie ich gerade angeführt habe. Also wirklich
viel diese Joghurts, speziell für
Kinder. Das war wirklich
durchgehend bei allen Stichproben
von den jungen Familien zu betrachten.
Bei den mittleren Familien
haben wir hier eher Backwaren,
die den Großteil ausmachen,
wobei sich das Verhältnis relativ
auch verteilt auf die anderen
Stichproben, auf die anderen Fraktionen.
Und interessant erscheint
dann wirklich, sieht man hier bei dem
Seniorenhaushalt,
dass primär Süßwaren
entsorgt werden.
Also dass wirklich 55%
ungefähr ausmacht.
Und hier sehen wir wirklich, okay,
die Geschenke, die ich meiner Oma
vielleicht mache mit dem Pralinenkasten,
sind vielleicht doch nicht ganz so angebracht,
weil der schmeckt eventuell nicht.
Ein typisches Beispiel ist immer dieses
Mangerie, finde ich persönlich, weil das wird gerne immer
weiter verschenkt.
Ja, gibt es denn
soziodemografische Einflüsse
auf das Abfallaufkommen?
Wie habe ich das überprüft?
Ich habe mehrere Wohnkomplexe gehabt,
die in unterschiedlichen Strukturen sind.
Das heißt, ich habe eher ein Migrantengebiet gehabt,
ich habe Durchschnittshaushalt gehabt,
aber ich habe auch Brennpunktbereiche
gehabt.
Und natürlich auch
für Gießen typisch die Singlehaushalte,
also eher Studentenhaushalte
betrachtet. Und hier mal
gegenübergestellt, wie viel Lebensmittelabfälle
werden denn eigentlich entsorgt?
Und interessanterweise, das habe ich ehrlich gesagt
auch nicht erwartet,
entsorgen die Brennpunkthaushalte
die meisten Lebensmittelabfälle.
Also wir sind hier wirklich bei 38 kg
pro Einwohner und Jahr. Das ist wirklich
recht viel. Ich habe das nicht erwartet,
weil ich davon ausgehe,
mit einem geringeren Einkommen geht man eventuell
bewusster mit Lebensmitteln um.
Dies hat sich nun mal eindeutig widerlegt.
Interessant war auch,
dass die Singlehaushalte
hier eindeutig die wenigsten Lebensmittel
entsorgen, also die Studenten.
Hier ist vielleicht doch dann
der Umgang mit den Lebensmitteln noch ein bisschen
bewusster gewesen. Wir essen vielleicht auch viel auswärts.
Interessant war hier dann wirklich
zu sehen, dass
viel Convenience Food oder Fast Food
Produkte einfach von
den Haushalten entsorgt wurden.
Die Thematik ist
seit 2012, wie gesagt, bekannt.
Wir haben die Kampagne zu gut für die Tonne.
Sie wirbt immer dafür, dass wir die Lebensmittelabfälle
vermeiden und bewusster mit den Produkten
umgehen. Aber
kritisch anzumerken ist, dass bis heute
eigentlich immer nur noch Informationskampagnen
gemacht werden. Also der Konsument
wird als der Verursacher angesehen, warum
Lebensmittelabfälle entstehen.
Und seitdem wird informiert.
Und über was informiere ich?
Ich sage, die Lebensmittel werden falsch gelagert.
Und das ist ein Grund, warum jeder von Ihnen etwas entsorgt.
Oder aber auch
die Lagerbestände werden einfach nicht
kontrolliert regelmäßig.
Ich schaue meine Schränke einfach nicht durch.
Die Verpackungsgrößen
sind nicht verbrauchsgerecht.
Gerade jetzt in der heutigen Zeit.
Wir haben immer mehr Singlehaushalte
oder Zweipersonenhaushalte.
Früher waren es immer
Mehrpersonenhaushalte gewesen.
Vielleicht sollte das auch mal überdacht werden.
Und natürlich immer wieder kritisch
angemerkt ist
das Missverständnis zwischen dem Mindesthaltbarkeitsdatum
und dem Verbrauchsdatum.
Und hier wird immer wieder gesagt,
der Konsument selber weiß nicht, was die Daten
bedeuten und wirft deswegen so viele
Lebensmittel weg.
Und genau auf den letzten Punkt möchte ich jetzt mal
ein bisschen näher eingehen, weil das
habe ich auch überprüft mit meinen Zahlen.
Und ich habe dafür auch eigene Werte.
Was ist das Mindesthaltbarkeitsdatum?
Ich denke, jeder
von Ihnen weiß es. Ich werde es noch mal kurz zusammenfassen.
