Die Verborgenheit der Gesundheit
1 Videoaufrufe·03.12.2024
Einen schönen guten Abend. Hallo und herzlich willkommen bei Kaisertv.
Schön euch zu sehen. Wundervoll seht ihr aus.
Heute geht es um die Gesundheit.
Was könnte es Wichtigeres geben?
Derzeit, wo wir so viele über Krankheit sprechen.
Aber es soll ja alles der Gesundheit dienen.
Jetzt wo es um unsere Gesundheit geht,
warum fühlen sich so viele Leute denn damit nicht wohl?
Warum gibt es so viele Kritiker der Maßnahmen,
wo es doch ganz eindeutig um ihre Gesundheit geht?
Da müsste man sich doch auch wohlfühlen.
Man müsste sich geschützt fühlen.
Man müsste sich von einem wärmenden Wohlwollen umfasst fühlen.
Und man müsste sich gar geliebt fühlen von den von Gott gesandten Maßnahmen,
Befürwortern und denen, die das alles für uns machen.
Müsste man nicht viel mehr dafür dankbar sein?
Ich habe mich ja sowieso gefragt, ob diejenigen, die die Lockdowns befürworten,
jetzt mal im Gegensatz dazu, der Meinung sind,
dass es den Regierungen bisher, in der Vergangenheit,
wirklich und ernsthaft um die Gesundheit der Menschen gegangen ist.
Also, wenn ihr welche kennt, fragt sie das mal.
Was dachtest du vorher über die Regierungen, über die Regierenden?
War es den Politikern, also jetzt nicht irgendwelchen,
ehrlich und wirklich mit Arbeitsethos arbeitenden,
ehrlich meinenden und mit Arbeitsethos arbeitenden Kommunalpolitikern,
sondern denen da oben, ging es denen wirklich je um unsere Gesundheit?
Wenn ja, wenn die Leute das mit Ja beantworten,
wie erklären sie sich dann den Zustand der Gesundheitssysteme?
Und überhaupt das bisherige Handeln, dieses vernachlässigende Handeln
der Politiker, was Gesundheitssysteme usw. angeht?
Wenn nein, also wenn sie sagen, ja früher nicht, aber jetzt,
wie erklären sie sich den Sinneswandel?
Warum auf einmal, warum geht es den amtierenden Politikern jetzt auf einmal,
um unsere Gesundheit, während ihnen das in den Jahren und Jahrzehnten vorher doch relativ schnuppe war?
Aber, okay, man kann glaube ich drei, vier Dinge festhalten,
so aus den letzten Jahren, also man kann sehr viel festhalten,
aber zum einen kann man sagen, die Maßnahmen an sich machen nicht unbedingt gesund
und sie sind auch relativ deutlich nicht einem Gesundheitsbegriff verpflichtet,
das sich eigentlich auch in der Medizin in den letzten Jahren und Jahrzehnten herausgearbeitet,
herausgeschält hat.
Man könnte eher sagen, die Maßnahmen machen krank, sie machen kranker, als sie gesund machen,
vor allem werden sie mehr schaden und haben sich schon längst mehr Schaden hervorgerufen,
als eben ihr Fehlen überhaupt hervorgerufen hätte.
Die Maßnahmen machen krank, die Maßnahmen gelten eindeutig nicht der Gesundheit,
nicht einer ganzheitlichen Gesundheit, nicht mal einer Gesundheit im Sinne der WHO,
der Definition der WHO.
Höchstens könnte man sagen, dass sie einer Art Nicht-Erkrankung gelten
oder einer Nicht-Ansteckung, einer Nicht-Test-Positivität,
wobei das Paradoxon dann darin liegt, dass man die Tests immer weiter ausweitet.
Auf der einen Seite will man natürlich Maßnahmen, dass die positiven Teste eben weniger werden
und dann macht man immer mehr Teste.
Aber es ist eben, wenn überhaupt ein Gesundheitsbegriff, dann doch einer Ex-Negativo,
eine Abwesenheit von Krankheit oder eine Abwesenheit von Angestecktsein,
eine Abwesenheit einer Viruslast oder eben eine Test-Negativität.
Gesundheit ist jetzt Test-Negativität, um etwas anderes kümmert sich der Staat,
kümmern sich die Maßnahmen eindeutig nicht.
