Weihnachtliche Hörbuch Erzählung zum Einschlafen für Erwachsene "Der Tannenzweig" von Karl Bröger

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Entspanne und träume mit dieser interessanten Hörbuch Erzählung! Lass dich sanft einschlafen und genieße erholsame Nächte.
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Den Text findest Du hier:
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Der Tannenzweig von Karl Brüger.
Du, Peter.
Hm, was willst denn?
Es ist wirklich Weihnachten geworden.
In drei Stunden ist der heilige Abend.
Aber noch immer keine Post.
Verdammte Bummelei, das.
Na, es wird schon noch werden.
Mittags sind doch vier Mann vom ersten Zug zurück in die Unterkunft.
Zum Postempfang hat der Zugführer noch extra gesagt.
Du, dass wir zwei da nicht sein können.
Wäre doch ein ganz feiner Druckpunkt.
Pass auf, heute Nacht erwischt's uns auf Sappenwache.
Ja, wer halt das Glück hat.
Sicher sind die Brüder beim Marketender eingekehrt
und finden die Tür wieder nicht eher, als bis es finster ist.
Hätten wir das anders gemacht?
Man muss mitnehmen, was einem in den Weg kommt.
Ihren Weg finden sie.
Und dass sie heute noch kommen, dafür sorgt schon der Feldwebel.
Du kennst den Alten doch?
Der Landwehrmann Peter Mutz pufft seinen Kameraden,
den Landwehrmann Michael Waldner, aufmunternd in die Rippen.
Zieht vorsichtig den rechten Stiefel aus dem Grabendreck
und schlenkert den Fuß wie eine Katze, die ins Wasser getreten hat.
Saustallverfluchter!
Sag mir bloß, Michael, wo das Wasser alles herläuft,
wenn ich jetzt denk, wie's bei mir daheim ausschaut.
Überall fester Schnee,
der Boden so fest und glatt wie im Tanzsaal.
Michael, schön wär's doch, wenn Frieden wär.
Rindvieh!
Ganz langsam und bedächtig wendet Peter Mutz den Kopf seinem Nachbarn zu,
der auf einem Grabeneinschnitt sitzt und heftig an einer Pfeife zieht.
Meinst du mich?
Hast ja recht.
Dumme Gedanken sind das mit dem Frieden,
aber sag selber, schön wär's doch.
Mir wär's lieber, wenn erst die Post käm.
Die können mich doch nicht vergessen.
Oh, na, na, ausgeschlossen.
Michael Waldner nickt bekräftigend und fährt sich mit der linken Hand
sinnend durch den wuchernden Vollbart.
Kamerad Peter lächelt ihm gutmütig zu,
spitzt dann gedankenvoll die Lippen
und pfeift leise und gefühltselig vor sich hin.
Nach der Heimat möcht ich wieder in der Heimat möcht ich sein.
Der späte Nachmittag hängt trübe Schleier über das weit hinaus ebene Geländer.
Unendliche Schwermut brütet auf dem pikadischen Land,
das in seiner Baum- und höhnlosen Flachheit vor dem Auge zu fliehen scheint.
Der Regen hat die Luft mit Dünsten geschwängert
und steht zwischen den Stellungen in Pfützen,
die wie erblindende Augen zum Himmel starren.
Peter Mutz unterbricht sein Pfeifen.
Merkwürdig still ist es doch da drüben,
nicht einmal der August schießt.
Du, Michael, ob die Franzosen auch an Weihnachten denken?
Warum denn nicht? Sie haben doch auch Weiber daheim und Kinder.
Aber wie ist's bei ihnen mit dem Weihnachtsbaum?
In dem Land gibt's doch keine Tannen oder Fichten.
Ich weiß nicht. Sie werden halt auf den Tisch stellen, was sie haben.
Richtige Weihnachten ist das aber doch nicht.
Weihnachten ohne Tannenbaum.
Wir haben doch auch keinen.
Aber das ist ja gleich. Die Post soll kommen.
Im Graben entsteht Bewegung.
Aus den Unterständen schlüpfen die Leute und sperren nach der Richtung aus,
wo der Laufgraben in die Stellung mündet.
Dort taucht manchmal ein grauer Höcker über den Rand,
verschwindet wieder, erscheint an einer anderen Stelle und jetzt?
Hurra, die Post! Für mich was dabei? Für mich?