Nach dem Gesetz
sagt das Datum aus,
bis zu welchem Zeitpunkt
unter den
angemessenen Aufbewahrungsbedingungen
das Produkt die Eigenschaften
enthält.
Was bedeutet das Eigenschaften?
Eigenschaften bedeuten die Farbe
beispielsweise oder der Geruch.
Es bedeutet nicht, dass das Produkt
schlecht ist und ich es
nicht mehr essen kann. Es kann sein,
es muss aber nicht. Typisch beim
Joghurt beispielsweise ist, dass ich die Molke
absetze und wir einen Wasserring oben haben.
Rühre ich den einmal richtig um,
sieht er aus wie vorher.
Ja, und dann habe ich eine Umfrage gestartet
und habe dann erstmal die Leute
befragt. Wissen Sie eigentlich,
was das Mindesthaltbarkeitsdatum ist?
Und ich kann Ihnen sagen, dass
91% der Meinung sind, sie wissen, was es bedeutet.
Das ist eigentlich recht viel,
muss ich sagen. Und gegen der Behauptung
von dem Ministerium.
Dann sollten Sie korrekt mal
die Definition bestimmen und
hier zeigt es sich, okay, es sind nur noch 70%,
die wirklich wissen, was es bedeutet, aber es ist
trotzdem recht viel.
Von daher bin ich immer noch nicht
ganz der Meinung, was das Ministerium sagt,
dass es eine Ursache ist.
Bei dem Verbrauchsdatum ist hier ein bisschen
eine Unklarheit zu sehen. Wir sind hier im Bereich
von 55%
bis 50%, die es wissen.
Die wirklich wissen, was das Datum bedeutet.
Aber ich denke, es ist auch
wirklich eine Basis, auf die man aufbauen
kann. Also abschließend kann man sagen,
die Begründung, okay, die Verbraucher
wissen nicht, was es bedeutet, ist nicht wirklich
hier anzusetzen.
Jetzt habe ich aber gedacht, ich würde mir das auch gerne mal hinterlegen
mit Zahlen, weil die Leute zu befragen sind immer so das
eine, aber ich möchte ja auch Werte haben.
Also habe ich meinen Abfallwarenkorb,
den ich ja hatte, mal hergenommen
und habe geschaut, welche Produkte
sind komplett verpackt und
welches Datum ist auf diesen aufgedruckt
und habe das ausgewertet.
In meinem ganzen Restabfall habe
ich rund 500 Produkte gefunden,
die ich quasi nutzen konnte, auswerten konnte.
Das sind 60kg.
Zum
Vergleich dazu, die vermeidbare Masse
hat 715kg ausgemacht.
Also wir sehen hier schon, es ist recht wenig.
Wir sind ja bei 8%
ungefähr, wo wir sagen könnten, okay, das ist schon mal
die Ursache.
Warum oder die Ursache
hat hier das Mindesthaltbarkeitsdatum.
Wenn wir uns die Produkte
näher anschauen, dann sehen wir,
dass es eher meistens die Milchprodukte
sind mit 36%.
Aber auch Süßwaren und
Knabbereien machen hier einfach den Großteil aus.
So, und jetzt waren mir
diese 8% natürlich nicht ausreichend,
weil ich auch gemerkt habe in der Sortierung, es gibt viele
Produkte, die auch vor Erreichen
des Mindesthaltbarkeitsdatums entsorgt werden.
Und deswegen habe ich das jetzt
mal aufgegliedert sozusagen.
Wir sehen hier an der Grafik
unten auf
der Achse das Mindesthaltbarkeitsdatum.
Das Mindesthaltbarkeitsdatum des
jeweiligen Produktes ist bei 0.
Wenn wir uns die Zeitleiste
mal anschauen, dann sehen wir, dass
ein Produkt, das ich gefunden habe, oder mehrere
Produkte, zwei Jahre vor
Erreichen des Mindesthaltbarkeitsdatums
entsorgt wurden.
Wir gehen aber bis zu einer Spanne über drei Jahre.
Also hier ist wirklich
fraglich, kann ich allen Produkten,
die ich gefunden habe, wirklich diese Begründung
geben?
Wenn wir aber weiter
darüber nachdenken, dann fällt uns auf,
ok, die meisten Produkte müssten
ja um
das Mindesthaltbarkeitsdatum herum
entsorgt werden, d.h. zum Zeitpunkt 0
bzw. kurz danach.
Und diesen können wir eigentlich die Begründung auch geben.
Und da sehen wir, das stimmt
eigentlich auch. Also man kann wirklich sagen,
die meisten Waren, die ich gefunden habe mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum
sind wirklich in diesem Zeitraum
entsorgt worden. Das sind recht
viele Produkte.