Wenn etwas der Gesundheit gelten sollte, was unser Staat macht, wie würde es dann aussehen?
Das ist, glaube ich, eine sehr wichtige Frage, die man auch aus dem Bauch heraus
erstmal beantworten kann oder einfach mal fühlen kann.
Einfach mal so in dieses Gefühl reingehen mit dieser Frage.
Stellt euch mal vor, eurem Staat ging es darum, eure Gesundheit nicht nur zu schützen, sondern zu fördern.
Wie würde das denn aussehen?
Was würde der Staat machen? Wie würde er vorgehen? Wie würde er auch das kommunizieren?
Wie wäre seine Rhetorik?
Wer würde dort in den Expertengremien sitzen?
Aus welchen Bereichen, aus welchen Fachbereichen der Wissenschaft würden diese Menschen kommen?
Einfach nur mal so überlegen, wie wären die Maßnahmen dann, wenn es tatsächlich um Gesundheit ginge?
Wie sähe es überhaupt aus, wenn sich die Politik um unsere Gesundheit kümmert?
Aber die Frage ist natürlich auch, gerade wenn man ein bisschen freiheitlich denkt,
sollte das überhaupt das Ziel von Politik sein?
Sollte sich der Staat überhaupt um unsere Gesundheit kümmern?
Gott bewahre, könnte man sagen, der Staat sollte sich nicht in unser Seelenheil einmischen,
er sollte sich nicht um unsere Gottesfrömmigkeit sorgen
und er sollte sich keine Gedanken um unsere Glückseligkeit machen.
Deswegen bin ich immer ein bisschen skeptisch, wenn es heißt, in anderen Ländern ist das Fach Glück ein Schuldfach
und es wird nicht staatlich vermittelt.
Da kommt es auch manchmal eben darauf an, was dann eine regierende Partei oder diejenigen,
die die Lehrpläne macht, was sie für Glück hält
und ob sie sich da immer an die neuesten Erkenntnisse der Wissenschaft hält.
Da ist immer auch ein bisschen die Gefahr des Missbrauchs mit drin.
Ja, und dann müsste man sich doch fragen, wie ist es überhaupt, gesund zu sein?
Was bedeutet Gesundheit überhaupt? Wie fühlt sich das an?
Wenn ihr mal so daran denkt, an Gefühle und Momente des Gesundseins,
wie waren diese Momente? Welche Momente waren das?
Also an Momente der Krankheit erinnere ich mich genau.
Ich weiß genau, da hat es mal wehgetan, da war ich mal nicht auf der Höhe
und da war ich irgendwie eingeschränkt in der Fülle meines Lebens.
Aber die Gesundheit, Momente der Gesundheit, an die erinnere ich mich eigentlich nur vage.
Vielleicht auch nur, wenn Krankheit gerade vorbei war,
so als ein Nachlassen von Schmerz oder diese selige Phase der Rekonvaleszenz,
wie so ein lauer Wind, der durch noch kahle Alleen weht in einem Vorfrühling.
Ah ja, dann kriegt man einen Hauch. So, jetzt kommt Gesundheit wieder.
Aber wenn man dann gesund ist, wie schnell nimmt man es eben dann auch als selbstverständlich wahr?
So ähnlich wie die Freiheit.
Wenn man aus einem repressiven System kommt, wenn die Ketten gesprengt worden sind,
dann fühlt man, was Freiheit ist, aber ein paar Tage drinnen,
dann weiß man es eigentlich gar nicht mehr.
Das macht es ja so gefährlich.
Also Gesundheit dürfte etwas sein, was unverfügbar ist,
was eben auch sich der Machbarkeit entzieht.
Und ich möchte heute mit euch darüber nachdenken, womit das zu tun hat.
Wenn ich sage, mit euch darüber nachdenken, heißt das, ich rede und ihr hört zu.
Aber ihr hört ja gar nicht zu, wie ich gemerkt habe.
Ihr schreibt ja eh nur irgendeinen Quatsch in den Chat.
Aber das sollen wir euch sagen.
Also die Frage ist, was ist Gesundheit und wie gehen wir mit dieser Frage überhaupt um?
Also was machen wir, wenn wir ein gutes Verständnis von Gesundheit haben?