Vielstimmig schallen die Fragen durcheinander
und nur mit Mühe erwehren sich die Postempfänger des jubelnden Ansturms.
Wer selbst im Felde war, weiß, dass Postempfang für den Soldaten das größte Erlebnis ist.
Michael Waldner hat die Pfeife aus dem Mund genommen.
Ein glückliches Lächeln spielt um seine Lippen.
Endlich, Peter, endlich! Es wird doch was für mich dabei sein?
Natürlich, Michael. Warum soll denn gerade für dich nichts dabei sein?
Peter Mutz ist ein beneidenswert gleichmütiger Mensch.
Doch die zitternde Erwartungsfreude des Kameraden steckt auch ihn an.
Unterdessen geht die Verteilung der Pakete im Graben vor sich.
Jeder zieht sich mit seinem Schatz in einen Winkel zurück und macht sich anders auspacken.
Waldner! Michael Waldner! Wo ist denn der Waldner?
Hier! Hier im Graben, Kamerad!
Die Stimme Michael Waldners hat einen rauen Weiklang,
deutlich hörbar trotz des halblauten Tons, in dem er ruft
Obacht! Hopp! Hopp!
Über die Schulter fliegen zwei graue Päckchen.
Um ein Haar wäre das zweite im Dreck gelandet,
wenn es Peter nicht im letzten Augenblick aufgefangen hätte.
Peter! Kamerad! Freund! Zwei Pakete! Zwei!
Denk bloß, Mensch!
Na also, hab ich's nicht gesagt?
Mit zitternden Fingern nestelt Michael Waldner an den Verschnürungen.
Sind die Finger klamm oder hat sie die Freude steif gemacht?
Es ist schon ziemlich dunkel geworden,
sodass Michael Waldner den Brief ganz nah an die Augen halten muss.
Für einige Minuten herrscht völlige Stille.
Man hört nur das Atmen der beiden Männer.
Von meiner Frau.
Sie schreibt, dass es ihr und den Kindern soweit ganz gut geht.
Bloß, dass alles so teuer ist.
Daran können wir doch auch nichts ändern.
Nicht wahr, Peter?
Peter schüttelt nur den Kopf.
Sagen konnte er auch gar nichts,
weil ihm Michael Waldner eine halbe Tafel Schokolade in den Mund geschoben hat,
während er selbst an einem Stück Apfel kaut.
Schmeckt doch schön, so ein bisschen Schleckerei.
Fast verlegen gucken sich die zwei rauen, wetterharten Männer an
und Peter verschluckt sich,
was sein unterdrücktes Husten und Räuspern im Gefolge hat.
Man ist das Zeug halt doch nimmer gewöhnt,
meint er entschuldigend.
Michael Waldner kramt inzwischen seine Herrlichkeiten weiter aus.
Plötzlich hält er inner,
hebt den grauen Pappumschlag zur Nase und schnuppert hinein.
Dann stülpt er beinah feierlich den Karton um
und hält einen kleinen, grünen Tannenzweig in der Hand
und einen Zettel,
auf dem mit großer, ungelenker Kinderschrift zu lesen steht
Vater als Weihnachtsbaum.
Aus unserem Wald, von meinem Hans geholt.
Er ist gerade vier Jahre gewesen, wie ich fort bin.
Wie doch die Zeit vergeht.
Der Landwehrmann Michael Waldner knüpft den Mantel auf.
Die harten, rissigen Soldatenhände streicheln liebkosend über den Tannenzweig,
ehe sie ihn zwischen dem dritten und vierten Waffenrockknopf befestigen.
Die Wachen fertigmachen zur Ablösung.
Waldner und Mutze in den Sappenkopf.
Die beiden Landwehrleute greifen nach den Gewehren,
ziehen den Leibgurt etwas nach und verschwinden geräuschlos in der Nacht.
Doch ehe sie hinausgingen,
hatte Michael Waldner die Hand auf die Stelle seines Waffenrocks gedrückt
wo der Tannenzweig ruhte.
Und Peter Mutze hatte zufrieden
gelächelt.
Danke fürs Zuhören.
Wenn dir die Geschichte gefallen hat und du noch nicht schläfst,
würde ich mich über einen Daumen nach oben und einen Kommentar freuen.
Und falls du noch nicht schlafen kannst, findest du hier eine weitere Geschichte.
Bis bald.