Interessant ist aber auch für uns,
das, was genau davor ist.
Vor dem Zeitpunkt 0.
Und ich muss sagen, das macht 25%
der Produkte aus, die ich da analysiert
habe. Also es ist keine unerhebliche Anzahl.
D.h. wir können
die Masse nochmal runternehmen
und sagen, ok, das Mindesthaltbarkeitsdatum
als Ursache macht in meiner
Sortierung, bei meinen
Stichproben ungefähr
zu 6% aus.
Finde ich, es ist zwar noch
eine Ursache, man sollte darüber nachdenken,
aber es ist
nicht die primäre Ursache, sozusagen.
Es gibt noch andere Punkte.
Ja und seitdem
das Mindesthaltbarkeitsdatum ja auch in den Fokus steht, wird es
immer wieder thematisiert, schaffen wir es jetzt nur ab,
schaffen wir es nicht ab. Speziell bei
bestimmten Produkten ist es jetzt wieder gerade thematisiert
worden.
Ich möchte Ihnen einfach nur mal was zeigen, was mir immer sehr
am Herzen liegt. Ich stolper da jedes Mal drüber,
muss ich ganz ehrlich sagen. Der Gesetzgeber
sagt, die Angaben
des Mindesthaltbarkeitsdatums ist nicht
erforderlich auf Speise Salz, außer
judiertes Salz.
Das sagt der Gesetzgeber.
Der Produzent macht was anderes.
Das sehen wir anhand der Bilder.
Ich bin selber auch in den Supermarkt
gegangen, gestehe ich, und ich habe genau diese
zwei Salze einfach mal rausgesucht.
Beide Salze haben ein Mindesthaltbarkeitsdatum
aufgedruckt.
Und ich stelle mir persönlich immer die Frage, wir haben hier
ein Ursalz oder ein Himalajasalz,
vier Millionen Jahre alt,
verpacken es
und dann läuft es ab.
Ich glaube, man sollte es schon
kritisch hinterfragen.
Und deswegen, meine Theorie
oder meine Anregung wäre nicht
zu überdenken, das Mindesthaltbarkeitsdatum abzuschaffen.
Braucht es jemand von
uns wirklich?
Wenn ich als Person ein Referenzdatum
benötige, wann ein Produkt hergestellt
würde, würde nicht ein Herstellungsdatum
reichen?
Das wäre einfach so eine These, die ich mir in den Raum stellen würde.
Denn,
immer zu berücksichtigen, das Mindesthaltbarkeitsdatum
sagt uns, es ist ein Kann-Datum,
es muss aber zu dem Zeitpunkt nicht
schlecht sein.
Wenn wir ein Herstellungsdatum als Alternative wählen könnten,
was wäre der Vorteil?
Wir hätten eine Orientierungshilfe,
um zu sagen, okay, das Produkt ist so und so alt,
wir wissen, wann es hergestellt wurde,
aber der Konsument,
und zwar jeder von uns, würde sich wieder auf seinen eigenen Sinn
vertrauen und würde sagen, ich rieche
erstmal an dem Joghurt, ob der vielleicht schlecht ist.
Und dann schaue ich,
vielleicht kann ich den ja noch essen.
Also wir würden wieder bewusster mit
den Produkten umgehen.
Jetzt möchte ich nochmal kurz zusammenfassen, was ich Ihnen eigentlich
hier präsentiert habe.
Rund ein Drittel der produzierten Lebensmittel
gehen verloren,
über die komplette Kette hinweg.
In meiner Restabfallsortierung konnte ich
definieren, dass 22 kg
pro Einwohner und Jahr
pro Person entsorgt werden.
Primär macht das Backwaren Obst und Gemüse
aus, insgesamt zu 50%,
was eben Waren sind, die schnell
verderbbar sind und eventuell hier auch
schon die Ursache liegt.
In ländlichen Gebieten können wir festhalten,
dass eher weniger Lebensmittelabfälle
entstehen, also doch noch schon ein bewussterer Umgang
mit den Produkten herrscht.
Und wenn wir uns das Mindesthaltbarkeitsdatum
anschauen, dann können wir
eigentlich sagen, die Bedeutung, die die Medien
hier in diesem Datum gibt, ist nicht ganz
angemessen im Vergleich
zu dem Abfallaufkommen. Also wir können
sagen, es ist eine Ursache, es muss auch
bekämpft werden und angegangen werden,
aber nicht die primäre Faktor.
Dann danke ich Ihnen für die
Aufmerksamkeit und bin gespannt auf Ihre Fragen
und Anregungen.