Die Gefahr liegt natürlich auch daran, dass wir uns zu sehr um diese Frage drehen.
Das ist das Paradoxal.
Wir sollten uns doch mal darum kümmern oder mal eben fragen, was Gesundheit ist.
Aber wenn man zu manisch sozusagen und obsessiv sich diese Frage stellt,
dann könnte es dort auch eine Art Umschwenken, ein Umkippen in etwas sehr, sehr Zwanghaftes geben,
was dann eben wieder auch das Gegenteil von Gesundheit ist.
Also die Gesundheit ist etwas wie so ein Vogel, den man schon irgendwie so leicht festhalten muss,
damit er nicht entfleucht, aber den man auch nicht eben so zudrücken kann.
Weil er sonst stirbt.
Also am Wand schlägt ein sorgsamer Lebensumgang, dass man sich diese Frage stellt,
was ist ein gelingendes und ein sorgsames Leben, in ein Behandeln des eigenen Lebens,
ein Fragmentieren von Lebenszusammenhängen um.
Also wo ich jeden einzelnen Moment meines Lebens selbstoptimiert dann auch noch messe
und verfügbar mache und einem Machbarkeitswahn unterwerfe,
weil ich ihn immer noch weiter unter dieses Gesundheitsregime
oder unter das Regime der Gesundheitsfrage stellen kann.
Und dann kippt das eben um.
Arte Schopenhauer hat ja bekanntlich gesagt, Gesundheit ist zwar nicht alles,
aber ohne Gesundheit ist alles nichts.
Und da ist heute eine gewisse Umkehrung zu sehen in unserer Gesellschaft,
auch in der Art und Weise, wie die moderne Wissenschaft mit Gesundheit umgeht.
Wir hatten ja die Frage nach der Medikalisierung des Lebens mit Ivan Illich.
Und diese Medikalisierung beschreibt eben genau auch eine Umkehrung der Gesundheitsfrage,
dass Gesundheit jetzt nicht mehr sozusagen die Grundlage ist,
die aber nicht alles ist, sondern Gesundheit ist jetzt alles.
Und die moderne Wissenschaft hat, und das ist auch ganz sinnvoll eigentlich sogar,
von der modernen Wissenschaft aufgehört zu fragen, wie sich Gesundheit definiert
und hat sich selber eben als Selbstzweck gesetzt oder wurde als Selbstzweck gesetzt,
auch von der Politik oder von der Gesellschaft,
und kann aber nicht mehr in die Gesellschaft selber oder in die Frage nach der Gesundheit
und entzieht sich der modernen Wissenschaft,
weil die Gesundheit nicht an den Menschen von außen herangetragen werden kann,
sondern etwas ist, was sich der Wissenschaft entzieht
und sich eben aus einer Art Selbstfürsorge des Individuums selber konstituiert.
Wir müssen Gesundheit fühlen, wir müssen in diesen Innenraum gehen,
wo wir selber nur für uns selber sagen können, was ist jetzt Gesundheit.
Die moderne Wissenschaft kann darüber aber über diesen Zusammenhang
erstmal nichts Wesentliches sagen.
Aber in der Arztkunst bzw. in der Wissenschaft geht es um das Behandeln.
Das Behandeln ist die ursprüngliche Aufgabe des Mediziners.
Das muss sich eben beschränken dahingehend,
dass man den Menschen in die Lage versetzt, seine eigene Gesundheit wiederherzustellen.
Dass man ihm Umstände bietet, indem er gesund werden kann,
bzw. indem die Natur ihre Heilkräfte entfalten kann.
Und die Gesundheit selber ist nichts, was behandelt werden kann.
Die Krankheit, die kann behandelt werden, die kann auch von außen gesehen werden,
die kann gemessen werden, wobei die Krankheit auch schon immer einen Innenraum hat,
ein Empfinden hat, wo man eben in diese Krankheit erstmal reinspürt.
Auch die Krankheit ist nicht ausschließlich damit beschrieben,
was man von außen messen und beschreiben kann,
sondern sie ist auch eben ein Sich-Einfühlen in diese Zusammenhänge.
Die Gesundheit aber ist noch mehr etwas, was eine Behandlung abweist,
weil sie, wie Hans-Georg Gadamer in dem kleinen Aufsatz,
den ich schon ein paar Mal erwähnt habe, von der Verborgenheit der Gesundheit schreibt,
die Gesundheit liegt im Wunder der Selbstvergessenheit.
Gadamer findet da wundervolle Formulierungen und Wendungen.
Es ist ein kleiner Aufsatz in dem jetzt gleichnamigen Buch,
erschienen von der Verborgenheit der Gesundheit.
Und die Frage ist, was bedeutet jetzt hier Verborgenheit?
Warum ist die Gesundheit so verborgen und welcher Wert liegt in dieser Verborgenheit?
Also diese Selbstvergessenheit, das Wunder der Selbstvergessenheit,
das ermöglicht eben uns selber das Erkennen und Spüren von Lebenszusammenhängen,
während eben die moderne Medizin, die moderne Wissenschaft,
sich in Objektivierung oder den Versuch der Objektivierung eingeht,
der auch bedeutet, ich muss alles fragmentalisieren
und muss einzelne Lebenszusammenhänge analysieren,
das heißt, zerfasern, zergliedern, aus dem eigentlich Lebendig-Organischen herausreißen.
Und das ist ja auch immer die Gefahr der modernen Wissenschaft,
des Wissenschaftlers Frankenstein steht ja auch ein bisschen dafür,
er muss dieses Lebendige auch töten.
Und töten könnte man hier sagen, als wenn ich jetzt ein Einzelnes finde,
das nicht seinem Zweck entspricht in dieser Zergliederung,
dann gelangt die Wissenschaft oder die Medizin auch immer schnell,
sie ist versucht, etwas zu pathologisieren und sagt,
okay, dieses Kranksein ist ein Abweichen von der Norm,
das ist also nicht mehr normal, das ist nicht natürlich,
sondern es ist ein Herausgefallensein aus dem normalen
oder wie Gardamer schreibt, ein Herausgefallensein aus den Lebensbezügen.
Und der Anspruch der Medizin ist aber kein Wieder-Zurücktreten in diese Lebensbezüge,
dass der Mensch dort zurücktritt und der Mensch selber
diese Selbsterneuerung der Natur wieder eingeht.
Das war früher der Gedanke, dass der Arzt oder die Heilkunst selber
oder der Schamane dem Menschen hilft, sich selber wieder in diese Selbsterneuerung der Natur,
das ist ja das eigentliche Wunder, dass die Natur alles selbst macht,
wieder einfügt, sondern diese Medizin bleibt bei dieser Fragmentarisierung.
Der Mensch wird nicht mehr dazu angehalten, sich der nötigen Heilfunkfaktoren
hinsichtlich ganzheitlicher Faktoren der Psychoimmunologie
mit einschließenden Krankheitsprävention zu bemächtigen,
sondern er wird in eine Abhängigkeit zu den ihn Behandelnden gedrängt.
Das ist etwas, was wir wie vieles andere derzeit sehr deutlich sehen,
dass wir nicht in die Lage versetzt werden, in diese Selbstheilungskräfte der Natur zu kommen,
dass wir nicht gefragt werden, was ist denn unser Innenraum dessen, was für uns Gesundheit ist,
und letztendlich da auch diese Eigenverantwortung wieder verspüren,
sondern dass wir in die Abhängigkeit z.B. von Maßnahmen, z.B. von der Pharmaindustrie
oder z.B. von irgendwelchen Experten, irgendwelchen Wissenschaftlern gedrängt werden.
Das liegt aber eben zum Teil auch einfach an der Natur der modernen Wissenschaft
und der modernen Medizin.
Diese moderne Wissenschaft vermag nun zunehmend eine objektivierende Wissenschaft darzustellen
und sie behandelt.
Da steckt das Wort Hand drin.
Das ist die geübte Hand, die am Gewebe tastend erkennt, wie Gadamer sagt,
wobei sie weit über die Fortschrittlichkeit moderner Techniken hinaus wirkt.
In der Hand steckt aber auch gleichzeitig nicht nur das Objektivierende, das Behandeln,
sondern es steckt eben auch darin das Berühren, das Streicheln, das Ertasten und der Kontakt.
Das ist eigentlich dann die ursprüngliche Bedeutung des behandelnden Arztes,
der auch Hand auflegt usw.
Auch so etwas wie Augenkontakt oder das Zuhören, die andere Seite der Behandlung sozusagen.
Es ist eben nicht nur etwas zu verschreiben und dort ein Mittelchen drauf zu schmieren oder zu verabreichen,
sondern den Menschen als Ganzheitlichen zu sehen, ihm zuzuhören, ihn wahrzunehmen.
Empathie, Einfühlungsvermögen, die eben als entscheidende Faktoren gehen verloren
in dem Versuch der modernen Wissenschaft, Gesundheit zu parametrisieren, zu objektivieren.
Damit einhergeht eine Verleugnung des Subjektiven.
Die Sicht von außen, das Messbare, das man rein auf Tests und irgendwelche Fallzahlen reduzieren kann oder reduziert ist,
der subjektive Charakter oder der subjektive Faktor, der bei Menschen eben aber eine große Rolle spielt,
der wird ausgemerzt, müsste man sagen, zumindest beiseite geschoben und wird vergessen.
Und damit wird das Leben an sich verdinglicht, es wird eigentlich tot, es wird ausgehöhlt.
Lebendigkeit ist dort nicht mehr zu sehen und wir sehen das ja an allem, was diese Welt jetzt mit uns macht.
Sie höhlt alles, was eben das Markt des Lebens eigentlich sein könnte, das höhlt sie aus, das ist nicht mehr da.
Es ist keinerlei Lebendigkeit mehr darin und deswegen kann auch niemals von einem echten Begriff von Gesundheit die Rede sein.
Das Leben wird verdinglicht, Lebendigkeit wird ausgemerzt.
Und durch dieses Objektivieren von subjektivem Leid, das in der Logik der modernen Medizin steht,
wird auch eine gewisse Distanz geschaffen, eine sehr große Distanz.
Der Arzt ist nicht mehr der, der Hand auflegt oder der betastet und der einen Augenkontakt hat oder ein Ohr für den Patienten,
sondern er ist der Wissenschaftler in seinem weißen Kiepel, der eben mit der Autorität der Wissenschaft hinter sich verabreicht
und letztendlich aber nur diese eine sehr kalte und zurückhaltende Weise von Behandlung eben darbieten kann
und ist eben jetzt sehr distanziert, kann nicht mehr in ganzer Weise kommunizieren.
Wir merken das ja auch, wenn jetzt ein Arzt nur noch zehn Minuten, manchmal ist es ja noch weniger, für uns Zeit hat
und weil er ja auch so eine Art Regime da durchfrühstücken muss und da auch so bestimmte Parameter hat,
wo er ja eigentlich mehr von seiner Bürokratie aufgefressen wird und von den Fragen der Versicherungen oder der Pharmaindustrie.
Durch dieses Fragmentieren von Lebenszusammenhängen, wir analysieren unseren Körper, wir analysieren unsere Gesundheit,
das Verdinglichen des Gefühls in der Welt zu sein, wie Gadamer schreibt, ein Weggegebensein an die Welt,
das ist eigentlich Gesundheit, das ist so dieses Harmonische, wie ein Schlaf, wie wenn man anfängt zu schlafen,
also dieser Moment, wo man eigentlich gar nicht merkt, dass man jetzt in den Schlaf hinübergleitet.
Dieser selige Moment, in dem man sich schon gar nicht mehr bewusst ist, dass es ein seliger Moment ist.
Man ist aufgehoben, man ist weggegeben an den Schlaf oder dann hier eben an die Welt, an das Leben.
Aber das Fragmentieren bedeutet natürlich, dass der Leib-Seele-Dualismus, der in unserer Zivilisation ja auch eben schon seit 500 Jahren angelegt ist,
oder wenn man zurückgehen will, bis Platon, dass dieser Leib-Seele-Dualismus verstärkt wird
und dass auch die Sicht auf jegliche weitere Möglichkeit von Heilkraft auch lächerlich gemacht wird oder abgesprochen wird.
Also es ist nur noch die rein mechanische oder materielle, materialistische Sichtweise von Heilkraft.
Im Bestreben Gesundheit zu objektivieren, bemüht man sich, sie auf ihre messbare Komponente,
die physische Existenz des Leibes zu reduzieren, indem man Standardwerte für das Dasein des Menschen versucht zu erfinden.
Insofern jedoch, der Leib das Lebendige ist und die Seele das Belebende eröffnet das Entwerten der seelischen Komponente,
das Risiko des Ausfallens unseres gewaltigen, allen Lebenssinn zusammenhaltenden Dynamismus, der Rekonvaleszenz.
Diese Rekonvaleszenz ist eben das, was eigentlich das Schwingende darstellt in unserem Leben.
Dass es immer ein Vor und Zurück oder ein Höher und Tiefer ist und dass man sich immer wieder,
dass Gesundheit und Krankheit eigentlich Phasen sind des Einfindens auf neue Lebenszusammenhänge
und dass die Rekonvaleszenz ein Zeichen davon ist, dass man sich jetzt auf einen neuen Zustand einstellt
und dass eben auch man selber oder diese ganzheitliche Leib-Seele-Verfasstheit sich auf diese neue Situation eingestellt.
Und die Hybris der Wissenschaft, die eben darin besteht, sich über die Heilkraft und die allumfassende Wirksamkeit der Natur zu stellen,
mündet dann in der Degradierung unserer Lebenswelt, der Mitwelt zur Umwelt.
Das ist eben nur noch Umwelt, etwas, was um uns herum ist, aber nicht etwas, mit dem wir lebendig verbunden sind.
Und auch zur Bürokratisierung des Lebens, wie Gadamer schreibt, auch nochmal in der Bürokratisierung der Medizin,
sehr, sehr deutlich auch heute in der Bürokratisierung der ganzen Verordnungen und dessen, was sie mit sich bringen.
Diese Objektivierungsleistung der Wissenschaft wird so lange ausgeweitet, bis das Kranksein samt all seinen Erscheinungsformen bezwungen und beherrscht ist.
Das ist eben der Machbarkeitswahn, der mit der modernen Wissenschaft eben auch einhergeht.
Dann muss ich natürlich auch Krankheit bewältigen können. Ich muss sie bezwingen können und beherrschen können.
Ich muss Natur kontrollieren können. Und genau in diesem Machbarkeitswahn steckt eben die Hybris,
dass ich jetzt nicht mehr die Sichtweise darauf habe, dass Gesundheit und Krankheit verschiedene Formen des Natürlichen sind,
sondern dass ich das eine wirklich ausmerzen will.
Diese neue Sichtweise auf die Machbarkeit und die Bezwingung des Lebens bringt es eigentlich mit sich, dass man auch Gesundheit vergisst.
Weil Krankheit etwas ist, was entgegensteht. Krankheit gibt einen Widerstand. Krankheit sticht heraus aus dem Lebenszusammenhang.
Es ist eben etwas Unnormales. Und nur das, was widersteht, was sich dem Normalen entgegensteht,
kann von der modernen Wissenschaft, der modernen Medizin auch beschrieben, gemessen und bewertet werden.
Und zwar dann eben als Anomalie bewertet werden.
Da Gesundheit aber eben nicht heraussticht, sondern dieses Weggegebensein an die Welt meint,
kann es von der modernen Wissenschaft nicht erfasst werden.
Das bedeutet aber auch, dass die bloße Behandlung von Krankheit als etwas Unnormalem es mit sich bringt,
dass der Mensch an sich oder seine eigentliche Gesundheit von der Medizin, von der Wissenschaft, wie wir sie jetzt kennen,
nicht zu bewältigen ist, nicht zu beherrschen ist. Gesundheit ist nicht etwas, was man beherrschen kann.
In dieser ganzen Machbarkeitsideologie steckt auch der Gedanke des Folterns der Natur.
Man will der Natur ihr Geheimnis entreißen, man will sie in Systeme eingliedern,
man will sie eben in diesem System der Beschreibung auch aufgehen lassen.
Es darf nichts dieser Beschreibbarkeit entgehen, alles muss auch in Kategorien rubriziert werden können
und muss dann eben auch mit gewissen anderen kategorisierten Mitteln bezwungen werden können.
Aber das Leben und die Natur selber, die Ganzheit der Natur, die sind eben nicht durch diese Parametrisierung kontrollierbar,
das entzieht sich, genauso wie sich die Gesellschaft und überhaupt das menschliche Leben der Fragmentierung oder der Parametrisierung,
der Objektivierung entzieht, was wir eben auch in den politischen Maßnahmen sehen,
die ja auch eine sehr starke Kontrolle, ein Machbarkeitswahn oder eine Objektivierung von Menschen
und darüber hinaus auch ein Vergessen von deren Innenleben bedeuten.
Aber wir merken, dass sich die Gesellschaft, das Leben, die Menschen dem entziehen, weil da noch immer etwas mehr ist.
Es bleibt ein, ja Rest ist fast schon zu despektierlich, es ist eigentlich der wesentliche Teil, der übrig bleibt,
der, der unsere Lebendigkeit ausmacht und der sich eben nicht in Kontrolle und in Verordnungen und Maßnahmen eingrenzen lässt.
Erst indem wir uns selbst als menschgewordene Natur anerkennen und folglich auch das Kranksein als einen genuinen Teil unseres Daseins akzeptieren,
also nicht der Kontrolle und Machbarkeit unterwerfen wollen, können wir Zugang zu dem erlangen,
was als einziges Ineinander von Lebendigkeit, wie Gardner schreibt, verstanden werden kann.
Das heißt, diese Maßnahmen sind dazu angelegt, uns vergessen zu lassen, dass ein Ineinander von Lebendigkeit
eigentlich das ist, wozu wir Zugang erlangen müssen, um selber gesund zu sein.
Ein Paradoxon, kann man das nennen, aber dieses Paradoxon hat eben mit der Natur der modernen Wissenschaft,
der modernen Medizin und auch der Politik, die sich ihrer bemächtigt oder sie instrumentalisiert, zu tun.
Während wir das Kranksein und die Krankheit zunehmend subjektivieren, objektivieren wir den Patienten,
degradieren ihn zum Objekt einem parametrisierbaren Kalkül und sprechen ihm somit sowohl sein Gefühl für Lebendigkeit
als auch das Empfinden von Kranksein sowie die Chance auf Rekonvaleszenz ab.
Also das ist zumindest etwas, was man auch sehr stark sieht.
Es geht eben nur noch um die Objektivierung, aber das Gefühl, dein Gefühl, ob du jetzt krank oder von mir aus auch ansteckend bist,
spielt überhaupt keine Rolle mehr, spielt keine Rolle mehr in der Art und Weise, wie wir mit unseren Kindern umgehen.
Die Kinder kriegen das auch abtrainiert, sie werden abhängig gemacht von einem Test.
Das ist auch eine Entwicklung, die sich da einschleicht.
Man gewöhnt sich daran, wie jetzt der Weltärztepräsident, also der Präsident der Weltärzte Montgomery sagt,
wir werden uns vielleicht daran gewöhnen, so ähnlich wie nach dem Zähneputzen noch einen Test zu machen.
Das heißt, wir werden uns daran gewöhnen, dass wir von einem Produkt der Pharmaindustrie abhängig sind,
um uns bestimmen zu lassen, ob wir krank sind.
So ähnlich wie wir uns daran gewöhnen, oder wie die Gefahr ist, was ja auch einige Intellektuelle in der Vergangenheit gesehen haben,
wenn wir solche Smartwatches haben, die unseren Puls und sonstige parametrische Daten messen,
dass wir da diese Veräußerung, die Enteignung von Gesundheit eigentlich schon in der Technik haben.
Und hier ist es eben nochmal auf eine ganz perfide und staatlich initiierte Weise, dass wir uns hier abhängig machen.
Das bedeutet aber auch eine Entlegitimisierung unseres eigenen Einfühlungsvermögens.
Was bringen wir unseren Kindern bei, wenn wir ihnen sagen, ihr müsst euch ständig testen und nur der Test sagt euch,
also ein etwas euch Fremdes, technisches Konstrukt sagt euch, ob ihr krank seid oder nicht.
Nicht, dass man dem Kind zuhört, wie fühlst du dich, was ist dein Empfinden, wo zeigt sich das,
dass man ein Auge und ein Ohr für es hat, sondern es soll das testen oder es sich testen lassen.
Die Legitimität seines eigenen Einfühlungsvermögens in sich und des Körpers wird ihm abgesprochen.
Das ist etwas, was ich jetzt auch gelesen habe, was man bei Traumapatienten zum Beispiel wieder auch rückgängig machen will.
Das große Problem da ist, dass sie eben das Gefühl für den eigenen Körper und die Wertigkeit des eigenen Körpers verlieren,
dass sie dem Körper nicht mehr vertrauen können, die Signale, die der Körper ihnen umgibt und sagen,
nein, das kann doch nicht sein, ich muss funktionieren oder das ist nur eine Illusion,
mein Geist macht nicht mit, mein Geist ist zu schwach, der Geist muss auch dann gezwungen werden
und er muss dann den Körper zwingen, obwohl der Körper schon längst aufgegeben hat oder schon längst deutliche Signale gesendet hat.
Und man muss in dieser Traumatherapie, so wie ich das verstanden habe, ist der Weg dahin,
dem Patienten auch wieder dieses Körpergefühl zurückzugeben oder dieses Vertrauen in das eigene Einfühlungsvermögen.
Gehe einfach mal da rein, fühlt es mal, stehe auch dazu, äußere das mal und das ist für viele ein sehr langer Weg.
Auch zum Moment, was ist das eigentlich, dieses Gefühl hier im Bauch, was ich dann immer habe bei bestimmten Situationen.
Das heißt, wir bekommen das abtrainiert, das individuelle Einfühlungsvermögen,
darauf zu vertrauen hinsichtlich unseres eigenen Wohlbefindens
und dann ist natürlich auch unsere Mitarbeit gar nicht mehr gefragt,
die eigentlich in dem Patient-Arzt-Verhältnis und überhaupt eigentlich auch im Verhältnis von Menschen zu unserem Leben
und zur Mitwelt und zur Natur ist unsere Mitarbeit gefragt.
Das ist eine Beziehungsarbeit, die auf Gleichheit, die aufeinander angewiesen aus ist
und das wird dann ersetzt durch eine Arzt-Patienten-Beziehung,
die eben nur noch durch ein einseitiges Abhängigkeitsverhältnis geprägt ist.
Aber natürlich kann in diesem einseitigen Abhängigkeitsverhältnis keine wahre Gesundheit stecken,
kann Natur auch nicht eben ihre Heilkraft tatsächlich wirken lassen,
sondern es bleibt eben ein ständiges, sich um Krankheit herumdrehendes
oder vielleicht um einen leeren Begriff von Gesundheit herumdrehendes Arbeiten an Symptomen,
dass man herumdoktert an Symptomen und dass man hier Krankheit, also unnormale Verhältnisse,
hier pathologisierte Verhältnisse dann versucht mit einzelnen Mittelchen aufrechtzuerhalten
und dadurch eben auch die Abhängigkeit aufrechtzuerhalten.
Aber Gesundheit ist eben mehr als nur dieses sich um diesen leeren Begriff herumtanzende Versuch,
sondern es ist eine Art Gleichgewicht, ein Gleichgewichtszustand,
so wie ich das eben angesprochen habe, dieser Rhythmus, dieser Wechsel wie beim Atem,
wie beim Stoffwechsel, wie beim Schlaf, dass eben dort rhythmische Phänomene zu vermerken sind.
Und nur diese rhythmischen Phänomene, nein, ich muss es anders formulieren,
Lebendigkeit kann ohne diese rhythmischen Phänomene nicht stattfinden.
Das heißt, in dieser Lebendigkeit steht eben auch all das, was jetzt wieder Rekonvaleszenz möglich macht.
Also, dass man sich selber wieder gesund fühlt, dass man sich energetisch fühlt,
dass man sich im Einklang, in Resonanz mit der Natur, mit dem Leben fühlt.
Die Verborgenheit der Gesundheit sei demnach als ein Geheimnis unserer Lebendigkeit,
unseres höchst individuellen Wohlbefindens und demnach auch Glücks anzuerkennen.
Also die Verborgenheit der Gesundheit ist etwas durchaus Positives und Erstrebenswertes.
Ich würde sagen, es bleibt, es wird eine Menschheitsaufgabe sein,
sagt Gadamer, das große Vermächtnis unserer Wissenschaft in seiner Begrenztheit einzusehen,
denn sonst bringen wir uns mit Sicherheit irgendwann um.
Gute Nacht und viel Glück.

